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Donnerstag, 26. Juni 2025

Resteverwertung mit Abnäher-Rotation - Sternhimmelshirt Meine Manuc von Meine Herzenswelt mit Teilungsnähten

Die Stoffe von Rebecca ReckArt sind so schön, da muss man einfach alles von verwerten! Von meinem Starry Night-Sweatshirt ist ein größeres Stück übrig geblieben, das fast für ein ganzes weiteres Sweatshirt reichte.

Aber eben nur fast. 

Bisschen ungebügelt, aber so hübsch!

Was macht man da? Natürlich Teilungsnähte! Es war reichlich Platz für ein Rückenteil und zwei Ärmel, aber fürs Vorderteil war der verbleibende Rest dann zu schmal. Genau für den wollte ich auch das kleine Stück Baum-Bordüre nutzen, das noch da war. 

Ärmel und Rückenteil sind im richtigen Fadenlauf, das Vorderteil folgt der Bordüre. 

Zunächst mal habe ich meinen aktuellen Standard-Sweatshirtschnitt, "Meine Manuc" von "Meine Herzenswelt" rausgesucht. Der hat nämlich Abnäher! Und das Praktische an Teilungsnähten ist: Wenn man sie über den Brustpunkt verlaufen lässt, kann man die Abnäher wunderbar in die Naht rotieren, sodass man die Abnäher nicht mehr nähen muss und trotzdem eine Form entsteht.

Ich habe den Schritt fotografiert, aber dank Bleistiftlinien sieht man nur mäßig viel - wer genau hinguckt, kann schon die Form des Einsatzes erahnen!

Teilungsnaht in der Entstehungsphase. 

Dafür habe ich die Breite des Stoffrests auf den Schnitt abgepaust (natürlich unter Berücksichtigung dessen, dass ich noch Nahtzugabe brauche) und die senkrechten Linien zur Mitte hin schmal zulaufen lassen.Finde ich ansprechender, als einfach einen "Block" einzusetzen.

Ok, die Schwarztöne sind nur fast gleich, aber macht ja nichts!

Den oberen Teil der Teilungsnaht habe ich dann bis zur Abnäherspitze eingeschnitten, den Abnäher in die Naht gedreht und den Rest der Teilung auseinandergeschnitten. Als "Rahmen" für die Bordüre habe ich dann schwarzen Uni-Sweat verwendet.

Für den hinteren Teil des Sweatshirts habe ich die Sternhimmel-Bereiche ohne Baumbordüre verwendet, ist aber auch genug Muster:

Genäht war das Ganze dann schnell. Musste ja keine Abnäher machen!


Und weil ich kein zweites Shirt mit dem gleichen Motiv brauchte, hat Hana das Teil bekommen. Für mehr Zwillingslook!

Schnitt: "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt, Gr. 42
Material: "Starry Night"-Wintersweat von Rebecca ReckArt, schwarzer Wintersweat von Swafing
Änderungen: Teilungsnaht eingefügt und die Abnäher dort hineinrotiert, um 6 cm verlängert
Nachnähpotential: Wird langsam mein Standardschnitt für Sweatshirts.

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag. 

Lg
Nria 

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Libertas-Patimore - Cardigan-Mix aus Westmore von Cashmerette, Impati von Peakmade

Heute ist Halloween, da zeige ich doch mal ein Kleidungsstück mit "düsterem" Motiv!

Der Sweat-Cardigan Westmore von Cashmerette mit dem Fuchsfrau-Fehlkauf war mein Überraschungshit beim Nähen diesen Sommer. 

Er gefiel mir so gut, dass ich noch einen wollte. Auf dem Stoffmarkt in Soest stieß ich völlig überraschend auf einen Stand von Vernähbar. Der Shop bietet Stoffe an, die so in die düstere/Metal-Ecke gehen, und mit so etwas Speziellem hätte ich auf dem Stoffmarkt gar nicht gerechnet! Ich war von der Auswahl ganz erschlagen und habe dann spontan den Sweat "Libertas" gekauft - darauf sind Kirchenfenstermuster in Grüntönen und ein Rabenmotiv abgebildet. 


Die Panele von Vernähbar erinnern sehr an die vom Shop Puppenstübchen (von dort kam das Fuchsfrau-Panel), der leider im Sommer mit sehr kurzfristiger Vorankündigung geschlossen hat - ausgerechnet in der Woche, in der ich im Urlaub war und es nicht mitgekriegt habe. Nun ja, das neue Panel tröstet darüber hinweg! Ich glaube, Vernähbar hat sogar ein, zwei Motive von Puppenstübchen übernommen?

Jedenfalls: Mir schwebte dann auch gleich ein zweiter Westmore-Cardigan vor, schließlich hat der auf das erste Panel bestens draufgepasst. Der Haken: Diesmal wollte ich das Motiv gern mittig auf dem Rücken haben statt auf dem Ärmel (es ist ja auch ein rundes Motiv, nicht länglich wie das andere). Das Rückenteil des Westmore-Cardigan ist allerdings geteilt und das Mittelteil war zu schmal.

Rettung nahte aus meinem unerschöpflichen Schnittvorrat: Irgendwann habe ich den Cardigan Impati von Peakmade gekauft - ebenfalls ein Longcardigan, dessen Rückenteil allerdings ein Taillenband und unten optional Falten hat.
Für mich sah das ideal zum Kombinieren aus. Vorderteil von Schnitt A, Rückenteil von Schnitt B habe ich wirklich noch nie gemischt, aber ich war bereit, das Wagnis einzugehen! (und hey, wildes Rummixen passt auch zum Namen "Freiheit" des Panels ...)

Natürlich sollte man das nicht blind machen. Ich habe erstmal sorgfältig ausgemessen und es passte ganz gut zusammen (beim Schnittmusterkombinieren ärgere ich mich übrigens am meisten über integrierte Nahtzugaben!). Dann habe ich die Schulter- und Armausschnittform des Cashmerette-Cardigans auf das Impati-Rückenteil übertragen. Ziemlich fummelig, weil der Cashmerette-Armausschnitt kleiner und das Rückenteil mehrteilig mit großem Abnäher ist.


Das Schößchen musste ich kürzen, weil der Stoff nicht gereicht hätte; ich bin jetzt mit den Proportionen nicht 100% glücklich, aber es ist okay.
Was mir bei der Anleitung für das Falten-Schößchen nicht gefallen hat: Bei den Kellerfalten sind nur die äußeren Faltenpunkte markiert, nicht die Mitte. Die muss man selbst ausmessen - unpraktisch! Ich gebe aber zu, dass es sonst wirklich viele Markierungen gewesen wären ... zumindest die bei den meisten Schnittherstellern üblichen Pfeile wären aber toll gewesen. So war der Schnitt etwas verwirrend, weil man erst irgendwo in der Anleitung herausfinden musste, wie die Falten gelegt werden.

Der Cardigan an sich war wieder schnell genäht, wie so oft bei Teilen, die ich nicht zum ersten Mal nähe. Den Beleg habe ich wieder umgeschlagen und per Hand festgenäht, weil ich das bei Sweatjacken deutlich schöner finde als einen lose rumflatternden Beleg; es frisst halt etwas Zeit.

Fazit: War der Schnittmustermix eine gute Idee?

Ich bin da nicht sicher. Der Mix an sich hat gut funktioniert, aber ich bin mit der Rückseite nicht ganz zufrieden: Es hätte mir besser gefallen, wenn das Taillenband halb so hoch und das "Schößchen" ein gutes Stück länger wäre. Vermutlich wäre eine Rückenteilversion ohne Teilung gefälliger gewesen, aber das hätte das Panel platzmäßig nicht hergegeben, weil ich durch die Positionierung des Motivs auf dem Stoff ja nicht frei darin war, wo ich das Rückenteil auflege.

Ansonsten gefällt mir der Cardigan aber wirklich gut! Der Stoff hätte mir auch als Kleid sehr gefallen, aber ich musste feststellen, dass ich auffällig gemusterte Sweatkleider nicht gern trage, deshalb möchte ich selbige nur noch mit dezentem Muster oder unifarben nähen.

Schnitt: Vorderseite: Westmore Cardigan von Cashmerette, gerade Kragenversion, Gr. 10 (oben) bis 14 (unten), Cup E/F
              Rückseite: Cardigan Impati von Peakmade, Gr. 42
Material: Panel "Libertas" aus Baumwoll-Sommersweat von Vernähbar
Änderungen: Torso um 3 cm gekürzt, Ärmel um 5 cm gekürzt, Brustpunkt um 5 cm nach unten versetzt
Nachnähpotential: Der Westmore-Cardigan definitiv (vielleicht mal eine hüftlange Version?), der Impati-Cardigan eher nicht.

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Donnerstag, 29. August 2024

"Foxira"-Mix mit Palmenmuster - Foxhill Dress von Cashmerette mit Kleid Mira von Pattydoo

Ich muss ja gestehen: Seit ich immer mehr Anbieter für Schnittmuster mit großen Cupgrößen entdecke (vorrangig Cashmerette, aber auch Itch to Stitch, und Sinclair Patterns hat auch schon mehrere herausgebracht, wenn auch leider nur vereinzelt), vernachlässige ich meine anderen Schnittmuster schmählich - aber man kann ja auch Schnittmuster mischen! Hier habe ich quasi eine Mira von Pattydoo genäht, aber mit einem Oberteil von Cashmerette. Ich denke, das werde ich in Zukunft häufiger tun ...
 
 
Dieses Kleid zeigt mal wieder meine Vorliebe für Palmenmuster. Ich habe den Baumwolljersey 2021 gekauft, nachdem ich ihn auf Facebook an einer anderen Näherin gesehen habe - als er dann eintraf, konnte ich hin mir aber gar nicht mehr soo gut an mir vorstellen, weshalb er erst drei Jahre später vernäht wurde. So richtig haut mich der Stoff an mir selbst leider immer noch nicht um. Vielleicht ist mir der Blauton zu gedeckt?

Weil ich Anfang des Jahres ein paar Kilo zugenommen habe, brauchte ich dringend neue Kleider. Und weil ich ebenso begeistert von den Cashmerette-Schnittmustern bin wie von Palmenmustern, habe ich jetzt schon das vierte Teil aus dem "Ahead of the Curve"-Buch genäht! Mir fehlt jetzt nur noch die Hose Magna (bereits in Planung), dann habe ich tatsächlich alle fünf ausprobiert.
 
 
Eigentlich habe ich aber nur ein halbes Foxhill-Kleid genäht: Ich mochte den relativ engen Rockteil nicht so. Daher habe ich wie schon so oft wieder meinen geliebten Mira-Rockteil von Pattydoo drangeklatscht, und wie beim Leslira-Kleid habe ich Eingrifftaschen ergänzt. 

Im Prinzip ist es jetzt doch wieder einfach nur das Mira-Kleid, aber mit V-Ausschnitt und Schnittteilen für große Cupgrößen ... ich nenne es trotzdem Foxira! Und für weitere Versionen kann ich den Original-Mira-Wickelausschnitt dranbasteln, ohne mich bei der Mira mit einer FBA abmühen zu müssen.
 
 
Weil ich den Originalschnitt gerade nicht zur Hand hatte, habe ich den Rockteil einfach außen etwa einen Zentimeter verbreitert (ansonsten hätte ich eine Nummer größer abgepaust). Dankbarerweise ist die Weite des Rocks durch die Falten aber auch etwas variabel; man kann sie einfach verkleinern oder nur eine Falte legen statt zwei nebeneinander, wenn man mehr Rockweite braucht.

Der Halsausschnitt wird mit Beleg verarbeitet und die Form gefällt mir sehr gut - V-Ausschnitte brauchen einfach einen schönen Schwung! Zu tief ist er auch nicht.



Das Kleid ist unspektakulär, aber an sich finde ich es prima. Für weitere Versionen könnte ich mir vorstellen, den Rock der Mira in einer größeren Größe abzupausen, damit die Falten die tatsächlich vorgesehene Größe bekommen, und mal zu schauen, ob sich der Wickelausschnitt übertragen lässt.

Schnitt: Oberteil: Foxhill Dress aus dem Buch "Ahead of the Curve von Jenny Rushmore, Gr. 12/14 E/F; Rockteil: Kleid Mira von Pattydoo, Gr. 40
Material: Baumwolljersey mit Palmen von Fuchsfamilie
Änderungen: 3 Schnittmuster kombiniert, Brustpunkt um 3 cm nach unten versetzt, freihand Taschen hinzugefügt, alle Rückenteile zum Stoffsparen mit einer Mittelnaht versehen; mittleres Vorderteil um 1,5 cm gekürzt, Hohlkreuzanpassung um 1,5 cm, Rockteile außen um 1-1,5 cm verbreitert
Nachnähpotential: Ja!

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Mittwoch, 6. März 2024

Physalis-Faye - geteiltes Sweatshirt ohne Kragen von Pattydoo

Das Sweatshirt Faye von Pattydoo ist mittlerweile eins meiner Lieblingsschnittmuster. Man kann wunderbar Reste verwerten, ansonsten reichen Halbmeterstücke (die ich ja ganz gern mal rumliegen habe), nur für den oberen Teil mit dem Kragen braucht man ein kleines bisschen mehr. Es ist recht  lang, was ich mittlerweile zu schätzen weiß, und durch die schräg geschwungenen Teilungsnähte sieht es mit Unistoffen interessant aus, aber auch wilde Musterstoffe kommen gut zur Geltung, wenn man sie einfarbig kombiniert.

Die letzten Fayes bestanden nur aus Resten - die Vogel-Faye aus Sommersweat, die Gräser-Faye aus Wintersweat und Hanas maritime Faye wieder aus Sommersweat, nur ohne Kragen.

Diesmal habe ich wieder Sommersweat genommen, aber alle Stoffe neu gekauft. Was soll ich sagen, meine Sweat-Restekiste ist jetzt einfach ziemlich ausgeschöpft, was große Reste betrifft!


Um den cremefarbenen Physalis-Sommersweat mit Blätterstrukturen von stoffkids.at bin ich schon lange herumgeschlichen. Die Farbe ist nicht unbdingt wintertyptauglich, aber das Muster ist absolut mein Ding! Bei der Faye kann man solche Stoffe natürlich super in die Mitte setzen und mit Farben ergänzen, die einem besser stehen. 

Dazu habe ich dann dunkelgrünen und dunkelgroten French Terry von Königreich der Stoffe bestellt, als ich dort sowieso Kurzwaren gekauft habe, die ich vor Ort nicht bekomme. Der große Stoffladen hier hat zugemacht und der zum Glück noch bestehende kleinere hat zwar tolle Sachen, aber die Auswahl ist trotzdem begrenzt.

Im Nachhinein denke ich mir: Ich hätte doch den Kragen dranmachen sollen ... ich habe ewig nach einer passenden Bündchenfarbe gesucht! Und mit "ewig" meine ich Monate. Diverse Läden in diversen Städten abgeklappert. Stoffproben von Onlinehändlern bestellt. Es hat einfach nichts gepasst! Und auch wenn ich kompromissbereit bin - es sollte sich zumindest nicht beißen, und weil der Pulli schon viele Farben hat, wollte ich nicht noch eine völlig andere wie Schwarz oder Grau reinbringen.
Schließlich habe ich doch einfach den Originalstoff des oberen Teils genommen, auch wenn mir der Sweat dafür eigentlich nicht stretchig genug war.

Mit einem tieferen Ausschnitt sieht der Schnitt harmonischer aus, aber ich bin einfach sehr kälteempfindlich und mag keine Halstücher, was will man da machen!


Ich bin relativ zufrieden - noch besser würde es mir mit einem leuchtenderen Rot- und Grünton gefallen, aber ich habe online bestellt und die Farben kamen nicht ganz so raus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Na ja, nach ein paarmal Tragen werde ich mich dran gewöhnt haben.

Schnitt: Faye von Pattydoo, Gr. 42
Material: Physalis-Sweat von Stoffkids.at, Unisweats von Königreich der Stoffe (alles Baumwoll-Sommersweat)
Änderungen: Ärmel um ca. 3 cm gekürzt, Bündchen auf 5 cm gekürzt, die oberen Vorderteile zusammengefügt, Kragen weggelassen und Ausschnitt verkleinert
Nachnähpotential: Definitiv.
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Donnerstag, 22. Februar 2024

Neuauflage 1. Larp-Gewandung: Die Bluse [WIP Teil 2]

Ich habe letztes Jahr beschlossen, eine Neuauflage meiner ersten Larpklamotte von vor 20 Jahren zu nähen. Mit ein bisschen Verspätung (es waren noch diverse neue Larpklamotten zu nähen) geht es jetzt richtig los! 

Die vordere Mittelnaht war ein Versehen, wird aber später unterm Mieder verschwinden.

Den Anfang macht die Bluse. Nach langem Suchen bin ich bei der Bluse "Leo Bohemian" gelandet (Modell 3 aus der Ottobre 5/2013). Sie sitzt recht locker, hat vorne geraffte Schultern, hinten eine geraffte Passe und einen Schlitzausschnitt, der mit dem Einfassband am Auseinanderklaffen gehindert wird.

Außerdem überschnittene Schultern und gerade, unten nur leicht geraffte Ärmel, was ich ändern werde. Ich will nämlich richtige Puffärmel!

Erst hatte ich überlegt, sie selbst aus den normalen Ärmeln zu konstruieren (das geht ganz leicht und ich habe das auch schon mehrfach gemacht), aber die Grundform gefiel mir schon nicht so. 

Dann erschien die Burda 10/2023 und ich war direkt begeistert von den Ärmeln am Modell 101: Unten gepufft mit kleiner Manschette, oben durch viele Biesen verschmälert. Es gibt auch zwei waagerechte Spitzeneinsätze am unteren Ärmelende, aber das lasse ich weg. 

Ein Königreich für einen Fotografen, der einem sagt, wenn die Klamotte verrutscht ist ...

Eigentlich wollte ich die Burda aus der Bücherei ausleihen, aber dann war sie schon verliehen und aus Trotz hab ich sie doch gekauft, weil ich sofort loslegen wollte. Fun Fact: Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich einen Puffärmel-Kostümschnitt besitze, den ich genauso gut hätte verwenden können (sogar die ganze Bluse des Kostüms wäre tauglich gewesen), aber das hab ich zu spät gesehen und jetzt mache ich halt Schnittmustermix!

Natürlich kann man nicht einfach den Ärmel von einem Schnitt nehmen und in den Armausschnitt eines anderen Teils einsetzen - aber es geht recht gut, wenn man den Armausschnitt des Ärmelschnittmusters klaut und an den fremden Torsoschnitt ansetzt. Nur auf Details wie Weite des Schnitts und Schulterbreite sollte man dabei achten, damit man keinen Murks macht. 

Für bessere Passform habe ich dann noch eine FBA (Full Bust Adjustment) durchgeführt.

Hiiiier hätte ich sehen können, dass das Vorderteil nicht im Bruch liegt ...

Wie man sieht, habe ich gleich einen blöden Fehler gemacht: Obwohl es eine Bluse ist, hätte ich natürlich sowohl Vorder- als auch Rückenteil im Bruch zuschneiden müssen, d.h. einen doppelten Bruch legen, beides zuschneiden und danach erst die Ärmel mit dem einzelnen normalen Bruch zuschneiden. Oder zumindest das Rücken- statt des Vorderteils in den Bruch legen! Na ja, nicht zu ändern; für einen zweiten Versuch hatte ich keinen Stoff.

Das Ganze habe ich nach dem Zuschnitt ein paar Monate prokrastiniert, bis ich etwas anderes zu prokrastinieren hatte (und außerdem fertig damit war, mich über den fehlerhaften Zuschnitt zu ärgern) und mich wieder rangesetzt habe. 

Dabei habe ich dann am Samstagmittag festgestellt, dass ich kein passendes Garn für diese komische Stofffarbe habe. War aber auch egal, weil der Stoffladen auch keins gehabt hätte - dafür habe ich bei meiner Mutter im Nähkorb eine genau passende Farbe gefunden! War auf einem kleinen Pappröllchen, das nicht auf die Nähmaschine gepasst hat, aber ich habe dann den Overlockkonen-Trick für störrische Garnrollen falscher Größe angewendet und das Garn in ein Glas hinter die Nähmaschine gelegt und von dort aus ganz normal aufgespult und eingefädelt. Hat einwandfrei funktioniert. 

Der Torso war schnell genäht: Das Rückenteil an die Passe kräuseln, die Abnäher des Vorderteils nähen und zusammensetzen.

Bei den Ärmeln habe ich erstmal den oberen Teil des Schnitts bis zum Biesenende runtergeklappt und als Hilfslinie mit rotem Faden daran entlanggenäht - ich habe bei Biesen schon genug Schwierigkeiten, die halbwegs gleichmäíg zu nähen, da müssen sie nicht auch noch unterschiedlich lang sein!

Das schmalkantige Nähen erwies sich als viel einfacher als gedacht - aber bei diesem sehr lockeren und flutschigen Stoff habe ich es nicht mal ansatzweise hingekriegt, gleiche Abstände zu nähen. Na ja.

Hier sieht man einen fertigen und einen unfertigen Ärmel. Aber beim Tragen fällt's hoffentlich weniger auf!

Die Burda-Bluse hat dankbarerweise eine Bilderanleitung; trotzdem habe ich beim Ärmelschlitz wieder irgendwas falsch gemacht. Ich muss aber dazu sagen, dass der Schnitt mutmaßlicherweise für einen viel dünneren Stoff vorgesehen ist - es war richtig, richtig schwierig, den schmalen Streifen wie ein Schrägband anzunähen, deshalb habe ich mich nur beim Halsausschnitt da durchgequält (einen Meter lang!) und beim Ärmelschlitz die Taktik geändert und das Teil wie einen Beleg nach innen geklappt. Jetzt steht das Schlitzende halt etwas auf.

Die Rückansicht finde ich sehr schön!

Die Manschetten ließen sich dafür super angenehm annähen (ich habe die innere Manschettenkante per Hand angenäht) und das Ärmeleinsetzen ging auch wie von selbst - dafür sind so weiche, lose gewebte Stoffe sehr geeignet! Alles hat seine guten Seiten.

Der Besatz für den Halsausschnitt ging auch sehr einfach. Ich hätte ja gedacht, dass das exakte Nähen auf dem Stoff schwieriger sei.

Das Bindeband und die Halsausschnitteinfassung dagegen ... unglaubliche Fummelei. Wie gesagt, der Stoff war eigentlich zu dick für den schmalen Streifen und das Annähen war alles andere als entspannt. Ich war sehr froh, als ich damit durch war. Dafür sieht das Ergebnis aber ganz okay aus. 

Viel Arbeit, aber den Ausschnitt finde ich gelungen. Ob da noch die Kette zu passt?

Damit ist die Bluse schonmal fertig! Sitzt noch ziemlich locker, das sollte das Mieder beheben. Mit der vorderen Mittelnaht bin ich nicht glücklich, aber auch die verschwindet hoffentlich unterm Mieder - solo werde ich das Ding sowieso nicht tragen!

Foto-Outtake!

Jetzt muss ich aber erstmal rausfinden, wo ich eigentlich den Miederschnitt abgelegt habe ...

Schnitt: Bluse Leo Bohemian, Mod. 3 aus der Ottobre 5/2013, Gr. 40; Ärmel von der Bluse 101 aus der Burda Style 10/2023, Gr. 40
Material: Musselin mit Knötchen
Änderungen: FBA, Überschnittene Schultern verschmälert, Armausschnitte und Ärmel der Burda-Bluse an die Ottobrebluse gezeichnet

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Donnerstag, 30. November 2023

Stürmische Hügel - Sweatshirt "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt

Die wirklich schöne Wuthering Heights-Serie von Rebecca ReckArt mit blattlosen Winterbäumen vor Aquarellwolken ist ursprünglich in der Winter-Artbox 2022 erschienen, aber in Rosatönen. Rosa ist nicht so unsere Farbe, deshalb habe ich sie gleich weiterverkauft (die Artboxen waren Überraschungspakete). Zu unserem Glück waren wir nicht die einzigen, die sich stattdessen Blautöne gewünscht haben, denn kurz darauf waren die Stoffe auch in Blau erhältlich und wir haben direkt zugeschlagen! Schöne großflächige Muster sind einfach selten.
Noch ein Bonus: Das ist endlich ein etwas dickerer Sweat, nicht diese angeblichen Wintersweats, die eigentlich bloß angeraute Sommersweats und selbst dafür ziemlich dünn sind. 

Wunderschöner Stoff und neues Lieblingssweatshirt!

Der letzte Winter war aber eher warm, weshalb die Stoffe dann lange unvernäht rumlagen.

Jetzt wurde es doch recht früh kalt, also habe ich mir einen Sweatshirtschnitt gegriffen und drauflos genäht!
Der Hoodie "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt hat eine geteilte und eine ungeteilte Version. In der geteilten Version gibt es halbrunde Seitenteile, in die ein Abnäher und Taschen integriert sind - die einteilige Version enthält ebenfalls den Abnäher.
Natürlich wollte ich hier, dass der Print gut zur Geltung kommt, daher habe ich die ungeteilte Version genäht.

Hier erahnt man den fast unsichtbaren Brustabnäher.
 
Generell ist vom Originalschnitt kaum etwas übrig geblieben ... ebenfalls um des Musters willen habe ich den Abnäher in die Seitennaht verlegt und etwas gekürzt. Dann habe ich einen höheren Halsausschnitt angezeichnet und den Kragen durch ein einfaches Bündchen ersetzt, schließlich aufs Saumbündchen verzichtet und stattdessen den Schnitt um die Bündchenbreite verlängert und einen normalen Saum genäht.

Also, die Seitennaht ist relativ unverändert, glaube ich ...?

Dankbarerweise sitzt der Abnäher jetzt übrigens ziemlich genau auf der Höhe, auf der die Bergkante des Musters verläuft. Dadurch sieht man den Abnäher kaum, besonders auf einer Seite ist er eigentlich unsichtbar (ich habe seitlich mal den sichtbareren fotografiert, damit man überhaupt sieht, dass der Schnitt Abnäher hat).

Die Wolken türmen sich sehr schön auf!

Die Vorderseite zeigt die untere Hälfte des Motivs, die Rückseite die obere. Zu meiner Freude kommt sogar der obere Abschluss mit dem Sternenhimmel noch ein bisschen zur Geltung - da hatte ich etwas Sorge, ob das noch draufpasst, es war nämlich ziemlich weit am Rand.

"Wuthering Heights" ist ein Bordürenstoff, d.h. quer zum Fadenlauf bedruckt. Eigentlich mag ich das nicht so gern, aber für dieses tolle Motiv nehme ich das mal in Kauf! Dafür kann man eine beliebige Breite haben bzw. nur eine kleinere Menge kaufen, im Gegensatz zu Panselstoffen, bei denen Breite und Höhe festgelegt sind (das Muster wiederholt sich dann immer und hat eine harte Kante am Übergang). Bei den Ärmeln kam dann der Kombistoff "Wuthering Heights Trees" zum Einsatz, der wiederum normal bedruckt ist. Den liebe ich sehr; ich finde den Kontrast zwischen den Aquarellwolken und den sehr detailliert ausgearbeiteten knorrigen Bäumen toll, bei denen man sehr genau Rinde, Astlöcher und überlappende Zweige erkennt. 

Ich gucke nur deshalb nicht so glücklich, weil es draußen zu kalt war, um keine Jacke zu tragen ...

Nicht ganz zufrieden bin ich mit meinem freihand aufgezeichneten Halsausschnitt: Der könnte etwas schmaler und dafür vorne tiefer sein. Ich muss mir wirklich mal einen Standard-Halsausschnitt für Sweatshirts als Schablone erstellen!


Schnitt: Meine Manuc von Meine Herzenswelt, ungeteilte Version, Gr. 42
Material: Wintersweat "Wuthering Heights blue" und "Wuthering Heights Trees blue" von Rebecca ReckArt
Änderungen: Statt Bündchen um 6,5 cm verlängert, Ärmel um 8 cm gekürzt, Halsausschnitt verkleinert und mit Bündchen versehen, Abnäher in die Seitennaht verlegt
Nachnähpotential: Definitiv, in allen Varianten!


Lg
Nria


Mittwoch, 3. August 2022

Blaue Kraniche statt goldenem Bernstein - Shirt "Golden Amber" aus der Ottobre Woman 5/2018

Heute gibts einen Oldie. Die Stoffe habe ich vor 4 Jahren gekauft (so alt ist auch der Schnitt), das Top vor 2 Jahren genäht und jetzt wird es endlich angezogen und gezeigt!

Ab und zu kaufe ich Reststücke. Vorteil: Sie sind günstig. Nachteil: Sie sind sehr oft recht klein und dann zerbreche ich mir jahrelang den Kopf darüber, was genau ich damit eigentlich anstellen soll.

So geschehen mit zwei Webstoff-Resten aus Viskose:
Einer in Petrolblau, knapp 50 cm lang und aus dem örtlichen Stoffladen, einer in Weiß mit Kranichen, nur ca. 23 cm lang und online mitbestellt.
Für ersteren hatte ich ein luftiges Sommershirt geplant, aber die Länge ist selbst für mich etwas knapp als Oberteil; man muss ja noch Nahtzugaben und Saum dazurechnen. Bei dem schmalen Streifen mit Kranichen war ich völlig ratlos. Hätte ich mir gut als Saumblende an einem gerafften Rock(teil) vorstellen können, aber das wäre ein ziemlich schmaler Rock gewesen, sowas trage ich nicht.

Für Resteverwertung gar nicht schlecht!

So lagen die im Sommer 2018 erworbenen Stoffe also 2 Jahre im Schrank herum, ich habe diverse Pläne dafür entwickelt und wieder verworfen und 2020 endlich Nägel mit Köpfen gemacht: Ich habe mich mit lockeren Webstoff-Oberteilen für heißes Wetter angefreundet und einen passenden Schnitt in der Ottobre Woman 2/2018 entdeckt. Sogar mit Abnähern! Die habe ich gleich in einer Passe versteckt, die ich aus dem Kranich-Stoff nähen wollte.

So passt's genau drauf! Seitlich ist noch Platz für die angestückelten Träger.

Kurz darauf habe ich festgestellt, dass ich genau so einen Schnitt mit Passe (und darin enthaltenem Abnäher) schon in der Meine Nähmode 3/2014 gehabt hätte, aber da war der Schnitt schon abgepaust und ich hatte keine Lust, das nochmal zu machen. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass mir Ottobre sowieso besser passt als die Simplicity-Schnittmuster. Also vielleicht ganz gut so!

Die Weite reicht geraaade so dafür, dass ich keine FBA gemacht habe ...

Die Kranichviskose habe ich einlagig zugeschnitten - war auch notwendig. Ich habe oben an den Schultern der Passe ein Stück abgeschnitten und dann einen gemeinsamen Einsatz für Vorder- und Rückenteil draus gebastelt: Die Schulternähte aneinandergelegt, zusammengeklebt und dann das Schulterstück so abgeschnitten, dass der Kranichstoff reicht. Dadurch habe ich eine zusätzliche Stückelnaht vermieden und es sieht harmonischer aus. Eine Schulternaht gibt es jetzt nicht mehr.

Selbst so passte das Teil nur so gerade eben auf den Stoff. Noch mehr kürzen wollte ich nicht, weil das m.M.n. nicht mehr harmonisch ausgesehen hätte.

Die Schultern liegen aneinander und dann wurde ein einziges Zwischenstück draus.


Bei der petrolfarbenen Viskose wäre es einfach gewesen - von der Höhe her passten Vorder- und Rückenteil locker drauf. Allerdings war es Millimeterarbeit, die Schrägstreifen zum Einfassen der Ausschnitte draufzukriegen. Da hatte ich nur sehr wenig Luft.

Das Annähen genau dieser Streifen habe ich auch ein paar Wochen vor mir hergeschoben. Kontrastfarbige Sachen müssen präzise genäht werden und die Einfassung ist wirklich sehr schmal - beim Originalshirt ist sie komplett innenliegend, aber dafür ist die weiße Viskose zu durchsichtig und ich wollte nicht extra neuen Stoff kaufen, nur um 3 Schrägbänder herzustellen.

Hinten ist der Sitz nicht soo toll, Hohlkreuz und so.

Irgendwann - inzwischen war es 2021 - habe ich mich doch mal überwunden: Die Aufgabe wird vom Rumliegen ja nicht einfacher. Mit viel Bügeln und Sorgfalt erleichtert man sich die Arbeit allerdings: Schon der Zuschnitt sollte möglichst exakt sein. Ich habe die Einfassbänder dann längs gefaltet und gebügelt, bevor ich sie zum Ring geschlossen habe. Beim Annähen habe ich mich am Mittelfalz statt an der Stoffkante orientiert und immer genau eine Füßchenbreite Abstand gelassen, damit der Einfassstreifen außen wirklich überall gleich breit ist.

Zwischenstand. Ich glaube, der Halsausschnitt ist doch etwas schief ...

Dann habe ich die Nahtzugabe in den Streifen gebügelt (vorsichtig, damit nicht der Mittelfalz weggebügelt wird!) und die zweite Seite des Einfassbands eingeklappt und von außen festgenäht. Hier hilft Bügeln und Heften wieder sehr. Ich hätte diese Naht am liebsten per Hand genäht, aber das ist bei dem dünnen Stoff auch nicht so einfach. Vielleicht brauche ich feinere Handnähnadeln?

Dann war ich mit den Nerven am Ende (die Nähte wurden nicht so perfekt, wie ich sie gern gehabt hätte), hab das Teil in die Ecke bzw. den Bügelstapel geworfen und 2022 hocherfreut wieder rausgekramt. Manchmal muss man die Sachen einfach nur eine Weile liegen lassen, dann fallen einem die Fehler gar nicht mehr so auf!

Jaa, der Halsausschnitt geht besser. Was solls!

Bei dem Top bin ich inzwischen am "Ismirjetztauchegal!"-Zustand angekommen und kann es jetzt fröhlich tragen!

Schnitt: Shirt "Golden Amber", Mod. 5 aus der Ottobre Woman 5/2018
Material: Viskose-Webstoff in Petrolblau und mit Kranichen
Änderungen: etwas gekürzt und verschmälert, am Abnäher zu einer Passe geteilt, Schrägstreifen sichtbar angenäht
Nachnähpotential: Tatsächlich gefällt mir das Shirt erstaunlich gut - also: möglich!

Verlinkt bei MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Donnerstag, 21. April 2022

Brautkleid fürs Standesamt (oder auch nicht). Erster Versuch: Alexa Dress - WIP Teil 1

Ich habe in meinem Leben bereits anderthalb Brautkleider für andere Leute genäht. Und jetzt ist es soweit - ich nähe mein eigenes! (dauert aber etwas; die Hochzeit ist erst im Herbst)

Darüber nachgedacht habe ich schon seit langer Zeit - ungefähr seitdem eins meiner damaligen Nähvorbilder ein wirklich tolles Hochzeits-Ensemble genäht hat, bestehend aus Tüllrock und Weste. Nur waren damals (vor mindestens 12 Jahren) bei mir weder Hochzeit noch ausreichend Näherfahrung in Sicht ...

Das Kleid für die Kirche habe ich gekauft (ich hatte Materialvorstellungen, die nervig zu nähen wären) und werde nur ggf. selbst Details hinzufügen, aber das fürs Standesamt selber nähen. Zwei Kleider statt einem haben den Vorteil, dass man sich zur Not umziehen kann, falls man sich bekleckert o.ä. Seien wir mal ehrlich, das steht definitiv auf der Liste der Dinge, die mir realistischerweise passieren könnten! 

Kleiner Tipp für Gleichgesinnte vorweg: Auf Mood Sewciety gibt es ein paar Nähtipps für Hochzeitskleider :)
Und nein, ich bin nicht abergläubisch und halte es für völligen Blödfug, dass das Selbstnähen des Brautkleids Unglück brächte. Das kommt aus einer Zeit, in der dies bedeutete, dass man kein Geld für eine Anfertigung hatte. 

Bis zum fertigen Kleid wird es aber wohl viele Irrungen und Wirrungen geben ... das "fertige" Probekleid für den ersten Versuch findet ihr ganz unten.

Die Suche nach einem passenden Schnitt ist knifflig. Ich wollte unbedingt einen eher ausgefallenen Schnitt, kein Standardkleid, außerdem ein Schnitt ohne tiefen Ausschnitt, der aber bei viel Oberweite trotzdem nicht so aufträgt (das ist bei weißem Stoff ja sowieso schon so eine Sache). Puh!

Der erste Versuch war ein kurzes Intermezzo mit dem tollen Retroschnitt 121 aus der Burda 12/2019. Stand mir überhaupt nicht. Hätte ich mir denken können, aber so habe ich das Teil wenigstens aus dem Kopf!

Stattdessen bin ich dann auf das Alexa Dress der russischen Marke Patterneasy umgeschwenkt. Es hat ein schönes ausgeformtes Oberteil mit kurvigem V-Ausschnitt (den mochte ich schon beim Irene-Kleid!) und einen asymmetrischen Rock mit Volants.

Die Schnittmuster der Marke haben Vor- und Nachteile: Sie sind relativ günstig, aber dafür sind es Ein-Größen-Schnittmuster. Das ist ja immer so eine Sache, vor allem, wenn man eigentlich verschiedene Größen an verschiedenen Stellen braucht ...

Aber dafür gibts Kurzgrößen! Immerhin: Neben Russisch gibts auch eine englische Beschriftung der Schnittteile. Dafür bin ich dankbar, denn  bei der Dresowka-Jeansjacke mit rein polnischer Beschriftung habe ich eine ganze Weile gepuzzelt, bis ich rausfinden konnte, welches Teil wohin gehört.
Die Alexa-Anleitung ist nur auf Russisch, aber die Bilder reichen mir völlig aus.
Hier ist übrigens ein englischer Erfahrungsbericht mit der Marke. Was ich definitiv bestätigen kann: Es ist recht wenig Bewegungszugabe im Schnitt enthalten ...

Bei einem Modell wie diesem mal wieder so eine Sache: Full Bust Adjustment. Ich habe erstmal nachgemessen, wieviel Weite auf Brusthöhe fehlt und es waren 5 cm, also 2,5 cm pro Seite. Mein treues Burda-Nähbuch hat mich mal wieder gerettet; auf der FBA-Seite klebt längst ein Post-it und auch für einen Schnitt mit Taillenabnäher gibt es eine Anleitung. Das Seitenteil habe ich dabei einfach ignoriert, weil es kaum formende Funktion hat. 

 
Gekürzt habe ich nicht - danke, Kurzgrößenschnitt! Hätte ich bei den zig Einzelteilen auch wirklich keine Lust drauf gehabt ...

Erstes Probe-Oberteil: Der Ausschnitt ist mir zu tief und ich werde künftig die Mittelnaht weglassen, dann kriegt man auch eine schönere Einkerbung hin.

Ein Problem:

Die Anprobe war dann ernüchternd: So ist es zu eng. Nachdem ich das Upton Dress von Cashmerette ausprobiert hatte (das verschiedene Cupgrößen bis H enthält), wusste ich auch, warum: Ich war viel zu zaghaft mit der FBA; bei meiner Cupgröße braucht es viel mehr Zugabe. Hätte ich mit einer größeren FBA lösen können (ich habe es mir aber einfacher gemacht), das nützt mir aber nichts für den Rock, der definitiv so nicht passen wird. Und wie gesagt: Es ist ein Ein-Größen-Schnitt.

Sehet selbst das Drama (ok, ich habe außerdem vergessen, dass die russische Statur offenbar mehr Taille hat als ich ... ähem ...):


Die Lösung:

Kurzerhand habe ich die Form des Alexa-Oberteils auf das des Upton Dress übertragen. Dazu erst das Upton Dress-Oberteil abgepaust, dann nahtlos in die Träger des Alexa-Kleids übergegangen. Dankbarerweise lagen die beiden Abnäher auf der Rückseite genau auf der gleichen Stelle!
Auf der Vorderseite habe ich den Brustabnäher zur Taille verlegt und anschließend das Seitenteil einfach als Teilungsnaht aufgemalt.


Das unerwartete Hindernis:

Beim Rock wollte ich es mir eigentlich einfach machen und nochmal eine größere Größe bestellen. Denn die Volants sind einkonstruiert, das lässt sich nicht soo leicht auf einen anderen Schnitt übertragen.

Nur: Es ist eine russische Seite. Sie können aktuell keine internationalen Zahlungen erhalten, d.h. ich kann dort momentan gar nichts kaufen. Mist! Das hatte ich beim Kauf im Januar nicht einkalkulieren können ...

Ausgiebiges Nachmessen zeigte aber: SO viel zu eng wird das Ganze gar nicht - weil ich sowieso erstmal schauen wollte, ob mir der Schnitt an mir gefällt, habe ich das Kleid erstmal fertig zugeschnitten und genäht. Nur das Säumen der Volants habe ich mir gespart.
Und fragt nicht, was ich da beim Taillenband vermurkst habe; ich habe das spätabends angenäht und hatte am nächsten Tag keine Lust, das für ein Probeteil zu korrigieren ;)

Schweigen wir über das Taillenband, ja?

Die Rückansicht:

Immerhin geht der Rock fast zu.

FAZIT zum Alexa Dress:

Beim Anprobieren habe ich dann festgestellt: Es ist ein schöner Schnitt und sieht auch okay aus an mir. Aber leider nicht so recht mein Stil :( Nähe ich vielleicht mal in farbig ohne den oberen Volant.

Fürs Brautkleid starte ich den nächsten Versuch mit einem neuen Schnitt. Mehr dazu nach der nächsten Maus.

Aktueller Stand:
Grundlage: Alexa Dress von Patterneasy, Gr. 46 (entspricht ca. Gr. 40)
Änderungen: Oberteil auf Gr. 38 + FBA auf G-Cup angepasst, vordere Mittelnaht entfernt, Schultern etwas zur Mitte gekippt, Rockteil/Taille auf ca. 42/44 vergrößert
Status: Neuen Schnitt abpausen!

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria