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Dienstag, 21. Juli 2026

Maritime Dünenhose mit Streifen - Dune Pants von Sinclair Patterns

Eigentlich war ich durch mit dem Thema "weit geschnittene Hosen" - ich hatte als Teenie schon eine, die furchtbar aussah, und die Lander Pants von 2018 machten es auch nicht besser. Allerdings sind locker sitzende Hosen im Sommer schon ganz angenehm, deshalb gebe ich ihnen tatsächlich nochmal eine Chance! Diesmal aber in dunkler Farbe und aus fließendem Stoff. Ich bin ja lernfähig.

Die Dune Pants von Sinclair Patterns kommen praktischerweise auch gleich mit Kurzgrößen (und Langgrößen). Außerdem mit mehreren Taschenvarianten: Aufgesetzte Vorder- und Gesäßtaschen, Nahttaschen und Cargotaschen (die sich aber nicht mit den aufgesetzten Vordertaschen vertragen). Außerdem ein praktisches und bequemes Bündchen statt Reißverschluss. Super für warme Tage!

Jedenfalls hatte ich mir im Stoffladen einen dunkelblauen Viskosestoff mit weißen Nadelstreifen gegönnt, um den ich schon seit Monaten herumgeschlichen war. Blauweiß passt ja auch gut zum maritimen Namen der Hose, und dunkelblaue Bündchenware hatte ich erst kurz zuvor in größerer Menge für ein anderes Projekt gekauft.

Als Stoffverbrauch war 2,50 m angegeben. Das ist schon eine Menge! Ich bin mit 1,80 m so geraaade eben hingekommen, weil ich die Taschenform verändert habe - mit normalen Taschen hätte es 1,90 m gebraucht (für die petite-Version). Wie man auf 2,50 m kommen soll, weiß ich wirklich nicht; die Hosenteile sind selbst inklusive Nahtzugabe und Säumen an keiner Stelle 1,25 m lang ...

Dankbarerweise hat man hier wirklich wenige Schnittteile. Der Haken: Streifenstoffe muss man exakt zuschneiden ... Immerhin kann man sich dabei am aufgezeichneten Fadenlauf orientieren, wenn man - wie ich - auf Seidenpapier abpaust, das ist sehr praktisch.
An der rückwärtigen Passe sowie am Tascheneingriff habe ich mir vorm Zuschnitt anhand der bereits zugeschnittenen Hosenteile das Streifenmuster aufgezeichnet, damit das nach dem Nähen genau passt.


Tascheneingriff? Moment mal, in der Beschreibung steht doch gar nichts von klassischen Eingrifftaschen mit angeschnittener Hüftpasse?
Ja, die sind wirklich nicht im Schnitt enthalten. Aber erstens habe ich den Stoff so knapp kalkuliert, dass die Vorderteile der Hose nur mit abgeschnittenem Tascheneingriff noch auf den Stoff passten und zweitens hatte ich keine Lust, komplette aufgesetzte Taschen exakt passend im Streifenmuster zuschneiden und positionieren zu müssen - das behalte ich mir für unkomplizierte einfarbige Hosen vor.

Und dann ... flog das Teil erstmal für mehr als anderthalb Jahre in die Ufo-Kiste. Warum? Aus irgendeinem Grund fand ich die Hose 1-2 cm zu kurz. Dabei habe ich selbst für meine Körperlänge eher kurze Beine. Ich hätte ein Stück ansetzen können, hatte aber ein Motivationsproblem.


Bis ich sie im Mai 2026 wieder aus der Ufo-Kiste holte - und feststellte, dass ich die Länge gar nicht zu kurz fand, wenn die Hose erstmal abgesteckt war (mit flockigen 3 cm Saum). Manchmal steht man sich schon ein bisschen selbst im Weg - oder zieht seine Hose nicht hoch genug?

Also schnell gesäumt, noch ein Gummi ins Bündchen eingezogen (Bündchenware muss schon sehr stabil sein, um eine lange Hose ohne Gummi zu halten) und schwupps, mit wenig Aufwand plötzlich eine tolle neue Hose im Schrank! Ist doch auch nicht schlecht?

Schnitt: Dune Pants von Sinclair Patterns, Gr. 14 petite
Material: Viskoseleinen vom örtlichen Stoffladen
Änderungen: Eingrifftaschen statt aufgesetzter Taschen
Nachnähpotential: Ja!

Lg
Nria 

Dienstag, 16. Juni 2026

Fiele fröhliche Fiecher - Kindersweatshirt Haselnuss von Firlefanz

Schon seit Dezember 2020 habe ich den Schnitt "Die Haselnuss" von Firlefanz in meinem Vorrat, über den Ebookmacher-Adventskalender. Jetzt habe ich das Teil endlich fürs Möndchen genäht! 


In diesen Sweat von Gina & U habe ich mich direkt verliebt - seht all die rundlichen Tiere! Momentan ist die Kinderkleidung-Mode überwiegend ziemlich trist. Die Hintergrundfarbe ist jetzt natürlich auch eher dezent, aber immerhin finde ich das Motiv sehr angemessen.

Der Schnitt "Haselnuss" von Firlefanz enthält diverse Varianten: Als Tunika/Kleidchen, als Sweatshirt, mit Brusttasche, Kängurutasche oder verschiedenen aufgesetzten Hüfttaschen, mit Passe (wahlweise gerafft), mit Knopfleiste ("echte" oder Druckknöpfe) oder ohne, jeweils mit Beleg oder Bündchen ...

Ich war ganz schön überfordert von der Auswahl und durch die vielen Möglichkeiten ist es leider auch ein bisschen aufwändiger, sich durch die Anleitung zu wühlen. Ein zweischneidiges Schwert!

Ich habe meine eigene Möglichkeit gemacht: Beidseitige Knopfleiste (für den großen Möndchenkopf), aber mit untergenähtem Druckknopfband, ähnlich wie man es mit Klett machen würde. Nicht so hübsch, aber kostet viel weniger Überwindung als die Variozange rauszuholen und es mit Jerseydruckknöpfen o.ä. zu versuchen. Das geht einfach so oft schief. 

Bei der Platzierung des Motivs gefällt mir die Rückseite eigentlich besser als die Vorderseite. Und der Beleg war auch keine so gute Wahl; das zieht sich komisch am Halsausschnitt. Zugegebenermaßen ist das Shirt aber auch noch reichlich groß fürs Möndchen - vielleicht wird die Passform besser, wenn es reinwächst.

Niedlich ist das Shirt allemal! 

Schnitt: Sweatshirt "Die Haselnuss" von Firlefanz, Gr. 74, Sweatshirt-Version mit (doppelter) Knopfleiste, Hals- und Armbündchen sowie Halsausschnittbeleg
Material: Baumwoll-Sommersweat "Farmbande" von Gina & U
Änderungen: 
Nachnähpotential:

Lg
Nria 

Dienstag, 26. Mai 2026

Flop mit schönem Stoff - Jerseybluse Austin von Schnittmuster Berlin

Die Bluse Austin habe ich schonmal gebloggt, aber eigentlich die zweite Version davon, nämlich die Glühwürmchen-Bluse. Das hier ist das erste Teil. Es lag jetzt fast 2 Jahre im Schrank, bis ich endlich zum Fotografieren gekommen bin ... leider ungebügelt, aber ich wollte das jetzt endlich mal erledigen!

Ich liebe Jerseyblusen - sie teilen sich mit Sweatblazern Platz 1 der besten Kleidungsstücke: Bequem, aber gleichzeitig etwas "angezogener" als T-Shirts oder Kapuzen-Sweatjacken. 

Ich mag das Muster. Aber es ist eigentlich zu blass für mich, und die Passform der Bluse ist auch nicht so toll.

Leider sind Schnittmuster dafür eher selten. Ich kannte bisher genau drei - einmal mein absoluter Favorit Umeko_B (habe ich schon ganze viermal genäht, hier meine liebste Version aus blauem Viskosejersey), dann eine Bluse aus der Ottobre 5/2007 und schließlich die Bluse Leanna von Lillesol & Pelle, was allerdings eine Marke ist, die ich bisher nicht ausprobiert habe (dass es nur eine Fertig- und keine Körpermaßtabelle gibt, ist ein eher schlechtes Zeichen). 

Die Idee der Ärmel gefällt mir. Aber die Umsetzung nicht. Gebügelt auch nicht besser.

Jetzt habe ich bei Herzenssachen die Bluse "Austin" von Schnittmuster Berlin gesehen - und sofort nachgekauft! Die Bluse hat einen Reverskragen und sehr ungewöhnliche Puffärmel mit tulpenförmigem Saumabschluss, was noch ein Bonuspunkt ist. 

Was ich beim Schnittmuster schön finde: Es gibt ein richtiges Deckblatt zum  Drucken, auf dem eine Schnittskizze (vorne und hinten), der Schnittname mit Größenspektrum und hinterer Länge, Stoffempfehlung, Stoffverbrauch und sonstigen benötigten Zutaten zu finden ist. Außerdem eine farbige Skizze auf der Figurine, aber die habe ich vorm Drucken entfernt. Wäre wirklich super, wenn jeder Hersteller so etwas anbieten würde - mein Schnittordner wäre so übersichtlich! 

Hier sieht man das schöne Muster etwas besser.

Was ich weniger gut finde: Es sind Abnäher enthalten, aber erst ab Gr. 42. Versteh ich einfach nicht, was das soll. 

Praktischerweise kommt man bei meiner Kleidergröße gut mit einem Meter Stoff aus (1,10 sind angegeben, aber ich schneide Musterstoffe einlagig zu). In meinem Schrank liegen nämlich einige Ein-Meter-Stücke mit besonderen Jerseys, für die mir ein normaler T-Shirt-Schnitt zu schlicht ist!

Weil ich nicht sicher war, ob meine FBA ausreicht, habe ich erstmal mit einem eigentlich aussortierten Stoff probegenäht: Ein reiner Baumwolljersey ohne Elasthan, weiß mit gestrichelten Hexagons in Türkis. Der lag schon geschlagene 7 Jahre im Schrank! Vermutlich war mir schon beim Kauf klar, dass so helle Farben nicht mein Ding sind, aber das Wabenmuster hatte es mir einfach angetan.

Nach dem Nähen habe ich tatsächlich mehrere Monate nach den richtigen Knöpfen gesucht. Ich wollte keine türkis- oder petrolfarbenen, weil die Farbe sowieso nicht so mein Ding ist, und da war mir ein Kontrast lieber. Ich habe aber einfach nirgends das Richtige gefunden.

Schließlich bin ich - meiner Erinnerung nach im Bochumer Laden "Elsbeth und ich" - auf dunkelbraune glasierte Knöpfe gestoßen, die mir gefielen. Knopflöcher habe ich mir dann gespart; es ist sowieso ein Jerseyshirt, das man einfach überziehen kann. Und Jerseyknopflöcher machen definitiv keinen Spaß.

Aber ganz ehrlich: Ich schätze, ich werde die Knöpfe retten und vielleicht irgendwas fürs Möndchen aus dem Shirt nähen. Die Farbe gefällt mir nicht an mir, mit der Passform bin ich super unzufrieden und da ich wirklich nicht zuwenig Shirts habe, sehe ich mich dieses hier einfach nicht tragen.

Schade - ich verbuche es als Erfahrung!  

Schnitt: Jerseybluse "Austin" von Schnittmuster Berlin, Gr. 40/42
Material: Reiner Baumwolljersey mit Hexagonprint
Änderungen: Oben Gr. 40, ab Taille Gr. 42, FBA um ca. 3 cm
Nachnähpotential: Schon geschehen, aber das wars dann auch

Verlinkt bei DvD

Lg
Nria 

Dienstag, 30. September 2025

Ersatz-Wellen - Tanktop Lucy von Meine Herzenswelt

2020 habe ich ein Kleid aus Wellenjersey genäht. Das Muster gefällt mir wirklich sehr! Allerdings gefiel mir Hanas Kleid noch besser und Hana gefiel mein Kleid besser, also haben wir die Kleider irgendwann getauscht. 

Nur: Da hatte ich ja kein Wellenmuster-Kleid mehr ...

Also habe ich secondhand ein weiteres Stück vom "Wavy Stripes"-Jersey von lycklig Design erworben, auch in Blautönen, allerdings eine hellere Version. Die reichte nicht aus für ein Kleid, nichtmal ein schmales ohne Ärmel, also habe ich stattdessen ein Tanktop genäht. Blaue Tanktops sind sehr kombifreundlich!


Da ich vom Cashmerette-Schnitt leider nur mäßig begeistert war, habe ich mich wieder für die bewährte Lucy von Meine Herzenswelt entschieden. Daraus habe ich bereits ein Astronautentop (noch ohne FBA) und ein Tanktop mit Schriftzügen genäht, die ich beide gerne sehr mag.


Weil das Top im letzten September entstanden ist, wurde es erst wieder genau ein Jahr später ausgeführt, am letzten warmen Tag im September (die Sommertage waren 2025 ja etwas rar im Norden). 

Ich hoffe, es kommt nächstes Jahr angemessen zur Geltung! 

Schnittmuster: "Meine Lucy" von Meine Herzenswelt, Gr. 40
Material: Baumwolljersey ""Wavy Stripes by lycklig Design" (in Blautönen) von Swafing
Änderungen: Ab der Brust abwärts verbreitert
Nachnähpotential: ist bereits die dritte Version 

Verlinkt bei DvD

Lg
Nria 

Mittwoch, 3. September 2025

Planeten und Passen - FeeFeeDesign Kleid Issy 2.0

Heute gibt es einen Beitrag, den ich schon im Frühjahr angefangen und dann irgendwie vergessen hatte - in den letzten Monaten der Schwangerschaft und jetzt mit Baby war/ist es mit Nähen etwas schwieriger. Gut, wenn man da noch ältere Teile "auf Halde" hat! 

Im Jahr 2016 habe ich schonmal das Kleid Issy von FeeFee Design genäht (im Dezember, deshalb erst 2017 gebloggt). Knappe 7,5 Jahre später habe ich den Schnitt wieder hervorgekramt, als ich mal wieder Lust auf eine schräge Passe hatte.

Ich hatte nämlich noch einen Space-Sweat von Rebecca ReckArt rumliegen, der mir als komplettes All-Over-Muster zuviel war. Eine Passe und ein Ärmel aus schwarzem Unisweat erschienen mir da sehr passend!


Was leider nicht passend war, war der Schnitt: Damals hatte ich nämlich ein paar Kilo weniger drauf und dummerweise den Schnitt in Gr. 38 ausgeschnitten - ich weiß genau, warum ich das eigentlich nie mache ...  Also alles nochmal ausgedruckt und geklebt statt schlicht die nächste Größe abzupausen.

Immerhin ist auf jeder einzelnen Seite des Schnitts aufgedruckt, zu welchem Schnittteil es gehört, und man klebt alle einzeln zusammen, so konnte ich mir zumindest nicht benötigte Teile wie die Kapuze sparen. Aus irgendeinem Grund sind die Größenlinien übrigens nicht durchgehend als verschiedene Punkt- und Strichlinien (und schon gar nicht in Farbe) gezogen, sondern teilweise einfach als schlichte schwarze Linie, was das Abpausen etwas mühsamer macht. Bei dem noch relativ simplen Schnitt geht das aber.


Das Muster enthält viele kleine runde Motive. Was hier ganz wichtig ist: Beim Schnitt den eigenen Brustpunkt einzeichnen und gut drauf achten, dass dort kein Planet landet! Runde Motive auf der Brustmitte sehen ... fragwürdig aus. Und es passiert ganz schnell, wenn man nicht aufpasst.


Es gibt nur eine Kleid- und eine Tunikalänge; ich habe selbst zur Sweatshirtlänge gekürzt. Dabei sitzt das Shirt an Bauch und Hüfte ziemlich locker, wenn man es nicht gerade während der Schwangerschaft trägt.
 

Mit der Passform bin ich nur mäßig zufrieden, auch wenn ich das Design liebe. In Zukunft werde ich wohl meinen bewährten Manuc-Sweatshirtschnitt nehmen und einfach die Passe der Issy darauf übertragen!

Schnitt: Kleid Issy von FeeFee Design, Gr. 42?
Material: Baumwoll-Wintersweat mit Galaxy-Print von Rebecca ReckArt, schwarzer Uni-Wintersweat
Änderungen: Abnäher hinzugefügt, auf Sweaterlänge gekürzt
Nachnähpotential: Nächstes Mal übertrage ich die Passe lieber auf ein gut sitzendes anderes Sweatshirt!

Verlinkt beim Me Made Mittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 2. Juli 2025

Ein Garten bei Nacht - LaBreton Dress von Pedilu

Dieses Kleid habe ich bereits um Juni 2023 genäht. Warum es jetzt erst gebloggt wird? Ich habe festgestellt, dass es mir für ein Sommerkleid zu schwarz ist, und es Hana geschenkt. Bei ihr ist es prompt im Stoff- statt im Kleiderschrank verschwunden und erst jetzt wieder aufgetaucht ... aber besser spät als nie! Ich finde das Kleid viel zu hübsch, um es nicht zu zeigen.
Damals hatte ich auch einen Blogbeitrag angefangen, aber nix reingeschrieben. Schön blöd.


Das LaBreton-Dress von Pedilu finde ich wirklich toll. Trotzdem habe ich es erst zweimal genäht! Beide Male aus Stoffen von Rebecca ReckArt; erst das Tiefsee-Kleid und jetzt aus dem Moon Garden-Jersey mit Blumen vorm Sternenhimmel.


Das Kleid hat ein schmales Oberteil mit Beleg (ich habe stattdessen ein Bündchen genäht), Kappärmel, einen schmalen Rockteil mit schrägen Eingrifftaschen und einen Tunnelzug in der Taille. Ich finde ja, dass uns weite Röcke besser stehen, aber manchmal sind schmale Röcke einfach praktischer.


Ich habe vermutlich wieder die Tunnelbreite verschmälert, aber kein Gummi eingezogen. Wie ihr seht, passt das Kleid Hana auch so! 

Und bei dem aktuellen Wetter kann das Kleid auch endlich getragen werden, anstatt traurig im Schrank zu liegen!

Schnitt: LaBreton Dress von Pedilu, Gr. 40
Material: Baumwolljersey "Moon Garden" von Rebecca ReckArt, unifarbener Baumwolljersey
Änderungen: Tunnelbreite verschmälert, Bündchen statt Beleg
Nachnähpotential: Schon geschehen!

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Donnerstag, 26. Juni 2025

Resteverwertung mit Abnäher-Rotation - Sternhimmelshirt Meine Manuc von Meine Herzenswelt mit Teilungsnähten

Die Stoffe von Rebecca ReckArt sind so schön, da muss man einfach alles von verwerten! Von meinem Starry Night-Sweatshirt ist ein größeres Stück übrig geblieben, das fast für ein ganzes weiteres Sweatshirt reichte.

Aber eben nur fast. 

Bisschen ungebügelt, aber so hübsch!

Was macht man da? Natürlich Teilungsnähte! Es war reichlich Platz für ein Rückenteil und zwei Ärmel, aber fürs Vorderteil war der verbleibende Rest dann zu schmal. Genau für den wollte ich auch das kleine Stück Baum-Bordüre nutzen, das noch da war. 

Ärmel und Rückenteil sind im richtigen Fadenlauf, das Vorderteil folgt der Bordüre. 

Zunächst mal habe ich meinen aktuellen Standard-Sweatshirtschnitt, "Meine Manuc" von "Meine Herzenswelt" rausgesucht. Der hat nämlich Abnäher! Und das Praktische an Teilungsnähten ist: Wenn man sie über den Brustpunkt verlaufen lässt, kann man die Abnäher wunderbar in die Naht rotieren, sodass man die Abnäher nicht mehr nähen muss und trotzdem eine Form entsteht.

Ich habe den Schritt fotografiert, aber dank Bleistiftlinien sieht man nur mäßig viel - wer genau hinguckt, kann schon die Form des Einsatzes erahnen!

Teilungsnaht in der Entstehungsphase. 

Dafür habe ich die Breite des Stoffrests auf den Schnitt abgepaust (natürlich unter Berücksichtigung dessen, dass ich noch Nahtzugabe brauche) und die senkrechten Linien zur Mitte hin schmal zulaufen lassen.Finde ich ansprechender, als einfach einen "Block" einzusetzen.

Ok, die Schwarztöne sind nur fast gleich, aber macht ja nichts!

Den oberen Teil der Teilungsnaht habe ich dann bis zur Abnäherspitze eingeschnitten, den Abnäher in die Naht gedreht und den Rest der Teilung auseinandergeschnitten. Als "Rahmen" für die Bordüre habe ich dann schwarzen Uni-Sweat verwendet.

Für den hinteren Teil des Sweatshirts habe ich die Sternhimmel-Bereiche ohne Baumbordüre verwendet, ist aber auch genug Muster:

Genäht war das Ganze dann schnell. Musste ja keine Abnäher machen!


Und weil ich kein zweites Shirt mit dem gleichen Motiv brauchte, hat Hana das Teil bekommen. Für mehr Zwillingslook!

Schnitt: "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt, Gr. 42
Material: "Starry Night"-Wintersweat von Rebecca ReckArt, schwarzer Wintersweat von Swafing
Änderungen: Teilungsnaht eingefügt und die Abnäher dort hineinrotiert, um 6 cm verlängert
Nachnähpotential: Wird langsam mein Standardschnitt für Sweatshirts.

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag

Lg
Nria 

Mittwoch, 4. Juni 2025

Futuristische Psychiatrie - Herrenmantel Montgomery von lucy.sonnenschein.design

Beim MeMadeMittwoch darf man jetzt auch Herrenkleidung zeigen - das kommt mir sehr entgegen, weil ich einerseits immer Inspiration für meinen Mann suche und andererseits schwangerschaftsbedingt für mich selbst gerade nur echt langweilige Basics nähe. Dieses Teil hier war dagegen gar nicht so langweilig.
 
Nach der Folienjacke hatte mein Mann gleich das nächste Projekt für mich: Einen Arztkittel. Aber nicht irgendeinen, nein! Es musste schon ein futuristischer sein, denn er war wieder fürs SciFi-Larp.
 
Er hatte sich dieses Bild als Vorlage ausgesucht. Sieht ja toll aus, hat aber auch jede Menge aufwändige Details: Diverse Applikationen und Einsätze, eine asymmetrische Front ...
 
Erstmal ein Bild vom Mantel in seiner natürlichen Umgebung - weiter unten gibts dann welche, auf denen man auch was erkennt ;)
 
Schon im März haben wir auf dem Stoffmarkt festen Baumwollköper und dünnes, weiches Kunstleder (leider stretchig, aber es gab kein besseres) gekauft. Statt der Biesen-Einsätze habe ich anthrazitfarbenes Kunstleder mit interessanter Pyramidenstruktur genommen, das ich noch im Vorrat hatte.
 
Die Vorderkante und der Rückenschlitz fallen nicht so senkrecht, da hätte es noch Anpassungsarbeit bedurft.
 
Ich hätte einfach den Burda-Schnitt von der Folienjacke als Basis nehmen können, aber dann fand ich etwas Besseres: Den Mantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design. Schon relativ lang (ich habe ihn dann nochmal um 30 cm verlängert) und mit einem seitlichen Abnäher, der fast genau die Form der Applikation im Schnitt hatte! In diesen Abnäher sind auch noch Taschen eingefügt, und da mein Mann sowieso gern welche haben wollte, bot sich das direkt an. Den Abnäher habe ich oben gespiegelt und hatte dann direkt einen fertigen Einsatz, denn ich habe das Teil ausgeschnitten und der Abnäher verschwindet somit in der Naht. Praktisch!
 
Hier stecken VIELE Meter Stylefix-Klebeband drin ..

Weniger praktisch fand ich die Anleitung: Warum muss man ausgerechnet schwarzen Stoff für den Mantel der Anleitungsfotos nehmen?  Ich verstehe Schnittmusterhersteller da echt nicht. Beliebt sind auch überbelichtete Fotos von weißen Stoffen oder wilde Muster. Leute, das geht besser! 
Die Beschreibung fand ich dabei auch nicht sonderlich hilfreich, eher sparsam mit Worten - keine tolle Kombi zu Fotos, auf denen man nichts erkennt ...

Ich schaue an sich kaum noch in Anleitungen, aber bei der Taschen-Abnäher-Konstruktion war es dann eben doch noch nötig, ebenso wie beim Gehschlitz im Rückenteil, denn sowas nähe ich einfach selten. Stellenweise habe ich improvisiert und bin nicht sicher, ob ich da wirklich richtig genäht habe. Na ja, ist ja nur ein Kostüm.
 
Durchs elastische Kunstleder stimmen leider die Besätze unten nicht ganz ...

Ursprünglich wollte ich den Mantel füttern, damit innen alles schön ordentlich ist, aber wie immer so oft habe ich auf die letzte Minute genäht, also am vorletzten und letzten Tag, an dem mein Mann den Mantel mittags schon mitnehmen wollte. Meine Schwester sagt: "Wie es der Brauch verlangt!" Larper kennen es vermutlich ...

Den Schnitt habe ich Anfang Mai gekauft und dann ewig viel Zeit mit Anpassungen verbracht: Weil die Vorderkante beim Probeteil oben zu weit und unten zu eng war, habe ich statt Full Tummy Adjustment stumpf eine schräge Linie von Ausschnitt bis Saum gezogen. Improvisiert, aber hat ganz gut funktioniert. Ich habe für mehr Bewegungsspielraum den Oberarm erweitert und noch die Schultern verschmälert.
Der Rest war nur Optik: Jede Menge Applikationen aufgezeichnet (die großen Flächen am Saum habe ich hinten falschrum angenäht, aber so isses jetzt halt) und dann stundenlang am Kunstleder rumgeschnippelt. Das Noppenkunstleder habe ich dabei etwas größer gelassen - weil das schwarze Kunstleder sehr dünn ist, sieht man das zwar, aber ich hatte definitiv keine Zeit für superpräzisen Zuschnitt, um die innenliegenden Teile exakt in die Umrandung einzupassen. Wie gesagt: Ist ja nur ein Kostüm, mein Mann soll damit nicht über die Haute Couture-Modenschau laufen.
 
... und die schwarzen Teile unten sollten eigentlich andersrum aufgenäht sein.

Und: Ich bin genau den umgekehrten Weg wie bei der Folienjacke gegangen und habe den originalen (Revers-)Kragen durch einen Stehkragen ersetzt. Dafür habe ich den Original-Kragenschnitt der Folienjacke, Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016, verwendet - den hatte ich ja bereits vorliegen!
 
Am Kragen habe ich nix zu meckern!
 
Das Nähen wäre aber noch ganz entspannt gewesen, wenn ich nur einen Tag früher angefangen hätte. Oder wenn das Material dankbarer gewesen wäre: Das dünne elastische Kunstleder hat mich ein bisschen in den Wahnsinn getrieben beim Nähen! Immerhin waren das "Noppen"-Kunstleder und der weiße Köper sehr stabil, aber elastische Stoffe auf unelastische aufzunähen ist definitiv kein Vergnügen.
 
Immerhin: Meine neue Juki hat verstellbaren Nähfußdruck (den ich auch direkt mal auf die niedrigste Stufe gestellt habe) und einen Teflonfuß direkt im Zubehör enthalten. Dazu habe ich viele, viele Meter Stylefix-Klebeband verbraucht (Memo an mich: Nachkaufen! Für Applikationen finde ich das Zeug wirklich unverzichtbar), damit ging es recht gut. 
 
Tiefe Taschen!

Am Freitagmittag bin ich dann noch schnell zu tedox gedüst, weil ich natürlich kein Klettband mehr vorrätig hatte (bin dankbar für den Laden; unser Ministoffladen macht Mittagspausen!). Ursprünglich hatte ich unsichtbar angenähte Druckknöpfe vorgesehen, aber dafür reichte die Zeit nicht mehr.
 
So richtig genügt der Mantel nicht meinen Ansprüchen - bei den Details sieht man schon, dass er ziemlich mit der heißen Nadel genäht wurde, z.B. hats beim Ärmeleinsetzen nicht mehr fürs Einhalten gereicht, da sind jetzt Fältchen und ich wurde bei den Applikationen, insbesondere an den Ärmeln, immer unpräziser, da sieht man bei dem großen Kontrast schonmal, dass der Zickzackstich über den Rand hinausragt. Ich finde es aber auch blöd, dass man sich zwischen "flutschiger Nähfuß" und "breite Aussparung, sodass man die Nahtlinie gut im Blick hat" entscheiden muss. Muss dazu ergänzen: Weil ich meine Juki erst seit wenigen Wochen besitze und die Zeit sehr knapp war, habe ich mich noch nicht mit dem beiliegenden Oberstofftransportfuß auseinandergesetzt; vielleicht wäre das DIE Lösung gewesen. Bei meiner Pfaff muss ich halt bloß den IDT-Hebel runterziehen ...
 
Bei den Mitspielern und meinem Mann kam der Mantel immerhin gut an und die eigenen Ansprüche sind natürlich meist die höchsten. Weil das Möndchen voraussichtlich im August kommt, ist noch unklar, wann der nächste Conbesuch ansteht (und auch, wann ich selbst wieder mitkann) - aber ich bin jetzt schon gespannt, was für schräge Kostümideen meinem Mann als nächstes einfallen ...
 
Schnitt: Herrenmantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design, Gr. 58
Material: Fester weißer Baumwollköper, weiches schwarzes elastisches Kunstleder, Noppenkunstleder
Änderungen: Mantel verlängert, Reverskragen durch Stehkragen ersetzt (Schnitt: Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016), Applikationen hinzugefügt (der Abnäher verschwindet dabei in einer Teilungsnaht), Schultern verschmälert, Bizeps-Erweiterung, eine Art Full Tummy-Adjustment improvisiert, Vorderkante asymmetrisch erweitert, Aufsatztasche ergänzt
Nachnähpotential: Lieber nicht ...
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 2. April 2025

Fireflybluse - Jerseybluse Austin von Schnittmuster Berlin #2

Das hier ist eigentlich schon meine zweite Jerseybluse "Austin" von Schnittmuster Berlin. Aber irgendwie habe ich die erste noch gar nicht fotografiert ... egal, die hier finde ich sogar hübscher, weil ich die erste eigentlich aus einem Probestoff genäht habe.

Dieser Baumwolljersey ist dagegen ein Streichelstoff. Ich liebe die handgezeichneten Motive von Rebecca ReckArt und bin wirklich betrübt darüber, dass sie ihren Shop geschlossen hat (ein Trost: Man kann ihre Motive noch bei Spoonflower drucken lassen, unter dem Namen rebecca_reck_art. Kostet halt viel Porto und Zoll, aber immerhin!).

Was Rebeccas Stoffe für mich auszeichnet: Im Gegensatz zu ungefähr 99 % aller Musterstoffe hat man hier keinen winzigen Musterrapport, der sich schon auf kleinstem Raum ständig wiederholt und "kachelartig" wirkt, sondern sehr große Rapporte, ohne ein riesiges Muster zu haben. Leider ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal (weshalb die Geschäftsaufgabe doppelt so schade ist).
Der Haken daran: Der Zuschnitt kann wirklich lange dauern, wenn man sich einfach nicht für seine Lieblingsstellen entscheiden kann und die Schnittteile hin- und herschiebt ...


Die Tulpenärmel habe ich hier weggelassen, die waren ziemlich weit und wirken seltsam an meiner Figur. Mit den Bündchen ist der Armausschnitt allerdings ein bisschen eng, da muss ich nochmal ran!


Und natürlich muss man immer sehr aufpassen, dass keine einzelnen runden Motive wie der Mond mittig auf der Brust landen. Diesen Tipp habe ich vor bestimmt 20 Jahren in einem Buch über Bauchtanzkleidung gelesen - ich habe Bauchtanz nur mal kurz ausprobiert, aber dieser Hinweis ist Gold wert! Ich habe da schon kuriose Beispiele in Nähgruppen gesehen (bei Musterstoffen muss man auch höllisch aufpassen, ob man nicht bestimmte Motive auf dem Schritt positioniert, das kann auch unfreiwillig komisch aussehen).

Im Gegensatz zur ersten Bluse, bei der ich ungelogen monatelang nach passenden Knöpfen gesucht habe, konnte ich mich hier schlicht in meinem Vorrat bedienen: Da lagen ganz tolle, leicht wellenförmig gebogene (was man auf dem Foto kaum sieht) marineblaue Knöpfe mit einem matten Mittelteil und einem glänzenden Rand. Ich finde sie wundervoll und habe sie für einen ganz besonderen Stoff aufgehoben!


Tja, und dann war Hana da, hat die Knöpfe angenäht, wollte "nur mal kurz reinschlüpfen" und hat sich die Bluse direkt gekrallt - aber so glücklich wie sie darin aussieht, hätte ich sie ihr doch nicht wieder wegnehmen können, oder? Außerdem passe ich momentan sowieso nicht rein und wir tauschen sowieso dauernd Klamotten ...

Trotzdem wird das sicher nicht die letzte Austin-Bluse bleiben!

Schnitt: Jerseybluse "Austin" von Schnittmuster Berlin, Gr. 40/42
Material: Baumwolljersey "Firefly Sky" von Rebecca ReckArt
Änderungen: Oben Gr. 40, ab Taille Gr. 42, FBA um ca. 3 cm, Ärmel weggelassen und Armausschnitte mit Bündchen gesäumt
Nachnähpotential: Schon geschehen!

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Freitag, 28. Februar 2025

Sweatjacke Manuc

Zu Weihnachten habe ich Hana (mal wieder) eine Sweatjacke genäht. Bei fancyfabrics.at gab es nämlich einen sehr schönen Sommersweat: Ein dezentes Schnörkelmuster in Rottönen von Hellrot bis Pink auf schwarzem Grund, das farbverlaufsartig in eine komplett schwarze Fläche ausgeblendet wird. Gemustert, aber nicht zu plakativ oder aufdringlich!

Ich hatte aktuell keinen Bedarf an einer neuen Sweatjacke, aber Hana meldete Interesse an.

Als Basis habe ich mal wieder den schönen Manuc-Schnitt von Meine Herzenswelt benutzt - der Sweater sitzt nicht zu knalleng und hat Abnäher (wahlweise gerundete Seitenteile)! Für Hana habe ich dann auch aufs Kürzen verzichtet, weil sie längere Arme hat als ich.
Es gibt den Schnitt auch als Jacken-Version, aber nur mit Kapuze. Und Kapuzen mögen wir ja nicht. 

Was also tun? Mal wieder meinen Standard-Kragenschnitt von meiner Lieblingssweatjacke (aus einer alten Burda) übernommen, dazu natürlich den Halsausschnitt und Beleg von Burda übernommen und losgelegt!

Bei der Reißverschlusslänge habe ich mich wohl vermessen, deshalb ist er etwas kürzer als die Jacke und das Bündchen hat einen neckischen Schlitz unten.

Aber an sich finde ich die Jacke sehr schick! Beim nächsten Mal würde ich aber nach einem etwas höheren Kragen schauen (oder versuchen, den vorhandenen einfach zu modifizieren), damit er sich schöner legt.
Schnitt: "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt, Version mit Abnähern, Gr. 42
Material: Baumwoll-French Terry "Fairytale Fantastic Kiss"
Änderungen: Sweatjacke aus dem Sweatshirt gemacht, dafür Fremd-Kragen, Ausschnitt und Beleg von einem alten Burdaschnitt übernommen
Nachnähpotential: Ja, aber mit besserem Kragen.

Lg
Nria

Mittwoch, 6. November 2024

Futuristischer Okkultismus - Larp-Outfit: Shirt Jasmine von PrimaRimma Patterns, Leggings Storkben von kystbarn

Achtung, dieser Beitrag wird lang, weil es um ein komplettes Outfit geht. Wer nur Infos zu den Schnittmustern sucht, findet ganz unten eine Liste :)

Heute habe ich etwas ganz Besonderes für euch! Ich zeige euch, wie die Mode im Jahr 2083 aussehen wird. Ich weiß es, weil ich dabei war gewesen sein werde (Zeitreisen ruinieren die Grammatik)!

Ein Tageslicht-Bild ohne Make-up, nur mit Lippenstift.

Nach 21 Jahren stinknormalem Fantasylarp mit Endzeit-Ausflügen habe ich mich für ein Nordic Larp mit SciFi-Horror-Setting angemeldet. Nordic Larp ist eine spezielle Larp-Spielart aus Skandinavien, die großen Wert auf ausgearbeitete Settings mit vorgegebenen Charakteren, stark emotionales Spiel und sehr viel Reflektion legt. Oft gibt es mehrere Durchläufe eines Cons mit anderen Spielern, aber gleichen Charakteren und gleicher Handlung, was beim Fantasylarp nicht vorkommt.

Für mich war es auch das erste Mal mit einem vorgegebenen Spieler-Charakter (ich hatte schon Festrollen-NSCs, aber dann kennt man die Handlung im Voraus) - und es wurde eine persisch-stämmige Mathematikerin mit Hang zum Okkultismus, und das Ganze spielt auf einer Raumfähre in den 2080ern, also 60 Jahre in der Zukunft. Puuuh! Das ist so ziemlich alles, was ich nicht bin. Aber immerhin meine Haarfarbe passt ...? 

Und so sah das Ganze auf dem Con aus.

Da das Kostüm nicht gestellt wird (außer für Bordpersonal), muss ich selbst ran. Finde ich auch besser so, weil mir Kleidung von der Stange selten passt. Aber ein geeignetes Outfit hat ein paar Voraussetzungen:

  • Zunächst sollte es natürlich futuristisch sein. Wir laufen heute ja auch nicht mehr rum wie in den 60ern. Was mir dazu einfällt, sind lustigerweise aber Space Age-Anlehnungen aus den 60ern - klare Linien, Rundungen, Geometrie und Kontraste, aber auch Asymmetrie und heute ungewöhnliche Details. Und definitiv enge Hosen/Strumpfhosen (wenn Kleid) plus Stiefel mit Keil- oder Plateausohlen!
  • Der Charakter wird vorrangig als "Okkultistin" beschrieben, also steht dieser Aspekt für mich im Vordergrund. Alle Okkultisten tragen in meinem Kopf immer Schwarz, dazu gibt mein Kleiderschrank kaum was her. Also ein kleiner Ausflug in die Gothic-Richtung. Ich hätte dazu schon eine H&M-Kette mit liegenden Mondsicheln und Augen rumfliegen. Dazu schwarzer Nagellack und dunkler Lippenstift, das ist schon die halbe Miete!
  • Die Figur ist Mathematikerin, aber privat unterwegs. Ein paar kleine Anleihen in die Richtung hätte ich gerne - meine DNA-Ohrringe spiegeln zumindest Interesse an Naturwissenschaft wider?
  • Ach ja, das iranische Erbe: Der Charakter hat sich eher von seinen Wurzeln losgesagt, also kein Kopftuch oder Ähnliches. Generell möchte ich hier aber vorsichtig sein, denn bei der Darstellung von anderen Kulturen und Realreligionen kann man leicht jemandem auf die Füße treten. Diesen Aspekt des Charakters lasse ich eher im Hintergrund.
  • Ganz wichtig: Idealerweise kann ich alle Komponenten später einzeln im Alltag tragen, d.h. nur die Kombination sieht nach Kostüm aus. Es ist ein One-Shot, d.h. man spielt den Charakter nur ein einziges Mal und es wäre doch Verschwendung, wenn das Zeug danach nur noch im Schrank hängt.

Eigentlich wollte ich viel improvisieren, vor allem mit Zeug, das ich schon habe. Aber weil mir aktuell kaum etwas aus meinem Schrank passt (ich habe Anfang des Jahres ein paar Kilo zugenommen), habe ich letzten Endes doch ein komplettes Outfit aus Hose, Tanktop und Oberteil und eine Tasche genäht. 3 der 4 Schnittmuster neu gekauft, alle relativ umfangreich angepasst.
Und neue Schuhe gekauft. Aber die brauchte ich sowieso. 

"Schnell und einfach" gibts bei mir irgendwie nicht ... Zumindest nicht, wenn es um Anlasskleidung geht.

Das Oberteil

Ich hatte damit gerechnet, lange nach einem passenden Outfit suchen zu müssen. Stattdessen bin ich kurz nach dem Lesen meiner Rolle in einer Facebook-Nähgruppe auf das perfekte Oberteil gestoßen, ohne auch nur nach Inspiration gesucht zu haben: Das Shirt "Jasmine" von PrimaRimma Patterns (seltsamerweise vom Hersteller als "Pullover" bezeichnet, was für mich eigentlich Strick oder zumindest Sweat voraussetzt) hat vorne ein Knotendetail, einen asymmetrischen Saum, lange Ärmel und wahlweise einen kleinen Stehkragen oder Uboot-Ausschnitt.
Also genau, was ich gesucht hatte: Asymmetrie und cleaner Look für Futurismus (das Produktfoto mit strahlendweißem Oberteil und schwarzer Leggings hatte auch direkt diese Vibes) und das lange Oberteil über der Hose hat für mich eine leichte Kaftan-Optik, geht also auch in die vorderasiatische Richtung.

Das Oberteil wurde schnell gekauft und gleich genäht - ich war nämlich sehr unsicher, ob das (fast) ausschließlich an großen, schlanken Frauen präsentierte Teil auch an kleinen knubbeligen Frauen gut aussieht. Oft ist das ja nicht der Fall.

Ich fürchte, ärmellos steht es mir besser ...

Was mich sehr stört (das ärgert mich auch bei den klassischen amerikanischen Herstellern wie Butterick, Vogue etc.): Es gibt zwei Größenbereiche, 34-44 und 46-56 (sowohl bei den A4- als auch den A0-Dateien), die separat gedruckt werden müssen und sich nicht überschneiden. Es ist schön, beim Drucken Papier zu sparen, aber damit wird es unmöglich, von Gr. 44 auf Gr. 46 zu gradieren, wenn man an der Hüfte eine Nummer mehr braucht. Zumindest eine Größe Überschneidung sollte es geben (der Hersteller Cashmerette, der für kurvige Figuren konstruiert, hat sogar vier Größen Überschneidung). Zum Glück liege ich dank meiner kleinen Körpergröße noch unter diesen Maßen.

Und - nicht die Schuld des Herstellers - ein Nachteil von asymmetrischen Schnittmustern: Änderungen sind die Pest. Ich habe das Teil um insgesamt 6 cm gekürzt, aber auf 5 Stellen verteilt, um die Proportionen möglichst wenig zu verzerren. Danach hatte ich keine Lust mehr auf die FBA, die ich möglichst an beiden Seiten hätte exakt gleich machen müssen, und habe einfach direkt komplett XL genäht und auf die Dehnbarkeit des Viskosejerseys vertraut. 

Fertige Seitenansicht.

Wenn man schon Knotenoberteile genäht hat, ist die Jasmine nicht schwierig zu nähen. Beim ersten Mal sind Knotentops aber immer irgendwie verwirrend und wurschtelig. Und weil ich beim Zuschnitt einen Knoten im Kopf hatte, ist mein Oberteil spiegelverkehrt zum Original, aber das ist hier zum Glück echt egal!

Erste Anprobe, noch ohne Säume und Ärmel. Nur echt mit geschlossenen Augen zwischen Gemüsepflanzen, außerdem provisorisch mit Larpstiefeln (weil ich keinerlei andere Stiefel besitze):

Und ich muss sagen: Ich war positiv überrascht! Wegen der überwiegend sehr kleinen Größen auf den Produktfotos hatte ich etwas befürchtet, dass mir das Teil nicht steht, aber es sieht doch recht gut aus.
Der komplett schwarze Look gefällt mir eigentlich, aber leider kommt das Oberteil dabei weniger gut zur Geltung (auf dem Foto stehe ich ja schon im hellen Licht; auf dem Con wird aber drinnen im Halbdunkel gespielt), deshalb wechsle ich da zu einer grauen Leggings.

Mit Ärmeln, Kragen und Säumen: 

... mit Leggings siehts besser aus als mit Jeans.

Mit einer normalen Hose siehts irgendwie weniger gut aus ...
Was außerdem nicht gut an mir aussieht: Der Stehkragen. Ich habe viel Oberweite (die dazu noch recht tief sitzt) und einen kurzen Hals - ganz ehrlich, ich weiß gar nicht, wieso ich nicht direkt auf den Kragen verzichtet und einen normalen Ausschnitt genäht habe. Das habe ich nach Anschauen dieses Bildes dann auch nachträglich getan. 

Von hinten unspektakulär. Aber mit Schlangenhaarspange.

Die Leggings

Ich habe ja ernsthaft versucht, eine Leggings zu kaufen. Problem: Die sind nicht mehr so trendy! Und Grau scheint eine schwierige Farbe dafür zu sein; ich wollte keine melierte, weil das für mich nach Unterwäsche aussieht. Außerdem möglichst keine glänzende Polyesterleggings, denn normale Leggings kann ich als Strumpfhosenersatz unter Kleidern tragen, was ich bei Polyester eher nicht tun würde.

Also doch selbernähen. Beim Stoff habe ich mich für einen grauen Leatherlook-Sommersweat von Astrokatze entschieden. Für Sommersweats sind die von Astrokatze wirklich dünn, was mir für eine so enge Hose sehr entgegenkommt; trotzdem glaube ich, dass ich mich in Sweat angezogener fühle als in einer hauchdünnen Jerseyleggings (denn normalerweise trage ich Leggings nie als Hose, sondern nur unter anderer Kleidung).
Außerdem versprach der September 2024 nicht der wärmste der letzten Jahre zu werden ...

Meine Wahl fiel dann auf die Leggings "Storkben" von kystbarn. Ich hatte ein wenig ein schlechtes Gewissen, schon wieder ein neues Schnittmuster zu kaufen, und dann auch noch für ein Basicteil, für das ich schon diverse Optionen in meinen Nähzeitschriften gehabt hätte!
Es gab aber einen guten Grund dafür: Diese Leggings hat 3 Schnittoptionen für unterschiedlich elastische Stoffe. Und i.d.R. sind Leggingsschnittmuster nunmal auf sehr stretchigen Jersey ausgelegt - bei meinem teuren Sommersweat wollte ich da nichts riskieren, zumal Leggings oft keine Seitennähte haben und man dann wirklich schlecht durch Auslassen der Nahtzugabe noch was rausholen kann!

Hier sieht man den Bund der Hose - mit Top drüber gefiel's mir aber besser.

Wenig überraschenderweise bedeutet "Storkben" Storchenbein auf Schwedisch. Der Schnitt enthält drei verschiedene Längen von 3/4 bis lang und drei verschieden hohe Bündchen.

Weil der Sommersweat quer nicht soo dehnbar ist, habe ich mich für die Version mit der geringsten  Dehnbarkeit entschieden.

Was mich etwas nervt: Man muss in der Anleitung bis auf Seite 25 scrollen, um die Maßtabelle zu finden. Leute, packt die ganzen Nähbeispiele doch nach hinten, die braucht man nicht fürs Nähen!
Was ich dagegen gut finde: Es gibt Bildbeispiele für die unterschiedlichen Bundversionen, eine Verarbeitungsmöglichkeit mit stabilisierendem Powernet und Fotos plus Skizzen für Passformprobleme.

Apropos Probleme: Ich habe zuerst eine Testseite ausgedruckt und das Kontrollquadrat gemessen, dann den Schnitt auf 103% gedruckt, weil es nicht ganz passte. Aus irgendeinem Grund hat mein Drucker trotzdem auf 100% gedruckt, deshalb fällt mein Schnitt jetzt einen Tick kleiner aus, also doch wie die mittlere "5 zu 6,5 cm"-Dehnbarkeitsvariante. Gut, dass ich keinen Stretchjersey-Schnitt verwendet habe!

Mein Bund war allerdings um Längen zu eng, da hätte ich mich so geraaade eben reinquetschen können. Hüft- und Taillenmaß passten bei mir genau in die Tabelle (und der Druckfehler hätte nicht so viel ausgemacht); da habe ich wohl mal wieder vergessen, mein Bäuchlein einzurechnen. Da der Bund aber sowieso gedehnt angenäht wird, habe ich hinten in der Mitte ein dreieckiges Stück Bündchenware eingesetzt. Das Stück war unten 11 cm breit; ganz so viel hätte es wohl nicht gebraucht, aber jetzt bin ich auf der sicheren Seite.

Ein Tragefoto sähe hübscher aus, zugegeben ...

Soweit, so gut. Was aber bei den obigen Bildern auffällt: Die eine Seite des Shirts endet in der Taille und bauchfrei sollte man ja nur tragen, wenn man auch bauchfrei ist ... (das zitiere ich nur, weils so gut passt - natürlich dürfen alle auch mit Bäuchlein bauchfrei tragen, wenn sie wollen!).
Bin ich nicht, also gab es:

Das Tanktop

Hierfür war der Schnitt schnell gefunden: Lucy von Meine Herzenswelt. Ich mag, dass das Top Bündchen statt Belegen oder Einfassungen hat, das ist nämlich mein favorisierter Saumabschluss bei Tops. 

Weiterer Vorteil: Das Shirt habe ich schonmal genäht (siehe Astronautentop), somit war es das einzige Teil des Gesamtkostüms, bei dem ich nicht erst einen Schnitt drucken, kleben und abpausen musste. Dafür habe ich dann mal eine FBA durchgeführt, das hatte ich sowieso vor. 

Zum Nähprozess gibts jetzt nicht so viel zu schreiben, Tanktop halt - was mir allerdings erst nach dem Annähen und Absteppen der Bündchen aufgefallen ist: Die wären viel schöner gewesen, wenn ich drauf geachtet hätte, dass sich genau in der Mitte des fertigen Bündchens ein Schriftzug befindet. Na ja. Mal gucken, ob ich irgendwann mal Lust habe, das nochmal zu ändern (meine Wette: Nö!).

Und danach gabs nur noch eins Projekt:

Die Umhängetasche

Für mich geht es einfach nicht ohne Tasche! Auch beim Larp habe ich immer eine dabei. Hier wusste ich im Vorhinein nicht genau, ob ich eine brauchen werde (das Genre ist halt neu für mich und es gibt Spielpausen), aber meine vorhandenen Taschen sind alle sehr spezifisch. Daher habe ich doch mal wieder eine neue genäht.

Entschieden habe ich mich für die Beginner Bag von Kleiner Polli-Klecks. Dazu gibt es einen Extra-Beitrag, weil der Text wirklich lang wurde ...

Jedenfalls habe ich sie um knapp 13 cm verschmälert, weil ich eine kleinere Tasche wollte und die Optik damit etwas eigenartiger wurde (die Proportionen verändern sich). 

Ich glaube, das Nähen der Tasche hat so lange gedauert wie alles andere zusammen! War also gar nicht mal so schlau, eine zu nähen; eine simple Tasche kaufen oder auf meine vorhandene Stofftasche ein Patch übers Motiv zu nähen, wäre vermutlich sinnvoller gewesen.

Die Tasche zu nähen hatte allerdings den Vorteil, dass ich die aufgesetzte Tasche nach Belieben mit übereinandergestapelten Patches und Pins versehen konnte. Ich habe mich für zwei Patches (random Geometrie und ein Fibonacci-Motiv) entschieden; auf den Pins steht "There's Magic in all of us" and "Shit just got real" (mit einem Mathematiker-Formel-Wortspiel).

Fazit:
Ich habe mich sehr wohl gefühlt in meinem Outfit (und dank dunkellila Lippenstift auch sehr okkultistisch-futuristisch). Später habe ich dann noch meinen schon im Juni gezeigten Fuchsfrau-Cardigan übergezogen, weil es doch etwas frisch war und dessen Space-Optik gut zum Konzept passte.
Mein Mann hatte sich einfach einen fancy Mantel im Gothic-Shop bestellt und von mir mit okkultistischen Aufnähern bestücken lassen, der sah um Längen cooler (und definitiv "okkultistischer") aus als ich - aber wir hatten einen Heidenspaß auf der Veranstaltung und uns direkt für die nächste angemeldet.
Mal gucken, ob ich dann eine Rolle mit gestellter Ausrüstung erwische oder ob ich nochmal ein Outfit nähen "muss" ...


Zu guter Letzt noch ein kleines Foto von mir und meinem Mann in unseren Rollen:

Longsleeve
Schnitt:
Shirt "Jasmine" von PrimaRimma Patterns, Gr. XL
Material: Viskosejersey
Änderungen: Torso um 6 cm gekürzt, Bizepsanpassung, Ärmel um 4 cm gekürzt, Taille etwas begradigt, Ausschnitt ein wenig vergrößert und mit Bündchen versehen
Nachnähpotential: Definitiv, ich finde es sehr cool!
Leggings
Schnitt:
Leggings "Storkben" von kystbarn, Version für die kleinste Dehnung in voller Länge mit dem höchsten Bündchen, Gr. 44
Material: Baumwoll-Sommersweat "LeatherLook antique - steingrau"
Änderungen: Beine um 3 cm gekürzt (hätte deutlich mehr sein können), Bund um ca. 11 cm erweitert
Nachnähpotential: Weiß nicht, bin nicht so die Leggings-Trägerin.
Tanktop
Schnitt:
"Lucy" von Meine Herzenswelt, Gr. 40
Material: Baumwolljersey "Schrift" von Metalmotte
Änderungen: FBA, Seitennaht ab der Brust abwärts verbreitert
Nachnähpotential: bereits geschehen

Tasche
Schnitt: "Beginner Bag" von Kleiner Polli-Klecks
Material: schwarzer Jeans, Baumwollpopeline als Futter, diverse Patches und Pins
Änderungen: um 12,8 cm verschmälert (Reißverschluss weniger gekürzt)
Nachnähpotential: Vielleicht, dann aber in der breiten Version!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

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