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Mittwoch, 1. April 2026

Herbstgefühle in ungewohnten Farben - Fleecejacke Hatton von Cashmerette

Nähgruppen auf Social Media sind inspirierend, aber auch teuer: Ich hab da schon so manches Stöffchen nachgekauft ...
 
Diesmal zeigte jemand eine Kinderjacke aus Teddyfleece mit großem Apfelmuster. Und ich war direkt begeistert! Liegt vielleicht daran, dass gerade der Herbst begann und das meine Lieblingsjahreszeit ist. Kaum werden im September die Nächte kühler, habe ich urplötzlich Lust auf rotbraunen Nagellack, karierte Blazer und Apfelkuchen. Nagellack trage ich gerade nicht, um dem Baby keine Lösungsmitteldämpfe anzutun, einen karierten Blazer besitze ich nicht, aber Äpfel sind durchaus gerade ein Thema hier!
 
Also, kuschelig ist die Jacke!
 
Nach der Schwangerschaft passen immerhin viele meiner Shirts wieder, aber mit Indoor-Jacken habe ich noch Probleme, weil viele an der Brust nicht so viel Spielraum haben. Dankbarerweise kam just im September als Cashmerette-Club-Schnittmuster die Fleecejacke Hatton heraus. Wurde direkt geplottet. Mit dem Nähen hat es aber ein wenig gedauert, weil das Möndchen da noch ganz frisch geschlüpft war. 
 
So sieht die Jacke eigentlich aus.
  
Die Jacke ist für Webware konzipiert, aber auch für festere Sweats o.ä. nutzbar. Das bedeutet: Sie hat Abnäher! Bei Wirkware-Teilen hat Cashmerette oft einfach eine Ausbuchtung an der Brust, was ich bei großen Cups nicht so schön finde. Bei C/D geht es noch, aber bei größeren Cups bevorzuge ich Abnäher oder Teilungsnähte. 
Außerdem bietet die Jacke eine Teilung (super Resteverwertung!), eine Brusttasche (sogar eine doppelte mit RV-Innentasche) und Reißverschlusstaschen in den Seitennähten. Dazu einen abgerundeten Stehkragen, und die Vorderkante mit Reißverschluss sowie die Ärmelabschlüsse sind mit Falzgummi eingefasst.
 
Ich mag ja die abgesteppten Taschenbeutel!

Ich hab's mir da ziemlich einfach gemacht: Die Teilung weggelassen (hab keinen passenden Kombistoff gefunden) und die Brusttasche weggelassen, die ist nicht so mein Ding. 
Wobei es dann doch nicht ganz so einfach war, weil ich ohne die Teilung die Taschenbeutel nicht einfach oben mitfassen konnte. Ich habe dann freihand einen runden Taschenbeutel aufgezeichnet und selbigen nach dem Annähen rundherum abgesteppt. Diese Optik hat man ja bei anderen Jacken/Oberteilen oft.
 
Womit ich es mir auch nicht leicht gemacht habe, ist das Material: Teddyfleece (der von außen deutlich kuscheliger ist als von innen) lässt sich wirklich schlecht präzise vernähen. An einigen Stellen bin ich da ziemlich unzufrieden, aber zum Glück sieht man die Jacke ja normalerweise nur von außen ...
 
Hinten definitiv zu locker.
 
Aber das herbstliche Apfelmotiv hatte es mir einfach angetan. Und das, obwohl der milchweiße Grundton mit rostroten und olivfarbenen Äpfeln eigentlich gar nicht so meinem üblichen Farbschema entspricht - oder gerade deshalb?
Das machte die Suche nach passenden Reißverschlüssen übrigens auch knifflig: Die Stoffläden vor Ort haben nur leuchtende Grundfarben im Angebot. Schließlich habe ich bei Snaply bestellt, wo es nicht nur eine große Farbauswahl gibt, sondern auch verschiedene Reißverschlussarten (teilbar und endlos) mit gleicher Farbnummer erhältlich sind, sodass man sicher sein kann, dass sie auch zusammenpassen.
Die Taschen-Reißverschlüsse sind zwar eigentlich verdeckt eingenäht, aber durch den fluffigen Stoff blitzen sie trotzdem durch und selbst wenn sie komplett unsichtbar wären, hätten mich nicht harmonierende Farben gestört.
 
Der Taschen-RV ist halbseitig verdeckt, habe den Stoff zur Seite gedrückt, damit man ihn sieht.
 
Vorm Nähen habe ich mich eine ganze Weile gedrückt: Die Art der Taschenverarbeitung mit halbseitig verdecktem Reißverschluss hatte ich noch nie gemacht, und weil ich an vielen Stellen von der Anleitung abgewichen bin, musste ich oft umdenken. Durch den Verzicht aufs Falzgummi konnte ich die Taschenbeutel nicht einfach unten mit einfassen und auch der Frontreißverschluss muss dann anders genäht werden, vom Kragen ganz zu schweigen.
 
Ich kann euch auch verraten: Der Stoff war richtig schlecht aufzutrennen. Vorne sieht man wegen des Flauschs nichts und hinten "verschmilzt" der Nähfaden geradezu mit der Strickrückseite. Arrgh!  
Weil der Teddyfleece an sich schon sehr voluminös ist, habe ich die Belege und Taschenbeutel aus dem Serafine-Sweater zugeschnitten (aus dem ich ja bereits zusammen mit Reststücken die Hartwell-Weste genäht hatte).
 
Die Belegfarbe passt ja wohl perfekt!
 
Beim ersten Anprobieren musste ich dummerweise feststellen, dass eine Nummer kleiner auch gereicht hätte - gerade unten/hinten sitzt die Jacke wirklich SEHR locker, was bei einer warmen Jacke nicht so vorteilhaft ist. Es zieht dann eben rein. 
Eine mögliche Folgeversion würde ich daher kleiner nähen; bei der aktuellen erwäge ich, noch Rückenabnäher hinzuzufügen und vielleicht Ärmelbündchen (ggf. innenliegend). 
 
Ein "Problem" gibt es noch:  Weil ich sonst nie warme Farben trage, habe ich echt keine Shirts im Schrank, die zu Cremeweiß, Rostrot und Olivgrün passen. Muss mir wohl eins nähen.
 
Die Jacke gefällt mir an sich aber gut! Jetzt fehlt nur noch der Herbst - und gerade sitze ich schon am nächsten Cashmerette-Schnitt ...
 
Offen getragen merkt man, dass die Jacke an der Hüfte sehr weit ist.
 
Schnitt: Fleecejacke "Hatton" von Cashmerette, Gr.12 E/F-14
Material: Teddyfleece mit Apfelprint, Reißverschlüsse in Oliv D887 von Snaply, wollweißer Sweat
Änderungen: Teilung zusammengefügt, Brusttasche weggelassen, Falzgummi weggelassen (und z.T. durch normale Säume, z.T. durch Verstürzen und Belege ersetzt), Taschenbeutel abgerundet. Nächstes Mal Brustpunkt verschieben!
Nachnähpotential: Ja!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch
 
Lg
Stefanie 

Dienstag, 17. März 2026

Elfenjacke und -gürtel von Miss Viscid

Es geschehen noch Zeichen und Wunder - nach der Pandemiepause machen wir mit dem Veranstalten von Liverollenspielen weiter! Diesmal unter erschwerten Bedingungen mit Möndchen, und die anderen Orgamitglieder waren auch recht eingespannt.

Die Kostümproduktion lief trotzdem. Unter anderem hatten wir eine wichtige Figur am Start: Eine untote Elfe, Gattin des adligen Hauptgegners.
Gar nicht so leicht, ein passendes Outfit für die Dame zu finden, das nicht zu aufwändig ist, aber trotzdem was hermacht - es sei denn, man findet zufällig die perfekten Schnittmuster irgendwo hinten in seiner Etsy-Wunschliste ...

Miss Viscid kannte ich schon von irgendwoher. Genau weiß ich es nicht mehr (Larper Ning vermutlich?), aber ich habe mich damals sehr gefreut, dass sie ihre tollen Sachen jetzt als Schnittmuster rausbringt. Übrigens auch auf ihrer eigenen Seite, nicht nur auf Etsy. Nur hatte ich halt keine Verwendung für diese Art Kleidung.

Entschieden haben wir uns für eine Bolerojacke mit äußerst ausladenden Ärmeln und einen elfisch anmutenden Gürtel. Dazu ein bisschen passenden Schmuck und die NSC braucht nur noch ein Unterkleid mitzubringen. 
Eigentlich hätte ich den Gürtel leicht selbst zeichnen können, aber wir hatten nicht mehr so viel Zeit bis zum Con und alles, was dann schneller geht, ist willkommen.


 Ein Knackpunkt für NSC-Kostüme sind natürlich immer die Stoffe: Die sollen gerade für Adelsdarstellung nicht total billig aussehen, aber für einen kurzen einmaligen Auftritt möchte man auch nicht gerade in Seidensamt investieren.
Die Lösung: Das örtliche Stoffoutlet. Wir haben eins beim Kleidungsoutlet Bessmann, das Knöpfe für 5 Cent und eine große Menge Gardinen-, aber nicht so viele Bekleidungsstoffe hat. Ein paar Baumwollstoffe haben wir aber doch gefunden und für edlere Kostüme findet man mit etwas Glück tatsächlich einen Polsterstoff. 
Dort haben wir dann einen silbergrauen taftähnlichen Stoff, mit Kringeln bestickt, gefunden und einen blutroten, der Wildseide ähnelt. Elfisch-schnörkeliges Muster, vampirige Farben, perfekt!


Dummerweise habe ich vorm Einkaufen den Schnitt nicht richtig angeguckt: Irgendwie ging ich davon aus, dass die Jackenärmel gefüttert sind (weil man ja "reingucken" kann) und der Torso nicht. Dabei ist es umgekehrt; der Torso ist gefüttert, die Ärmel nicht. Hätte ich mir eigentlich auch denken können, dass 1 m Stoffverbrauch dafür zuwenig wäre; den Ärmelschnitt hatte ich nämlich bereits in der Hand gehabt. 
Glücklicherweise hatte ich aber spontan 1,5 m von dem roten Taft gekauft, was für die Ärmel und ein leicht gestückeltes Gürtelfutter exakt gereicht hat. 

Der Taft wäre mir für den Bolero mit Kelchkragen sowieso etwas zu kratzig gewesen. Im örtlichen Stoffladen habe ich fürs Torsofutter dann einen wunderbar weichen schwarzen Viskosetwill gekauft. Und es ziemlich bereut ...
Memo an mich: Ein Jackenfutter sollte nicht "wunderbar weich" sein, sondern "schön stabil"! Der Stoff ist unglaublich soft und anschmiegsam, verzieht sich allerdings schon beim Angucken, hat absolut NULL Stand und liegt nicht gut am Oberstoff an. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich wohl einen neuen Stoff gekauft und aus dem Twill ein wunderbar weiches Oberteil genäht ... 


Was ich beim Schnittmuster etwas eigenartig finde: Die Schnittdesignerin ist deutschsprachig und auch ihre Seite ist auf Deutsch - die Schnittmuster sind aber nur auf Englisch erhältlich.Wäre es wirklich so schwierig gewesen, für die paar Schnittmuster, die sie anbietet, die Anleitung zusätzlich in ihre Muttersprache zu übersetzen?
Und ein Manko bei den Schnittmustern: Zum Zusammenkleben sind einige "Fadenkreuze" an den Seitenrändern aufgedruckt, aber keine Stoßlinien. Man soll wohl einfach umfalten, aber auch das ist aufwändiger ohne Linie, und zum Abschneiden muss man die Linien selbst einzeichnen. Unpraktisch! Zum Glück gibts bei der A0-Seite zur Jacke nur eine Seite zu kleben und beim Gürtel gar keine.

Bei der Anleitung merkt man m.M.n. leider, dass sie Autodidaktin ist und noch nicht zig Anleitungen geschrieben hat. Ich finde sie eher unübersichtlich und nicht so klar. 
Was mich auch stört: In der Armkugel scheint keine Mehrweite enthalten zu sein. Hmmm.

Bonusfoto mit meinem hervorragend modelnden Mann!

Der Gürtel war relativ schnell genäht und mir gefällt, dass viele verschiedene Verschlussoptionen dabei sind. Außerdem bin ich wirklich zufrieden damit, wie gut mir die Musterplatzierung gelungen ist!
Die Chiffonverzierung war einfach zuzuschneiden, weil ich mangels Unistoff im Gardinenoutlet einen Streifenstoff genommen habe und dann entlang der eingewebten Streifen schneiden konnte. Den Saum habe ich mir gespart (passt für ein düsteres Setting), die Seitennähte aber mit Kappnähten geschlossen, damit man das Teil als NSC schnell umbinden kann, ohne dass es nach "falschrum" aussieht, wenn man nicht auf die Nähte achtet. Und ich war sehr erfreut darüber, wie problemlos meine neue Nähmaschine Chiffon verarbeitet!

Ich habe mich gefreut, die Schnittmuster nähen zu können, die Teilnehmerin hat sich gefreut, ein Elfenkostüm tragen zu können, die Mitspieler fanden hoffentlich die Rolle cool - win-win-win!

Schnitt: "Shrug Jacket" und "Y-Belt" von Miss Viscid
Material: Kunstfaser-Taft, Viskoseköper
Änderungen: Schultern um je 1 cm verbreitert
Nachnähpotential: Falls mir mal wieder eine passende Rolle über den Weg läuft, ja.

Verlinkt bei DvD.

Lg
Nria 

Mittwoch, 4. Juni 2025

Futuristische Psychiatrie - Herrenmantel Montgomery von lucy.sonnenschein.design

Beim MeMadeMittwoch darf man jetzt auch Herrenkleidung zeigen - das kommt mir sehr entgegen, weil ich einerseits immer Inspiration für meinen Mann suche und andererseits schwangerschaftsbedingt für mich selbst gerade nur echt langweilige Basics nähe. Dieses Teil hier war dagegen gar nicht so langweilig.
 
Nach der Folienjacke hatte mein Mann gleich das nächste Projekt für mich: Einen Arztkittel. Aber nicht irgendeinen, nein! Es musste schon ein futuristischer sein, denn er war wieder fürs SciFi-Larp.
 
Er hatte sich dieses Bild als Vorlage ausgesucht. Sieht ja toll aus, hat aber auch jede Menge aufwändige Details: Diverse Applikationen und Einsätze, eine asymmetrische Front ...
 
Erstmal ein Bild vom Mantel in seiner natürlichen Umgebung - weiter unten gibts dann welche, auf denen man auch was erkennt ;)
 
Schon im März haben wir auf dem Stoffmarkt festen Baumwollköper und dünnes, weiches Kunstleder (leider stretchig, aber es gab kein besseres) gekauft. Statt der Biesen-Einsätze habe ich anthrazitfarbenes Kunstleder mit interessanter Pyramidenstruktur genommen, das ich noch im Vorrat hatte.
 
Die Vorderkante und der Rückenschlitz fallen nicht so senkrecht, da hätte es noch Anpassungsarbeit bedurft.
 
Ich hätte einfach den Burda-Schnitt von der Folienjacke als Basis nehmen können, aber dann fand ich etwas Besseres: Den Mantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design. Schon relativ lang (ich habe ihn dann nochmal um 30 cm verlängert) und mit einem seitlichen Abnäher, der fast genau die Form der Applikation im Schnitt hatte! In diesen Abnäher sind auch noch Taschen eingefügt, und da mein Mann sowieso gern welche haben wollte, bot sich das direkt an. Den Abnäher habe ich oben gespiegelt und hatte dann direkt einen fertigen Einsatz, denn ich habe das Teil ausgeschnitten und der Abnäher verschwindet somit in der Naht. Praktisch!
 
Hier stecken VIELE Meter Stylefix-Klebeband drin ..

Weniger praktisch fand ich die Anleitung: Warum muss man ausgerechnet schwarzen Stoff für den Mantel der Anleitungsfotos nehmen?  Ich verstehe Schnittmusterhersteller da echt nicht. Beliebt sind auch überbelichtete Fotos von weißen Stoffen oder wilde Muster. Leute, das geht besser! 
Die Beschreibung fand ich dabei auch nicht sonderlich hilfreich, eher sparsam mit Worten - keine tolle Kombi zu Fotos, auf denen man nichts erkennt ...

Ich schaue an sich kaum noch in Anleitungen, aber bei der Taschen-Abnäher-Konstruktion war es dann eben doch noch nötig, ebenso wie beim Gehschlitz im Rückenteil, denn sowas nähe ich einfach selten. Stellenweise habe ich improvisiert und bin nicht sicher, ob ich da wirklich richtig genäht habe. Na ja, ist ja nur ein Kostüm.
 
Durchs elastische Kunstleder stimmen leider die Besätze unten nicht ganz ...

Ursprünglich wollte ich den Mantel füttern, damit innen alles schön ordentlich ist, aber wie immer so oft habe ich auf die letzte Minute genäht, also am vorletzten und letzten Tag, an dem mein Mann den Mantel mittags schon mitnehmen wollte. Meine Schwester sagt: "Wie es der Brauch verlangt!" Larper kennen es vermutlich ...

Den Schnitt habe ich Anfang Mai gekauft und dann ewig viel Zeit mit Anpassungen verbracht: Weil die Vorderkante beim Probeteil oben zu weit und unten zu eng war, habe ich statt Full Tummy Adjustment stumpf eine schräge Linie von Ausschnitt bis Saum gezogen. Improvisiert, aber hat ganz gut funktioniert. Ich habe für mehr Bewegungsspielraum den Oberarm erweitert und noch die Schultern verschmälert.
Der Rest war nur Optik: Jede Menge Applikationen aufgezeichnet (die großen Flächen am Saum habe ich hinten falschrum angenäht, aber so isses jetzt halt) und dann stundenlang am Kunstleder rumgeschnippelt. Das Noppenkunstleder habe ich dabei etwas größer gelassen - weil das schwarze Kunstleder sehr dünn ist, sieht man das zwar, aber ich hatte definitiv keine Zeit für superpräzisen Zuschnitt, um die innenliegenden Teile exakt in die Umrandung einzupassen. Wie gesagt: Ist ja nur ein Kostüm, mein Mann soll damit nicht über die Haute Couture-Modenschau laufen.
 
... und die schwarzen Teile unten sollten eigentlich andersrum aufgenäht sein.

Und: Ich bin genau den umgekehrten Weg wie bei der Folienjacke gegangen und habe den originalen (Revers-)Kragen durch einen Stehkragen ersetzt. Dafür habe ich den Original-Kragenschnitt der Folienjacke, Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016, verwendet - den hatte ich ja bereits vorliegen!
 
Am Kragen habe ich nix zu meckern!
 
Das Nähen wäre aber noch ganz entspannt gewesen, wenn ich nur einen Tag früher angefangen hätte. Oder wenn das Material dankbarer gewesen wäre: Das dünne elastische Kunstleder hat mich ein bisschen in den Wahnsinn getrieben beim Nähen! Immerhin waren das "Noppen"-Kunstleder und der weiße Köper sehr stabil, aber elastische Stoffe auf unelastische aufzunähen ist definitiv kein Vergnügen.
 
Immerhin: Meine neue Juki hat verstellbaren Nähfußdruck (den ich auch direkt mal auf die niedrigste Stufe gestellt habe) und einen Teflonfuß direkt im Zubehör enthalten. Dazu habe ich viele, viele Meter Stylefix-Klebeband verbraucht (Memo an mich: Nachkaufen! Für Applikationen finde ich das Zeug wirklich unverzichtbar), damit ging es recht gut. 
 
Tiefe Taschen!

Am Freitagmittag bin ich dann noch schnell zu tedox gedüst, weil ich natürlich kein Klettband mehr vorrätig hatte (bin dankbar für den Laden; unser Ministoffladen macht Mittagspausen!). Ursprünglich hatte ich unsichtbar angenähte Druckknöpfe vorgesehen, aber dafür reichte die Zeit nicht mehr.
 
So richtig genügt der Mantel nicht meinen Ansprüchen - bei den Details sieht man schon, dass er ziemlich mit der heißen Nadel genäht wurde, z.B. hats beim Ärmeleinsetzen nicht mehr fürs Einhalten gereicht, da sind jetzt Fältchen und ich wurde bei den Applikationen, insbesondere an den Ärmeln, immer unpräziser, da sieht man bei dem großen Kontrast schonmal, dass der Zickzackstich über den Rand hinausragt. Ich finde es aber auch blöd, dass man sich zwischen "flutschiger Nähfuß" und "breite Aussparung, sodass man die Nahtlinie gut im Blick hat" entscheiden muss. Muss dazu ergänzen: Weil ich meine Juki erst seit wenigen Wochen besitze und die Zeit sehr knapp war, habe ich mich noch nicht mit dem beiliegenden Oberstofftransportfuß auseinandergesetzt; vielleicht wäre das DIE Lösung gewesen. Bei meiner Pfaff muss ich halt bloß den IDT-Hebel runterziehen ...
 
Bei den Mitspielern und meinem Mann kam der Mantel immerhin gut an und die eigenen Ansprüche sind natürlich meist die höchsten. Weil das Möndchen voraussichtlich im August kommt, ist noch unklar, wann der nächste Conbesuch ansteht (und auch, wann ich selbst wieder mitkann) - aber ich bin jetzt schon gespannt, was für schräge Kostümideen meinem Mann als nächstes einfallen ...
 
Schnitt: Herrenmantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design, Gr. 58
Material: Fester weißer Baumwollköper, weiches schwarzes elastisches Kunstleder, Noppenkunstleder
Änderungen: Mantel verlängert, Reverskragen durch Stehkragen ersetzt (Schnitt: Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016), Applikationen hinzugefügt (der Abnäher verschwindet dabei in einer Teilungsnaht), Schultern verschmälert, Bizeps-Erweiterung, eine Art Full Tummy-Adjustment improvisiert, Vorderkante asymmetrisch erweitert, Aufsatztasche ergänzt
Nachnähpotential: Lieber nicht ...
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 7. Mai 2025

Cashmerette-Kombi - Cardigan Westmore und Tanktop Saybrook von Cashmerette

Es gibt so Kleidungsstücke, die ich jahre- oder gar jahrzehntelang verschmäht habe, dann probiere ich sie aus und befinde sie plötzlich für doch ganz praktisch. Dazu gehören Strickstulpen und jetzt Long-Cardigans. Und da ich diesen hier jetzt schon zum dritten Mal nähe (die meisten Schnittmuster verwende ich eher nur 1x), hat er sich sogar schon als einer meiner Favoriten herausgestellt!

 Cardigan:

Aktuell dazu sehr praktisch: Man kann sie gut offen tragen und es wirkt trotzdem angezogen. Finde ich zum Babybäuchlein harmonischer als kürzere Jacken!

Bei Cashmerette-Schnittmustern habe ich aber auch noch keinen Flop erlebt, und sowohl von meinem Fuchsfrau-Cardigan als auch dem grünen Raben-Cardigan mit Fremdschnitt-Rückseite bin ich sehr angetan. Der Westmore-Cardigan hat einfach schöne Proportionen. Und Taschen!

Die Vor-Schwangerschaftsgröße ist aktuell aber bisschen klein.

Sie haben nur einen Haken: Beide Muster sind wirklich sehr wild und nicht so gut kombinierbar. Da mir momentan all meine geliebten Sweatjacken nicht gut passen, wollte ich einen universelleren Cardigan. 

Weil ich gerade sowieso einen Haufen neuer Klamotten brauche (ja, es gibt Leute, die in der Schwangerschaft mit ihren vorhandenen Sachen auskomme, aber ich gehöre nicht zu diesen Glücklichen!), wollte ich nicht so viel Geld ausgeben und habe ein 2 m-Reststück unifarbenen Baumwollsweat für nur gut 12 € gekauft.

Nach den sehr gemusterten Stoffen hatte ich hier einen Vorteil: Doppellagiger Zuschnitt! Auch wenn ich mich erst wunderte, dass der Stoff nicht reicht, und dann bemerkte, dass ich fast ein Seitenteil 4x statt 2x zugeschnitten hätte - beim einlagigen Zuschnitt muss man halt alles doppelt auflegen ...

Genäht war das Ganze schnell wie immer, nur den Beleg per Hand anzunähen dauert bei einem Long-Cardigan einfach ewig. Ich würde darauf aber nicht verzichten (obwohl es im Schnitt nicht vorgesehen ist); ich hasse lose rumflatternde Belege einfach.

Viel unspektakulärer als die bisherigen Versionen. Aber kombinierbar!

 Etwas doof: Ich habe doch glatt vergessen, die Taschenbeutel beim Beleg mitzufassen! Die liegen jetzt noch lose in der Jacke rum und ich muss mal überlegen, wie ich das am zeitsparendsten löse ...

Tanktop:

Dazu trage ich ein Tanktop, dessen Schnitt ebenfalls von Cashmerette stammt: Das Saybrook Tank. Einige Cashmerette-Schnittmuster (besonders Shirts) haben keine Abnäher, sondern eine Art "Blase" an der Seite, um mehr Platz für die Brust zu schaffen - ich bin kein großer Fan davon; mit Abnähern sitzt es bei mir wesentlich besser. Aber ich war einfach zu faul für eine FBA an einem normalen Tanktop-Schnitt, also bin ich selbst schuld.

Dieses Teil habe ich vor einem Dreivierteljahr genäht, damals saß es lockerer ...

Der Stoff ist ein Halbmeter-Panel von Dresowka - es hatte zur Hälfte die Schneelandschaft und zur Hälfte das Rückseitenmotiv, war aber für ein Shirt zu kurz. Deshalb ist es gestückelt (sieht man vorne an den Trägern und hinten gibt es am oberen Rücken eine Quernaht). Das Muster ist etwas ungewöhnlich für ein Sommer-Top; das war vermutlich der Grund, weshalb der Jersey einige Jahre im Schrank lag und verschmäht wurde. 
Das Top habe ich noch vor der Schwangerschaft genäht und mich dann ewig vorm Schrägband gedrückt, daher ist es aktuell etwas eng. Geht aber noch, finde ich.

Die Vorderseite gefällt mir besser vom Muster. Aber die Rückseite seh ich ja eh kaum!

Ich habe das Teil schon letztes Jahr genäht und erst in diesem Frühjahr wieder rausgeholt - und es kam, wie ich es befürchtet habe: Das angenähte Schrägband sieht furchtbar aus, zumindest von innen. An einigen Stellen bin ich zufrieden, an anderen überhaupt nicht; Viskosejerseyschrägband ist aber auch eine Diva, die ständig wegrutscht. Vermutlich wäre es sinnvoll gewesen, das Zeug wie so oft per Hand anzunähen (das mache ich bei Baumwollschrägband meistens), aber nachdem das Shirt ja schon monatelang rumlag, wollte ich nur noch fertigwerden. Und von außen sieht es zumindest okay aus.

Hier sieht man auch, dass das Schrägband hellblau ist. War sehr hell an dem Tag ...

Inzwischen habe ich eine tolle neue Nähmaschine gekauft (Juki DX 7) - ich bin sehr gespannt, ob die mit dem Flutschezeug besser klarkommt als meine ältere Pfaff!

Und mein Fazit?
Der Cardigan wird bestimmt ein Standardteil in meinem Kleiderschrank. Beim Top gefällt mir die Trägerform nicht so, glaube ich. Mal gucken!

Schnittmuster:
Westmore Cardigan von Cashmerette, gerade Kragenversion, Gr. 10 (oben) bis 14 (unten), Cup E/F
Saybrook Tank von Cashmerette, Version mit hohem Rückenausschnitt, Größe ... muss ich später nachgucken. Komme grad schlecht an meiner Ordner ran.
Material:
Unifarbener Baumwoll-Sommersweat über "Die Stoffkönigin"
Baumwolljersey-Panel von Dresowka, Viskosejerseyschrägband vom örtlichen Stoffladen
Änderungen: Cardigan: Torso um 3 cm gekürzt, Ärmel um 5 cm gekürzt, Brustpunkt um 5 cm nach unten versetzt. Top: Keine, an die ich mich erinnern würde. Vielleicht gekürzt?
Nachnähpotential: Für den Cardigan: Es ist schon die 2,5. Version! Für das Top: Na ja, bin nicht soo überzeugt.

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 5. März 2025

Winterbaum-Sweatjacke - mal wieder Jacke Nr. 127 aus der Burda Style 11/2006

Eigentlich wollte ich für diesen Me Made Mittwoch ja keine schnöde Sweatjacke, sondern meine schicke neue künftige Wolljacke zeigen. Allerdings drücke ich mich immer noch vor der Herstellung des Steppfutters, deshalb gibt es heute ein Teil, das ich vor gut einem Jahr genäht habe. 

Detailfoto, damit man die Struktur der Bäume sieht!

Bei dieser Sweatjacke habe ich so lange mit den Fotos gewartet, dass Hana für mich modeln musste, weil sie mir aktuell zu eng ist ... so ist das manchmal!
Außerdem war ich damals nicht klug genug, sofort einen Blogbeitrag anzulegen, deshalb bin ich mir nicht so ganz sicher, welche Größe ich eigentlich genäht habe. 

Aber dieser Stoff ist einfach zu schön, um nicht gezeigt zu werden! Den Kombisweat "Wuthering Heights" von Rebecca ReckArt kennt ihr schon von meinem Winterbaum-Sweatshirt, wo die Ärmel nur für den Kombistoff hergehalten haben.
Ich fand das Muster aus knorrigen, dunkelgrauen, schön strukturierten Zweigen vor leicht umwölktem Himmel aber so schön, dass ich noch Stoff nachgekauft und eine Sweatjacke genäht habe.
Leider wurde der Shop mittlerweile geschlossen - so schade, es gibt kaum noch handgezeichnete Stoffmuster zwischen all dem KI-Mist! -, aber man bekommt sie noch auf Spoonflower (dort nach rebecca_reck_art suchen). Natürlich nur auf den Spoonflower-Stoffen und mit happigem Porto und Zoll, aber immerhin gibt es überhaupt noch eine Möglichkeit, an die Muster zu kommen, was mich sehr freut!

Die Jacke ist nach einem sehr altbewährten Schnitt genäht: Jacke 127 aus der Burda Style 11/2006. Vermutlich habe ich Gr. 42 genäht, aber sicher weiß ich's nicht mehr ... und ob ich irgendwann doch mal die eigentlich nötige FBA durchführen werde? Wer weiß!
Bei der Jacke soll eigentlich der Reißverschluss aufgesetzt statt zwischen Oberstoff und Beleg genäht werden, aber das mache ich mittlerweile anders.


Sonst gibts dazu eigentlich nicht viel zu sagen, ein bewährter Schnitt und ein toller Stoff. Ich hoffe, dass ich im nächsten Winter wieder reinpassen werde! 

Schnitt: Jacke 127 aus der Burda Style 11/2006, mutmaßlich Gr. 42
Material: Wintersweat "Wuthering Heights" von Rebecca ReckArt
Änderungen: Ärmel gekürzt
Nachnähpotential: Das ist schon meine vierte oder so!

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

 Lg
Nria

Freitag, 28. Februar 2025

Sweatjacke Manuc

Zu Weihnachten habe ich Hana (mal wieder) eine Sweatjacke genäht. Bei fancyfabrics.at gab es nämlich einen sehr schönen Sommersweat: Ein dezentes Schnörkelmuster in Rottönen von Hellrot bis Pink auf schwarzem Grund, das farbverlaufsartig in eine komplett schwarze Fläche ausgeblendet wird. Gemustert, aber nicht zu plakativ oder aufdringlich!

Ich hatte aktuell keinen Bedarf an einer neuen Sweatjacke, aber Hana meldete Interesse an.

Als Basis habe ich mal wieder den schönen Manuc-Schnitt von Meine Herzenswelt benutzt - der Sweater sitzt nicht zu knalleng und hat Abnäher (wahlweise gerundete Seitenteile)! Für Hana habe ich dann auch aufs Kürzen verzichtet, weil sie längere Arme hat als ich.
Es gibt den Schnitt auch als Jacken-Version, aber nur mit Kapuze. Und Kapuzen mögen wir ja nicht. 

Was also tun? Mal wieder meinen Standard-Kragenschnitt von meiner Lieblingssweatjacke (aus einer alten Burda) übernommen, dazu natürlich den Halsausschnitt und Beleg von Burda übernommen und losgelegt!

Bei der Reißverschlusslänge habe ich mich wohl vermessen, deshalb ist er etwas kürzer als die Jacke und das Bündchen hat einen neckischen Schlitz unten.

Aber an sich finde ich die Jacke sehr schick! Beim nächsten Mal würde ich aber nach einem etwas höheren Kragen schauen (oder versuchen, den vorhandenen einfach zu modifizieren), damit er sich schöner legt.
Schnitt: "Meine Manuc" von Meine Herzenswelt, Version mit Abnähern, Gr. 42
Material: Baumwoll-French Terry "Fairytale Fantastic Kiss"
Änderungen: Sweatjacke aus dem Sweatshirt gemacht, dafür Fremd-Kragen, Ausschnitt und Beleg von einem alten Burdaschnitt übernommen
Nachnähpotential: Ja, aber mit besserem Kragen.

Lg
Nria

Dienstag, 28. Januar 2025

Folienmode für den Mann - Jacke 139 aus der Burda Style 02/2016

Es geschehen noch Zeichen und Wunder - ich habe mal wieder was aus einer Zeitschrift genäht! Das tue ich nicht mehr oft, weil ich für mich so viel anpassen muss und es mit Cupgrößen-Schnittmustern einfach schneller geht. 

Diesmal brauchte ich aber den Schnitt für eine Herrenjacke und wollte nicht extra einen kaufen, weil das Teil sowieso nur für ein Kostüm gedacht war. Also habe ich im Fundus gestöbert und in unserer noch jungfräulichen Burda Style-Ausgabe 02/2016 einen Schnitt gefunden, der den Vorstellungen meines Mannes entsprach. Hier könnt ihr ihn genauer sehen; bei der Folienjacke erkennt man ja nicht so viel.

Wie die Vorstellung an sich aussah? Möglichst schräg. Wir waren wieder auf einem SciFi-Con und mein Mann wollte ein verrücktes Outfit mit Netzoberteil, schillernder Leo-Weste, Flamingohut und dazu eine irisierende, transparente Folienjacke. Meine Güte, im Jahr 2082 geht's richtig ab mit der Mode!
 

Jedenfalls sind gekaufte Folienjacken sauteuer, deshalb musste ich wieder ran. Die Materialbeschaffung war schwierig; letzten Endes haben wir die Folie rollenweise bestellt: 4 Rollen mit je 35x135 cm Fläche. 
Ich habe schon die schicke Passe des Schnitts wegrationalisiert, trotzdem war es richtig, richtig knapp beim Zuschnitt! 
Immerhin braucht man keine Saumzugaben (ich habe das Teil mit Schrägband eingefasst, weil Bügeln hier unmöglich ist und ungebügelte Säume meist unfertig aussehen, besonders bei so widerspenstigem Material). 
 

Mein Mann wollte lieber einen richtigen Kragen statt des Stehkragens und das war hier wirklich kein Problem, weil es die Jacke noch in einer längeren Variante mit anderen Taschen und dem gewünschten Kragen gibt. D.h. keine Änderung notwendig!
Was dagegen etwas aufwändig war: Der Schnitt geht nur bis Gr. 54, ich brauchte aber 58. Mittlerweile bin ich recht versiert im Gradieren von Schnittmustern: Man muss den Abstand zwischen den letzten beiden Größen ausmessen und pro gradierter Größe diesen Abstand außen hinzufügen. Achtung, der Abstand ist rings um den Schnitt überall unterschiedlich! Schließlich "wachsen" beim Zunehmen die Schultern nicht im gleichen Maße wie der Bauch. Mehr als 1-2 Größen sind dabei knifflig, weil mit steigendem Körperumfang die Abstände zwischen den Kleidergrößen größer werden, d.h. irgendwann wird es Raterei. 
Dann habe ich noch ein Full Tummy Adjustment gemacht. Dabei wird der Schnitt aufgeschnitten und gespreizt, ein bisschen wie beim Full Bust Adjustment. Solche Änderungen sehen oft auf den ersten Blick kompliziert aus, aber wenn man das Prinzip verstanden hat, ist es einfach.
 
Kniffliger war die Verarbeitung: Folie ist echt kein dankbares Material. Die Nahtzugaben lassen sich nicht flachbügeln, also war Absteppen angesagt. Ist bei Stellen wie der Ärmelinnennaht unmöglich, aber da habe ich eine andere Lösung gefunden - siehe unten.


Das Nähen ging so mittel. Mit Oberstofftransport viel besser, ich musste das Rollen- oder das Teflonfüßchen nicht auspacken. Aber weil die Folie relativ starr ist, blieb sie ständig an der Nähmaschine oder anderen Gegenständen hängen, deshalb sind die Absteppnähte z.T. super wacklig, weil mir ständig das Nähgut weggerutscht ist. Das war etwas nervig, aber an sich habe ich Schlimmeres befürchtet.

Ein paar Kompromisse muss man bei dem Material machen. Ans Verstürzen habe ich nicht mal einen Gedanken verschwendet, sondern den Kragen direkt einlagig gehalten und wie den Rest mit Schrägband eingefasst. Da hatte ich noch ein uraltes ungefalztes rumliegen, das allerdings recht schmal war. Deshalb habe ich die zweite Naht von innen genäht - und prompt hat die Nähmaschine dabei Schlaufen beim Unterfaden gezogen. Arrgh! Ich hatte aber keine Zeit, das Ganze neu zu machen, deshalb muss die Welt jetzt damit leben.
 

Ein Trick für bequemeres Tragen: Innen am Ärmel habe ich einen Streifen Jersey eingesetzt. So kann man sich in der steifen Jacke besser bewegen, die innere Ärmelnaht piekt nicht und es ist noch ein bisschen atmungsaktiver.

Was ein bisschen blöd war: Aus Gewohnheit habe ich an den Ärmeln die Passzeichen durch kleine Knipse markiert - wenn ihr auch was aus Folie nähen wollt: Macht das nicht! Mir sind die Stellen prompt eingerissen. Ich hätte besser kleine unauffällige Punkte mit einem Folienschreiber setzen sollen. 
 

Vor dem Ärmeleinsetzen hat es mir gegraut - das ist bei solchen starren Materialien echt schwierig! Vor allem ist es hier völlig unmöglich, die Zusatzweite der Armkugel einzuhalten. Ich hatte gehofft, dass sich durch das nachträgliche Verschmälern der Schultern die Mehrweite etwas verringert, aber es war trotzdem nicht möglich, den Ärmel komplett einzusetzen. Letzten Endes habe ich dann nur die obere Hälfte der Armkugel angenäht und die untere Hälfte offen gelassen - fällt tatsächlich nicht groß auf beim Tragen und als Bonus gibt es eine Belüftung unter der Achsel. Das ist bei dem Material ja auch nicht schlecht ...


Die Jacke kam wirklich gut an auf dem Con! Kleines Manko: Das Material ist nicht sehr haltbar; es ist an einigen Stellen eingerissen (besonders hinten am Armausschnitt, wo halt Zug drauf ist, wenn man die Arme noch vorne streckt).
Aber es war ja auch nur für ein Einmal-Kostüm gedacht - und ggf. kann man die Stellen mit transparentem Klebeband reparieren und nochmal zu Karneval ausführen. Halbwegs wasserfest (außer an den Nähten) ist sie ja schonmal!

Schnitt: Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016, Gr. 58 (vergrößert von 54) mit dem Kragen von Mod. 137
Material: Vinylfolie
Änderungen: Schultern um 2 cm verschmälert, Ärmel um 4 cm gekürzt, Full Tummy Adjustment, Details wie Passen, Ärmelschlitz und Taschen weggelassen, Jerseystreifen in den Ärmel eingesetzt
Nachnähpotential: Der Schnitt an sich ja. Das Material? Ähhh ... lieber nicht.
 
Verlinkt bei DvD und MagicCrafts.
 
Lg
Nria

Donnerstag, 31. Oktober 2024

Libertas-Patimore - Cardigan-Mix aus Westmore von Cashmerette, Impati von Peakmade

Heute ist Halloween, da zeige ich doch mal ein Kleidungsstück mit "düsterem" Motiv!

Der Sweat-Cardigan Westmore von Cashmerette mit dem Fuchsfrau-Fehlkauf war mein Überraschungshit beim Nähen diesen Sommer. 

Er gefiel mir so gut, dass ich noch einen wollte. Auf dem Stoffmarkt in Soest stieß ich völlig überraschend auf einen Stand von Vernähbar. Der Shop bietet Stoffe an, die so in die düstere/Metal-Ecke gehen, und mit so etwas Speziellem hätte ich auf dem Stoffmarkt gar nicht gerechnet! Ich war von der Auswahl ganz erschlagen und habe dann spontan den Sweat "Libertas" gekauft - darauf sind Kirchenfenstermuster in Grüntönen und ein Rabenmotiv abgebildet. 


Die Panele von Vernähbar erinnern sehr an die vom Shop Puppenstübchen (von dort kam das Fuchsfrau-Panel), der leider im Sommer mit sehr kurzfristiger Vorankündigung geschlossen hat - ausgerechnet in der Woche, in der ich im Urlaub war und es nicht mitgekriegt habe. Nun ja, das neue Panel tröstet darüber hinweg! Ich glaube, Vernähbar hat sogar ein, zwei Motive von Puppenstübchen übernommen?

Jedenfalls: Mir schwebte dann auch gleich ein zweiter Westmore-Cardigan vor, schließlich hat der auf das erste Panel bestens draufgepasst. Der Haken: Diesmal wollte ich das Motiv gern mittig auf dem Rücken haben statt auf dem Ärmel (es ist ja auch ein rundes Motiv, nicht länglich wie das andere). Das Rückenteil des Westmore-Cardigan ist allerdings geteilt und das Mittelteil war zu schmal.

Rettung nahte aus meinem unerschöpflichen Schnittvorrat: Irgendwann habe ich den Cardigan Impati von Peakmade gekauft - ebenfalls ein Longcardigan, dessen Rückenteil allerdings ein Taillenband und unten optional Falten hat.
Für mich sah das ideal zum Kombinieren aus. Vorderteil von Schnitt A, Rückenteil von Schnitt B habe ich wirklich noch nie gemischt, aber ich war bereit, das Wagnis einzugehen! (und hey, wildes Rummixen passt auch zum Namen "Freiheit" des Panels ...)

Natürlich sollte man das nicht blind machen. Ich habe erstmal sorgfältig ausgemessen und es passte ganz gut zusammen (beim Schnittmusterkombinieren ärgere ich mich übrigens am meisten über integrierte Nahtzugaben!). Dann habe ich die Schulter- und Armausschnittform des Cashmerette-Cardigans auf das Impati-Rückenteil übertragen. Ziemlich fummelig, weil der Cashmerette-Armausschnitt kleiner und das Rückenteil mehrteilig mit großem Abnäher ist.


Das Schößchen musste ich kürzen, weil der Stoff nicht gereicht hätte; ich bin jetzt mit den Proportionen nicht 100% glücklich, aber es ist okay.
Was mir bei der Anleitung für das Falten-Schößchen nicht gefallen hat: Bei den Kellerfalten sind nur die äußeren Faltenpunkte markiert, nicht die Mitte. Die muss man selbst ausmessen - unpraktisch! Ich gebe aber zu, dass es sonst wirklich viele Markierungen gewesen wären ... zumindest die bei den meisten Schnittherstellern üblichen Pfeile wären aber toll gewesen. So war der Schnitt etwas verwirrend, weil man erst irgendwo in der Anleitung herausfinden musste, wie die Falten gelegt werden.

Der Cardigan an sich war wieder schnell genäht, wie so oft bei Teilen, die ich nicht zum ersten Mal nähe. Den Beleg habe ich wieder umgeschlagen und per Hand festgenäht, weil ich das bei Sweatjacken deutlich schöner finde als einen lose rumflatternden Beleg; es frisst halt etwas Zeit.

Fazit: War der Schnittmustermix eine gute Idee?

Ich bin da nicht sicher. Der Mix an sich hat gut funktioniert, aber ich bin mit der Rückseite nicht ganz zufrieden: Es hätte mir besser gefallen, wenn das Taillenband halb so hoch und das "Schößchen" ein gutes Stück länger wäre. Vermutlich wäre eine Rückenteilversion ohne Teilung gefälliger gewesen, aber das hätte das Panel platzmäßig nicht hergegeben, weil ich durch die Positionierung des Motivs auf dem Stoff ja nicht frei darin war, wo ich das Rückenteil auflege.

Ansonsten gefällt mir der Cardigan aber wirklich gut! Der Stoff hätte mir auch als Kleid sehr gefallen, aber ich musste feststellen, dass ich auffällig gemusterte Sweatkleider nicht gern trage, deshalb möchte ich selbige nur noch mit dezentem Muster oder unifarben nähen.

Schnitt: Vorderseite: Westmore Cardigan von Cashmerette, gerade Kragenversion, Gr. 10 (oben) bis 14 (unten), Cup E/F
              Rückseite: Cardigan Impati von Peakmade, Gr. 42
Material: Panel "Libertas" aus Baumwoll-Sommersweat von Vernähbar
Änderungen: Torso um 3 cm gekürzt, Ärmel um 5 cm gekürzt, Brustpunkt um 5 cm nach unten versetzt
Nachnähpotential: Der Westmore-Cardigan definitiv (vielleicht mal eine hüftlange Version?), der Impati-Cardigan eher nicht.

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Mittwoch, 2. Oktober 2024

Cordflop mit Ärmelproblem - Winterthur-Jacke von Itch to Stitch

Ich brauchte schon länger eine neue Sommerjacke (am liebsten wollte ich eine aus Cord). Nachdem ich ewig in den Geschäften gesucht habe, bin ich doch wieder darauf zurückgekommen, eine zu nähen. Und natürlich habe ich mich dann monatelang davor gedrückt, bis ich 5 Tage vorm Urlaub keine Wahl mehr hatte ...
Glücklicherweise war ich zu dem Zeitpunkt immerhin schon bis zum Probeteil gekommen.

Auch nach dem passenden Schnitt habe ich lange gesucht und meine Wahl fiel auf die Jacke "Winterthur" von Itch to Stitch: Neben Cupgrößen bis DD (yay!) bietet die Jacke aufgesetzte Taschen, einen Kordelzug in der Taille und wahlweise Kapuze oder Kragen. Ich bin wie immer Team Kragen!


Es ist mein zweites Itch to Stitch-Schnittmuster nach dem Kalispell Dress und was mir auch diesmal wieder negativ aufgefallen ist: Die Größen sind wirklich nah beieinander aufgedruckt und gerade an Engstellen lassen sich die Größenlinien nur sehr schwer auseinanderhalten. Inzwischen beiße ich auch beim Plotten in den sauren Apfel und zahle bei dieser Marke den Aufpreis für Farbdruck ... hier hatte ich beim Abpausen die A0-Datei auf dem Monitor als Vorlage, um nachzuschauen, welches Passzeichen denn für meine Größe ist. Und bei den Taschen, wo die Größenlinien für verschiedene Größen identisch sind, musste ich schlicht raten. Also ehrlich, das geht besser!
Immerhin ist es mit Farbplott oder -ausdruck kein Problem, aber man muss es halt vorher wissen.

Dafür musste ich keine FBA machen und konnte mich frohgemut direkt dem Kürzen widmen! 

Der weiche Cord unbekannten Materials stammt vom Räumungsverkauf eines Shops, dessen Name ich vergessen habe. Aber da er längst geschlossen hat, ist das jetzt natürlich auch egal ... Leider eher schlecht bügelbar, also vermutlich viel Kunstfaser?
Dazu habe ich den Rest einer Popeline mit Ankermuster verwendet ("Anchor Party" von Poppy), die ich fast auf den Tag genau vor 7 Jahren auf dem Stoffmarkt gekauft und bereits als Futter für die hellbraune Canton-Bikerjacke verwendet hatte. Ursprünglich wollte ich ein Kleid daraus nähen, habe aber nach jahrelanger Schranklagerung festgestellt, dass mir der Stoff einfach nicht weich genug dafür wäre. 

Bei Itch to Stitch gibt es vorm Nähen erstmal Unmengen an Stütznähten, um das Ausleiern der Kanten zu verhindern. Ich muss zugeben, das habe ich mir gespart ... 

Die Anleitung finde ich an sich sehr gut und detailliert. Allerdings sind die Zeichnungen oft nicht so 100% hilfreich, wenn z.B. das komplette Kleidungsstück verstürzt wird und ich gerne wüsste, wohin mit der Kragen-Nahtzugabe - was bei der winzigen Zeichnung dann nicht zu erkennen ist.
Das Verbinden von Oberstoff- und Futterärmel fand ich kompliziert und fehleranfällig - da habe ich schon bessere Methoden gesehen. 

Oh, und was mich genervt hat: Es ist kein Aufhänger vorgesehen und ich musste die fast fertige Jacke nochmal auftrennen, weil ich das erst kurz vor Fertigstellung bemerkt habe und mich wirklich geärgert hätte, das Ding wegzulassen ...

Leider bin ich mit der Jacke sehr unzufrieden und das hat 2 Gründe:

  1. Die Schultern waren stark überschnitten. Das sah an mir grauenvoll aus - ich habe die Schulterbreite am Schnitt um 2 cm und nach der ersten Anprobe an der Jacke um weitere 2 cm pro Seite verschmälert. Diese zweite Änderung hat allerdings den Armausschnitt vergrößert, sodass ich den Ärmel nicht mehr einhalten konnte. Und jetzt ist die Passform der Armkugel katastrophal. Das ärgert mich wahnsinnig! 
  2. Mein Stoff ist zu weich. Cord hat ja oft viel Stand, aber dieser hier nicht - und die Originaljacke scheint aus Softshell genäht zu sein. Diese gewisse Steifheit fehlt meiner Jacke und gerade an der vorher erwähnten kritischen Stelle, der Schulter, fällt mir das sehr negativ auf. Als Material waren leichte bis mittelleichte Webstoffe (Twill, Baumwollstoffe, Chambray, Leinen oder Taslan) angegeben, da fand ich meine Wahl ursprünglich nicht so falsch, aber nun ja ...
Ich überlege, ob ich diese Misere mit Schulterpolstern und Ärmelfischen zumindest etwas beheben kann? Viel schlimmer kanns ja nicht werden ...

Auf der Haben-Seite: Ich habe jetzt erstmal wieder eine Jacke im Schrank, die mir passt, und wer kein (Hobby-)Schneider ist, schaut an der Schulter vermutlich echt nicht hin!

Schnitt: Jacke "Winterthur" von Itch to Stitch, Gr. 8 DD
Material: Cord, Baumwollpopeline ("Anchor Party" von Poppy) und Futteracetat als Futter
Änderungen: Jacke um 5 cm gekürzt, Ärmel um 4 cm gekürzt, Schultern um 2 cm verschmälert
Nachnähpotential: Eher nein ...

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria