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Mittwoch, 4. Juni 2025

Futuristische Psychiatrie - Herrenmantel Montgomery von lucy.sonnenschein.design

Beim MeMadeMittwoch darf man jetzt auch Herrenkleidung zeigen - das kommt mir sehr entgegen, weil ich einerseits immer Inspiration für meinen Mann suche und andererseits schwangerschaftsbedingt für mich selbst gerade nur echt langweilige Basics nähe. Dieses Teil hier war dagegen gar nicht so langweilig.
 
Nach der Folienjacke hatte mein Mann gleich das nächste Projekt für mich: Einen Arztkittel. Aber nicht irgendeinen, nein! Es musste schon ein futuristischer sein, denn er war wieder fürs SciFi-Larp.
 
Er hatte sich dieses Bild als Vorlage ausgesucht. Sieht ja toll aus, hat aber auch jede Menge aufwändige Details: Diverse Applikationen und Einsätze, eine asymmetrische Front ...
 
Erstmal ein Bild vom Mantel in seiner natürlichen Umgebung - weiter unten gibts dann welche, auf denen man auch was erkennt ;)
 
Schon im März haben wir auf dem Stoffmarkt festen Baumwollköper und dünnes, weiches Kunstleder (leider stretchig, aber es gab kein besseres) gekauft. Statt der Biesen-Einsätze habe ich anthrazitfarbenes Kunstleder mit interessanter Pyramidenstruktur genommen, das ich noch im Vorrat hatte.
 
Die Vorderkante und der Rückenschlitz fallen nicht so senkrecht, da hätte es noch Anpassungsarbeit bedurft.
 
Ich hätte einfach den Burda-Schnitt von der Folienjacke als Basis nehmen können, aber dann fand ich etwas Besseres: Den Mantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design. Schon relativ lang (ich habe ihn dann nochmal um 30 cm verlängert) und mit einem seitlichen Abnäher, der fast genau die Form der Applikation im Schnitt hatte! In diesen Abnäher sind auch noch Taschen eingefügt, und da mein Mann sowieso gern welche haben wollte, bot sich das direkt an. Den Abnäher habe ich oben gespiegelt und hatte dann direkt einen fertigen Einsatz, denn ich habe das Teil ausgeschnitten und der Abnäher verschwindet somit in der Naht. Praktisch!
 
Hier stecken VIELE Meter Stylefix-Klebeband drin ..

Weniger praktisch fand ich die Anleitung: Warum muss man ausgerechnet schwarzen Stoff für den Mantel der Anleitungsfotos nehmen?  Ich verstehe Schnittmusterhersteller da echt nicht. Beliebt sind auch überbelichtete Fotos von weißen Stoffen oder wilde Muster. Leute, das geht besser! 
Die Beschreibung fand ich dabei auch nicht sonderlich hilfreich, eher sparsam mit Worten - keine tolle Kombi zu Fotos, auf denen man nichts erkennt ...

Ich schaue an sich kaum noch in Anleitungen, aber bei der Taschen-Abnäher-Konstruktion war es dann eben doch noch nötig, ebenso wie beim Gehschlitz im Rückenteil, denn sowas nähe ich einfach selten. Stellenweise habe ich improvisiert und bin nicht sicher, ob ich da wirklich richtig genäht habe. Na ja, ist ja nur ein Kostüm.
 
Durchs elastische Kunstleder stimmen leider die Besätze unten nicht ganz ...

Ursprünglich wollte ich den Mantel füttern, damit innen alles schön ordentlich ist, aber wie immer so oft habe ich auf die letzte Minute genäht, also am vorletzten und letzten Tag, an dem mein Mann den Mantel mittags schon mitnehmen wollte. Meine Schwester sagt: "Wie es der Brauch verlangt!" Larper kennen es vermutlich ...

Den Schnitt habe ich Anfang Mai gekauft und dann ewig viel Zeit mit Anpassungen verbracht: Weil die Vorderkante beim Probeteil oben zu weit und unten zu eng war, habe ich statt Full Tummy Adjustment stumpf eine schräge Linie von Ausschnitt bis Saum gezogen. Improvisiert, aber hat ganz gut funktioniert. Ich habe für mehr Bewegungsspielraum den Oberarm erweitert und noch die Schultern verschmälert.
Der Rest war nur Optik: Jede Menge Applikationen aufgezeichnet (die großen Flächen am Saum habe ich hinten falschrum angenäht, aber so isses jetzt halt) und dann stundenlang am Kunstleder rumgeschnippelt. Das Noppenkunstleder habe ich dabei etwas größer gelassen - weil das schwarze Kunstleder sehr dünn ist, sieht man das zwar, aber ich hatte definitiv keine Zeit für superpräzisen Zuschnitt, um die innenliegenden Teile exakt in die Umrandung einzupassen. Wie gesagt: Ist ja nur ein Kostüm, mein Mann soll damit nicht über die Haute Couture-Modenschau laufen.
 
... und die schwarzen Teile unten sollten eigentlich andersrum aufgenäht sein.

Und: Ich bin genau den umgekehrten Weg wie bei der Folienjacke gegangen und habe den originalen (Revers-)Kragen durch einen Stehkragen ersetzt. Dafür habe ich den Original-Kragenschnitt der Folienjacke, Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016, verwendet - den hatte ich ja bereits vorliegen!
 
Am Kragen habe ich nix zu meckern!
 
Das Nähen wäre aber noch ganz entspannt gewesen, wenn ich nur einen Tag früher angefangen hätte. Oder wenn das Material dankbarer gewesen wäre: Das dünne elastische Kunstleder hat mich ein bisschen in den Wahnsinn getrieben beim Nähen! Immerhin waren das "Noppen"-Kunstleder und der weiße Köper sehr stabil, aber elastische Stoffe auf unelastische aufzunähen ist definitiv kein Vergnügen.
 
Immerhin: Meine neue Juki hat verstellbaren Nähfußdruck (den ich auch direkt mal auf die niedrigste Stufe gestellt habe) und einen Teflonfuß direkt im Zubehör enthalten. Dazu habe ich viele, viele Meter Stylefix-Klebeband verbraucht (Memo an mich: Nachkaufen! Für Applikationen finde ich das Zeug wirklich unverzichtbar), damit ging es recht gut. 
 
Tiefe Taschen!

Am Freitagmittag bin ich dann noch schnell zu tedox gedüst, weil ich natürlich kein Klettband mehr vorrätig hatte (bin dankbar für den Laden; unser Ministoffladen macht Mittagspausen!). Ursprünglich hatte ich unsichtbar angenähte Druckknöpfe vorgesehen, aber dafür reichte die Zeit nicht mehr.
 
So richtig genügt der Mantel nicht meinen Ansprüchen - bei den Details sieht man schon, dass er ziemlich mit der heißen Nadel genäht wurde, z.B. hats beim Ärmeleinsetzen nicht mehr fürs Einhalten gereicht, da sind jetzt Fältchen und ich wurde bei den Applikationen, insbesondere an den Ärmeln, immer unpräziser, da sieht man bei dem großen Kontrast schonmal, dass der Zickzackstich über den Rand hinausragt. Ich finde es aber auch blöd, dass man sich zwischen "flutschiger Nähfuß" und "breite Aussparung, sodass man die Nahtlinie gut im Blick hat" entscheiden muss. Muss dazu ergänzen: Weil ich meine Juki erst seit wenigen Wochen besitze und die Zeit sehr knapp war, habe ich mich noch nicht mit dem beiliegenden Oberstofftransportfuß auseinandergesetzt; vielleicht wäre das DIE Lösung gewesen. Bei meiner Pfaff muss ich halt bloß den IDT-Hebel runterziehen ...
 
Bei den Mitspielern und meinem Mann kam der Mantel immerhin gut an und die eigenen Ansprüche sind natürlich meist die höchsten. Weil das Möndchen voraussichtlich im August kommt, ist noch unklar, wann der nächste Conbesuch ansteht (und auch, wann ich selbst wieder mitkann) - aber ich bin jetzt schon gespannt, was für schräge Kostümideen meinem Mann als nächstes einfallen ...
 
Schnitt: Herrenmantel "Montgomery" von lucy.sonnenschein.design, Gr. 58
Material: Fester weißer Baumwollköper, weiches schwarzes elastisches Kunstleder, Noppenkunstleder
Änderungen: Mantel verlängert, Reverskragen durch Stehkragen ersetzt (Schnitt: Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016), Applikationen hinzugefügt (der Abnäher verschwindet dabei in einer Teilungsnaht), Schultern verschmälert, Bizeps-Erweiterung, eine Art Full Tummy-Adjustment improvisiert, Vorderkante asymmetrisch erweitert, Aufsatztasche ergänzt
Nachnähpotential: Lieber nicht ...
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Dienstag, 28. Januar 2025

Folienmode für den Mann - Jacke 139 aus der Burda Style 02/2016

Es geschehen noch Zeichen und Wunder - ich habe mal wieder was aus einer Zeitschrift genäht! Das tue ich nicht mehr oft, weil ich für mich so viel anpassen muss und es mit Cupgrößen-Schnittmustern einfach schneller geht. 

Diesmal brauchte ich aber den Schnitt für eine Herrenjacke und wollte nicht extra einen kaufen, weil das Teil sowieso nur für ein Kostüm gedacht war. Also habe ich im Fundus gestöbert und in unserer noch jungfräulichen Burda Style-Ausgabe 02/2016 einen Schnitt gefunden, der den Vorstellungen meines Mannes entsprach. Hier könnt ihr ihn genauer sehen; bei der Folienjacke erkennt man ja nicht so viel.

Wie die Vorstellung an sich aussah? Möglichst schräg. Wir waren wieder auf einem SciFi-Con und mein Mann wollte ein verrücktes Outfit mit Netzoberteil, schillernder Leo-Weste, Flamingohut und dazu eine irisierende, transparente Folienjacke. Meine Güte, im Jahr 2082 geht's richtig ab mit der Mode!
 

Jedenfalls sind gekaufte Folienjacken sauteuer, deshalb musste ich wieder ran. Die Materialbeschaffung war schwierig; letzten Endes haben wir die Folie rollenweise bestellt: 4 Rollen mit je 35x135 cm Fläche. 
Ich habe schon die schicke Passe des Schnitts wegrationalisiert, trotzdem war es richtig, richtig knapp beim Zuschnitt! 
Immerhin braucht man keine Saumzugaben (ich habe das Teil mit Schrägband eingefasst, weil Bügeln hier unmöglich ist und ungebügelte Säume meist unfertig aussehen, besonders bei so widerspenstigem Material). 
 

Mein Mann wollte lieber einen richtigen Kragen statt des Stehkragens und das war hier wirklich kein Problem, weil es die Jacke noch in einer längeren Variante mit anderen Taschen und dem gewünschten Kragen gibt. D.h. keine Änderung notwendig!
Was dagegen etwas aufwändig war: Der Schnitt geht nur bis Gr. 54, ich brauchte aber 58. Mittlerweile bin ich recht versiert im Gradieren von Schnittmustern: Man muss den Abstand zwischen den letzten beiden Größen ausmessen und pro gradierter Größe diesen Abstand außen hinzufügen. Achtung, der Abstand ist rings um den Schnitt überall unterschiedlich! Schließlich "wachsen" beim Zunehmen die Schultern nicht im gleichen Maße wie der Bauch. Mehr als 1-2 Größen sind dabei knifflig, weil mit steigendem Körperumfang die Abstände zwischen den Kleidergrößen größer werden, d.h. irgendwann wird es Raterei. 
Dann habe ich noch ein Full Tummy Adjustment gemacht. Dabei wird der Schnitt aufgeschnitten und gespreizt, ein bisschen wie beim Full Bust Adjustment. Solche Änderungen sehen oft auf den ersten Blick kompliziert aus, aber wenn man das Prinzip verstanden hat, ist es einfach.
 
Kniffliger war die Verarbeitung: Folie ist echt kein dankbares Material. Die Nahtzugaben lassen sich nicht flachbügeln, also war Absteppen angesagt. Ist bei Stellen wie der Ärmelinnennaht unmöglich, aber da habe ich eine andere Lösung gefunden - siehe unten.


Das Nähen ging so mittel. Mit Oberstofftransport viel besser, ich musste das Rollen- oder das Teflonfüßchen nicht auspacken. Aber weil die Folie relativ starr ist, blieb sie ständig an der Nähmaschine oder anderen Gegenständen hängen, deshalb sind die Absteppnähte z.T. super wacklig, weil mir ständig das Nähgut weggerutscht ist. Das war etwas nervig, aber an sich habe ich Schlimmeres befürchtet.

Ein paar Kompromisse muss man bei dem Material machen. Ans Verstürzen habe ich nicht mal einen Gedanken verschwendet, sondern den Kragen direkt einlagig gehalten und wie den Rest mit Schrägband eingefasst. Da hatte ich noch ein uraltes ungefalztes rumliegen, das allerdings recht schmal war. Deshalb habe ich die zweite Naht von innen genäht - und prompt hat die Nähmaschine dabei Schlaufen beim Unterfaden gezogen. Arrgh! Ich hatte aber keine Zeit, das Ganze neu zu machen, deshalb muss die Welt jetzt damit leben.
 

Ein Trick für bequemeres Tragen: Innen am Ärmel habe ich einen Streifen Jersey eingesetzt. So kann man sich in der steifen Jacke besser bewegen, die innere Ärmelnaht piekt nicht und es ist noch ein bisschen atmungsaktiver.

Was ein bisschen blöd war: Aus Gewohnheit habe ich an den Ärmeln die Passzeichen durch kleine Knipse markiert - wenn ihr auch was aus Folie nähen wollt: Macht das nicht! Mir sind die Stellen prompt eingerissen. Ich hätte besser kleine unauffällige Punkte mit einem Folienschreiber setzen sollen. 
 

Vor dem Ärmeleinsetzen hat es mir gegraut - das ist bei solchen starren Materialien echt schwierig! Vor allem ist es hier völlig unmöglich, die Zusatzweite der Armkugel einzuhalten. Ich hatte gehofft, dass sich durch das nachträgliche Verschmälern der Schultern die Mehrweite etwas verringert, aber es war trotzdem nicht möglich, den Ärmel komplett einzusetzen. Letzten Endes habe ich dann nur die obere Hälfte der Armkugel angenäht und die untere Hälfte offen gelassen - fällt tatsächlich nicht groß auf beim Tragen und als Bonus gibt es eine Belüftung unter der Achsel. Das ist bei dem Material ja auch nicht schlecht ...


Die Jacke kam wirklich gut an auf dem Con! Kleines Manko: Das Material ist nicht sehr haltbar; es ist an einigen Stellen eingerissen (besonders hinten am Armausschnitt, wo halt Zug drauf ist, wenn man die Arme noch vorne streckt).
Aber es war ja auch nur für ein Einmal-Kostüm gedacht - und ggf. kann man die Stellen mit transparentem Klebeband reparieren und nochmal zu Karneval ausführen. Halbwegs wasserfest (außer an den Nähten) ist sie ja schonmal!

Schnitt: Herrenjacke 139 aus der Burda Style 02/2016, Gr. 58 (vergrößert von 54) mit dem Kragen von Mod. 137
Material: Vinylfolie
Änderungen: Schultern um 2 cm verschmälert, Ärmel um 4 cm gekürzt, Full Tummy Adjustment, Details wie Passen, Ärmelschlitz und Taschen weggelassen, Jerseystreifen in den Ärmel eingesetzt
Nachnähpotential: Der Schnitt an sich ja. Das Material? Ähhh ... lieber nicht.
 
Verlinkt bei DvD und MagicCrafts.
 
Lg
Nria

Donnerstag, 28. November 2024

Last-Minute-Rock fürs Firefly-Larp - Elmwood Skirt von Cashmerette

Ich habe offenbar einen Hang zu leicht wahnsinnigen Last-Minute-Projekten. Erinnert ihr euch an den 8-Stunden-Blazer, den ich noch schnell vor Hanas Hochzeit genäht habe? Mein neues Projekt hier war fast noch schlimmer, was den Zeitdruck betrifft ...

Es fing damit an, dass sich Hana zu einem Firefly-Larp angemeldet habt. Ihr kennt Firefly nicht? Das ist eine fantastische Serie, die in einem Western-SciFi-Szenario spielt und Anfang der 00er Jahre erschienen ist. Die Serie ist wirklich, wirklich gut und wenn ihr Science Fiction mögt und sie noch nicht kennt, schaut sie euch unbedingt an. Leider gibt es nur eine Staffel, weil die Serie aufgrund unmöglicher Sendepolitik ihre Quote nicht erreicht hat, aber nach dem Erscheinen auf DVD war die Resonanz so überwältigend, dass noch der Kinofilm Serenity hinterhergeschoben wurde. 
Ich schaue die Serie alle paar Jahre an, bin wieder überwältigt von der Qualität und todtraurig, dass ich nie die geplanten Staffeln 2 und 3 sehen werde. 
 
Am Ärmel ist kein Dreck - die Satinbluse schimmert beim Blitz durch den Strickstoff!

Jedenfalls: Hana hatte das Larp seit vielen Monaten geplant und ihr Outfit zusammengestellt. Und dann wurde einen Tag vorm Con wegen Krankheit eine Rolle frei und ich habe mich kurz vor Mitternacht angemeldet.
Zum Glück hatte ich am nächsten Tag frei und konnte den Vormittag nutzen, um ein Outfit zusammenzustellen. Denn am gleichen Tag wollten Hana und ich gegen 13 Uhr zum Con aufbrechen.
 
Meine Rolle war definitiv viel schlauer als ich: Professor Dr. Dr. Rowena Miller. Eine Wissenschaftlerin, für die ich ein halbwegs seriöses Business-Outfit wollte.

Hana hatte sich für den Con u.a. eine typische "Chinabluse" bestellt, die aber in der falschen Farbe ankam und stilistisch nicht zu ihrer Klamotte passte. Ich passte rein, konnte die Passformmängel mit einer Strickjacke kaschieren (ehrlich, auf den Fotos sieht man das nicht, weil die Jacke wegen des glatten Stoffs immer weggerutscht ist, aber das sah mal gut aus!) - und hatte keinen Rock, schon gar nicht in Bleistiftrockform und Schwarz.

Der Rock liegt nicht glatt, weil er für kurvige Figuren konzipiert ist und der obere Bereich vorne breiter als hinten.

Meine Cashmerette-All-Access-Mitgliedschaft for the rescue! Meine Wahl fiel auf dem Elmwood Skirt, einen Bleistiftrock mit schicken eckigen Taschenausschnitten, Futter, Reißverschluss und Gehschlitz in der langen Version.
Schwarze Köperstoffe hätte ich dagehabt, aber ich wollte einen elastischen Rock: Erstens sah ich keine Chance, in der sehr knappen Zeit einen vollständigen Businessrock zu nähen und zweitens musste ich ja 2,5 Tage damit herumlaufen, rennen, Leitern raufklettern ... beim Larp weiß man nie, was für akrobatische Anforderungen einen erwarten! Leider hatte ich keine passenden Sweat- oder Romanitjerseystoffe vorrätig.

Also begann am Morgen die Challenge: Aufstehen (später, als mir lieb war; ich habe spätabends noch Logistisches mit der Orga geklärt), schnell Bettwäsche etc. packen. Um 9.30 macht der kleine Stoffladen auf, der kaum Auswahl bei Basics hat. Hinlaufen, ein 75 cm-Stück schwarzen Sommersweat aus der Restekiste fischen, zurücklaufen. Schnitt drucken, kleben, abpausen, ausschneiden. Keine Zeit für Details wie den Taschenbeleg - das ist ein Stück Stoff, das hinter die Taschenpasse (das Teil, das an der Hüfte oberhalb des Tascheneingriffs rausguckt) genäht wird, damit der Stoff dort stabiler ist.
Das Nähen dauert immer deutlich länger, als man so vor Augen hat - dummerweise muss man ja zwischendurch auch noch bügeln! Ich hätte gerne zumindest ein breites Gummi in den Bund eingezogen, aber es hat relativ gut ohne gehalten.
 
Wenn die Jacke nicht grad auf dem Satin wegrutscht, sieht es gut aus!

Lustigerweise passte jetzt die Tasche mit den Patches wieder perfekt, die ich vor einem Monat für meine Mathematiker-Okkultistin auf dem Cthulhu-SciFi-Larp in der gleichen Location genäht hatte. Dieser Charakter hat seine Doktortitel in Ingenieurswissenschaften und Humanmedizin, aber Geometrie geht immer ... dazu habe ich wieder meine Schlangenhaarspange und die DNA-Ohrringe getragen.

Auch meine für die genannte Rolle gekauften silbernen Stiefeletten waren wieder am Start für einen kleinen SciFi-Touch.

Und ich muss sagen: Für absolut Last-Minute bin ich wirklich zufrieden! Mit mehr Vorbereitungszeit hätte ich die Rolle sicher besser darstellen können (optisch wie spielerisch), aber ich habe das Beste draus gemacht und hatte viel Spaß auf dem Con!
 
Schnitt: Elmwood Skirt von Cashmerette, kurze Version, aber mit Taschen, Gr. 12/14
Material: Schwarzer Baumwoll-Sommersweat
Änderungen: Taschenbeleg weggelassen (aus Zeitmangel)
Nachnähpotential: Eigentlich trage ich keine Röcke mehr, aber diesen finde ich gut.
Lg
Nria

Mittwoch, 6. November 2024

Futuristischer Okkultismus - Larp-Outfit: Shirt Jasmine von PrimaRimma Patterns, Leggings Storkben von kystbarn

Achtung, dieser Beitrag wird lang, weil es um ein komplettes Outfit geht. Wer nur Infos zu den Schnittmustern sucht, findet ganz unten eine Liste :)

Heute habe ich etwas ganz Besonderes für euch! Ich zeige euch, wie die Mode im Jahr 2083 aussehen wird. Ich weiß es, weil ich dabei war gewesen sein werde (Zeitreisen ruinieren die Grammatik)!

Ein Tageslicht-Bild ohne Make-up, nur mit Lippenstift.

Nach 21 Jahren stinknormalem Fantasylarp mit Endzeit-Ausflügen habe ich mich für ein Nordic Larp mit SciFi-Horror-Setting angemeldet. Nordic Larp ist eine spezielle Larp-Spielart aus Skandinavien, die großen Wert auf ausgearbeitete Settings mit vorgegebenen Charakteren, stark emotionales Spiel und sehr viel Reflektion legt. Oft gibt es mehrere Durchläufe eines Cons mit anderen Spielern, aber gleichen Charakteren und gleicher Handlung, was beim Fantasylarp nicht vorkommt.

Für mich war es auch das erste Mal mit einem vorgegebenen Spieler-Charakter (ich hatte schon Festrollen-NSCs, aber dann kennt man die Handlung im Voraus) - und es wurde eine persisch-stämmige Mathematikerin mit Hang zum Okkultismus, und das Ganze spielt auf einer Raumfähre in den 2080ern, also 60 Jahre in der Zukunft. Puuuh! Das ist so ziemlich alles, was ich nicht bin. Aber immerhin meine Haarfarbe passt ...? 

Und so sah das Ganze auf dem Con aus.

Da das Kostüm nicht gestellt wird (außer für Bordpersonal), muss ich selbst ran. Finde ich auch besser so, weil mir Kleidung von der Stange selten passt. Aber ein geeignetes Outfit hat ein paar Voraussetzungen:

  • Zunächst sollte es natürlich futuristisch sein. Wir laufen heute ja auch nicht mehr rum wie in den 60ern. Was mir dazu einfällt, sind lustigerweise aber Space Age-Anlehnungen aus den 60ern - klare Linien, Rundungen, Geometrie und Kontraste, aber auch Asymmetrie und heute ungewöhnliche Details. Und definitiv enge Hosen/Strumpfhosen (wenn Kleid) plus Stiefel mit Keil- oder Plateausohlen!
  • Der Charakter wird vorrangig als "Okkultistin" beschrieben, also steht dieser Aspekt für mich im Vordergrund. Alle Okkultisten tragen in meinem Kopf immer Schwarz, dazu gibt mein Kleiderschrank kaum was her. Also ein kleiner Ausflug in die Gothic-Richtung. Ich hätte dazu schon eine H&M-Kette mit liegenden Mondsicheln und Augen rumfliegen. Dazu schwarzer Nagellack und dunkler Lippenstift, das ist schon die halbe Miete!
  • Die Figur ist Mathematikerin, aber privat unterwegs. Ein paar kleine Anleihen in die Richtung hätte ich gerne - meine DNA-Ohrringe spiegeln zumindest Interesse an Naturwissenschaft wider?
  • Ach ja, das iranische Erbe: Der Charakter hat sich eher von seinen Wurzeln losgesagt, also kein Kopftuch oder Ähnliches. Generell möchte ich hier aber vorsichtig sein, denn bei der Darstellung von anderen Kulturen und Realreligionen kann man leicht jemandem auf die Füße treten. Diesen Aspekt des Charakters lasse ich eher im Hintergrund.
  • Ganz wichtig: Idealerweise kann ich alle Komponenten später einzeln im Alltag tragen, d.h. nur die Kombination sieht nach Kostüm aus. Es ist ein One-Shot, d.h. man spielt den Charakter nur ein einziges Mal und es wäre doch Verschwendung, wenn das Zeug danach nur noch im Schrank hängt.

Eigentlich wollte ich viel improvisieren, vor allem mit Zeug, das ich schon habe. Aber weil mir aktuell kaum etwas aus meinem Schrank passt (ich habe Anfang des Jahres ein paar Kilo zugenommen), habe ich letzten Endes doch ein komplettes Outfit aus Hose, Tanktop und Oberteil und eine Tasche genäht. 3 der 4 Schnittmuster neu gekauft, alle relativ umfangreich angepasst.
Und neue Schuhe gekauft. Aber die brauchte ich sowieso. 

"Schnell und einfach" gibts bei mir irgendwie nicht ... Zumindest nicht, wenn es um Anlasskleidung geht.

Das Oberteil

Ich hatte damit gerechnet, lange nach einem passenden Outfit suchen zu müssen. Stattdessen bin ich kurz nach dem Lesen meiner Rolle in einer Facebook-Nähgruppe auf das perfekte Oberteil gestoßen, ohne auch nur nach Inspiration gesucht zu haben: Das Shirt "Jasmine" von PrimaRimma Patterns (seltsamerweise vom Hersteller als "Pullover" bezeichnet, was für mich eigentlich Strick oder zumindest Sweat voraussetzt) hat vorne ein Knotendetail, einen asymmetrischen Saum, lange Ärmel und wahlweise einen kleinen Stehkragen oder Uboot-Ausschnitt.
Also genau, was ich gesucht hatte: Asymmetrie und cleaner Look für Futurismus (das Produktfoto mit strahlendweißem Oberteil und schwarzer Leggings hatte auch direkt diese Vibes) und das lange Oberteil über der Hose hat für mich eine leichte Kaftan-Optik, geht also auch in die vorderasiatische Richtung.

Das Oberteil wurde schnell gekauft und gleich genäht - ich war nämlich sehr unsicher, ob das (fast) ausschließlich an großen, schlanken Frauen präsentierte Teil auch an kleinen knubbeligen Frauen gut aussieht. Oft ist das ja nicht der Fall.

Ich fürchte, ärmellos steht es mir besser ...

Was mich sehr stört (das ärgert mich auch bei den klassischen amerikanischen Herstellern wie Butterick, Vogue etc.): Es gibt zwei Größenbereiche, 34-44 und 46-56 (sowohl bei den A4- als auch den A0-Dateien), die separat gedruckt werden müssen und sich nicht überschneiden. Es ist schön, beim Drucken Papier zu sparen, aber damit wird es unmöglich, von Gr. 44 auf Gr. 46 zu gradieren, wenn man an der Hüfte eine Nummer mehr braucht. Zumindest eine Größe Überschneidung sollte es geben (der Hersteller Cashmerette, der für kurvige Figuren konstruiert, hat sogar vier Größen Überschneidung). Zum Glück liege ich dank meiner kleinen Körpergröße noch unter diesen Maßen.

Und - nicht die Schuld des Herstellers - ein Nachteil von asymmetrischen Schnittmustern: Änderungen sind die Pest. Ich habe das Teil um insgesamt 6 cm gekürzt, aber auf 5 Stellen verteilt, um die Proportionen möglichst wenig zu verzerren. Danach hatte ich keine Lust mehr auf die FBA, die ich möglichst an beiden Seiten hätte exakt gleich machen müssen, und habe einfach direkt komplett XL genäht und auf die Dehnbarkeit des Viskosejerseys vertraut. 

Fertige Seitenansicht.

Wenn man schon Knotenoberteile genäht hat, ist die Jasmine nicht schwierig zu nähen. Beim ersten Mal sind Knotentops aber immer irgendwie verwirrend und wurschtelig. Und weil ich beim Zuschnitt einen Knoten im Kopf hatte, ist mein Oberteil spiegelverkehrt zum Original, aber das ist hier zum Glück echt egal!

Erste Anprobe, noch ohne Säume und Ärmel. Nur echt mit geschlossenen Augen zwischen Gemüsepflanzen, außerdem provisorisch mit Larpstiefeln (weil ich keinerlei andere Stiefel besitze):

Und ich muss sagen: Ich war positiv überrascht! Wegen der überwiegend sehr kleinen Größen auf den Produktfotos hatte ich etwas befürchtet, dass mir das Teil nicht steht, aber es sieht doch recht gut aus.
Der komplett schwarze Look gefällt mir eigentlich, aber leider kommt das Oberteil dabei weniger gut zur Geltung (auf dem Foto stehe ich ja schon im hellen Licht; auf dem Con wird aber drinnen im Halbdunkel gespielt), deshalb wechsle ich da zu einer grauen Leggings.

Mit Ärmeln, Kragen und Säumen: 

... mit Leggings siehts besser aus als mit Jeans.

Mit einer normalen Hose siehts irgendwie weniger gut aus ...
Was außerdem nicht gut an mir aussieht: Der Stehkragen. Ich habe viel Oberweite (die dazu noch recht tief sitzt) und einen kurzen Hals - ganz ehrlich, ich weiß gar nicht, wieso ich nicht direkt auf den Kragen verzichtet und einen normalen Ausschnitt genäht habe. Das habe ich nach Anschauen dieses Bildes dann auch nachträglich getan. 

Von hinten unspektakulär. Aber mit Schlangenhaarspange.

Die Leggings

Ich habe ja ernsthaft versucht, eine Leggings zu kaufen. Problem: Die sind nicht mehr so trendy! Und Grau scheint eine schwierige Farbe dafür zu sein; ich wollte keine melierte, weil das für mich nach Unterwäsche aussieht. Außerdem möglichst keine glänzende Polyesterleggings, denn normale Leggings kann ich als Strumpfhosenersatz unter Kleidern tragen, was ich bei Polyester eher nicht tun würde.

Also doch selbernähen. Beim Stoff habe ich mich für einen grauen Leatherlook-Sommersweat von Astrokatze entschieden. Für Sommersweats sind die von Astrokatze wirklich dünn, was mir für eine so enge Hose sehr entgegenkommt; trotzdem glaube ich, dass ich mich in Sweat angezogener fühle als in einer hauchdünnen Jerseyleggings (denn normalerweise trage ich Leggings nie als Hose, sondern nur unter anderer Kleidung).
Außerdem versprach der September 2024 nicht der wärmste der letzten Jahre zu werden ...

Meine Wahl fiel dann auf die Leggings "Storkben" von kystbarn. Ich hatte ein wenig ein schlechtes Gewissen, schon wieder ein neues Schnittmuster zu kaufen, und dann auch noch für ein Basicteil, für das ich schon diverse Optionen in meinen Nähzeitschriften gehabt hätte!
Es gab aber einen guten Grund dafür: Diese Leggings hat 3 Schnittoptionen für unterschiedlich elastische Stoffe. Und i.d.R. sind Leggingsschnittmuster nunmal auf sehr stretchigen Jersey ausgelegt - bei meinem teuren Sommersweat wollte ich da nichts riskieren, zumal Leggings oft keine Seitennähte haben und man dann wirklich schlecht durch Auslassen der Nahtzugabe noch was rausholen kann!

Hier sieht man den Bund der Hose - mit Top drüber gefiel's mir aber besser.

Wenig überraschenderweise bedeutet "Storkben" Storchenbein auf Schwedisch. Der Schnitt enthält drei verschiedene Längen von 3/4 bis lang und drei verschieden hohe Bündchen.

Weil der Sommersweat quer nicht soo dehnbar ist, habe ich mich für die Version mit der geringsten  Dehnbarkeit entschieden.

Was mich etwas nervt: Man muss in der Anleitung bis auf Seite 25 scrollen, um die Maßtabelle zu finden. Leute, packt die ganzen Nähbeispiele doch nach hinten, die braucht man nicht fürs Nähen!
Was ich dagegen gut finde: Es gibt Bildbeispiele für die unterschiedlichen Bundversionen, eine Verarbeitungsmöglichkeit mit stabilisierendem Powernet und Fotos plus Skizzen für Passformprobleme.

Apropos Probleme: Ich habe zuerst eine Testseite ausgedruckt und das Kontrollquadrat gemessen, dann den Schnitt auf 103% gedruckt, weil es nicht ganz passte. Aus irgendeinem Grund hat mein Drucker trotzdem auf 100% gedruckt, deshalb fällt mein Schnitt jetzt einen Tick kleiner aus, also doch wie die mittlere "5 zu 6,5 cm"-Dehnbarkeitsvariante. Gut, dass ich keinen Stretchjersey-Schnitt verwendet habe!

Mein Bund war allerdings um Längen zu eng, da hätte ich mich so geraaade eben reinquetschen können. Hüft- und Taillenmaß passten bei mir genau in die Tabelle (und der Druckfehler hätte nicht so viel ausgemacht); da habe ich wohl mal wieder vergessen, mein Bäuchlein einzurechnen. Da der Bund aber sowieso gedehnt angenäht wird, habe ich hinten in der Mitte ein dreieckiges Stück Bündchenware eingesetzt. Das Stück war unten 11 cm breit; ganz so viel hätte es wohl nicht gebraucht, aber jetzt bin ich auf der sicheren Seite.

Ein Tragefoto sähe hübscher aus, zugegeben ...

Soweit, so gut. Was aber bei den obigen Bildern auffällt: Die eine Seite des Shirts endet in der Taille und bauchfrei sollte man ja nur tragen, wenn man auch bauchfrei ist ... (das zitiere ich nur, weils so gut passt - natürlich dürfen alle auch mit Bäuchlein bauchfrei tragen, wenn sie wollen!).
Bin ich nicht, also gab es:

Das Tanktop

Hierfür war der Schnitt schnell gefunden: Lucy von Meine Herzenswelt. Ich mag, dass das Top Bündchen statt Belegen oder Einfassungen hat, das ist nämlich mein favorisierter Saumabschluss bei Tops. 

Weiterer Vorteil: Das Shirt habe ich schonmal genäht (siehe Astronautentop), somit war es das einzige Teil des Gesamtkostüms, bei dem ich nicht erst einen Schnitt drucken, kleben und abpausen musste. Dafür habe ich dann mal eine FBA durchgeführt, das hatte ich sowieso vor. 

Zum Nähprozess gibts jetzt nicht so viel zu schreiben, Tanktop halt - was mir allerdings erst nach dem Annähen und Absteppen der Bündchen aufgefallen ist: Die wären viel schöner gewesen, wenn ich drauf geachtet hätte, dass sich genau in der Mitte des fertigen Bündchens ein Schriftzug befindet. Na ja. Mal gucken, ob ich irgendwann mal Lust habe, das nochmal zu ändern (meine Wette: Nö!).

Und danach gabs nur noch eins Projekt:

Die Umhängetasche

Für mich geht es einfach nicht ohne Tasche! Auch beim Larp habe ich immer eine dabei. Hier wusste ich im Vorhinein nicht genau, ob ich eine brauchen werde (das Genre ist halt neu für mich und es gibt Spielpausen), aber meine vorhandenen Taschen sind alle sehr spezifisch. Daher habe ich doch mal wieder eine neue genäht.

Entschieden habe ich mich für die Beginner Bag von Kleiner Polli-Klecks. Dazu gibt es einen Extra-Beitrag, weil der Text wirklich lang wurde ...

Jedenfalls habe ich sie um knapp 13 cm verschmälert, weil ich eine kleinere Tasche wollte und die Optik damit etwas eigenartiger wurde (die Proportionen verändern sich). 

Ich glaube, das Nähen der Tasche hat so lange gedauert wie alles andere zusammen! War also gar nicht mal so schlau, eine zu nähen; eine simple Tasche kaufen oder auf meine vorhandene Stofftasche ein Patch übers Motiv zu nähen, wäre vermutlich sinnvoller gewesen.

Die Tasche zu nähen hatte allerdings den Vorteil, dass ich die aufgesetzte Tasche nach Belieben mit übereinandergestapelten Patches und Pins versehen konnte. Ich habe mich für zwei Patches (random Geometrie und ein Fibonacci-Motiv) entschieden; auf den Pins steht "There's Magic in all of us" and "Shit just got real" (mit einem Mathematiker-Formel-Wortspiel).

Fazit:
Ich habe mich sehr wohl gefühlt in meinem Outfit (und dank dunkellila Lippenstift auch sehr okkultistisch-futuristisch). Später habe ich dann noch meinen schon im Juni gezeigten Fuchsfrau-Cardigan übergezogen, weil es doch etwas frisch war und dessen Space-Optik gut zum Konzept passte.
Mein Mann hatte sich einfach einen fancy Mantel im Gothic-Shop bestellt und von mir mit okkultistischen Aufnähern bestücken lassen, der sah um Längen cooler (und definitiv "okkultistischer") aus als ich - aber wir hatten einen Heidenspaß auf der Veranstaltung und uns direkt für die nächste angemeldet.
Mal gucken, ob ich dann eine Rolle mit gestellter Ausrüstung erwische oder ob ich nochmal ein Outfit nähen "muss" ...


Zu guter Letzt noch ein kleines Foto von mir und meinem Mann in unseren Rollen:

Longsleeve
Schnitt:
Shirt "Jasmine" von PrimaRimma Patterns, Gr. XL
Material: Viskosejersey
Änderungen: Torso um 6 cm gekürzt, Bizepsanpassung, Ärmel um 4 cm gekürzt, Taille etwas begradigt, Ausschnitt ein wenig vergrößert und mit Bündchen versehen
Nachnähpotential: Definitiv, ich finde es sehr cool!
Leggings
Schnitt:
Leggings "Storkben" von kystbarn, Version für die kleinste Dehnung in voller Länge mit dem höchsten Bündchen, Gr. 44
Material: Baumwoll-Sommersweat "LeatherLook antique - steingrau"
Änderungen: Beine um 3 cm gekürzt (hätte deutlich mehr sein können), Bund um ca. 11 cm erweitert
Nachnähpotential: Weiß nicht, bin nicht so die Leggings-Trägerin.
Tanktop
Schnitt:
"Lucy" von Meine Herzenswelt, Gr. 40
Material: Baumwolljersey "Schrift" von Metalmotte
Änderungen: FBA, Seitennaht ab der Brust abwärts verbreitert
Nachnähpotential: bereits geschehen

Tasche
Schnitt: "Beginner Bag" von Kleiner Polli-Klecks
Material: schwarzer Jeans, Baumwollpopeline als Futter, diverse Patches und Pins
Änderungen: um 12,8 cm verschmälert (Reißverschluss weniger gekürzt)
Nachnähpotential: Vielleicht, dann aber in der breiten Version!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 7. Februar 2024

Schrankleichenchallenge mit Polsterstoff - Canton Moto Jacket von Cashmerette

Wie vor 2 Jahren schon habe ich mal wieder am "Schrankleichentausch" einer Facebook-Nähgruppe teilgenommen! Man bekommt einen Tauschpartner zugelost und schickt sich gegenseitig einen im Schrank rumgammelnden Stoff, aus dem die andere Person dann binnen 2 Wochen etwas nähen und präsentieren soll.

Finde ich grad am Jahresanfang super, weil man einen Push zum Nähen bekommt, direkt ein Stück Stoff loswird (yay für die Stoffstatistik!) und aus dem, was man bekommt, sofort etwas macht, d.h. das landet gar nicht erst lange im Schrank.

Sieht doch an sich ganz gut aus?

Letztes Mal war es ein flutschiger grauer Jersey mit Neonstreifen, diesmal ... hmm, ein Polsterstoff?

Das Corpus Delicti samt Grabbeigaben.

Jedenfalls beigefarben, mit "Abriebmuster", grob gewebt und aus Kunstfaser. Die Webstruktur lässt mich an Möbel oder Gardinen denken, deshalb glaube ich, dass der Stoff eigentlich nicht für Kleidung vorgesehen ist. Als ob mich das jemals davon abgehalten hätte!

Fun Fact: Unsere ersten Stoffkäufe (fürs Liverollenspiel, dafür haben wir ja mit Nähen begonnen) stammten aus der Gardinenabteilung, weil es in unserer Nähe in den frühen Nuller Jahren keine Stoffläden gab ...

Jedenfalls hatte ich sofort eine Idee, denn schon vor Beginn der Challenge gab es da ein heimliches Wunschprojekt: Die Canton Moto-Bikerjacke von Cashmerette. Und dafür schien mir der Stoff geeignet!

Ich finde den Kontrast zwischen Futter und Oberstoff toll!

Das Muster erinnert mich nämlich etwas an Leather Look-Stoffe, das passt doch. Um etwas Farbe reinzubringen, habe ich das Teil mit einer eigenen Schrankleiche kombiniert: Der Ankerstoff, 2017 auf dem Stoffmarkt in Rheda gekauft, sollte eigentlich mal ein Kleid werden, ist mir dafür aber nicht weich genug. Als Torsofutter sicher ein schöner Kontrast!

Damit man auch außen was von den Ankern sieht, habe ich die Reißverschluss-Saumlösung an den Ärmeln durch Aufschläge ersetzt. 

Die Canton Moto Jacket ist mein erster aufwändigerer Schnitt von Cashmerette - bisher hatte ich das Upton Dress (hier nur das Oberteil) und den Stanton Hoodie genäht, aber dabei nicht wirklich in die Anleitung geschaut, weil Selbstläufer.

Etwas vom Winde verwehte Seitenansicht.

Eine Bikerjacke ist aber schon komplexer, außerdem habe ich so eine asymmetrische Jacke tatsächlich noch nie genäht (ja, es gibt nach 20 Jahren noch Näh-Neuland für mich). Die Reißverschlussärmel probiere ich dann nächstes Mal. 

Jetzt also eine kleine Review von Cashmerette (abgesehen von dem großen Größenangebot und Cupgrößen bis G/H):

  • Die Schnittmuster sind rein in Schwarz-Weiß gehalten, das macht es nicht so leicht, die eigene Größe zu finden. Könnte sein, dass das bei den Papierschnitten anders ist als bei denen zum Selberdrucken, aber aus den USA will ich die auch nicht bestellen (hallo, Versandkosten und Zoll!).
  • Es gibt in der Anleitung keine Fotos, dafür sehr klare Zeichnungen. Die mag ich viel lieber, weil man oft deutlich mehr erkennt! Generell machen Zeichnungen auf mich immer einen deutlich professionelleren Eindruck ... hat mir auch bei den Sachen von tinalisa schon gut gefallen.
  • Dabei stehen hier auf den Schnittteilen durchgehend deren Zahlen - auch auf den bereits angenähten! Finde ich super, weil man so sehr leicht erkennt, welche Teile gerade wo liegen müssen.
  • Für eine besonders knifflige Stelle ist zusätzlich ein Video verlinkt. 

So riiichtig toll ist die Jacke nicht genäht ...

 Etwas knifflig waren auch die Reißverschlusstaschen - auch, weil mein Reißverschluss kleiner war als angegeben (3 statt 5 mm Raupenbreite). Dementsprechend war auch das Band schmaler und ich musste es ein Stück von der Stoffkante entfernt annähen, weil ganze 1,2 mm Nahtzugabe enthalten sind, was mit meinem Reißverschlussband nicht funktioniert hätte.
Ich musste dabei mehrmals trennen, weil ich die Anleitung zu flüchtig gelesen habe, aber eigentlich ist es sehr eindeutig und gut beschrieben, nur halt anders, als ich es sonst mache. Dafür sieht es aber auch sehr gut aus, finde ich!

Die Rückenpassform ist erstaunlich gut!
 
Auch der Stoff war nicht so ganz ohne - offenbar für Möbel gedacht, hat er sehr dicke Fäden und ist dazu sehr lose gewebt. Das macht die Verarbeitung schwierig, weil er sich sehr stark auflöst (macht Spaß, wenn man nah zur Naht einschneiden muss ...) und beim Absteppen schnell verrutscht, aber dafür sind Rundungen wirklich easypeasy, wenn der Stoff sich so schön in die Kurven legt! Alles hat etwas Gutes.
Der Stoff ließ sich sogar ein bisschen bügeln, da war ich sehr erfreut! Solche Stoffe sind ja gerne ziemlich widerspenstig.

Offen getragen sehen Bikerjacken nie so super aus, aber hey.

Von der Optik kann ich sagen: Die Jacke gefällt mir. Sie ist aber wirklich hingepfuscht - ich wollte den Reißverschluss nicht kürzen, weil ich skeptisch war, ob mir die Jacke hinterher zusagen würde, deshalb habe ich ihn etwas gestaucht. Die Absteppungen sind nicht allzu sauber, die Ärmelaufschläge verrutschen gerne und die Ärmel hätten vermutlich eine Bizepserweiterung gebraucht, die sind nämlich beim Bewegen etwas eng (ich bin noch nicht sicher, ob auch der Armausschnitt zu klein ist). Die Nahtzugaben habe ich auch nicht zurückgeschnitten, weil sich der Stoff dann vermutlich aufgelöst hätte.
Ach ja, und ich merke auf den Bildern sehr die fehlenden Schulterpolster - ich hatte grad weder Polster noch Volumenvlies zur Hand.
Wirklich, seid froh über die mangelnden Nahaufnahmen, ihr wärt entsetzt ...

An sich bin ich aber sehr positiv überrascht von der Passform, wenn man bedenkt, dass ich bis auf ein wenig Ärmelkürzen nichts am Schnitt angepasst habe!
Der Cashmerette-Größenrechner hat mir diesmal nur mäßig viel geholfen; beim letzten Mal hat er mir oben Gr. 8 E/F vorgeschlagen, an der Hüfte Gr. 12 (und Taille hab ich vergessen). Jetzt habe ich inzwischen ein paar wenige Kilo zugenommen und es kam mit den aktuellen Maßen Gr. 10 C/D mit SBA (also Anpassung für eine kleinere Brust) raus ... Umfangmaße bilden meine Körbchengröße (G) einfach sehr schlecht ab, deshalb habe ich mich todesmutig wieder für die letzte Größe entschieden und bin ganz zufrieden. 

Werde ich die Jacke tragen?
Vermutlich nicht. Ich traue dem Oberstoff nicht und bin mit meiner Verarbeitungsqualität echt unzufrieden - und vergessen wir nicht die zu engen Ärmel! Ich sehe das Teil aber als sehr gutes Probestück an (seien wir ehrlich, ich hätte niemals einfach so ein Probeteil mit Taschen, Futter, Einlagen und allem genäht!). Aktuell schwebt mir vor, das Futter für eine richtige Jacke zu verwenden (mit angepassten Ärmeln) und die Reißverschlüsse zu "retten". Und dann hoffentlich ordentlicher zu nähen, auf einem vernünftigen Stoff, der für eine Jacke wirklich geeignet ist.

Schnitt: Canton Moto Jacket von Cashmerette, lange Version, Gr. 8 E/F auslaufend zu 12 an der Hüfte
Material: lose gewebter Polsterstoff, Baumwollpopeline für den Futtertorso, Futtertaft für die Futterärmel
Änderungen: Die Reißverschlussärmel mit Krempelärmeln ersetzt, Ärmel um 3 cm gekürzt, Reverskante etwas verändert (ich habe an der Nahtzugabe gespart, um die Reißverschlusslänge auszugleichen)
Nachnähpotential: Definitiv! Dann aber mit gescheitem Stoff. Und mit einer Ärmelanpassung; die sind beim Bewegen doch etwas eng.
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Mittwoch, 3. Mai 2023

Der "schnelle" Blazer - Jacke 110, Burda 12/2021

Ich wollte schon seit fast 20 Jahren einen Blazer nähen - seit ich vergeblich versucht habe, für meine Abizeugnisübergabe (in der Turnhalle, meine Schule hatte keine Aula) einen Blazer zu kaufen. Extrakurzgröße plus G-Cup und sehr schmalem Rücken, ohne Maßanfertigung ist das unmöglich. Es hat dann erstaunlich lange gedauert, bis ich mich rangewagt habe.
[2019 hatte ich einen vielversprechenden Versuch mit dem Ottobre-Blazer gestartet, aber es war ein ungefüttertes Probeteil und der ziemlich steife Stoff sowie die zu kleine Größe verfälschen die tatsächliche Passform. Dieses Projekt werde ich aber demnächst doch mal wieder aufnehmen!] 

Fertiger Blazer zum langen Rock!

Es fing damit an, dass ich nichts anzuziehen hatte, genauer gesagt ging es um eine Jacke zum Abendkleid. Meine Jacken sind alle eher sportlich als elegant, und der eine akzeptable Wollmantel ist gerade geschnitten, was zu einem kurzen Kleid noch ganz okay aussieht, aber zu einem langen weiten Rock ziemlich blöd - und ich wollte doch gern meinen dunkelgrünen Tüllrock tragen! Außerdem ist er schon viele Jahre alt und nicht mehr so ganz perfekt.
Spätestens, als Hana mich fragte, ob ich sie zum Altar führe, wurde mir klar: Ich brauch was Ordentliches zum Anziehen! Ich wollte da wirklich nicht in einer zu langen 18 Jahre alten Steppjacke mit diversen Abnutzungserscheinungen und umgekrempelten Ärmeln reinmarschieren ...

Andere wären einfach in den nächsten Laden spaziert und hätten sich was gekauft (noch besser ist natürlich ein Secondhand-Laden!). Aber für mich ist das leider nicht so einfach - manchmal habe ich mit Mänteln zwar Glück, aber eine elegante Jacke im Blazerstil (oder gar ein richtiger Blazer) kann ich leider nirgends kaufen, siehe oben.
Aber zugegeben, auch jemand mit "Normfigur" hätte es momentan gar nicht so leicht gehabt, denn ein langer Rock braucht entweder einen Kurzblazer oder einen Mantel mit ausgestelltem Rock und so etwas gab es nirgendwo zu kaufen. Überall nur Steppjacken, Trenchcoats und doppelreihige Kastenjacken. Na toll.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch knapp eine Woche Zeit.

Mit der Seitenansicht bin ich doch recht zufrieden!

Zunächst habe ich hektisch meine Nähzeitschriften durchwühlt und bin tatsächlich mal wieder bei Burda fündig geworden. Bis auf ein Standesamt-Probekleid (das ich dann nicht genäht habe) war das zuletzt vor genau 3 Jahren der Fall ... aber hey, wenn man bei Burda eins findet, dann Blazer! Früher bestand praktisch das halbe Magazin daraus.

Beim Blazer 110 aus der Burda Style 12/2021 bin ich mir jedenfalls ziemlich sicher, dass er mein Kaufgrund für die Ausgabe war. Das ist aber auch ein schönes Modell! Er hat Taillen- statt Brustabnäher, einen angeschnittenen Stehkragen mit interessanter Ansatznaht, funktionslose Teilungsnähte und ein angesetztes Schößchen. Außerdem sind in der Schößchennaht Taschenklappen angesetzt, aber ohne Tasche drunter.
Hier könnt ihr euch den Originalschnitt anschauen (ohne all die Änderungen wirkt er ja etwas anders).

Bei der Kombi "Taillenabnäher plus Teilungsnähte" war ich zunächst irritiert und wusste nicht, wie ich da eine FBA umsetzen sollte, aber dass ich bei einem engen Teil aus Webware dringend eine Anpassung für große Oberweite brauchte, war klar. Beim Adeona-Mantel habe ich drauf verzichtet und es sitzt dementsprechend nicht.
Erst nachdem ich im Hobbyschneiderin-Forum einen Hilfe-Thread gestartet habe, bemerkte ich, dass die Teilungsnähte gar nicht formend sind, sondern rein dekorativ ... hoppla!
 
Hier sieht man die kleine Fake-Taschenklappe, die aus der Taillennaht ragt.

Also wurde es dann eine ganz normale FBA; den Brustabnäher habe ich in den Taillenabnäher verschoben. Dementsprechend wurde er ziemlich groß (gut 10 cm Abnäherinhalt) und es sieht unvorteilhaft aus ... Ich fürchte, Abnäher funktionieren für mich einfach nicht, weil durch meine kleine Körpergröße und tiefsitzende Brust Taille und Brust sehr nah beieinander liegen. Das wird im nächsten Schritt geändert.
Noch schnell die Schultern verschmälert und die Ärmel gekürzt und "schon" war der Schnitt bereit zum Testen.

Ich habe dann aus dem restlichen Stoff des Ember-Mantel-Flops ein erstes Probeteil genäht und siehe da, es sah gar nicht schlecht aus! Es ist für mich immer ein Pokerspiel, ob ein Teil, das dem flachbrüstigen großen Modell ohne Bauch gut steht, auch an mir mit meiner gegenteiligen Figur steht, aber hier war ich ganz zufrieden.
 
Nach der ersten Anprobe gab es noch ein paar Problemstellen:


  • Diese Falten vorn oberhalb der Brust sind wohl typisch dafür, dass die Schulter der Jacke zu waagerecht ist. Ich habe probehalber Schulterpolster druntergelegt, die das Problem aber nicht ganz behoben haben, und dann die Schulternaht noch etwas abgeschrägt. Außerdem habe ich die Schulter noch um einen weiteren Zentimeter verschmälert. 
  • Im Rücken beult es ziemlich, also ist sowohl zuviel Länge als auch zuviel Weite da. Ich habe erst meine übliche Hohlkreuzänderung durchgeführt - das obere Rückenteil unten in der Mitte gekürzt und zu den Seiten auslaufen lassen - und dann an der rückwärtigen Mittelnaht noch einen halben Zentimeter abgenäht, nur auf der unteren Hälfte. 
  • Ziemlich offensichtlich endet der Abnäher zu weit oben - er sollte nicht auf, sondern 2-3 cm unter der stärksten Stelle der Brust enden. Meine Oberweite sitzt ziemlich tief und dazu bin ich noch sehr klein, daher habe ich das Problem ständig. Ich habe den Abnäher verkürzt, einen Teil wieder zum Brustabnäher zurückgeschoben und Wiener Nähte daraus konstruiert.
  • Schließlich habe ich das ursprünglich gerade Schößchen vorn abgerundet und gekürzt, es hat jetzt einen Vokuhila-Effekt. Diese Form habe ich schon beim Adeona-Brautmantel verwendet - sie sieht viel harmonischer aus bei einem langen Rock als ein gerades Schößchen! Dementsprechend musste ich am unteren Saum auch einen Beleg einzeichnen statt 4 cm Nahtzugabe für einen angeschnittenen Beleg zuzugeben.

Weil es hinten immer noch Falten gab, habe ich das Rückenteil noch weiter gekürzt und es dann gut sein lassen. Ja, ein Blazer sollte am besten perfekt sitzen, aber ich hatte nunmal einfach wirklich wenig Zeit!

Das Material hätte ich eigentlich gern wieder bei Tuch&Stoff bestellt; da gibt es einfach die besten Wollstoffe, die schon beim Zuschnitt richtig Spaß machen (ich wusste vorher nicht, dass das Spaß machen kann!). Aufgrund der Kürze der Zeit habe ich dann stattdessen die Stoffgeschäfte in Osnabrück abgeklappert und bin bei den Stofftanten fündig geworden; der Laden liegt leider etwas abseits, hat aber eine großartige Auswahl an allem, von Taschenzubehör bis Bekleidung. Und sogar ein paar feine Wollstoffe gab es. Dieser hier hat eingewebte Punkte/Kreuze (es ist so eine Mischung aus beiden), ist daher auf der "Innenseite" kariert und es gab ihn sogar in verschiedenen Farben, von Hellgrau bis Schwarz. Ich habe die kontrastreichste Variante genommen, weil mir als Wintertyp das am besten steht.

Der Rücken ist oben noch zu lang und etwas zu weit, aber mein Stoff ist auch dünner als beim Probeteil.

Einen blöden Fehler habe ich gemacht: Nachdem ich die Schulternaht vertieft habe, hätte ich unbedingt entweder den Armausschnitt unten um den gleichen Betrag vergrößern oder die Armkugel um 1,5 cm verkürzen müssen. So hatte ich natürlich zuviel Stoff, den ich nicht vernünftig einhalten konnte, daher die Falten am Ärmel. Superärgerlich! Aufgrund des Zeitmangels habe ich dann aber vorerst darauf verzichtet, das zu korrigieren. Wird aber nachgeholt; auf Dauer stört mich das doch zu sehr.

Für die Anpassungen habe ich gut 4 Tage gebraucht - die komplette Fertigstellung von Zuschnitt bis Bügeln nach der letzten Handnaht hat dagegen lediglich 8 Stunden gedauert ...

Für die Kürze der Zeit bin ich zufrieden!

Dafür, dass ich wirklich wenig Zeit hatte, gefällt mir das Ergebnis ziemlich gut. Ich glaube, für den langen Rock hätte ich das Schößchen noch weiter kürzen können, aber man kann den Blazer ja auch gut zur Hose tragen :)
Schnittmuster: Blazer 110 aus der Burda Style 12/2021, Gr. 40 (ab Hüfte abwärts 42/44)
Material: Wollstoff mit eingewebten "Kreuzpunkten", Futterstoff
Änderungen: FBA um ca. 3 cm, Brustpunkt ein paar Zentimeter nach unten versetzt, den Taillenabnäher gekürzt und zu einer Wiener Naht abgeändert, Taille 1 cm verbreitert, Schultern um 2,5 cm verschmälert, Schulter außen um 0,75 cm "abgesenkt" (Anpassung für hängende Schulter), Ärmel um 8 cm gekürzt, untere Hälfte des Rückenteils innen um 0,5 cm verschmälert, Hohlkreuzanpassung um etwa 3,5 cm, Schößchen gekürzt und abgerundet (und dementsprechend mit Beleg gesäumt)
Nachzuholende Änderung: Armausschnitt unten vergrößern oder Armkugel um 1,5 cm verkürzen
Nachnähpotential: Nach all der Arbeit am Schnittmuster: Bestimmt!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria