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Donnerstag, 1. August 2024

[Gelesen] "Ahead of the Curve" von Jenny Rushmore (Cashmerette) plus: Kersoe Top

Dieser Beitrag ist zweiteilig: Ich beginne mit einer Review zum Buch "Ahead of the Curve", einem englischen Nähbuch über Schnittanpassung, das fünf Schnittmuster enthält, und schreibe weiter unten über das Kersoe Top, das ich daraus genäht habe:

 
Jenny Rushmore: Ahead of the Curve

Ich bin ja ein großer Fan der Cashmerette-Schnittmuster (genau wie das Buch sind sie auf Englisch, wie der Titel schon verrät). Von Jenny Rushmore gibt es mittlerweile zwei Bücher - im ersten, "Ahead of the Curve", geht es um Schnittanpassungen, das zweite, "Sewing the Curve",  ist an Nähanfänger gerichtet und erklärt die Grundlagen des Nähens. Beide enthalten außerdem 5-6 sehr alltagstaugliche (d.h. eher schlichte) Schnittmuster.

Zu den Schnittmustern schreibe ich weiter unten mehr, wenn ich die Teile zeige, die ich bereits genäht habe. Hier nur so viel: Es sind die Größen 44-64 enthalten (also leider keine kleinen Größen), jeweils mit den Cupgrößen C-H.

Was direkt auffällt: Das Buch ist sehr bunt! Der vordere Schnitt und die Seitenränder sind je nach Kapitel in verschiedenen Farben gehalten, sodass man sich leicht zurechtfindet und sehr gezielt z.B. das Kapitel mit den Brust-Anpassungen aufschlagen kann. Das ist etwas, das mir etwa beim Burda-Nähbuch fehlt, da muss ich viel länger suchen.

Vorne drauf ist übrigens das Honeybourne Dress.

Im Buch geht es zunächst um die Grundlagen der Schnittanpassung, zum Beispiel Größenwahl und Umgang mit Probeteilen.
Danach werden nach Körperzone sortiert "Problemstellen" präsentiert - mit Vorher-Nachher-Fotos! Übrigens anhand genau der im Buch enthaltenen Schnittmuster, ein schönes Gesamtpaket. Und auch sehr praktisch, denn so kann man direkt gucken, ob für das gerade genähte Teil ein Foto von exakt dem an sich selbst vorhandenen Problem an exakt dem Kleidungsstück, das man gerade näht, vorhanden ist!
Neben den Fotos gibt es eine Beschreibung der typischen Passformprobleme. Die typischen Probleme sind abgedeckt, aber das Buch geht nicht extrem ins Detail (bei der Zone "Arme" wird die Anpassung für starke Oberarme und für einen klaffenden Armausschnitt behandelt, aber nicht die Tiefe des Armausschnitts oder die Höhe der Armkugel).

Die notwendige Änderung wird anhand von sehr klaren und verständlichen Zeichnungen dargestellt. Ich bin allerdings kein Anfänger, was Schnittanpassung betrifft, und kann daher nicht beurteilen, wie gut die Anleitungen für in diesem Bereich völlig Unerfahrene ist.

Ein Blick ins Buch mit den farbigen Kapitelmarkierungen.

Aufgelockert wird das Buch durch Interviews mit den Models (Normalo-Hobbynäherinnen mit Plus Size-Figur) und durch einen sehr natürlichen und informellen Schreibstil. Dafür, dass es ein Sachbuch über ein eigentlich trockenes Thema ist, liest es sich wirklich gut!

Am Schluss findet man die Anleitungen für die enthaltenen Schnittmuster. Auch die Anleitungen sind mit (sehr klaren) Skizzen, nicht mit Fotos bebildert. Für mich sind solche Zeichnungen meist verständlicher als Fotos und ich bin mit gut damit klargekommen. Aber auch hier: Ich bin keine Anfängerin.

Die Schnittmusterbögen liegen in einer separaten flachen Schachtel bei, die mit dem Buch fest verklebt ist. Hat den Vorteil, dass sie weniger leicht verloren gehen, aber es macht das Buch unhandlich.
Bei einem Buch zum Thema Schnittanpassung finde ich eine Ringbindung wie beim Burda-Grundlagenbuch auch deutlich praktischer - nach etwas Überzeugungskraft bleibt das Cashmerette-Buch auch offen liegen, aber die Bindung wird auf Dauer dadurch mehr beansprucht.
Übrigens: Das Buch ist auch als Ebook erhältlich, dann kann man die Schnittmuster herunterladen anstatt sie abzupausen. 

Die Schnittmusterbögen sind etwas schwieriger als Einzelschnittmuster, aber gut nutzbar.

Die Bögen bestehen aus festem Papier und zweifarbig. Da die Schnittmuster überlappen und die Bögen beidseitig bedruckt sind, kommt man ums Abpausen nicht drumherum, aber sie sind sehr übersichtlich und die Größenlinien klar unterscheidbar.

An Schnittmustern sind enthalten: 

  • Trägertop "Kersoe" aus Webware
  • Kleid "Honeybourne" aus Webware mit Abnähern, Dreiviertelärmeln und weitem, angekräuseltem Rock
  • Raglan-T-Shirt "Stanway"
  • Jerseykleid "Foxhill" mit durchgängigen Teilungsnähten, schmalem Rockteil und Kappärmeln
  • Webware-Hose "Magna"mit schmalem Bein und elastischem Bund

Die Kleidungsstücke sind relativ schlicht, aber damit sehr alltagstauglich - und mit Stoffwahl und selbst hinzugefügten Details kann man viel variieren! Ich habe jetzt bereits alle Teile aus dem Buch genäht bis auf die Hose, und die ist schon in Planung ...

Fazit: 
Ein schön aufgemachtes und angenehm lesbares Schnittanpassungsbuch mit gut verständlichen Skizzen - als Bonus gibt es eine Handvoll Schnittmuster für kurvige Frauen, mit denen bestimmt die meisten etwas anfangen können.
Klare Empfehlung für alle, die nicht vor englischen Büchern zurückschrecken!

Und jetzt zeige ich eins der Teile, die ich aus dem Buch schon genäht habe:

Kersoe Top

Eigentlich nähe ich ja am liebsten Kleider. Aber die sind nicht immer praktisch und wenn es warm ist, sind Shorts und Tanktop eine schöne Alternative. Statt Jerseyshirts möchte ich aber öfter Tops oder Blusen aus Webware tragen, weil das "angezogener" und weniger nach Sportplatz aussieht. 


Das Kersoe Top sprach mich direkt an, weil es locker geschnitten ist - ich habe im letzten Jahr ein paar Kilo zugenommen und fühle mich daher in enger Kleidung momentan nicht so wohl.
Das Top hat Abnäher, ursprünglich vorne und hinten einen V-Ausschnitt und ist eigentlich bis hinunter zur Taille gefüttert. 

Weil ich sehr unsicher bei der Größenwahl war, habe ich einen günstigen Probestoff erworben oder eher zwei: Eine navyblaue Viskosepopeline mit kleinen "Kernchen" (passenderweise heißt er "Seeds"), in zwei 50 cm-Stücken als Reststücke.
Eigentlich ist der Stoffbedarf aufgrund des Futters viel höher als 1 m, aber ich habe das Futter zu Belegen verkleinert. Hat natürlich den Nachteil, dass sich bei dünnen Stoffen der Beleg durchdrücken kann.


Um den Halbmeterstücken gerecht zu werden, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und den gleichen Trick wie beim Kranichtop angewendet und die Abnäher in einer Teilungsnaht verschwinden lassen.
Das hat gleich zwei Vorteile:
1. Man spart sich das Nähen der Abnäherspitze, die gerade bei feinen Stoffen schwierig ist.
2. Das Top wird auf zwei kleinere Teile aufgeteilt, die prima auf die 50 cm passen. Und für die Belege hat's auch noch gereicht!

Die Abnäher "verschwinden" zu lassen, ist prinzipiell simpel. Man verbindet die Abnäherspitzen mit einer geraden Linie - oder welche Form auch immer man haben will: Geschwungen geht auch, aber man sollte aufpassen, dass sich die Linie harmonisch aus dem unteren Abnäherwinkel ergibt. Jetzt schneidet man die Abnäher aus und die Linie durch. Fertig!
Wenn man aus Resteverwertungsgründen auch hinten eine Teilungsnaht will, sollte man die Seitennähte aufeinanderlegen und auf dem Rückenteil markieren, wo die Teilung vorne beginnt. Bei diesem Top habe ich auf diese Abstimmung verzichtet, weil ich den oberen Teil möglichst klein halten wollte - dadurch hatte ich mehr Stoff für die Belege übrig.


Weitere Änderungen:
Es sind 2,5 cm Saumzugabe enthalten - mir war das Top noch etwas zu lang, ich habe dann 2 cm abgeschnitten umd 4 cm Saumzugabe benutzt, also insgesamt 3,5 cm gekürzt.
Außerdem habe ich den Halsausschnitt nur mit 6 mm Nahtzugabe genäht statt mit 12, um die Träger ein bisschen breiter zu halten. Ich hoffe, dass dadurch die BH-Träger verdeckter sind.
Ach ja, und ich mag V-Ausschnitte am Rücken nicht so, deshalb habe ich dort einfach einen normalen Rundhalsausschnitt eingezeichnet.

Und ich muss sagen, ich bin doch sehr zufrieden mit dem Top! Es fällt locker, aber nicht zu sackartig, das Kernchenmuster mag ich sehr und es trägt sich angenehm. Was will man noch mehr?

Schnitt: Top "Kersoe" aus dem Buch "Ahead of the Curve von Jenny Rushmore, Gr. 12 E/F (?)
Material: Viskose-Popeline "Seeds" in navyblau über lidani.net
Änderungen: Top um 3,5 cm gekürzt, Abnäher in Teilungsnaht verschwinden lassen, hinteren Halsausschnitt höher gezogen, Halsausschnitt um 6 mm weiter nach innen gezogen
Nachnähpotential: Vorhanden, der Schnitt gefällt mir gut!

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Dienstag, 30. Januar 2024

Unsere Tipps für Hochzeits-Bücher - für klassische und alternative Hochzeiten

Okay, sind wir mal ehrlich: In Zeiten des Internets braucht kein Mensch mehr Hochzeits-Bücher. Man findet alles, was man je zum Thema Hochzeit brauchen wird und wissen muss, kostenlos im Internet.
ABER: Wir mögen Bücher. Außerdem sind sie ein schönes Geschenk für Frischverlobte!
 

Hochzeitstrends sind vergänglich, und Bücher können sich nicht so schnell an Trends anpassen wie Webseiten - es kann aber gerade reizvoll sein, auch Ideen abseits der aktuellen Trends zu sehen. Nur damit, dass Link- und Shoppingtipps nicht mehr verfügbar sein können und downloadbares Zusatzmaterial vielleicht nicht mehr online ist, muss man bei Büchern leider leben. Zur Orientierung geben wir das Erscheinungsjahr unserer Buchtipps an.

Wir wünschen also viel Lesevergnügen mit unseren Favoriten:


Ariel Meadow Stallings: Offbeat Bride (englisch) (3. Auflage 2019)
Heiratet doch, wie ihr wollt! Ariel Meadow Stallings hat ziemlich unkonventionell geheiratet und eher ein Hochzeits-Festival als eine klassisch-elegante Feier veranstaltet - und gibt Tipps für alle Bräute und Bräutigame, die ihre Hochzeit genau nach ihren Vorstellungen fernab verstaubter Traditionen feiern wollen. Für alle, die Bücher auf Englisch lesen mögen, unser persönliches Must-Have an Hochzeitsbüchern. Soviele alternative Ideen zu allen Aspekten einer klassischen Hochzeit gibts selbst online kaum!
Enthält keine Bilder, aber auf der dazugehörigen Webseite Offbeat Wed gibt es ganz viel visuelle Inspiration und Artikel zu alternativen Hochzeiten, ob queer, neurodivers oder nerdig.

Stefanie Luxat: Einfach heiraten! Das Hochzeitsbuch (1. Auflage 2013):
Ebenso wie Offbeat Bride eher ein persönliches Buch als nüchterner Ratgeber. Eine bunte Mischung aus Erfahrungsbericht, Tipps, Bastelanleitungen/Rezepten und Inspiration zum Selbermachen und Kaufen. Die Autorin kommt aus dem Bereich Frauenzeitschriften und das Buch wirkt auch ein wenig wie eine Zeitschrift in Buchform: Angenehm runterzulesen, abwechslungsreich, inspirierend und schön bunt (offenbar mag die Autorin ebenfalls klare knallige Farben!). Den Stil sieht man ja schon auf dem Cover.
Eher nichts für Leute, die sich eine klassische Prinzessinnenhochzeit wünschen.


Nikola Stiefelhagen/Friederike Mauritz: Die besten Hochzeits-Checklisten (1. Auflage 2016)
Von der Gästeliste über Dienstleister, Location, Papeterie, Kirche oder Standesamt - mit diesem Buch wird sicher nichts vergessen. Für jeden Dienstleister gibt es eine Fragen-Liste, für jedes Thema Checklisten, wer eine Gartenparty feiert und alle Ausstattung zusammenleiht wird ebenfalls fündig. Es gibt Checklisten im Internet, so umfassend wie dieses Buch ist aber keine. Große Empfehlung!

Fräulein K sagt ja: Das Hochzeitsbilderbuch (1. Auflage 2015)
Eine Mischung aus Hochzeitsplanungs-Hilfe und Coffee Table Book: Das Hochzeitsbilderbuch ist unser Empfehlung für alle, die ästhetische Bilder lieben und gleichzeitig einen Einstieg ins Thema Hochzeitsplanung suchen. Nicht so ausführlich wie ein expliziter Planner, sondern ein Überblick über alle wichtigen Themen - stimmt wunderbar in die Planungszeit ein.

Kat Williams: Rock n Roll Bride. The Ultimative Guide for Alternative Brides (englisch) (1. Auflage 2019)
Eigentlich ein relativ normales Hochzeitsplanungsbuch - aber mit alternativer Ausrichtung, von knallbunt bis Gothic. Das letzte Drittel enthält Fotostrecken von echten Hochzeiten verschiedener Richtungen, aber auch im übrigen Buch gibt es viele tolle Bilder. Super empfehlenswert! Klassische bis trendige Inspiration gibts überall; hier gibts das Besondere. Mein zweites Must-Have-Buch.
Auch hierzu gibt es eine Homepage mit Bildern und Artikeln:  Rock'nRoll Bride, mit ähnlicher Ausrichtung wie Offbeat Wed - von Gothic bis Nerd, nicht nur Rock'n Roll. Dazu gibt es auch ein regelmäßig erscheinendes Printmagazin.


Elke von Borcke / Dorothea Loritz: Hochzeit! Kreativideen von der Karte bis zur Deko (Dawanda) (1. Auflage 2016)
Erinnert ihr euch noch die Kleingewerbe-Verkaufsplattform Dawanda? Dazu gibt es ein Hochzeits-Bastelbuch. Von Deko und Braut-Accessoires über den Papierblumen-Brautstrauß bis hin zu Papeterie enthält dieses Buch 44 Projekte passend zu fünf Deko-Themen, z.B. auch ein Caketopper-Brautpaar ähnlich dem, was Hana für Nrias Hochzeit gemacht hat.

Jessica Stuckstätte: Hochzeit handmade (1. Auflage 2016)
Dieses Buch ist zweigeteilt: Neben Planungstipps und Interviews mit Hochzeitsdienstleistern, gibt es 40 Projekte für Papeterie, Accessoires, Deko, Give-Aways und Hochzeitsaktivitäten. Als Bonus liegt noch eine Checkliste in Posterform bei.
 

Schwester Maria-Magdalena / Bruder Jacob: Kleiner Hochzeitsknigge (1. Auflage 2006):
Eigentlich ein unpassender Titel. Es ist ein kleinformatiges Büchlein mit unter 80 Seiten, das die Bestandteile der evangelischen und katholischen Trauung erklärt. Nicht extrem ausführlich, aber gut für einen Überblick. Im Anhang finden sich noch einige Vorschläge für Lesungen, Lieder und Trausprüche.

Alexandra Bleyer: Drum prüfe, wer sich ewig bindet - Eine kleine Geschichte der Ehe (1. Auflage 2015)
Dieses Buch ist kein Planungsbuch, aber eine nette Einstimmung zur Hochzeit für Geschichtsinteressierte, Hochzeits-Enthusiasten oder Gäste, die Funfacts für die Hochzeitsrede suchen: Die Geschichte der Ehe in verschiedenen Kategorien, von Ehe-Arten (wer von euch kennt die Kebs-Ehe?) bis zu Sexualität, jeweils von der Antike bis heute. Unterhaltsam zu lesen und ein nettes Geschenk!


Habt ihr Hochzeitsbücher gekauft oder habt/hättet das vor? Und wären die vorgestellten was für euch (gewesen)?

Einen schönen Tag wünschen
Hana und Nria

Dienstag, 19. Dezember 2023

[Gelesen] Fast verschwundene Fabelwesen - Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt

Ihr braucht noch kurzfristig ein Weihnachtsgeschenk? Da haben wir einen Tipp für euch:

"Fast verschwundene Fabelwesen - Die sagenhafte Expedition des Konstantin O. Boldt" von Florian Schäfer und Elif Siebenpfeiffer ist ein Roman in Tagebuchform. Und das schönste Buch, das ich seit Langem in der Hand hatte!

Hochwertiger Einband mit Goldfolierung - meine Fotoskills werden ihm nicht gerecht
 
In einem alternativen 19. Jahrhundert verdrängt der Mensch allmählich die Fabelwesen - und der Naturforscher Konstantin O. Bold plant ein ambitioniertes Projekt: Einen Naturpark als Refugium für bedrohte Arten zu schaffen und dieses mit Fabelwesen zu bevölkern. Dazu startet er eine Expedition mit Forschern, Jägern und Experten verschiedenster Fachgebiete, die ihn quer durch Europa führen wird.

Easter Egg: Auf dem Foto verstecken sich die beiden Urheber

Die Geschichte läuft eher gemächlich dahin, auch wenn sie gegen Ende etwas Fahrt aufnimmt. Hochspannung und atemberaubende Wendungen sollte man nicht erwarten, aber darum geht es auch nicht, denn was das Buch ausmacht, ist die Atmosphäre.

Alle Seiten sind im Pergamentstil bedruckt mit Flecken und Alterungserscheinungen, und das Buch ist geradezu vollgestopft mit Material, das dem Roman Leben einhaucht: Auf Landkarten kann man die Reiseroute verfolgen, die Geschichte wird untermalt mit alten Fotos, Skizzen, Grundrissen, Szenenbildern, zusätzlich zum Romantext kann man zwischendurch Telegramme, Zeitungsausschnitte, Briefe lesen. Das Buch wirkt dadurch unheimlich lebendig, eben wie ein sorgsam geführtes Reisetagebuch, und ist unheimlich abwechslungsreich zu lesen.

Karten, Textschnipsel, Malerei - dazwischen der Roman

Natürlich widmet sich der Roman neben der Geschichte auch den Fabelwesen (wie vom "Mythensammler" Florian Schäfer zu erwarten, basierend auf alten Erzählungen und Sagen) - sobald die Expedition mal wieder auf eines stößt, kann man die Notizseite von Konstantin Bold dazu durchstöbern, samt Skizzen, Darstellungen aus dem Mittelalter und mal wieder allerlei Schnipseln.

Fabelwesen-Darstellungen

"Fast verschwundene Fabelwesen" ist insgesamt einfach wunderschön und hochwertig gemacht, dickes Papier, hochwertiger Einband, zwei Aufklappseiten, die Fülle an Material zum Entdecken und als Bonus, mit dem man mich ja immer kriegt, noch ein praktisches Lesebändchen - nur einen einzigen Kritikpunkt habe ich: Die Kursivschrift der Bilduntertitel ist oft sehr klein und schlecht zu lesen. Wer schlechtere Augen hat als ich, lege sich eine Lupe parat - ansonsten ist das Buch uneingeschränkt empfehlenswert und macht einfach Freude. Mit 32 € ist man für ein Hardcover-Buch dieser Größe und Qualität auch wirklich gut dabei - man bekommt hier viel für sein Geld.

Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke? Falls nicht - hier könnt ihr guten Gewissens zuschlagen!

Zur Transparenz: Der Post ist nicht gesponsert, ich habe das Buch selbst gekauft und erhalte keine Gegenleistung für die Review.

Eine schöne Zeit wünscht
Hana


Donnerstag, 18. Februar 2021

[Gelesen] G. J. Lewis: Drachenfall / Orkenwinter (Die Kinder des Drachen-Reihe)

Eine Gruppe Abenteurer überlebt eine Drachenjagd und kommt zu Geld. Richtig, richtig viel Geld, ein enormer Drachen-Schatz eben. So viel Geld, dass es sich damit nicht mehr bequem leben lässt, wenn bekannt wird, wieviel sie haben. Jeder Gauner des Landes würde  ihnen gern dafür nachts die Kehle aufschlitzen. Sie stehen also vor der Wahl: Nehmen sie nur ein kleines Vermögen mit, einen kleinen Teil der Beute, und setzen sich in Frieden zur Ruhe - oder nehmen sie alles und bauen sich eine kleine Baronie damit auf, mit Bauern, die die Ländereien bestellt, nehmen Gardisten unter Vertrag und gestalten einen Landstrich ganz nach ihren Vorstellungen? Die (ehemaligen) Drachenlande sind aus Angst vor der Bestie leergefegt und günstig zu erstehen, solange der Tod des Drachen noch nicht bekannt ist ...

Vorab muss ich anmerken, dass ich den Autor persönlich kenne und gern habe - entsprechend wird meine Rezension dieses Buches sicher nicht völlig objektiv sein, denn natürlich wollte ich die Romane von Anfang an gern mögen (das möchte ich natürlich bei jedem Buch, für das ich Geld ausgegeben habe - aber hier natürlich noch etwas mehr). Zum Glück haben es mir die Bücher aber auch leicht gemacht!

Bis hierher hatte der Plan funktioniert. So wie sie es verstanden hatte, sollten sie nun hier abwarten bis der Drache wieder ausflog. Dann wollten sie seine Höhle auskundschaften und sich vorbereiten und wenn möglich eine tödliche Falle anlegen, um das Untier zur Strecke zu bringen. Wenn er wiederkam, würden die ganzen Kämpen auf ihn warten.
Ein Klacks.
Ein Kinderspiel.
Piet schluckte.

Das Setting ist ungewöhnlich, denn normalerweise enden Geschichten mit dem Tod der Bestie - diese fängt dort erst an. Ein Buch mit einem solchen Thema habe ich noch nie gelesen. Wer Pen&Paper spielt und sich schonmal gefragt hat, wie die Reise seiner Heldengruppe mal enden wird, dem kann ich die Romane direkt schonmal empfehlen!

Erzählt wird aus der Sicht von Peter, genannt Piet, einem der Kämpfer aus der Abenteurergruppe, den ich mir als eine Art Plänkler vorstelle. Piet ist pragmatisch, gutmütig und ideenreich, muss aber erst einmal in die neuen Aufgabenfelder hineinwachsen - als ehemaliger Seefahrer, aufgewachsen in einem kleinen Fischerdorf, hätte er sich nie träumen lassen, einmal die Verwaltung einer Baronie in die Hand zu nehmen. Die restlichen Mitglieder der Heldengruppe lernt man eher oberflächlich kennen, hier sehe ich in den Folgebänden noch Potential, diesen auch noch etwas mehr Tiefe zu verschaffen.

Die Romane sind nicht professionell lektoriert - das heißt, die Sprache ist nicht so glattgeschliffen, der Sprachstil nicht so perfektioniert, wie es mit einem Lektor erfolgt wäre (Rechtschreibung und Grammatik sind in Ordnung, hier braucht ihr keine Sorge zu haben). Gespräche werden zum Beispiel oft komplett in indirekter Sprache geführt (Piet meinte, das könne man schon so machen), was ich etwas unelegant und schade finde, vor allem, da mir die tatsächlich direkt wiedergegebenen Gespräche besonders gut gefallen:

 Piet fragte ihn nach den Versorgungsbooten.
"Joo," sagte der Alte, "die sind fertig"
"Hat es keine Schwierigkeiten mit der fürstlichen Verwaltung gegeben?" fragte Piet ihn.
"Joo," sagte der Alte, "die gab es schon."
"Worin haben die denn bestanden?" hakte Piet nach.
"Joo," sagte er, "ich darf euch keine Schiffe verkaufen. Und ich darf euch keine Schiffe bauen."

Die Obrigkeit ist in den Romanen meist der Antagonist, skrupellose, gierige Grundbesitzer, die ihre Bauern grundlos in die Leibeigenschaft zwingen. Die Helden sind dagegen die Freiheitskämpfer, die Sklaven aus dem benachbarten Imperium befreien und ihre eigene Baronie in Freiheit und Gleichheit aufbauen. Das ist mir manchmal ein wenig einseitig, ich würde mir ein paar mehr Adlige, Landbesitzer und andere hohe Herren wünschen, die ihren Job einfach gut machen und in deren Ländereien zwischen Bauern und Grundbesitzer ein faires Geben und Nehmen herrscht, einfach, weil der garstige Herrscher mit den ausgebeuteten Untergebenen so ein verbreitetes Mittelalter-Klischee ist - da tut ein bisschen Abwechslung von meiner Erachtens immer gut.

Natürlich sind die Geschichten nicht spannungsgeladen wie ein Thriller, aber dennoch nehmen sie den Leser mit und ich hatte ständig das Buch in der Hand, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.

Ich hatte Spaß beim Lesen und freue mich auf weitere Bände - wer mal etwas anderes lesen möchte als die klassische Heldenreise, den erwartet hier eine tolle Geschichte mit einer unkonventionellen Idee.

Autor: G. J. Lewis
Titel: Die Kinder des Drachen: Drachenfall / Orkenwinter
Seiten: 300 / 433
Erscheinungsjahr: 2020
Die deutsche Ausgabe ist die Originalfassung

Montag, 24. August 2020

Reading Habits-Tag



Diesen Tag habe ich mal gefunden. Wo, weiß ich nicht mehr - diesen Beitrag habe ich im Mai geschrieben und dann irgendwie vergessen. Aber was soll's, auf geht's!

1) Hast du einen bestimmten Platz zu Hause zum Lesen? 
Auf dem Sofa, im Bett, in der Badewanne (letzteres mit dem E-Reader - meiner ist wasserdicht). 

2) Lesezeichen oder ein willkürliches Stück Papier? 
Ich bevorzuge Lesezeichen, aber übergangshalber tuts auch ein Zettel oder irgendein flacheres Objekt. 
Hana merkt sich manchmal auch die Seite, auf der sie aufgehört hat, wenn gerade gar nichts zur Hand ist.

3) Kannst du irgendwo aufhören in einem Buch zu lesen oder wartest du bis ein Kapitel zu Ende ist oder bis du 50 - 100 Seiten gelesen hast? 
Ich hasse Bücher ohne Kapitel! Normalerweise versuche ich zumindest bis zu einem Absatz zu lesen (nicht notwendigerweise bis zum Kapitelende). Zumindest eine Gedankenpause oder ein Handlungswechsel ist hilfreich. Mitten im Geschehen breche ich ungern ab. 
Hana hingegen sind Kapitel völlig wurscht! Sie hört aber am liebsten auf Seitenzahlen mit 10er-Endung auf und liest manchmal noch eine Seite mehr, um auf eine runde Seitenzahl zu kommen.

4) Isst oder trinkst du während des Lesens? 
Ich trinke nichts dabei - hauptsächlich deshalb, weil ich i.d.R. an Orten lese, wo ich nicht bequem im Sitzen zu einem Glas greifen kann und extra aufstehen müsste. Blöd eigentlich.
Manchmal esse ich Weingummi beim Lesen. Das ist praktisch, weil es nicht krümelt und keine Flecken macht und ich mag einfach Weingummi. Aber ich versuche das zu vermeiden, damit ich mich nicht zu Süßkramkonsum beim Lesen konditioniere (bei Kinobesuchen merke ich durchaus eine gewisse Konditionierung!)

5) Multitasking: Musik oder Fernsehen während du liest? 
Geht gar nicht. Als Kind konnte ich das, inzwischen nicht mehr.

6) Ein Buch oder mehrere Bücher gleichzeitig? 
Fast immer mehrere gleichzeitig. Oft kann ich mich einfach nicht entscheiden oder will ein neues Buch sofort anfangen (aus verschiedenen Gründen - Büchereibücher kann ich ja einfach nicht lange behalten). Ich lese auch oft parallel Sachbücher und Romane, und anspruchsvollere Bücher in einer Fremdsprache sind keine so gute Bettlektüre. Den lateinischen Harry Potter habe ich z.B. definitiv parallel zu anderen Sachen gelesen!

7) Zuhause lesen oder überall? 
Überall! Für unterwegs mag ich meinen Ebook-Reader sehr. Mit dicken Büchern kann man sich seine Handtaschen ruinieren. 

8) Laut lesen oder still im Kopf ("normales" Lesen)? 
Wer liest denn bitte laut Romane? 
Es gibt EINE Sache, die ich laut lese: Gedichte. Da macht es einen Unterschied, besonders bei fremdsprachigen Gedichten (die manchmal in Romanen enthalten sind). Oh, und bei englischen Romanen (oder Passagen in einer Fremdsprache) kommt es gelegentlich vor, dass ich einen Satz laut vorlese, weil ich ihn nicht verstehe. Oft liegt das daran, dass der Satzbau seltsam ist und lautes Lesen hilft mir dann. 


9) Überspringst du Passagen aus einem Buch oder sogar Seiten? 
Selten, aber es kommt vor. Neulich habe ich z.B. einen Roman gelesen, in dem es die Autorin für nötig hielt, ihre Leser eine halbe Seite lang mit einer Inhaltsangabe eines Twilight-Films zu beglücken. Ein halber Satz hätte auch gereicht ... 
Ich überspringe dann etwas, wenn mir die Passage keinerlei neue Informationen bietet, wie eben Inhaltsangaben, redundante Rückblicke o.ä. Spricht halt i.d.R. nicht für die Qualität des Buchs. 
Hana überspringt nicht, aber überfliegt langweilige Passagen (vor allem Kampfszenen), scannt also die Seite nach Informationen und ist so dann sehr schnell an einer Stelle angelangt, wo's wieder interessant wird.

10) Den Buchrücken brechen oder ihn so belassen, dass er im besten Falle wie neu aussieht? 
Ich bemühe mich allein schon deshalb, meine Bücher in gutem Zustand zu belassen, weil ich die wenigsten behalte. Zum Weiterverkauf oder Tauschen sind Gebrauchsspuren ungünstig. Aber ein komplett verknickter Buchrücken beeinträchtigt auch die Lesbarkeit des Titels. Und sieht halt nicht schön aus.
Leserillen sind bei dicken Büchern meist unvermeidlich, aber mutwillig zerstöre ich das Buch nicht, auch nicht mit Eselsohren.

11) Schreibst du in deine Bücher? 
Im Wesentlichen nur dann, wenn ich dazu gezwungen werde (Schullektüre, anyone?). Auch in Sachbücher schreibe ich nicht. Eine Ausnahme bilden Kochbücher und Notenhefte (bevor ich eine Note zum hundertsten Mal falsch spiele oder mein Essen versaue, schnappe ich mir halt nen Bleistift). 

Lg
Nria

Samstag, 9. Februar 2019

[Gelesen] Monika Bittl - Die Expedition

"Die Expedition" erzählt eine wahre Geschichte.

Im Jahr 1903 kreuzen sich die Wege von fünf Frauen:
Die gutbürgerliche Alkoholikerin Ludmilla, ihre in den Alpen geborene Angestellte Rosi, die Künstlerin Henny, die mit Wahnvorstellungen kämpfende Gräfin Adele und die britische Ärztin Emily. Gemeinsam wagen sie sich an eine Alpenüberquerung im Winter nur mit Schlittenhunden - etwas, was noch kein Mann geschafft hat; in einer Zeit, in der noch eine Frau in Hosen für manche einen kleinen Skandal darstellt.



Der Roman wechselt zwischen den Perspektiven aller fünf Frauen; die Perspektivwechsel beinhalten aber keine Cliffhanger (was ich bevorzuge - ich empfinde das immer als billigen Versuch, Spannung zu erzeugen), sondern fügen sich nahtlos aneinander an, so wird z.B. die erste Hälfte einer Begegnung zwischen zwei der Frauen aus der Sicht der einen erzählt, um dann zu Wechseln und das Ende der Begegnung aus der Perspektive der anderen zu beschreiben.
"Ausgelassen rannten Mutter und Tochter los, quer über die Leopoldstraße Richtung Englischer Garten. Henny grinste frech die Spießbürger an, die sie schon alleine durch ihr Äußeres provozierte. Mit ihrem Bubikopf demonstrierte sie für eine neue Freiheit der Weiber. Sie rauchte auf offener Straße Zigaretten. Und manchmal lief sie am helllichten Tag in Hosen herum. Das größte Entsetzen hatte sie jedoch ausgelöst, als sie zusammen mit Erich ein Manifest mit dem 'Plädoyer für eine freie Sexualität' in die Briefkästen der Nachbarn gesteckt hatte.

Henny und Franzi spielten Fangen im Englischen Garten, legten sich ins Gras in die warme Föhnsonne, schlossen Wetten ab, welche Wolke schneller ziehen würde, sprangen wieder auf, verfolgten sich erneut, und Henny genoss das unverschämte Glück der Freiheit mit ihrer Tochter und dachte bei einer innigen Umarmung, dass sich sicher noch ein neues Glück dazugesellen würde, denn weder die Menschen noch das Glück waren gerne alleine." (S. 48)
Der Erzählerwechsel, der die Frauen abwechselnd zu Wort kommen lässt, macht sich auch im unterschiedlichen Sprachstil bemerkbar. Eine nochmal deutlichere Ausnahme unter den Frauen stellt dabei Rosi dar, die als einzige in der ersten Person erzählt - auf eine erfrischend flapsige Weise. Und sich dabei teils die tiefgründigsten Gedanken macht ...
"Aber wie die Gnädige Frau dann gesagt hat, dass sie gar nicht wissen würd, wie man zu einer Frau als Bergführer kommen sollt, da war ich beruhigt, denn die Gnädige Frau hat natürlich gewusst, dass die Theres und ich schon Bergführer gewesen sind! Und dann hat sie den Bubikopf auch relativ schnell wieder hinauskomplimentiert, auf eine ganz feine Art mit dem Likörangebot, so dass ich gedacht hab, das mit war wohl nur ein Ausrutscher. Aber da hab ich mich sauber getäuscht, genauso wie mit mir selbst, weil ich doch geglaubt hab, das mit dem Grafen war nur ein einmaliger Ausrutscher. Aber ich sag es Ihnen, auf nichts mehr ist heutzutage Verlass, nicht mal auf einen selbst!" (S. 91)

Die erste Hälfte des Romans erzählt dabei gemächlich die Begegnung der Frauen, den Prozess der Entscheidung für dieses Projekt, Vorbereitungen, bevor es in der zweiten Hälfte des Romans in die Berge geht. Ich hatte vom Klappentext einen größeren Anteil des "Abenteuers" erwartet, allerdings machen den Roman tatsächlich mehr die Beziehungen, Persönlichkeiten, Stärken und Nöte der so unterschiedlichen Frauen aus.

 "Was wollte sie eigentlich? Freilich war die Landschaft schön, und man würde noch Jahre ein ergiebiges Gesprächsthema haben, womöglich hätte Henny sogar recht, dass dieser Film sie richtig berühmt machen würde. Aber war es das wert?
Waren nicht ihr Alltag und ihre Ehe viel wichtiger? Und die hatte sie jetzt aufs Spiel gesetzt. War das nicht ein görenhafter Ausbruchsversuch? Rührten nicht all diese Ehekriege daher, weil jeder das Glück heiraten wollte, aber nur einen Menschen bekam? (S. 206-207)
Dennoch ist die Alpenüberquerung und die Schwierigkeiten, die eine solches Unterfangen begleiten, wenn man auf bequeme moderne Mittel verzichtet, natürlich sehr spannend und interessant - gerade für unbedarfte Flachlandmenschen wie mich, die sich allenfalls mal mit dem Skilift auf die Berge tragen lassen. Die Gewaltigkeit eines Gebirges wird anschaulich illustriert, die Mühen der Aktion - unabhängig davon, wieviele Details wahr sind, ist es eine spannende Geschichte.
"Henny blickte mit den Augen der bewegten Bilder in all die Ausschnitte dieser Welt, bis sie plötzlich dachte: 'Was tust du hier?' Was für eine Gewalt, was für eine Erhabenheit und Größe in dieser Winterlandschaft, und sie hatte nichts anderes zu tun, als sie bloß festhalten zu wollen! Noch keine Sekunde hatte sie die Kraft der Natur direkt auf sich wirken lassen! Sie schloss eine Weile die Augen, erspürte den Luftzug auf ihrer Haut und hob demütig wieder die Lider. Ja, Demut war hier angebracht, vor dieser wunderbaren Erhebung der Erde. Wie klein war der Mensch doch! Und wie wenig hatte er dieser Naturmacht entgegenzusetzen. Wenig? Nichts! Doch, eins: Die Kunst." (S. 187)
Die Autorin hat übrigens eine besondere Beziehung zu dieser Erzählung: Sie ist eine Nachfahrin einer der Frauen. Entsprechend ist das Nachwort in diesem Buch auch durchaus interessant zu lesen.

"Und ich hab mir noch gedacht, dass es schon ziemlich eigensüchtig ist, so ein G'schieß zu machen. Dass ich dann am gleichen Abend auch noch ein G'schieß gemacht hab, nicht weniger schlimm, das hätt ich mir nicht träumen lassen. Aber wie ich schon gesagt hab - ich werd jetzt endgültig nie mehr den Stab über jemanden brechen! Keiner weiß, was wirklich in einem steckt, bis es dann halt doch manchmal herauskommt." (S. 223)
Ich habe das Buch gern gelesen und kann empfehle es weiter - vor allem natürlich, wenn ihr euch fürs Leben im frühen 20. Jahrhundert interessiert.
Autor: Monika Bittl
Titel: Die Expedition
Verlag: Droemer
Seiten: 295

Erscheinungsjahr: 2010
Die deutsche Ausgabe ist die Originalfassung

Samstag, 2. Februar 2019

[Gelesen] Andreas Eschbach - Die Haarteppichknüpfer

"Die Haarteppichknüpfer" ist anders als andere Romane. Es geht nicht um die Geschichte eines Protagonisten, eigentlich geht es überhaupt nicht um eine Geschichte - sondern der Leser entdeckt das Geheimnis einer Welt.


Am besten kann man den Roman als eine Sammlung von Kurzgeschichten beschreiben, die sich ergänzen und zusammen eine Einheit ergeben. Keine zwei Kapitel werden aus der Perspektive derselben Person erzählt; nur gelegentlich tauchen vorherige Erzähler in späteren Kapiteln als Erwähnung oder Nebenfigur wieder auf.

„‚Ich bin ein Haarteppichknüpfer und deswegen wirst du ebenfalls ein Haarteppichknüpfer sein!‘ Ostvan zeigte mit einer erregten Geste auf den unvollendeten Teppich im Knüpfrahmen. ‚Mein ganzes Leben lang habe ich an diesem Teppich geknüpft, mein ganzes Leben, und von dem Erlös dafür wirst du einmal dein Leben lang zehren. Du hast eine Schuld an mir, Abron, und ich verlange, dass du sie an deinem Sohn wieder abbezahlst. Und gebe Gott, dass er dir nicht so viel Kummer macht wie du mir!‘“ (S. 11)

Das Setting ist besonders, ein Science-Fiction-Setting, das aber auch Lebenswelten enthält, die eher historisch anmuten. Der Roman erzählt von einem Volk, in dem ein verbreiteter Beruf der des Haarteppichknüpfers ist: Ein solcher lebt polygam mit mehreren Frauen und möglichst vielen Töchtern, von denen er täglich die ausgekämmten Haare erhält, aus denen er seinen Haarteppich knüpft. Nur einen großen, feingewebten Teppich in seinem ganzen Leben - ist der im hohen Alter fertiggestellt, wird er verkauft und der (entsprechend hohe) Erlös an einen Sohn weitergegeben, der wiederum ebenfalls bis ans Ende seiner Tage mit diesem Geld auskommen muss und sein Leben damit verbringen wird, einen einzigen Teppich zu knüpfen.

Die erste Episode erzählt von einem Haarteppichknüpfer und seiner Familie. Die zweite Episode von einem Haarteppichhändler. Später gibt es eine Episode in der Stadt, in der ein Haarteppichhändler einkehrt, und so geht es fort und fort, die einzelnen Episoden ergeben als Puzzle das Gesamtbild einer einzigartigen Gesellschaft, bis man als Leser erfährt, was der Hintergrund dieser gesamten Lebensart ist.

„‚Der Kaiser bekommt so viele Haarteppiche, der weiß sicher kaum noch, wohin damit. Da kommt es auf einen mehr oder weniger bestimmt nicht an.'
Er setzte sich abrupt auf. ‚Das verstehst du nicht. Wenn ich sterbe, ohne einen Teppich vollendet zu haben, dann war mein Leben sinnlos.'" (S. 70)

Dieses Buch gehört zu meinen Lieblingsromanen, allein schon wegen seiner Einzigartigkeit - ich finde es immer wieder faszinierend zu lesen. Beim ersten Lesen hat mich die Auflösung einen Moment fassungslos gemacht, beim späteren Lesen werden die Episoden durch das Wissen um den Hintergrund noch runder. Obwohl ich an sich kein Freund von Episoden-Romanen bin - und dieser ist schon fast eher eine Sammlung von Kurzgeschichten - ich kann "Die Haarteppichknüpfer" jedem nur empfehlen, der mal ein etwas anderes Leseerlebnis wünscht.
Autor: Andreas Eschbach
Titel: Die Haarteppichknüpfer
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 319
Erscheinungsjahr: 2005
Die deutsche Ausgabe ist die Originalfassung.

Dienstag, 12. Juni 2018

[Gelesen] Neal Shusterman: Scythe - Die Hüter des Todes

Eine Welt, von der nicht ganz klar ist, ob sie eine Utopie oder Dystopie darstellt:
Die Welt wird regiert von einem allwissenden Supercomputer, dem "Thunderhead", überall herrscht Frieden und Menschen arbeiten eigentlich nur noch Pro Forma, denn alle Fragen jeder Wissenschaft sind vom Thunderhead gelöst worden.
Auch der Tod ist besiegt: Alle Krankheiten und Verletzungen können geheilt werden und selbst, wer bei einem Unfall stirbt, wird wiederbelebt. Wer über einen bestimmten Punkt hinaus gealtert ist, kommt "über den Berg" und wird wieder verjüngt.


Nur ein Problem gibt es: Die Menschheit vermehrt sich weiterhin, und um Überbevölkerung zu verhindern, müssen Menschenleben beendet werden. Das übernehmen die Scythe - sie nennen es nicht "töten", sondern "nachlesen", wie bei der Traubenernte; jeder von ihnen hat eine bestimmte Zahl Menschen nachzulesen und abgesehen von einer gleichmäßigen Verteilung in allen sozialen Schichten und ethnischen Gruppen können sie frei entscheiden, wessen Leben sie beenden. Denn diese Macht über Leben und Tod möchte man dem Thunderhead doch nicht in die Hand geben ...
"[Rowan] war es gewesen, der den Begriff Salatblatt-Kid erfunden hatte, um sie zu beschreiben. Beide waren irgendwo in der Mitte einer Schar von Kindern geboren und weit davon entfernt, die Lieblinge ihrer Eltern zu sein. Ich habe ein paar Brüder, die sind das Fleisch, ein paar Schwestern, die sind Käse und Tomaten, also bin ich wohl das Salatblatt." S. 27
In dieser Welt wachsen Citra und Rowan auf - in ganz unterschiedlichen Verhältnissen, aber sie beide haben irgendwann eine Begegnung mit dem Scythe Faraday, die ihr Leben verändern wird.

Ein interessantes Setting, oder? Man fragt sich: Wonach suchen die Scythe die Unglücklichen aus, denen keine Unsterblichkeit beschieden ist? Zwischen den Kapiteln mit der eigentlichen Handlung um Citra und Rowan sind immer kurze Tagebuchtexte verschiedener Scythe zu lesen, die mal philosophisch, mal ganz nüchtern die Welt und ihre Arbeit reflektieren. Diese geben ganz unterschiedliche Antworten auf die o.g Frage - und zeugen von unterschiedliche Philosophien, die sich verschiedene Scythe zu eigen gemacht haben.
"Ohne bestimmte Reihenfolge kamen die Scythe einer nach dem anderen nach vorne, um Namen von Personen vorzutragen, die sie in den vergangenen drei Monaten nachgelesen hatten.
'Wir können nicht alle nennen', erklärte Scythe Faraday ihnen. 'Das wären bei mehr als dreihundert Scythe über sechsundzwanzigtausend Namen. Wir müssen zehn auswählen. Diejenigen, die uns am stärksten im Gedächtnis geblieben, die am tapfersten gestorben sind und deren Leben am bemerkenswertesten waren.'"
S. 163
Im Roman geht es um Tod, Unsterblichkeit und den Umgang mit beiden - von Jugendlichen, die von Hochhäusern springen ("platschen" nennt es Rowans bester Freund"), weil das Leben langweilig ist und man so immerhin kurz mal die Aufmerksamkeit der Eltern erlangt, deren x-tes Kind, das sie irgendwann im langen Leben gezeugt haben, wenig interessant wird, über Reiche, die einfach alles haben, bis zur selbstgewählten Askese mancher Scythe. Die Geschichte ist spannend und unterhaltsam und manchmal nachdenklich und im Grunde durchaus zu empfehlen ...
"Zur Zeit ist der älteste lebende Mensch ungefähr dreihundert, doch das liegt daran, dass die Ära der Sterblichkeit noch nicht lange zurückliegt. Ich frage mich, wie das Leben in einem Jahrtausend sein wird, wenn das Durchschnittsalter näher bei tausend liegt. Werden wir alle Kinder der Renaissance sein, gebildet in allen Künsten und Wissenschaften, weil wir die Zeit hatten, sie zu beherrschen? Oder wird Langeweile und sklavische Routine uns noch mehr plagen als heute und uns noch weniger Grund geben, ein endloses Leben zu führen? Ich träume von Ersterem, befürchte jedoch Letzteres."
S. 176
... wenn da nicht ein "aber" wäre:
Die Logik des Settings lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig und manche Fragen muss man wohl oder übel mit "Ist eben so" beantworten und sich auf das Setting einlassen, ohne weiter zu hinterfragen, um den Roman genießen zu können.
So wird nicht beantwortet, warum der geniale Supercomputer nicht auf die Idee kommt, das Bevölkerungswachstum durch Geburtenzahlbegrenzung einzudämmen, warum niemand es für moralisch fragwürdig hält, dass auch Kinder nachgelesen werden, während Dreihunderjährige munter weiter der ewigen Unsterblichkeit entgegenstreben ... und auf eine Begründung der Scythe-Richtlinie, dass sie keine Suizidwilligen, egal welchen Alters, nachlesen dürfen (Selbstmörder werden natürlich auch wiederbelebt), hofft der Leser ebenfalls vergeblich.

Dieses Buch ist allerdings nur der erste Band - nicht auszuschließen, dass es für diese Fragen später eine Begründung geben wird.

"'Es überrascht mich, dass Sie bis zu meiner Haustür gekommen sind, ohne dass die Wachleute am Tor mich alarmiert haben', sagte der Manager so nonchalant wie möglich.
 'Sie hätten Sie alarmiert, aber wir haben sie nachgelesen', sagte einer der anderen Scythe, eine Frau in Grün mit panasiatischen Zügen.
Auch von dieser Information wollte der Manager sich nicht erschrecken lassen. 'Ah, und nun soll ich Ihnen ihre persönlichen Daten geben, damit Sie die Familien benachrichtigen können.'
'Nicht ganz', sagte der Anführer. 'Dürfen wir hereinkommen?'"
S. 199
Wenn man sich darauf einlässt und das Setting ohne zuviel Hinterfragen akzeptiert, bekommt man aber ein interessantes, spannendes Buch mit glaubwürdigen und vielfältigen Charakteren. Für alle Dystopie-Freunde eine Empfehlung von mir!

Autor: Neal Shusterman
Titel: Scythe - Die Hüter des Todes (Band 1)
Verlag: S. Fischer
Seiten: ca. 516
Original: Scythe - Arc of a Scythe
Erscheinungsjahr: 2017
Deutsche Übersetzung aus dem Amerikanischen von Pauline Kurbasik und Kristian Lutze

Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Mittwoch, 9. August 2017

[Gelesen] Monica Wood - Bevor die Welt erwacht

Dieses Buch ist ein bisschen traurig. Ein bisschen ungewöhnlich. Und man lernt ein paar Wörter Litauisch.

Ona ist 104. Ein Junge besucht sie wegen eines Pfadfinderprojekts und es entsteht eine besondere Beziehung zwischen den beiden. Doch dann stirbt der Junge plötzlich. Und hier beginnt die Geschichte, denn sein Vater Quinn will fortführen, was sein Sohn begonnen hat.


Ungewöhnlich am Buch ist der Aufbau:
Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt: Von Ona, die in Litauen geboren, als kleines Kind nach Amerika ausgewandert ist und deren Leben das ganze 20. Jahrhundert umspannt. Von Quinn, dem Gitaristen, der seinen Sohn kaum kannte.
Immer wieder in Teilen eingeschoben wird ein Interview des Jungen mit Ona, der das ganze Buch hindurch namenlos bleibt (aus einem Grund, der erst am Ende klar wird), in dem nur Onas Antworten zu hören sind, nicht die Fragen.
Und dazwischen gibt es Listen mit Guiness-Weltrekorden, von denen der Junge fasziniert war.
"Ginger, eine Rotgefleckte, starb als Erste. Als Kit dann auch noch starb, schaffte Ona sich keine neue mehr an, weil sie nicht wollte, dass eine hilflose Katze ihre Herrin überlebte.
Das war damals, als ihre Haare noch wuchsen. Sie hätte noch anderthalb Katzen haben können." - S. 202

Wer Geschichten mit ständigen Perspektiv-Wechseln so skeptisch gegenübersteht wie wir, den können wir beruhigen: Die Wechsel werden nicht zur künstlichen Spannungs-Erzeugung genutzt, sondern die Geschichte fließt ruhig zwischen den beiden Erzählern weiter. Unterbrechend wirken nur die Rückblenden durchs Interview, in dem der Junge Ona über ihr Leben ausfragt - die fügen sich aber gut ins Buch ein, da die Erinnerung an ihr Leben und den Jungen auch Onas Gedankenwelt prägt.

Trotz des traurigen Grund-Szenarios erzählt das Buch eine positive Geschichte. Quinn kommt eigentlich nur aus Pflichtgefühl zu Ona - um das "Hilfe für alte Leute"-Pfadfinderprogramm seines Sohnes weiterzuführen. Zwei völlig verschiedene Menschen treffen voneinander, Quinn lernt durch Ona seinen Sohn von einer neuen Seite kennen, Ona ihrerseits profitiert von Quinns Tatkraft. Die beiden, die eigentlich nur durch den Jungen verbunden waren, entwickeln bald eine eigene Beziehung. Und für Ona, die sich in ihrem gemächlichen Altfrauenleben schon behäbig eingerichtet hatte, geht es nochmal so richtig rund.
"Als sie die Speisekarte aufschlug, hatte Ona plötzlich das Gefühl, noch gar nicht geboren zu sein, als wäre ihr langes Leben nur ein Aufwärmen für die eigentliche Show gewesen, über der sich der Vorhang gleich heben würde. Sie bestellte gegrillten Käse und einen Erdbeerkuchen und nahm sich vor, alles aufzuessen." - S. 203
Die Figuren sind glaubwürdig und sympathisch - wenn man über Onas schroffe Art zu Beginn hinweg ist - aber nicht fehlerlos. Quinn ist Berufsmusiker, der vom Gitarrenspiel leben kann, aber nie den großen Durchbruch geschafft hat. Er hat für den Versuch allerdings seine Ehe geopfert hat und als Gelegenheits-Vater ist ihm sein Sohn immer fremd geblieben, da dieser so anders war als er selbst. Ona ist eine schrullige alte Frau, die viel erlebt und verloren hat und der erst der Junge nach langer Zeit gezeigt hat, dass Alter nicht Tristesse bedeuten muss.

Das Buch handelt von Verlust, von den schwierigen Beziehungen zwischen Menschen, aber auch von Leidenschaften. Von der Vergangenheit – Onas Eltern, die ihre Muttersprache opferten, von Kartentricks und Verrat. Von der Gegenwart – von Quinns mäßig erfolgreicher Gitarristenkarriere, von unerfüllten Träumen. Und am Ende hat man ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Autor: Monica Wood
Titel: Bevor die Welt erwacht
Verlag: Ullstein
Seiten: 457
Original: The One-in-a-Million Boy
Erscheinungsjahr: 2016
Deutsche Übersetzung aus dem Amerikanischen von Elfriede Peschel


Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Donnerstag, 16. März 2017

[Gelesen] Andrew Solomon: Weit vom Stamm

Zumindest unterbewusst wünschen sich Eltern in der Regel, dass ihre Kinder ihnen ähnlich sind - als Erben ihrer Identität fungieren; das, was sie selbst sind und vertreten, in die Zukunft weitertragen, wenn sie selbst einmal nicht mehr sind. Über zehn Jahre lang ist der Autor dieses Buches der Frage nachgegangen: Was, wenn Eltern feststellen, dass die Kinder ganz anders sind als erwartet - und als erhofft?
Andrew Solomon lehrt Psychiatrie an der Cornell University und kennt sich aus damit, anders zu sein als die Eltern: Er selbst ist homosexuell. Und auch seine Eltern mussten erst lernen, mit dieser Andersartigkeit ihres Sohnes zurechtzukommen.

Bild zeigt das Buch Solomon, Weit vom Stamm, umgeben von Spielzeug
"Solomon: Weit vom Stamm" handelt von Eltern, Kindern und Identitäten
 
Das Buch behandelt nacheinander verschiedene Arten des Andersseins, dabei gibt es zunächst eine Ansammlung von Kapiteln über Behinderung und psychische Krankheit (Gehörlosigkeit, Kleinwüchsigkeit, Down-Syndrom, Autismus, Schizophrenie, mehrfache Schwerbehinderung), danach folgen Kapitel über Wunderkinder, aus einer Vergewaltigung entstandene Kinder, kriminelle Kinder und Transgender. Eingerahmt werden diese Themen von einem ersten und letzten Kapitel über die eigenen Erfahrungen des Autors.

Die einzelnen Kapitel gehen von zwei Seiten an das jeweilige Thema heran: Einerseits erklärt der Autor die Besonderheit aus wissenschaftlicher Sicht, mit Studien, bisher erforschtem Wissen über das Phänomen, andererseits hat er mit Betroffenen gesprochen und erzählt Familiengeschichten, den unterschiedlichen Umgang mit Schwierigkeiten. Er berichtet von Familien, die gut klarkommen und von Betroffenen, die gescheitert sind, von glücklichen Familien und großem Unglück.
Ich finde das Buch sowohl äußerst lehrreich als auch sehr angenehm zu lesen. Der Autor protzt nicht mit Fachbegriffen (wie es bei deutschen Wissenschaftlern leider oft üblich ist), sondern ist bemüht, dem Leser seine Erkenntnisse möglichst gut verständlich zu machen. Vor allem über Schizophrenie und Autismus habe ich unglaublich viel gelernt, aber auch über Gehörlosenkultur - und bin in mir vorher fremde Gedankenwelten vorgestoßen: Zerstört "Heilung" von Behinderungen eigene Kulturen? Inwieweit ist eine Behinderung Krankheit, inwieweit Identität?

Solomon erzählt Familiengeschichten, die Mut machen. Neben all den Problemen und Schwierigkeiten, die die Familien bewältigen müssen, wollen doch die meisten ihr Kind nicht hergeben und die gemachten Erfahrungen nicht missen.

Von mir gibt es eine dicke Empfehlung für das Buch - jeder, der Kinder hat oder mal haben möchte, sollte meiner Meinung nach dieses Buch lesen. Ebenso jeder, der sich für das Thema Andersartigkeit oder Identität interessiert - und eigentlich alle anderen auch, denn aus diesem Buch kann man so viel mitnehmen. Es regt zum Nachdenken an, bevormundet nicht, zeigt Wege auf - ich finde "Weit vom Stamm" rundum gelungen.
Autor: Andrew Solomon
Titel: Weit vom Stamm - Wenn Kinder ganz anders als ihre Eltern sind
Verlag: S.Fischer
Seiten: 1114 (ohne Anhang 840)
Original: Far from the Tree. Parents, Children, and the Search for Identity; Verlag Scribner, Simon & Schuster, New York
Erscheinungsjahr: 2012
Deutsche Übersetzung von Henning Dedekind, Antoinette Gittinger, Enrico Heinemann, Ursula Held und Ursula Pesch
Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Freitag, 3. März 2017

[Gelesen] Garth Nix: "Das Alte Königreich"-Trilogie - Sabriel, Lirael, Abhorsen.

Die Sabriel-Trilogie (Sabriel - Lirael - Abhorsen) von Garth Nix gehört zu den Büchern, die ich wegen ihres besonderen Settings so mag.

Dieses Setting ist recht originell, aber auch komplex und daher schwierig zu beschreiben, ohne selbst einen halben Roman zu verfassen.


"Sabriel" ist das erste Buch. Aber so sah' schöner aus!

Das Setting:
Nördlich des Landes Ancelstierre liegt das Alte Königreich. Dort gibt es keine Technik, dafür Magie, aber nur wenige beherrschen sie. Diese Magie wird gewirkt durch Zeichen und Töne/Laute, und dann gibt es Glocken - die verwendet man für Nekromantie. Nekromanten gibt es einige, aber nur einen Abhorsen, der sie jagt und die Toten wieder bannt.
Der Tod ist eine Art Fluss. Wer stirbt, übertritt die dünne Linie zwischen Leben und Tod und wird durch 9 Tore ins endgültige Jenseits getrieben. Je weiter der Verstorbene sich im Fluss Richtung Tod bewegt, desto mehr verändert er sich, und nur sehr mächtige Tote können von den hinteren Toren zurückkehren. Die Glocken der Nekromanten haben bestimmte Funktionen, können bannen, fesseln oder in Schlaf versetzen.

Worum es geht:
Sabriel ist Abhorsens Tochter. Sie ist in Ancelstierre südlich der Mauer zwischen den Ländern aufgewachsen, weil sie dort in Sicherheit ist. Aber eines Tages ist Abhorsen verschwunden und sie macht sich auf ins alte Königreich, um ihn zu suchen.
In den Folgebänden ist Lirael, eine Clayr (die Clayr sind Seher und leben weit im Norden. Jedes Kind bekommt im frühen Jugendalter die Sicht - nur Lirael bleibt ohne Sicht und eine Außenseiterin) auf der Suche nach ihrer Bestimmung und Sam, ein junger Prinz, will seinen besten Freund retten, der einem Nekromanten in die Hände gefallen ist.

Worum es wirklich geht:
Darum, über sich hinauszuwachsen, darum, seinen Platz in der Welt zu finden, und darum, loszulassen.

Unsere Meinung:
Wir lieben diese Trilogie! Und das, obwohl wir eigentlich keine Zombies mögen. Also, diese doofen "Ein Virus befällt die halbe Menschheit und hat nur das eine Ziel, alle übrigen Menschen ebenfalls in Zombies zu verwandeln"-Zombies. Ich kanns echt nicht mehr sehen ...
Hier sinds aber magische Zombies, von Nekromanten erhoben. Und Leute, die keinen Bock haben zu sterben.
Ich mag die "Institutionen" im Alten Königreich. Und den Kontrast zu Ancelstierre, in dem Jahreszeiten und Wetter verschoben sind, und eben die Gegensätze Magie-Elektrizität. Mir gefällt, dass die Charaktere keine Superhelden sind (ein paar mehr Schwächen würden ihnen trotzdem nicht schaden) und ihre Begleiter - magische Wesen in Gestalt von Tieren - sind klasse!

Wenn ihr euch also für Fantasy begeistert könnt: Lesen!
Autor: Garth Nix
Titel: Sabriel - Lirael - Abhorsen (Das Alte Königreich-Trilogie)
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 365 - 526 - 397
Original: Sabriel - Lirael - Abhorsen (Abhorsen-Trilogie)
Erscheinungsjahr: 1995
Deutsche Übersetzung aus dem Englischen: Lore Straßl
Lg
Nria

Donnerstag, 17. November 2016

John Lohman: Star Trek cross-stitch - Kreuzstichmuster mit Star Trek-Motiven

Lasst uns zu neuen Stickmustern aufbrechen, die kein Mensch zuvor gesehen ... na gut, so neu ist das Buch auch wieder nicht.

Neulich habe ich eine LCARS-Stickerei gezeigt. Hier kommt das Buch dazu.


Verheißungsvolles Cover!


Das Buch stand schon länger auf meiner Wunschliste, war mir aber immer etwas zu teuer (so 15-17 €). Jetzt habe ich es gebraucht für ca. 6 € inkl. Versand bekommen. Gibts aber auch als Ebook.
Es hat 144 Seiten, ist ein Softcover und komplett auf Englisch. Übrigens sind einige Vorlagen von anderen Designern als dem angegebenen Autor und auch von unterschiedlichen Leuten gestickt (das steht jeweils dabei).

Und wo ich gerade Dinge verlinke: Ein interessantes Interview mit dem Autor hat das Netz auch zu bieten!

Mit Aufklebern, dafür billiger.

Aber was ist denn nun drin?

38 Vorlagen von ziemlich simpel bis ziemlich aufwändig. Angeblich "30 Projekte" und "8 Bonus-Vorlagen" - letztere sind wohl die Vorlagen ohne Foto des fertigen Stickbilds; die meisten Projekte haben nämlich eins.

Die Motive sind: Zitate und Sprüche, Symbole und Abzeichen, Bilder von Charakteren in unterschiedlichem Stil und Komplexitätsgrad, Schiffe und Mustertücher, außerdem fünf komplette Alphabete, eins davon klingonisch (drei der Alphabete sind in Mustertücher integriert, lassen sich aber natürlich auch einzeln verwenden).

Vorne ist eine sehr kleine Materialkunde und eine unbebilderte Anleitung für Kreuzstich. Die legt aber keinen Wert auf eine schöne Rückseite. Dafür weiß ich jetzt, dass es eine Art "temporären Stoff" zum Sticken auf nichtzählbaren Stoffen und Plastikstoff für 3D-Motive gibt.

Die Motive sind nach Schwierigkeitsgrad sortiert ("Ensign" Stufe 1, "Lieutenant" Stufe 2, "Captain" Stufe 3), aber nicht nach Aufwand - auch bei Stufe 1 sind sehr große Motive vorhanden, die recht lange dauern.
Die Unterteilungen finde ich eher willkürlich. Bei Stufe 3 gibt es ein paar kniffligere Dinge (besagtes Plastik, das man dann zusammenfügen muss, oder fein gewebte Taschentücher könnten schwieriger im Umgang sein), aber im Großen und Ganzen sieht mir alles recht ähnlich aus von der Schwierigkeit.

Liebevolle Gestaltung!

 Qualität der Vorlagen:

Die Vorlagen sind mit einem Raster hinterlegt und jede 10. Linie ist leicht hervorgehoben, wie üblich. Bei vielen Vorlagen (besonders innerhalb der farbigen Flächen) lassen sich diese dickeren Linien aber ziemlich schlecht erkennen.
Etwas schade: Es wird ständig darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, von der Mitte aus zu arbeiten (damit sich der Stoff nicht verzieht), aber bei kaum einer Vorlage ist die Mitte markiert. Das lässt sich aber mit einem Lineal binnen weniger Sekunden nachholen.

Die Farben lassen sich i.d.R. recht gut unterscheiden und wenn mal nicht, sind immerhin die Symbole auf den Kästchen schön unterschiedlich.

Die Gestaltung ist sehr schön: Für fast jedes Motiv gibt es ein Zitat, eine kleine Einleitung, ein Foto vom fertigen Motiv (oft sogar mehrere: Eine Großaufnahme und einmal gerahmt von Weitem) und ein Foto aus Film oder Serie.
Für jedes Motiv gibt es eine Anleitung. Die hätte ich persönlich nicht gebraucht, ist für Anfänger aber sicher hilfreich. Eventuell geht man auch etwas anders vor, wenn man mit der Ebenseer-Technik arbeitet; da werde ich aufpassen müssen.
Die benötigten Garnfarben sind einzeln unter dem Bild aufgelistet (es werden DMC-Garne verwendet); die Maße des Stoffs muss man sich allerdings aus dem Text raussuchen und dann in Zentimeter umrechnen.
 
Eine meiner Lieblingsfolgen!

Was mir fehlt, sind Angaben zum Garnverbrauch. Klar, der hängt von verschiedenen Faktoren ab, aber in diesem Buch wird sowieso immer der gleiche Stoff verwendet und ich wüsste gern, ob ich mit meinen geerbten Resten auskomme oder nicht.

Insgesamt finde ich das Buch äußerst ansprechend und würde gern sofort quasi alles nacharbeiten!

Lg
Nria

Donnerstag, 28. Juli 2016

Das Buch und ich - 25 Fakten über unser Verhältnis



Diesen "Tag" habe ich von Centi geklaut :)

Fakt 25 wird euch schockieren! Echt jetzt!

1. Als Kind habe ich die Jugendabteilung der Bücherei fast ganz durchgelesen (ein paar Bücher interessierten mich nicht). Am eindrücklichsten ist mir in Erinnerung geblieben: „Kinder, die vom Himmel fielen“ von Dagmar Galin, über zwei kleine kolumbianische Straßenkinder, die in ein westliches Land (Deutschland?) adopiert werden.

2. Ich habe als Kind Otfried Preußlers Bücher geliebt. Aber Krabat habe ich damals nicht in die Hand bekommen. Ich muss mal meine Mutter fragen, warum nicht! Ob sie den selbst nicht kannte?

3. Ich sammle keine Bücher. Die meisten hole ich mir aus der Bücherei, einige kaufe ich und wenn sie mir nicht total gut gefallen, werden sie weitergegeben. Ich habe auch keine Hemmungen, Bücher wegzuwerfen (z.B. vollgeschriebene Schullektüren, die nun wirklich keiner mehr will), das sind keine heiligen Kühe!

"Kein Schiff trägt uns besser in ferne Länder als ein Buch." - Emily Dickinson
 
4. Als Teenie habe ich wahnsinnig viel Science Fiction gelesen, mittlerweile lese ich mehr Fantasy als SF. Aber eigentlich lese ich so ziemlich alles, außer Liebesromanen und Krimis/Thrillern.

5. Ich lese im Schnitt 80 Bücher im Jahr und für mich klingt es seltsam, wenn Leute sich als „Bücherwurm“ oder „Vielleser“ bezeichnen, die nur ein oder zwei Bücher im Monat lesen. Aber selbst die heben (leider) wohl den Schnitt der Gesamtbevölkerung an …

6. Ich kann absolut nicht sagen, was mein Lieblingsbuch ist. Ich habe Dutzende – die sind so unterschiedlich, wie soll ich sie vergleichen? Ich habe übrigens auch nicht nur den einen Lieblingsfilm, das eine Lieblingsessen oder die eine Lieblingsfarbe.
Ich versuchs mal (in loser Reihenfolge): Ich mag Walter Moers‘ Zamonienbücher, „1984“ von Aldous Huxley, „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss, Harry Potter, „Clockwork Orange“ von Anthony Burgess, Sergej Lukianenkos Wächter-X-logie (es werden immer mehr, ich hab aufgegeben, zu zählen), „Kuchen backen in Kigali“ von Gaile Parkin, „Kleine Tierkunde Ostafrikas“ von Nicholas Drayson (das ist kein Sachbuch!), die „Keys to the Kingdom“-Heptalogie sowie die Sabriel-Trilogie von Garth Nix, „Das Lied von Eis und Feuer“ (Game of Thrones, falls es einer tatsächlich nicht weiß …) und jetzt hör ich lieber auf, bevor ich noch drei Seiten aufliste.
  
Ich habe keine Ahnung, warum da ein Spiel im Bücherstapel ist. Hana fands apart.

7. Ich habe Harry Potter auf Englisch, Deutsch und Latein gelesen. Über die altgriechische Version denke ich noch nach. Auf Deutsch finde ich ihn furchtbar, was auch der Grund ist, warum ich ihn als Teenie nicht gelesen  habe: In der Buchhandlung reingelesen und weggelegt. Lieben gelernt habe ich die Bücher erst mit knapp über 20, als mir am Silvestermorgen langweilig war und ich die englische Ausgabe einer Freundin in die Finger bekam.

 8. Ebookreader halte ich für eine sinnvolle Ergänzung zum Papierbuch. Für die Badewanne (es gibt welche in wasserdicht), für Zugfahrten (im Bus wird mir leider schlecht beim Lesen :(), für Büchereibücher, sehr dicke oder englische Bücher (integriertes Wörterbuch zum Antippen!).

9. Ich mag gute historische Romane. Ich hasse historische Romane, die eigentlich Liebesromane vor pseudohistorischer Kulisse sind. Leider machen genau die etwa 95% der historischen Romane aus und die „richtigen“ sind schwer zu finden dazwischen.

Zweireihig. Da hinten stehen verschämt Geschichtsbücher.

 10. Ich besitze genau 2 Bücher (bzw. 3) sowohl auf Deutsch und auf Englisch: „Pathfinder“/“Schicksalspfade“  von Jeri Tailor, ein Star Trek-Roman über die Vorgeschichten der Figuren aus Star Trek: Voyager und „Dirk Gently’s holistische Detektei“ +“Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele“ von Douglas Adams (im Englischen als Doppelband). Normalerweise gebe ich eine Version ab, wenn ich sie mir in einer anderen Sprache kaufe. Warum ausgerechnet bei diesen nicht, weiß ich nicht. Vermutlich war ich einfach zu faul.

11. Meine Bücher sind im Regal völlig ungeordnet – sie stehen nach Größe sortiert, aber nur deshalb, damit sie nicht so leicht umfallen. Das einzige, was ich mache, ist Mehrteiler nebeneinanderzustellen – falls ich zufällig dran denke. Manchmal fände ich farblich sortiert schön, aber das ist zu kompliziert mit mehrfarbigen Büchern.

12. Ich würde gerne mehr englische Bücher lesen als ich es aktuell tue, nur ist die Auswahl in der Bücherei sehr klein und wenn ich welche kaufe, ist es schwierig, sie wieder loszuwerden.

Mein Schatzzzzz!

13. Ich betrachte und kaufe leidenschaftlich gern Backbücher. Das gehört eigentlich nicht so richtig zu diesem Thema. Aber es sind auch Bücher, sie haben auch Gefühle und ich liebe meine Backbücher alle sehr!
 
14. Comics mag ich eigentlich ganz gerne. Aber ich besitze kaum welche. Erstens sind das oft lange Reihen (so viel Platz habe ich nicht und mich nervt es, etwas vollständig haben zu müssen) und zweitens streite ich mich während des Lesens die ganze Zeit mit mir selbst, weil ich einerseits in Ruhe die Bilder betrachten und andererseits schnell die Story weiterlesen will. 

 15. Ich lese eigentlich gern Bücher zu meinen Lieblingsserien und –spielen, z.B. Star Trek oder DSA (Das Schwarze Auge). Leider sind die qualitativ sehr oft mies.  Also lese ich sie manchmal und ärgere mich hinterher.
 
To boldly read what no man has read before ...

16. Ich lese jeden Abend vorm Schlafengehen und fast jeden Morgen vorm Aufstehen, auch wenn ich dadurch weniger Schlaf bekomme.

17. Bei Buchverfilmungen schaue ich lieber erst den Film und lese dann das Buch. Im Buch ist nämlich meist „mehr“ drin, d.h. ich hab beim Lesen dann mehr Dinge, die ich noch nicht kenne, als wenn ichs umgekehrt täte und mich ärgern müsste, dass meine Lieblingsstellen fehlen. Nur bei der Hobbitverfilmung habe ich das Buch vorher (ein zweites Mal, aber das erste Mal war so lange her, dass ich den Inhalt vergessen hatte) gelesen und mich dann etwas geärgert, dass ich das Ende schon kannte beim Film. Ich hätte mich im Film lieber überraschen lassen.

So viele Bücher, so wenig Platz!

18. Ich kaufe immer Bücher und Hana liest die dann alle. Ich finde das leicht schmarotzerisch. Hana findet’s super.

19. Hana fühlt sich allerdings manchmal leicht gestresst, wenn ich zuviele Bücher auf einmal kaufe (oder die sich so ansammeln, bis ich sie ihr in die Hand drücke mit den Worten „Die musst du jetzt lesen, ich will mit dir drüber reden!“).

20. Ich habe sehr viele Lesezeichen. Die vermehren sich auch irgendwie. Nachdem Hana mir mal zwei Lesezeichenkalender geschenkt hat, nahm das etwas überhand, aber jetzt habe ich für jeden Monat mindestens zwei. Das ist gut, weil ich bis zu drei oder vier Bücher gleichzeitig lese, wenn’s mich überkommt. Meine beiden Lieblingslesezeichen sind aus Blech. Auf dem einen ist Schokolade und auf dem anderen sind Pinguine und drunter steht: „Weiß einer, wie’s jetzt weitergeht?“

Ja, wir haben einen Zonk.

21. Ich liebe Science Fiction-Kurzgeschichten. Die besten stammen aus den 70ern.  Besonders mag ich Ray Bradbury. Wie konnte ich in der Lieblingsbuchauflistung bloß „Fahrenheit 451“ vergessen?! (nein, das ist keine Kurzgeschichte)
 
22. Ich gebe einem Buch so an die 100 Seiten. Wenns mich dann nicht überzeugt hat, breche ich ab. Früher habe ich das nie gemacht, aber nachdem ich ausgerechnet habe, wie wenige Bücher ich in meinem Leben nur lesen kann, selbst wenn ich mich auf 100 pro Jahr im Schnitt steigere, habe ich beschlossen: Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.
Den Rekord hält eine Ausgabe von „Neuromancer“: Da habe ich nach 5 Seiten abgebrochen, weil die Übersetzung die schlechteste aller Zeiten war. Ganze Wörter wurden nicht mitübersetzt. „Er griff den Telefonhörer mit seiner pink Hand.“ (sic) WTF?
In alten Büchern liest man interessanterweise häufiger sowas wie „er tastete den Code ein“ (statt „er tippte den Code ein.“).

23. Hana liest am liebsten im Zug. Ich lese am liebsten am Strand.

24. Das langweiligste Buch, das ich je gelesen habe, war „Der Nachsommer“ von Adalbert Stifter. Das habe ich von meiner Oma geerbt und freiwillig gelesen. Es ist ein sehr dicker Bildungsroman (das sind Romane, die vom (humanistischen/kulturellen) Bildungsprozess einer Figur handeln) und es wird über satte 100 Seiten die Einrichtung bzw. Kunstgegenstände eines Hauses und dessen Garten beschrieben. Ich war gleichermaßen gelangweilt und hochfasziniert. Und ich bezweifle, dass meine Oma dieses Buch jemals gelesen hat.

Das ist ein Kartoffelkind. Ich habs als Kind im Urlaub bekommen. Es ist super.

25. Wir sind böse Menschen. Wir haben mal Bücher verbrannt.
Es war eine Larp-Szene über eine fiese Inquisition, die „Magier-Bücher“ verbrennt. In Wirklichkeit waren es alte vollgekritzelte (und echt verhasste) Schullektüren und völlig veraltete Lexikonbände. Wir haben peinlich darauf geachtet, dass nichts irgendwie Politisches dabei war und ganz bestimmt keine Bücher, die von den Nazis verbrannt wurden. Ein klitzekleines bisschen schlecht fühlt man sich trotzdem dabei. Aber ein bisschen hats auch Spaß gemacht …

Lg
Nria