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Donnerstag, 18. Juli 2024

12. Bloggeburtstag! Unsere Einkaufstipps für besondere Stoffe - für LARP und Alltag

Heute vor 12 Jahren haben wir unseren allerersten Blogbeitrag veröffentlicht. Happy birthday, Blog!

In den letzten Jahren haben wir das vor allem mit Rezepten gefeiert (oder ganz vergessen), diesmal gibt es Favoriten.
 
DIY ist trendy, Nähen ist angesagt und so haben wir aktuell eine Auswahl an Stoffen, von denen wir zu unseren Näh-Anfangszeiten nur träumen konnten, als man in den Stoffläden nur die Wahl hatte zwischen "Uni" und "Blümchenmuster" ... 

Das Netz ist vor allem überschwemmt von Kinderstoffen - wirklich ausgefallene Stoffe für Erwachsene können etwas schwieriger zu finden sein, deshalb hier einige unserer Lieblingsshops!
(Alles unbezahlte Empfehlungen ohne jede Gegenleistung)


Motivstoffe allgemein: 

  • Nautistore Panels mit nautischen Motiven. Das Besonderes: Ein Kombistoff ist direkt mit dabei. Allerdings sind die Motive i.d.R. riesig und es sind Stockmotive, keine selbstgezeichneten, daher schwankt der Stil stark. Nähbeispiele: Ankerpulli, Segelschiffkleid
  • True Fabrics - Importiert Stoffe mit Ethno-Mustern aus allen möglichen Gegenden der Welt, unterstützt dabei Hilfsprojekte und Kleinbetriebe 
  • Stoffwelten - Zugegeben, hier gibt es auch viele Kinderstoffe, aber dazwischen findet man eine große Auswahl an ungewöhnlichen, erwachsenen Musterstoffen und Panels. Sehr übersichtlich nach Themen und Kollektionen sortiert, aber die Auswahl ist etwas erschlagend. Nähbeispiel: Weltkugel-Pulli
  • Evli's Needle - Außergewöhnliche Eigenproduktionen, auch viele gut kombinierbaren zurückhaltenderen Muster. Nähbeispiele: Fireball-Kleid, Asteroiden-Top
  • Dresowka - Polnischer Shop, günstige Preise, große Auswahl. Muster gibts oft auf verschiedenen Stoffarten, viele Drucke auch auf Wintersweat. Nähbeispiele: Van-Gogh-Bluse, Gräser-Pulli, Kranich-Pulli
  • Mondstoff - Großflächige Bordürenstoffe, meist eher feminine Motive. Hauptsächlich auf Viskosejersey und Sommersweat. Nähbeispiele: Linea-Kleid, Sonnenuntergangs-Maxikleid
  • TST-Stoffen - Niederländischer Shop mit ziemlich exklusiven und teuren, aber oft sehr einzigartigen Stoffen aller Art, u.a. Motive berühmter niederländischer Maler. Wir gucken besonders gern in der Sale-Abteilung ... Nähbeispiel: Lichtpunkte-Kleid
  • Mamasliebchen - auf den ersten Blick lauter Kinder-Panels, aber zu den meisten gibt es gemusterte Kombi-Stoffe, die oft recht besonders sind. Aufpassen: Viele Musterdrucke bei Mamasliebchen sind unerwartet groß, möglichst nach Tragefotos schauen! Nähbeispiele: Nebelwald-Jacke, Rockabilly-Zuckerstangenkleid
  • Stoffjunkies - XXL-Panels, aber überwiegend mit Mustern statt mit übergroßen Motiven und darum auch für kleinere Kleidungsstücke tauglich
  • Bines Stoffe - sehr, sehr farbenfrohe und leuchtende Muster, außerdem ein ungewöhnlicher Stil. Vermutlich muss man dafür ein bisschen Hippie sein. 
  • Astrokatze -  Eigentlich relativ wenige verschiedene Motive, aber i.d.R. in vielen Farben erhältlich. Wir mögen besonders die Leather Look- und Farbverlaufsstoffe. Nähbeispiele: Leather Gradient-Sweatshirt, Blätterrauschen-Shirt, Retrosweat-Blazer
  • Poshpinks - überwiegend Pflanzenmotive in einem schönen grafischen Stil, auf vielen Stoffarten erhältlich.
  • Jinny & Joe - knallige Farben, verspielte Motive als Musterstoff (keine Panels). 
  • Rebecca ReckArt - Handgemalte Motive, meist in Aquarelltechnik, und viel Auswahl auch jenseits der Blümchen. Nähbeispiele: Tiefseekleid, Granatapfeljacke, Vogelbluse (leider wurde der Shop geschlossen; die Drucke sind noch als Print on Demand-Stoffe über Spoonflower aus den USA erhältlich). (leider geschlossen)

 Gothic/Metal/Nerd-Stoffe:

  • Vernaehbar - French Terry- und Kunstleder-Panels mit Gothic-Vibes
  • Lady Revenga - Hauptsächlich Gothic- und Nerd-Patchwork-Stoffe, aber auch einige Jerseys
  • Mountain-Merch - Schweizer Shop mit großer Auswahl an Metal-Mustern und -Panels auf diversen Stoffarten (leider geschlossen)
  • Puppenstübchen by Julia - Der Name ist irreführend: Hier gibts es Fantasy-, Wikinger- und Gothic-Panels als French Terry und Kunstleder. Nähbeispiel: Fuchsfrau-Galaxy-Cardigan (leider geschlossen)
  • Metalmotte - Hier gibt es Metal-/Gothic-Motive als Muster auf diversen Stoffarten, außerdem: DSA-Stoffe (und DSA-Socken!) (leider geschlossen)

Larp/Mittelalter-Stoffe: 

  • Aktivstoffe - Große Auswahl an Larp-tauglichen Woll- und Leinenstoffen zu günstigen Preisen. Außerdem: Mittelalter-Stoffpakete
  • Sartor-Stoffe - Brokate mit mittelalterlichen Mustern, außerdem einige Leinen-, Seiden- und Wollstoffe
  • Tuch und Stoff - Spezialisiert auf Mittelalter-Stoffe, hauptsächlich Wolltuch, tolle Auswahl an Diamantköper, Fischgrät etc.
  • Naturtuche - Stoffe für historische Kostüme, Farben imitieren pflanzengefärbte Stoffe
  • Silks by Umf - Niederländischer Shop mit besonderen Seidenstoffen. Hanas Favorit sind die "Natural Raw Silks"

Und - wo shoppt ihr gerne Stoffe abseits des Blümchen-Mainstreams? Kennt ihr unsere Favoriten schon, oder habt ihr weitere Tipps für uns?

Eine schöne Zeit wünschen
Hana und Nria

Dienstag, 21. November 2023

Raus aus der Stoffsammelsucht - Lösungen für die Kauf-Falle

Heute widme ich mich einem Thema, das bei uns schon 2017 im Beitrag DIY vs. Minimalismus angeklungen ist: Der überbordenden Stoffkaufbegeisterung vieler Hobbyschneider:innen. Oder sollte ich eher sagen, Hobbystoffkäufer:innen?

Vorab: Das hier ist ein Überlegungsansatz, keine Moralpredigt. Wenn ihr glücklich seid mit häufigen Stoffkäufen, macht euer Ding!

Bei vielen Menschen läuft der Einstieg ins Nähhobby so ab: Sie fangen an zu nähen und freuen sich, dass sie aus der Fast Fashion-Industrie raus sind.

Dann sieht man jedoch Nähanfänger, die in zwei Jahren mehrere Hundert Meter Stoff gekauft (und unvernäht in den Schrank gelegt) hat. Manche kaufen Stoffe gar unbemerkt doppelt, weil sie Stoffe eines Designers "sammeln" und den Überblick verloren haben.

Aber ist es wirklich besser, 20 neue Stoffe im Monat zu kaufen als 20 neue Kleidungsstücke?

Beim Stoffkauf gibt es einige Fallen, die man beim Kleidungskauf nicht hat:

  • So einige Stoffe sehen am Stück toll aus mit ihrem Muster, wirken aber als Kleidungsstück ganz anders und gefallen einem gar nicht unbedingt.

  • Manche kaufen Stoffe als Ersatz fürs Nähen, weil Zeit oder Prioritäten fehlen. Große Stoffmengen sind aber eher Ballast, selbst wenn man sich am einen oder anderen Stoff einzeln erfreuen würde.

  • Viele kaufen spontan alle Stoffe, die ihnen gefallen, ohne Plan, d.h. man sieht kein Kleidungsstück vor sich. Der Plan entsteht allerdings nicht von selbst, wenn der Stoff nur im Schrank liegt.

  • Man hat getrennte Aufbewahrungen für Kleidung und Stoff. Aber Stoff ist Kleidung in spe, die untergebracht und getragen werden muss.

  • Stoff ist schnell gekauft und die Motive sind verlockend (bei Kinderkleidung auch noch niedlich). Das verleitet zum Kauf, ohne zu bedenken, wieviele Kleidungsstücke das ergibt.

  • Viele Stoffhändler bieten Eigenproduktionen an, die z.T.  schnell vergriffen sind. Da schlägt man zu, ohne zu überlegen, ob das Motiv in den eigenen Kleiderschrank passt.

Dabei gibt es gute Gründe, das Ganze mal zu überdenken:

  • Der eigene Geschmack und die Mode ändern sich, und während man sich mit Unistoffen noch ganz gut bevorraten kann, ist das bei Musterstoffen nicht sinnvoll. Besonders bei Kinderstoffen lohnt sich das Horten nicht.
    Heute Stoffe zu kaufen, um sie in 5/10/15 Jahren zu vernähen, ist eine Rechnung, die  nicht aufgeht, wenn man immer neue Stoffe kauft.

  • Es gibt mehr schöne Stoffe (Knöpfe, Schnittmuster usw.) auf der Welt, als man in seinem Leben vernähen kann. Ständig kommen neue tolle Muster raus und man kann unmöglich alles besitzen, was man mag.

  • Es kostet viele Ressourcen und Energie, Stoffe zu produzieren (von Umweltschäden gar nicht zu reden) und es kostet Geld, welche zu kaufen. All das ist verschwendet, wenn das Zeug dann nur im Schrank liegt und womöglich schon vergessen wurde.
    Die Sachen wieder zu verkaufen, kostet viel Arbeit und man bekommt meist nicht mehr viel dafür ... falls man sie überhaupt loswird.

  • Man benötigt nur eine begrenzte Menge Kleidung. Wenn man neue Kleidung näht, muss man irgendwann alte Teile rausschmeißen, die man womöglich kaum oder gar nicht getragen hat und in die ebenfalls viel Geld, Zeit, Ressourcen und Energie investiert wurden. Wirklich schade drum, oder?

  • Vorräte zu lagern, die man nicht benutzt, verstopft die Wohnung und kostet bei einer Mietwohnung dazu jeden Monat Geld, denn diesen Wohnraum bezahlt man nur für die Lagerung.


Wer sich angesprochen fühlt, sollte sich als erstes die Frage stellen:

Macht mich meine Stoffsammlung glücklich?

Klingt nach KonMari, aber das meine ich damit nicht. Sondern: Überlegt euch, ob ihr wisst, welche Stoffe ihr besitzt (zumindest den Großteil) und ob ihr euch nach dem Kauf noch daran erfreut.
Wenn ihr öfter überrascht seid, einen Stoff im Regal vorzufinden, hat euch eher der Kauf erfreut als der Besitz.

Kaufen macht glücklich, neue Dinge machen glücklich - aber zuviel Besitz belastet. Und Konsumieren um des Konsums willen (also diesen Glücksfaktor des Kauf-Akts und der neuen Dinge) hat leider schädliche Folgen. Für Geldbeutel, Umwelt, Ressourcenvorrat und die Menschen, die all die Stoffe und das Rohmaterial unter schlechten Bedingungen herstellen müssen.

 

Ungeschönte Wahrheit: Die Kaufliste.

Es ist mir wichtig, den Überblick über meine gekauften Stoffe und das Geld, das ich dafür ausgebe, zu behalten:
Am Anfang des Jahres erstelle ich eine Liste, in die ich jeden Stoffkauf eintrage. Mit Preisen, ggf. inkl. Porto! Am Ende jeden Monats rechne ich gnadenlos zusammen und auch um die Jahresabrechnung drücke ich mich nicht, obwohl ichs manchmal eigentlich lieber nicht wissen will.

Ich habe mir z.B. Grenzen von 50 € für Stoff und 10 € für Schnittmuster pro Monat gesetzt. Manchmal sprenge ich sie, aber bewusst und nicht für Spontankäufe. Denn 80 € für einen Mantel, den ich wirklich  nähe und trage, sind besser angelegtes Geld als 48 € für sechs wahllos gekaufte Musterstoffe im nächsten Monat, die im Schrank verstauben.

In der Liste markiere ich die Stoffe, die ich vernäht oder wieder abgegeben habe, und ich mache mir auch eine monatliche und jährliche Liste, wieviel Stoff ich gekauft, verbraucht und abgegeben habe.
So kann ich von Kosten und Menge ganz klar sehen, was Sache ist, und nachsehen, wieviele Stoffe von vor drei Jahren noch im Schrank liegen.
 

Mögliche Lösungen, um den Stoffkaufrausch abzumildern: 

  • Fotos statt Kauf: Ich bin inzwischen dazu übergegangen, mir ein Foto vom Stoff zu speichern statt ihn zu kaufen. Hat angefangen mit einem vergriffenen Stoff, dem ich hinterhergetrauert habe und hilft ganz gut. Man muss nicht alles besitzen, nur weil es schön ist, und am tollen Print/Motiv erfreuen kann man sich auch am Foto auf dem Bildschirm.

  • Ein bisschen schwieriger, aber sehr hilfreich: Skizzen machen von dem Motiv als Kleidungsstück, wenn es keine Designbeispiele gibt. Muss nicht perfekt sein! Alternativ: Mit einem Programmen umgehen lernen, das solche Skizzen digital anfertigt (es gibt verschiedene).

  • Legt euch eine Stoffkaufliste an - mit Preisen! Monatlich und jährlich Menge und Preis zusammenrechnen; auch kleine Mengen summieren sich. Man kann später die Stoffe durchstreichen und mit Datum markieren, die man vernäht hat (macht Spaß und motiviert). Und am Ende des Jahres folgt die Ernüchterung ... oder das Erfolgserlebnis!

  • Vorm Stoffkauf ganz konkret das Näh-Projekt dafür planen: Kauft nur, wenn euch auch wirklich einfällt, welches Modell ihr daraus nähen möchtet. Es gibt Stoffe, die sehen am Ballen einfach schön aus, wirken als Kleidung aber ganz anders - oder bieten sich nur für Maxikleider an, die ihr alle paar Jahre mal tragt.

  • Generell: Vermeidet Spontan-Käufe. Ja, der Stoff ist vielleicht ein reduziertes Reststück, oder ihr seid in einer anderen Stadt, oder der Stoff ist in einer Woche vielleicht vergriffen ... aber sehr oft sind unüberlegte Käufe ein Fehlkauf. Es gibt sehr wenige Ausnahmen - wenn der Stoff zu 100% in allen Punkten eurem Beuteschema entspricht und ihr sofort einen konkreten Schnitt dafür vor Augen habt (und von der Sorte noch nicht 20 andere Teile im Schrank), kann es etwas werden. "Ach, so hübsch!" sollte aber nicht reichen für den Kauf.

  • Sich bewusst an die Schwierigkeit erinnern, Stoff-Fehlkäufe wieder loszuwerden ... siehe unten. 
Ich versuche, nur noch Stoffe zu kaufen, bei denen ich ein konkretes Projekt mit Schnitt und Kombiteilen vor Augen habe. Nicht "Ach, könnte man ein Kleid draus nähen!", sondern "Schnitt XY in der Version Z". 
 
Und wohin mit Stoff-Überschüssen oder Fehlkäufen?
  • Man kann Stoffe in Foren oder Facebookgruppen verkaufen oder man nutzt Plattformen wie z.B. stoffetauschen (kostenlos - dort wird allerdings doch eher verkauft als getauscht). Eins muss man aber bedenken: Das ist nicht einfach. Manche gehypten Eigenproduktionen, also teure und buntbedruckte Jersey- und Sweatstoffe, wird man noch relativ gut los, bestimmte Kinderstoffe auch, aber das meiste liegt eher wie Blei im Regal. Es hilft, die Sachen sehr günstig anzubieten.

  • Als Probestoff nutzen - wenn der Stoff nicht so teuer war, fällt es natürlich leichter.

  • Umdenken oder ändern: Manche Stoffe kann man umfärben oder man nutzt sie für einen anderen Zweck als geplant, z.B. als Taschenfutter. Oder Experimente starten mit Fabric Manipulation, Stempeln und anderen Techniken.

Und, wie siehts bei euch aus in den Stoffregalen ...?

Lg
Nria

Mittwoch, 26. April 2023

Unser Vergleich: Ebooks vs. Zeitschriften vs. Einzelschnittmuster

Als wir um die Jahrtausendwende mit dem Näh-Hobby angefangen haben, war die Auswahl an Schnittmustern eher begrenzt: Viel mehr Auswahl als Burda, Burda und Burda gab's nicht (okay, es gab auch Papierschnittmuster von "Neue Mode" mit trutschigen Zeichnungen). Immerhin konnte man sich zwischen Einzelschnittmustern und der Zeitschrift, damals noch „Burda Moden“ genannt, entscheiden! Klar, die großen amerikanischen Label gab es auch schon, aber das Internet war tatsächlich Neuland und an McCall's, Vogue und Simplicity nicht ganz so leicht ranzukommen wie heute.


Mittlerweile ist das Angebot kaum noch überschaubar. Ein sehr großer Teil der Nähanfänger lernt heute wohl mit Ebooks nähen, oft sogar mit Video-Anleitung. Davon konnten wir damals nur träumen.

Aber wie alles im Leben hat jede Form des Schnittmusters Vor- und Nachteile. Ja, auch die vielgelobten Ebooks ...

Natürlich sind die Produkte einzelner Hersteller sehr unterschiedlich (auch wenn sie jeweils Gemeinsamkeiten haben). Ich gehe daher nicht auf inkludierte Nahtzugabe etc. ein – zum Vergleich einzelner Zeitschriften miteinander empfehle ich unseren großen Nähzeitschriften-Vergleich!

Vielleicht folgt auch noch ein Vergleich verschiedener Papierschnittmuster-Hersteller. Bei Ebooks sind es zuviele Anbieter; da verweise ich auf unsere Angaben in einzelnen Beiträgen zu Schnittmustern, die wir verwendet haben :)

Außerdem noch ein Hinweis: Ich pause alle Schnittmuster ab, auch die gedruckten PDFs (außer bei Taschen). Weil es sehr ärgerlich ist, wenn man sich in der Größe vergreift oder zu-/abnimmt und dann 60 Seiten neu drucken und kleben muss … daher geben sich die verschiedenen Schnittmusterformen in dieser Hinsicht für mich persönlich in dieser Hinsicht nichts.

Ebooks

Ebook-Schnittmuster - wer nähen will, muss kleben

Vorteile:

  • Durch Sonderangebote manchmal günstig zu bekommen; Pattydoo ist regulär sehr günstig (Pattydoo ist hier aber die Ausnahme. I.d.R. kostet ein Ebook nicht viel weniger als ein Papierschnitt und gerade ausländische Ebooks kosten auch gerne mal um die 20 €)
  • Jederzeit zu erwerben (z.B. wenn man sonntags spontan einen neuen Schnitt möchte), sofortiger Download nach Kauf möglich (je nach Zahlungsart)
  • I.d.R. sehr ausführliche bebilderte Anleitung (kann auch nachteilig sein, s.u.)
  • Oft gibt es schon in der Anleitung viele Fotos von fertigen Modellen zu sehen 
  • Beliebt in der Nähszene, weshalb man leicht Nähbeispiele findet - vielleicht auch von jemandem mit ähnlicher Figur wie die eigene
  • Äußerst platzsparend, wenn noch NICHT gedruckt
  • Bei Nichtgefallen schnell loszuwerden: Einfach löschen (das klingt trivial, aber ich werfe  Zeitschriften/Papierschnittmuster ungern in den Müll und muss sie dann mühsam loswerden)
  • Vorteil für Anfänger: In den meisten Fällen sind eBook-Schnitte sehr einfache Anfänger-Kleidungsstücke

Nachteile:
  • Zusatzkosten durchs Drucken (gerade bei großen Kleidungsstücken summiert sich die Seitenzahl) oder Plotten. Inzwischen werden auch Beamer genutzt, die aber ebenfalls viel Geld kosten, wenn man nicht zufällig schon einen rumliegen hat, und Nachteile haben.
  • Oft keine technische Zeichnung vorhanden
  • Nicht immer gut konstruiert (viele Anbieter sind Laien!)
  • Aus dem gleichen Grund: Sehr unterschiedliche Qualität der Anleitungen, von fehlerhaft/dürftig bis großartig. Möglichst vorm Kauf genau informieren! 
  • Manchmal sehr schlechte Fotos, z.B. überbelichtet oder stark gemusterter Stoff - da wären Zeichnungen leichter zu erkennen
  • Zeitaufwändiges Zusammenkleben (aber für Extrakosten ist mittlerweile oft Plottenlassen möglich - achtet darauf, ob eine A0-Datei enthalten ist!)
  • Braucht viel Platz zum Verstauen, sobald gedruckt – besonders größere/komplexe Teile sind sehr voluminös! 
  • Bis auf Ausnahmen (Pattydoo, Sonderangebote) gar nicht so günstig (Zeitschriften sind pro Schnitt sehr viel günstiger) - und dazu kommen Druckkosten, Papier, Strom, Klebematerial
  • Kein Weiterverkauf erlaubt, auch keine kostenlose Weitergabe, auch nicht bei Gratis-Schnitten
  • Man muss sie sichern. Manche Schnittmuster sind nur 1-3x oder nur für eine begrenzte Zeit downloadbar (oder der Shop schließt) und wenn das Endgerät kaputtgeht, sind sie ggf. einfach weg.
  • Bei Schnittmustern mit reiner Video-Anleitung: Wenn das Internet ausfällt, man keinen Empfang hat oder das Endgerät kaputtgeht, steht man vorerst ohne Anleitung da. Passiert nicht so oft, ist aber dann ärgerlich.
  • Ausführliche Anleitungen sind für Anfänger attraktiv, für Fortgeschrittene aber lästig: Wer schonmal auf 70 Anleitungs-Seiten die eine Stelle gesucht, für die er Hilfe benötigt, wünscht sich doch schonmal die knappe Burda-Beschreibung herbei


Zeitschriften 

Schnittmusterzeitschriften - ohne Abpausen geht's nicht

Vorteile:

  • Sehr viele Schnittmuster für sehr wenig Geld pro Schnitt
  • Man hat schon mit wenigen Ausgaben viel Auswahl zu Hause, ohne neue Schnittmuster kaufen zu müssen
  • Man entdeckt oft später Modelle, die man nähen möchte – quasi kostenlose neue Schnittmuster! Manchmal nähe ich 15 Jahre später einen Schnitt, der mir beim Kauf noch nicht aufgefallen ist.
  • Mit Seidenpapier abgepauste Schnittmuster sind platzsparend unterzubringen
  • I.d.R. professionell (also von ausgebildeten Schnittdirektricen) konstruiert
  • Technische Zeichnung
  • Darf man weiterverkaufen
  • Man kann sich einfach eine Übersicht über seine Schnittmuster verschaffen, indem man die Schnittübersicht kopiert und abheftet (ohne einzelne Ebooks öffnen zu müssen)
  • Praktisch für Fortgeschrittene, weil nicht alles bis ins kleinste Detail beschrieben ist, sondern man die wesentlichen Punkte direkt im Blick hat

    Anleitungen in Schnittzeitschriften sind oft knapp und in Fachsprache verfasst
Nachteile:
  • Zeitaufwändiges Abpausen (außer bei Burda easy), Schnittbögen manchmal unübersichtlich
  • Manchmal weniger ausführliche Anleitungen (oft hilft aber ein Grundlagenbuch weiter, das z.B. bebilderte Anleitungen für Reißverschlüsse, Taschen, Kragen usw. enthält)
  • Meist zeitlich befristet erhältlich (auch wenn man sie online oder gebraucht ggf. noch nachkaufen kann)
  • Weniger geeignet für absolute Anfänger (manche, wie die Burda easy, haben ausführliche Anleitungen, allerdings hat keine Zeitschrift so viel Platz dafür wie ein Ebook) 

Für detaillierte Informationen zu verschiedenen Schnittmusterzeitschriften schaut in unseren Nähzeitschriften-Vergleich im Überblick 


Einzelschnittmuster (Papier)

Einzelschnitte - hier kann man abpausen oder direkt ausschneiden

 Vorteile:

  • Einfaches Ausschneiden möglich - die schnellste Möglichkeit, ein Schnittmuster zu verwenden! (Achtung, manche sind überlappend bedruckt, das ist aber selten) Allerdings lässt sich dann natürlich nur eine Größe verwenden - ich pause daher immer ab.
  • I.d.R. professionell konstruiert (bei den klassischen Anbietern. In letzter Zeit veröffentlichen auch einige Laien-Indie-Hersteller ihre Schnittmuster auf Papier, also informieren vorm Kauf!)
  • I.d.R. ausführliche bebilderte Anleitung
  • Darf man weiterverkaufen (es gibt ggf. Ausnahmen)
  • Man kann sich recht einfach eine Übersicht über seine Schnittmuster verschaffen, ohne in Zeitschriften blättern oder Ebooks öffnen zu müssen

    Anleitungen von Einzelschnitten sind i.d.R. ausführlich und bebildert
Nachteile:
  • Ggf. teurer als Ebooks (vom gleichen Hersteller ist der Papierschnitt natürlich teurer als das entsprechende Ebook, aber viele Papierschnittmuster sind günstiger als die Ebooks anderer Hersteller), pro Schnitt deutlich teurer als Zeitschriften
  • Braucht Platz zur Aufbewahrung, auch wenn nicht verwendet 
  • Bei manchen Herstellern auf extrem dünnes, instabiles Papier gedruckt 


Alles hat Vor- und Nachteile und ich nutze diese drei Möglichkeiten gleichermaßen. Meine Papierschnittmuster verwende ich am seltensten, was aber einfach den Grund hat, dass ich meist nur ziemlich komplexe Schnittmuster auf Papier kaufe und mich dann vorm Nähen bzw. der Anpass-Arbeit drücke; mit der Schnittart hat das also gar nichts zu tun.

Welche Art von Schnittmustern verwendet ihr am liebsten?

Lg
Nria

Dienstag, 18. April 2023

"Warum passt mein Kleidungsstück nicht?" - Fehlerquellen bei der Schnittmuster-Größenwahl


 Ich stoße ziemlich oft auf Aussagen wie:

  • "Die Maßtabelle stimmt nicht!"
  • "Das Shirt fällt riesig aus, das nächste nähe ich mindestens zwei Nummern kleiner!"
  • "Das Kleid ist viiieeel zu groß geworden!"
  • "Obwohl ich mich an die Maßtabelle gehalten habe, ist es zu eng!"

Was ist da schiefgelaufen?
 
Die Größenwahl ist - neben der richtigen Stoffwahl für ein Projekt - eine der wichtigsten Faktoren für den Näherfolg, aber oft gar nicht so einfach. Denn es gibt jede Menge Stolpersteine.

1. Fehleinschätzung des Kleidungsstücks - die m.M.n. allerhäufigste Ursache!

Sprich, man hat sich das Schnittmuster schlicht eng anliegender (oder lockerer) vorgestellt, als der Designer es geplant hat.
Woran ich das festmache? An den vielen, vielen Leuten, die ein (gemäß der Herstellerbilder) genau richtig sitzendes Teil präsentieren, das sie als „viiieeel zu weit!!“/“mindestens zwei Nummern zu groß!“ bezeichnen. Da liegt schlicht eine falsche Vorstellung davon vor, wie das Teil sitzen soll.
Es braucht einfach Übung, um zu erkennen, wie locker oder eng ein Teil an einem selbst sitzen soll, wenn man es nur an einem Model sieht, das womöglich eine ganz andere Figur hat. 
Besonders oft passiert es bei Oversized-Schnittmustern. 
Auch mir passiert es auch nach 20 Jahren noch gelegentlich, dass ich das falsch einschätze. Liegt auch daran, dass Hersteller gern besonders vorteilhafte Fotos verwenden, die ein Kleidungsstück aber nicht immer ideal präsentieren - manchmal wird auch noch auf den Bildern geschummelt, z.B. mit Wäscheklammern. Da hat der Betrachter keine Chance mehr, den Sitz richtig zu erkennen.
 
2. "Technische" Fehler (eigentlich vermeidbar, kommt aber vor):
  • Schnittmusterfehler: Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an. Es kommt vor, dass man einen PDF-Schnitt nicht maßstabsgerecht gedruckt hat (immer auf "100%"/"tatsächliche Größe" einstellen, niemals auf "auf Seitengröße anpassen"!) oder beim Abpausen in der Größe verrutscht ist. Und manchmal ist ein Teil auch falsch zusammengenäht. Man sollte diese Fehler zuerst ausschließen, bevor man irgendetwas anderes versucht!
  • Nahtzugabe nicht beachtet: Manchmal fügt man versehentlich Nahtzugabe zu, obwohl bereits welche im Schnitt enthalten ist, oder man trifft nicht auf die Nahtlinie, sondern näht mit etwas mehr oder weniger Nahtzugabe, als man zugeschnitten hat. Auch wenn man nicht ganz exakt zuschneidet, kann sich Mehr- oder Minderweite einschmuggeln. Bei einem simplen Oberteil mit zwei Seitennähten macht es noch nicht viel aus, wenn man z.B. mit 7 mm Nahtzugabe näht statt mit 1 cm, die enthalten sind - pro Seite sind das 6 mm zuviel, also 1,2 cm Mehrweite insgesamt. Bei einem Rock mit 8 Bahnen dagegen summiert sich das auf fast 5 cm Unterschied.
  • Der Vollständigkeit halber: Wirklich unpassendes Material wie Webware für einen engen Jerseyschnitt oder unelastischen Jeans für einen Stretchjeans-Schnitt zu verwenden geht natürlich schief.
3. Falsches Anwenden der Tabelle:
  • Falsches Messen. Man misst immer über Unterwäsche, auch bei Jackenschnittmustern. Dann mit der Körpermaßtabelle vergleichen, nicht mit der Fertigmaßtabelle. Das Maßband sollte anliegen, aber weder superstraff gezogen werden noch locker sitzen.
  • Vergleichen der eigenen Körpermaße mit der Fertigmaßtabelle: Seine Körpermaße muss man immer mit der Körpermaßtabelle vergleichen. Die Fertigmaßtabelle enthält die Maße des fertigen Kleidungsstück inklusive Bewegungs- und Bequemlichkeitszugabe und kann nur zum Vergleichen mit fertigen Kleidungsstücken verwendet werden (oder z.B., indem man das Maßband entsprechend locker um den Körper legt, um zu sehen, wie das Teil sitzen wird).
  • Fixierung auf eine einzige Größe: Viele Leute schreiben all ihre Maße auf und nehmen dann die größte Kleidergröße, die sie gemessen haben. Das funktioniert aber oft nicht: Ich brauche z.B. an der Taille eine größere Nummer als an der Hüfte (Apfeltyp), andere Frauen dagegen müssen an der Hüfte eine größere Nummer nehmen als an Taille und Brust (Birnentyp). Man nimmt dazu einfach auf dem Schnitt an der jeweiligen Stelle die jeweilige Größe und verbindet sie harmonisch.
  • Die Tabellen der meisten Hersteller enthalten nur ganz wenige Maße und das sind Rundmaße, die keine Rücksicht darauf nehmen, wie die Weite verteilt ist. Wer z.B. viel Oberweite hat, nimmt dann oft eine größere Größe, die Oberweite passt dann gut rein und überall sonst ists zu weit. Bei solchen Problemen braucht es spezielle Anpassungen, für die der Schnitt eingeschnitten und auseinandergezogen wird, z.B. FBA (Full Bust Adjustment, Anpassung für große Oberweite). Es lohnt sich sehr, sich damit auseinanderzusetzen.
4. Stoffwahl:

Welcher Stoff für welches Projekt geeignet ist und ob man ggf. dann eine andere Größe braucht als laut Maßtabelle vorgesehen, ist m.M.n. eine der schwierigsten Dinge beim Nähen. Wohlgemerkt, ich rede hier nicht davon, einen Jerseyschnitt aus Webware zu nähen oder umgekehrt, sondern davon, dass selbst ein- und dieselbe Stoffart total unterschiedlich ausfallen kann in vielen Aspekten, und wenn man eine andere Stoffart nimmt, wird es noch weitaus diverser. Was aus Stoff 1 perfekt sitzt, kann aus Stoff 2 total danebengehen. Sweat und Jersey können kaum oder sehr stark dehnbar sein, und selbst Webware ohne Elasthan ist manchmal fest gewebt, manchmal ganz locker und nachgiebig. 
Schaut euch den Stoff also ganz genau an: Wie dehnbar ist er im Vergleich zu anderen Stoffen dieser Art? Wenn Webware: Mit Elasthan oder ohne? Locker gewebt, sodass das Gewebe nachgibt, wenn man leicht dran zieht, oder superfest? Fließend oder mit viel Stand?
 
5. Körperform:

Manche Kleidungsstücke passen zwar von der Größe, aber nicht zum Körper und sehen deshalb doof aus. Ich habe z.B. einen G-Cup und einige Kleiderstile sehen an mir zeltmäßig aus, auch wenn die Größe genau passt, weil der Stoff einfach irgendwo hinmuss ...
 
 
Das sind jede Menge Stellschrauben, bei denen Dinge schiefgehen können. Besonders wichtig ist Punkt 1 – wenn man den falschen Schnitt nimmt (z.B. ein lockeres Teil, wenn man es eigentlich eher figurnah haben will), ist man mit dem Ergebnis garantiert unzufrieden. Aber der Rest ist ebenfalls wichtig und es hilft einfach nur Übung und Information. Fehlschläge wird es aber wohl immer geben, das gehört einfach zum Lernprozess dazu.

Was kann man jetzt dagegen tun?

  • Bei den technischen Fehlern ist es offensichtlich: Aufpassen, dass der Schnitt auf 100% gedruckt ist, man die richtige Größenlinie abgepaust hat, die Nahtzugabe beim Nähen einhält und die Stoffempfehlung beachtet.
  • Richtig messen und den Schnitt anpassen - man kann auch den Schnitt selbst ausmessen, um etwa zu sehen, wie weit Vorder- und Rückenteil separat sind (anstatt nur aufs Rundmaß in der Tabelle zu schauen).
  • Sehr gut aufs Modellbild schauen - erfordert leider Zeit und Übung. Aber oft reicht es schon, genau hinzuschauen: Wie weit ist das Teil an der Taille? Wo sitzen die Schulternähte? Wie eng liegt es an der Hüfte an? Ist es ein fließender oder ein eher steifer Stoff? Nicht nur einen flüchtigen Blick wagen, sondern sich Zeit nehmen, um das Modell zu beurteilen. 
  • Genauso sorgfältig den vorgesehenen Stoff begutachten: Was sagt die Stoffempfehlung? Wenn man von ihr abweicht, sollte man genau wissen, was man tut. Das luftig leichte Sommerkleid wird ein formloser Sack, wenn der Stoff zuviel Stand oder Gewicht hat. 
  • Nach Näh-Vorbildern schauen: Gibt es Blogger oder Leute in Näh-Communitys, die eine ähnliche Figur haben wie man selbst? Ich falle ja gern auf Teile rein, die an flachbrüstigen Frauen großartig aussehen ...
  • Etwas Aufwand, kann aber helfen: Von Fotos die eigene Figur abzeichnen und das Wunsch-Kleidungsstück draufskizzieren. Dafür gibt es auch die App My Body Model (dort gibt man die eigenen Maße ein; man kann das Ganze kostenlos testen. Keine Werbung ;)).

Und ansonsten: Üben, üben, üben. Wie das halt so ist im Leben :D
Wer wissen will, was bei uns so alles schiefgeht, kann sich hier im Blog durchs Label Flops klicken!

Lg
Nria

Dienstag, 19. September 2017

Tipps zum Zusammenkleben von PDF-Schnittmustern



PDF-Schnittmuster sind meist günstiger als Papierschnitte und sofort verfügbar. Schon praktisch.

Wenn da nur nicht das lästige Zusammensetzen der einzelnen Seiten wäre. Viele Hobbyschneider hassen es. Ich mag es ganz gerne. Zuschneiden finde ich viel blöder.
Damit der Weg vom PDF zum fertigen Schnittmuster leichter fällt, habe ich ein paar Tipps notiert - für mehr Spaß beim Basteln!

1. Die richtige Unterhaltung

Das Schnitt-Zusammensetzen hat einen Vorteil gegenüber dem eigentlichen Nähen: Es macht kaum Lärm. Klar, die Seiten rascheln etwas, aber die ratternde Nähmaschine übertönt ja gern jedwede Unterhaltung. Das Puzzeln eignet sich hingegen hervorragend, um ein Hörbuch zu hören. Oder ein Hörspiel, einen Podcast, die Lieblingsmusik ...

Bunte Auswahl! Am liebsten höre ich Hörbücher aus der Bücherei.

2. Tinte sparen!

Dass man die erste Seite erstmal einzeln drucken und dann das Testquadrat auf die richtige Größe kontrollieren sollte, versteht sich von selbst. Ich mache aber noch etwas anderes: Ich stelle die Druckeinstellungen auf "Entwurf". Der Drucker druckt dann recht blass und "schraffiert" mit viel weniger Tinte und es geht auch sehr viel schneller als normales Drucken. Bei der ersten Seite schaue ich dann, ob diese Druckart bei dem Schnitt geeignet ist: Ob man alle Linien noch gut genug erkennt, ob die Passzeichen sichtbar sind, sprich, ob das Ganze auch in Sparstufe brauchbar wird. Wenn der Text nicht super lesbar ist, kann man ihn später nachmalen. Ist nicht für alle Schnittmuster geeignet; je dicker die Linien sind, desto besser funktioniert es.

Bei meinem Drucker gehe ich dazu bei Drucken auf "Eigenschaften" (des Druckers) und bei "Qualität" kann ichs im Drop down-Menü auswählen. Bei anderen Druckern kann man das einfach anklicken (weil man z.B. auswählen kann, ob man Text, Bilder oder eben einen Entwurf drucken will). Einfach ein bisschen suchen oder in die Bedienungsanleitung schauen :)

Bild anklicken zum Vergrößern!

3. Papier sparen!

PDF-Schnittmuster haben oft viele Seiten - wenn es zwei oder drei sind, kommts nicht so drauf an; wenn es 50 sind, ist es aber schön, wenn man sich ein paar Seiten sparen kann. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten (in manchen Ebooks sind sie auch beschrieben):
Manchmal braucht man nicht alle Varianten oder Teile eines Schnitts. Ein Oberteil hat vielleicht eine Kragen- und eine Kapuzenvariante oder es gibt lange und kurze Ärmel zur Auswahl. Bei manchen Schnittmustern steht über jeder Seite, teilweise sogar farbig markiert, welches Teil drauf ist - dann kann man einmal durchscrollen, sich die Seiten notieren, die man braucht, und nur die drucken. Im Drucker wählt man dann statt "Alle Seiten drucken" "Seiten: " Dahinter ist ein Freifeld, in das man die Seiten einträgt. Z.B. für die Seiten 1-15, 20-27 und 30-32: 1-5;20-27;30-32
Wenn es nicht auf den Seiten markiert ist, kann man mit etwas Erfahrung (und je nach Schnitt) beim Durchscrollen erkennen, welches Teil zu sehen ist.

Bild anklicken zum Vergrößern!

Bei einigen Schnittmustern kann man auch beim Scrollen sehen, welche Seiten ausschließlich Größen beinhalten, die man nicht braucht. Wenn ich Größe 36 drucken will und auf einer Seite sehe, dass dort nur die Ecke des Oberteils in Gr. 42-48 drauf ist, muss ich die Seite nicht mitdrucken. Am einfachsten ist es bei Schnittmustern, die jede Größe in einer anderen Farbe markieren, dann sieht man es auf den ersten Blick. Ist das nicht der Fall, braucht man etwas Erfahrung oder das Glück, dass zufällig die Größen an der Stelle dranstehen.

Die beiden linken Seiten sind für die ganz kleinen Größen überflüssig.

Ich nehme übrigens auch gerne Altpapier fürs Schnittmuster drucken - alte Schulmaterialien, Fehldrucke, alte Rechnungen ...
Allerdings: Wer viele Schnittmuster ausdruckt, könnte sich nach dünnerem Papier umsehen für eine einfachere Lagerung. Normales Druckerpapier ist schon recht voluminös.

4. Systematisches Arbeiten

Wenn man die gleiche Arbeit zigmal hintereinander erledigt, ist man schneller, als wenn man immer 5 verschiedene Arbeitsschritte wiederholt. Deshalb breite ich erst die alle Schnittmusterteile in der richtige Reihenfolge auf dem Fußboden aus (wenn der Schnitt zu groß ist, arbeite ich trotzdem in Etappen, hilft ja nix). Dann schneide ich die Ränder ab (immer oben und an der rechten Seite - man kann es auch andersrum machen.), aber nur dort, wo auch ein Schnittteil ist. Und dann wird geklebt, erst die waagerechten Reihen, dann die senkrechten. Ihr müsst es nicht genauso machen, aber systematisch geht es besser als wahllos.

5. Stoffgewichte gegen Verrutschen

Ich weiß nicht, wie's euch geht: Ich habe beim Festkleben immer eine Hand zuwenig. Ich schiebe die Blätter so zurecht, dass die Passzeichen aufeinandertreffen, halte sie an zwei Stellen fest, damit sie nicht wieder verrutschen und dann fehlt mir eine Hand fürs Tesafilm. Meine Lösung: Stoffgewichte. Ich nehme Unterlegscheiben, mehrere auf einmal, umhäkelt oder in Stoff eingenäht. Zwei bis drei davon auf die überlappenden Kanten der Seiten gelegt, schon kann nichts mehr verrutschen und ich kann sie problemlos zusammenkleben.

Ja, man kann auch gefüllte Einmachgläser, Konservendosen oder andere Dinge benutzen, aber die Gewichte sind schön klein und machen einfach mehr Spaß.

Diese Seiten rutschen nirgendwo mehr hin!

6. Einfacheres Abpausen mit Farbmarkierung

Manchmal ist es sinnvoll, bei einem PDF-Schnitt die eigene Größe nicht auszuschneiden, sondern abzupausen. Zum Beispiel, weil der Schnitt vielleicht später noch für andere Größen gebraucht wird (weil man manchmal Geschenke näht, den Schnitt der besten Freundin oder Schwester ausleihen möchte oder gerade abnimmt), man ihn aber nicht mehrfach drucken und kleben will.
Wenn der Schnitt in Schwarz-Weiß gehalten ist (oder die Linien dicht beieinander liegen oder die verschiedenen Farben durch den Entwurf-Druck nicht mehr so gut zu unterscheiden sind), ist es dann hilfreich, die eigene Größe mit einem farbigen Stift nachzuziehen. Macht das Abpausen wesentlich entspannter.


Viel besser erkennbar!

7. Vorm Kauf überlegen, ob die PDF-Version die beste Wahl ist

Sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber oft ist die Geldersparnis so verlockend ...
Manche Schnittmuster gibt es nur als PDF.  Bei anderen hat man die Wahl - und manchmal ist der Papierschnitt sinnvoller, auch wenn er teurer ist.
Zur PDF-Version greife ich, wenn der Schnitt für ein Kleinteil ist/wenige Seiten hat, ich den Schnitt sofort brauche oder Auslandsporto die Papierversion sehr unattraktiv macht.
Die Papierversion bevorzuge ich meistens - besonders bei großen Teilen oder Schnittmustern, die aus sehr vielen Seiten bestehen (80 oder 100 Seiten zu bedrucken relativiert auch den günstigeren Preis und hat man wirklich Lust dazu?). Das kann auch bei kleineren Teilen der Fall sein, wenn der Schnitt sehr viele Schnittteile oder Varianten enthält, viele Größen verfügbar sind (ich trage eine kleinere Größe und bedrucke viel überflüssiges Papier, wenn der Schnitt bis Gr. 52 geht) oder die aufgedruckten Größen nicht dicht aneinander aufgezeichnet sind, sondern verschoben liegen.
Was man auch bedenken muss: Ausgedruckte PDF-Schnittmuster verbrauchen sehr viel Platz bei der Lagerung. Das kann man mit dünnerem Papier etwas vermindern, aber auf Seidenpapier abgepauste Schnittmuster und dünne Originalversionen schlägt das auch nicht ...

Vielleicht helfen die Tipps ja ein wenig weiter - habt ihr noch mehr Tricks auf Lager, wie man sich das Leben mit PDF-Schnittmustern ein wenig erleichtern kann?

Lg
Nria

Donnerstag, 20. Juli 2017

Unsere liebsten Nähhelfer

Letztes Jahr war es offenbar Trend, seine tollsten Näh-Gadgets zu zeigen. Oder aufzulisten. Halten wir für einen super Trend, da müssen wir gleich aufspringen hinterherrennen!



Wir nähen ja nun schon einige Jahre (seit 2003). Und früher war alles schlechter - da kannten wir nämlich all die tollen Dinge noch nicht, die uns jetzt das Nähen erleichtern.
Diese Liste soll nicht die Standardteile beinhalten, die jeder sowieso schon kennt - die Aufzählung von Nähmaschine, Stoffschere und Stecknadeln sparen wir uns ;)

1. Schneiderkreidestift

Die Mine kann man super anspitzen, wenn man nicht gerade einen letzten Minenstummel aufbraucht.

Mein allerwichtigstes Näh-Utensil. Vorher habe ich diese Kreidescheiben benutzt, die quasi sofort nach der ersten Benutzung stumpf werden, sich nur umständlich schärfen und auch nicht so richtig toll anfassen lassen; dazu trocknen sie fix aus und sind dann gar nicht mehr zu gebrauchen. Irgendwann fand ich den Kreidestift - er lässt sich super halten, man kann die Minen austauschen, es gibt viele Farben und wenn man sie mit dem beiliegenden Anspitzer anspitzt, hat man eine präzisere Spitze als man es mit den ollen Scheiben je erreicht. Selbst in komplett stumpf sind die Minen noch dünner als die Scheiben in der Mitte. Ausgetrocknet ist mir auch noch nix. Nie mehr ohne! Einziger Nachteil: Es gibt Stift und Nachfüllminen nicht überall.

2. Nahttrenner mit dickem Griff

Links: Böh. Rechts: Yay!

Ich bin nie so recht mit Nahttrennern klargekommen und dachte, das gehört halt so. Und dann fand ich einen Nahttrenner, den man tatsächlich anfassen kann ...
Ja, er ist hässlich. Aber er hat einen dicken, griffigen, nicht-rutschigen Stiel und nicht so ein dünnes Plastikstäbchen wie die Standardteile. Gold wert! Gibts immer mal wieder bei Tchibo, auch in nicht-rosa, aber als ich ihn gekauft habe, war nur noch der in Rosa da und ich war so begeistert von der Form, dass ich das Teil sofort haben musste.

Und Pinzetten kann man auf den Rand stecken!

Bonus-Tipp 1: Kleinteile wie Nahttrenner, Stickscheren und Durchzugsnadeln bewahre ich in einem kleinen Gläschen auf, das mal ein bisschen Dessert enthielt (gibts im Winter bei Aldi&Co.). So sind sie griffbereit neben der Nähmaschine!
Daneben steht ein hohes Trinkglas für Wendenadeln, Scheren und Stifte. Sehr praktisch.

3. Stoffgewichte

Lauter kleine Helfer! Machen außerdem gute Laune.
 
Verwende ich ständig! Früher habe ich (die unzähligen alten, stumpfen) Stoffscheren benutzt, um das Schnittmuster auf dem Stoff zu fixieren, mittlerweile nehme ich die umhäkelten Unterlegscheiben (man kann auch einfach Stoff drumnähen) und alte Eishockey-Pucks. Nur bei langen, schmalen Teilen greife ich noch auf Scheren zurück. Man könnte das Schnittmuster auch mit Stecknadeln feststecken, aber das ist mir viel zu zeitaufwändig; außerdem verzieht sich der Schnitt durch die Stecknadeln und wird dann ungenau.

4. Prym-Wendeset

Rohr in den Stofftunnel, mit dem Stab die zugenähte Tunnelseite durchs Rohr schieben

Hand hoch, wer auch schonmal mit der Wendenadel gekämpft hat! Das Prinzip wäre ja gut, wenn die Öse nicht so verflixt leicht aufginge. Man muss schon richtig Zug auf der Nadel haben, damit das Stoffstück nicht abrutscht, und so richtig stabil ist das Teil auch nicht.
Dann kam das Wendeset in den Handel. Erst war ich skeptisch, aber inzwischen liebe ich es - nie konnte ich Stofftunnel so einfach wenden! Man muss allerdings eine Seite zunähen; offene Tunnel kann man damit nicht wenden (aber zur Not kann man ja die Naht wieder auftrennen oder abschneiden nach dem Wenden). Ich mag, dass es drei Größen gibt, die ich auch alle schon gebraucht habe. Es geht supereinfach und schnell und jeder Cent hat sich gelohnt.

5. Maßeinteiler

Für Knöpfe, andere Verschlüsse, Applikationen ...

Lässt sich zieharmonika-artig auseinanderziehen und hat Schlitze zum Markieren von Knopflöchern oder Knopf-Positionen. So praktisch! Ich nähe oft Larpsachen nach eigenem Schnitt, aber auch für Kleidung nach Schnittmustern kann ich das Teil oft gut gebrauchen, denn wenn man einen Schnitt stark kürzt, stimmen die Positionen der Knöpfe nicht mehr und mit dem Maßeinteiler kann ich mühelos die Knöpfe mit gleichem Abstand verteilen. Einziges Manko: Ich fände es gut, das Teil noch weiter auseinanderziehen zu können. Das Maximum ist 60 cm Länge.
Ich meine, ich hätte das Teil vor einigen Jahren bei Lutterloh gekauft, momentan scheint es den Maßeinteiler in Deutschland aber nicht zu geben. Man bekommt es im Ausland als "Expanding Sewing Gauge" vom Hersteller Simflex.

6. Offenes Applikationsfüßchen

Durch den breiten Durchlass ist jede Linie beim Nähen gut sichtbar.
 
Reißverschlussfüßchen (normal und verdeckt) lasse ich mal außen vor in der Liste, die sind ja recht Standard. Was aber unbedingt reingehört und ich nicht mehr missen möchte: Das offene Applikationsfüßchen. Ich nähe öfter mal friemelige Stellen, an denen ich die Nahtlinie genau sehen muss (z.B. Patchwork oder enge Kurven) - mit einem normalen Füßchen müsste ich blind nähen und hoffen, nicht zwei Millimeter daneben zu liegen. Das transparente Füßchen hilft wenig, denn das Plastik ist zu dick, als dass man glasklar durchschauen könnte. Das offene Applikationsfüßchen hingegen hat eine breite Aussparung (es gibt verschiedene Breiten), durch die der Stoff an der Stelle freiliegt und man wunderbar die Nahtlinie sehen kann. Der Haken: Das geht zu Lasten der Stabilität, der Stoff wird weniger gut fixiert. Im Zweifelsfall langsam nähen.

7. Tageslichtlampe

Es ist dunkel? Das hier ist die Rettung!

Schonmal versucht, im diffusen Winterlicht eine schwarze Naht aufzutrennen? Wenn eure Wohnungsbeleuchtung ebenso düster ist wie meine (irgendwas hab ich da falsch gemacht bei der Einrichtung), hilft eine Tageslichtlampe. Meine ist eine kleine Tisch-Stehleuchte, sie macht schön helles Licht und es gab sie für vielleicht 20-30 € bei einem Lebensmitteldiscounter. Kann ich empfehlen! Es gibt auch einfach entsprechende Glühbirnen, die man in seine Lampe eindrehen kann, aber da hätte ich die Befürchtung, dass es blendet.

[Nachtrag 2024: Ich habe inzwischen in eine bessere Lampe investiert, die einen sehr breiten Kopf mit vielen LEDs hat und an den Tisch anklemmber ist. Ich würde das inzwischen eher empfehlen, auch wenn man hier mit 70-120 € dabei ist - das superhelle Licht ist aber jeden Cent wert.]

8. Bügel-Ei und Ärmelbrett

Fleckiges Erbstück und fancy Neuanschaffung - aber beide so nützlich!

Es soll ja Leute geben, die gar nicht bügeln. Ich hoffe, die sind keine Hobbyschneider ...
Besser gehts mit hilfreichen Utensilien, die eine andere Form haben als das große flache Bügelbrett.
Das Ärmelbrett habe ich meiner Mutter gemopst, die es unverständlicherweise nie benutzt hat. Dabei kann man damit so super Ärmelnähte flachbügeln! Oder andere kleine Flächen und auch Hohlräume.
 
Ein Bügel-Ei besitze ich erst seit diesem Jahr (es ist von Schneiderherz) und es eignet sich hervorragend dazu, runde Nähte (z.B. Abnäher, Mützenteile oder Ärmelkugeln) zu bügeln.

9. Leuchtkasten 

Leuchtet von unten alles an.

Braucht man nicht zum Nähen, aber für Applikationen oder Stencilvorlagen sehr praktisch: Eine von unten beleuchtete Glasscheibe. Man kann darauf wunderbar Dinge abpausen, z.B. auf Klebefolie (für Stencils) oder Stoff (für Stickereien). Ganz einfach selberzubauen: Anleitung für einen DIY-Leuchtkasten

10. Fingerhutring

Trendy Accessoire? Nein, praktischer Ring!

Fingerhüte habe ich immer eher ungern benutzt. Gerade bei Larpteilen: festen Stoffen, vielen Schichten (und Leder!) brauche ich sie oft, um die Nadel durch den Stoff zu schieben, aber ich kann Nadeln mit Fingerhut schlecht greifen, sie sitzen schlecht auf meinen Fingern und wenn die Fingernägel mal ein, zwei Millimeter länger sind, finde ich Fingerhüte furchtbar unbequem. Seit ich einen Fingerhutring besitze, liebe ich ihn. Man kann damit greifen wie mit nackten Fingern, besser damit Kraft aufwenden als mit einem Fingerhut, der nur auf der Fingerspitze sitzt, und er hält besser auf dem Finger als ein normaler Fingerhut.

Bonus-Tipp 2: Auf meinem Nähtisch steht ein Tischmülleimer. Okay, eigentlich ist es ein Snackschüsselchen. Es ist second hand, aus Plastik und innen leuchtet es in fröhlichem Orange. Ich könnte einen Mülleimer unter den Tisch stellen, aber ich finde es mühsamer, richtig zu zielen und nicht die Hälfte des Mülls auf den Boden zu werfen als einfach ein Schälchen neben das Stecknadeldöschen zu stellen und da abgeschnittene Fädchen, Stoff-Ecken oder stumpfe Nadeln reinzuwerfen. Es hat auch einen praktischen Griff und ich entleere es immer mal wieder zwischendurch.

Jeder sollte eine Tischmüllschüssel haben!


Kennt ihr schon alles? Besitzt ihr auch so viele tolle Gadgets? Oder seid ihr Näh-Minimalisten?

Lg
Nria