Es geschehen noch Zeichen und Wunder - nach der Pandemiepause machen wir mit dem Veranstalten von Liverollenspielen weiter! Diesmal unter erschwerten Bedingungen mit Möndchen, und die anderen Orgamitglieder waren auch recht eingespannt.
Die Kostümproduktion lief trotzdem. Unter anderem hatten wir eine wichtige Figur am Start: Eine untote Elfe, Gattin des adligen Hauptgegners.
Gar nicht so leicht, ein passendes Outfit für die Dame zu finden, das nicht zu aufwändig ist, aber trotzdem was hermacht - es sei denn, man findet zufällig die perfekten Schnittmuster irgendwo hinten in seiner Etsy-Wunschliste ...
Miss Viscid kannte ich schon von irgendwoher. Genau weiß ich es nicht mehr (Larper Ning vermutlich?), aber ich habe mich damals sehr gefreut, dass sie ihre tollen Sachen jetzt als Schnittmuster rausbringt. Übrigens auch auf ihrer eigenen Seite, nicht nur auf Etsy. Nur hatte ich halt keine Verwendung für diese Art Kleidung.
Entschieden haben wir uns für eine Bolerojacke mit äußerst ausladenden Ärmeln und einen elfisch anmutenden Gürtel. Dazu ein bisschen passenden Schmuck und die NSC braucht nur noch ein Unterkleid mitzubringen.
Eigentlich hätte ich den Gürtel leicht selbst zeichnen können, aber wir hatten nicht mehr so viel Zeit bis zum Con und alles, was dann schneller geht, ist willkommen.
Ein Knackpunkt für NSC-Kostüme sind natürlich immer die Stoffe: Die sollen gerade für Adelsdarstellung nicht total billig aussehen, aber für einen kurzen einmaligen Auftritt möchte man auch nicht gerade in Seidensamt investieren.
Die Lösung: Das örtliche Stoffoutlet. Wir haben eins beim Kleidungsoutlet Bessmann, das Knöpfe für 5 Cent und eine große Menge Gardinen-, aber nicht so viele Bekleidungsstoffe hat. Ein paar Baumwollstoffe haben wir aber doch gefunden und für edlere Kostüme findet man mit etwas Glück tatsächlich einen Polsterstoff.
Dort haben wir dann einen silbergrauen taftähnlichen Stoff, mit Kringeln bestickt, gefunden und einen blutroten, der Wildseide ähnelt. Elfisch-schnörkeliges Muster, vampirige Farben, perfekt!
Dummerweise habe ich vorm Einkaufen den Schnitt nicht richtig angeguckt: Irgendwie ging ich davon aus, dass die Jackenärmel gefüttert sind (weil man ja "reingucken" kann) und der Torso nicht. Dabei ist es umgekehrt; der Torso ist gefüttert, die Ärmel nicht. Hätte ich mir eigentlich auch denken können, dass 1 m Stoffverbrauch dafür zuwenig wäre; den Ärmelschnitt hatte ich nämlich bereits in der Hand gehabt.
Glücklicherweise hatte ich aber spontan 1,5 m von dem roten Taft gekauft, was für die Ärmel und ein leicht gestückeltes Gürtelfutter exakt gereicht hat.
Der Taft wäre mir für den Bolero mit Kelchkragen sowieso etwas zu kratzig gewesen. Im örtlichen Stoffladen habe ich fürs Torsofutter dann einen wunderbar weichen schwarzen Viskosetwill gekauft. Und es ziemlich bereut ...
Memo an mich: Ein Jackenfutter sollte nicht "wunderbar weich" sein, sondern "schön stabil"! Der Stoff ist unglaublich soft und anschmiegsam, verzieht sich allerdings schon beim Angucken, hat absolut NULL Stand und liegt nicht gut am Oberstoff an. Hätte ich mehr Zeit gehabt, hätte ich wohl einen neuen Stoff gekauft und aus dem Twill ein wunderbar weiches Oberteil genäht ...
Was ich beim Schnittmuster etwas eigenartig finde: Die Schnittdesignerin ist deutschsprachig und auch ihre Seite ist auf Deutsch - die Schnittmuster sind aber nur auf Englisch erhältlich.Wäre es wirklich so schwierig gewesen, für die paar Schnittmuster, die sie anbietet, die Anleitung zusätzlich in ihre Muttersprache zu übersetzen?
Und ein Manko bei den Schnittmustern: Zum Zusammenkleben sind einige "Fadenkreuze" an den Seitenrändern aufgedruckt, aber keine Stoßlinien. Man soll wohl einfach umfalten, aber auch das ist aufwändiger ohne Linie, und zum Abschneiden muss man die Linien selbst einzeichnen. Unpraktisch! Zum Glück gibts bei der A0-Seite zur Jacke nur eine Seite zu kleben und beim Gürtel gar keine.
Bei der Anleitung merkt man m.M.n. leider, dass sie Autodidaktin ist und noch nicht zig Anleitungen geschrieben hat. Ich finde sie eher unübersichtlich und nicht so klar.
Was mich auch stört: In der Armkugel scheint keine Mehrweite enthalten zu sein. Hmmm.

Bonusfoto mit meinem hervorragend modelnden Mann!
Der Gürtel war relativ schnell genäht und mir gefällt, dass viele verschiedene Verschlussoptionen dabei sind. Außerdem bin ich wirklich zufrieden damit, wie gut mir die Musterplatzierung gelungen ist!
Die Chiffonverzierung war einfach zuzuschneiden, weil ich mangels Unistoff im Gardinenoutlet einen Streifenstoff genommen habe und dann entlang der eingewebten Streifen schneiden konnte. Den Saum habe ich mir gespart (passt für ein düsteres Setting), die Seitennähte aber mit Kappnähten geschlossen, damit man das Teil als NSC schnell umbinden kann, ohne dass es nach "falschrum" aussieht, wenn man nicht auf die Nähte achtet. Und ich war sehr erfreut darüber, wie problemlos meine neue Nähmaschine Chiffon verarbeitet!
Ich habe mich gefreut, die Schnittmuster nähen zu können, die Teilnehmerin hat sich gefreut, ein Elfenkostüm tragen zu können, die Mitspieler fanden hoffentlich die Rolle cool - win-win-win!
Schnitt: "Shrug Jacket" und "Y-Belt" von Miss Viscid
Material: Kunstfaser-Taft, Viskoseköper
Änderungen: Schultern um je 1 cm verbreitert
Nachnähpotential: Falls mir mal wieder eine passende Rolle über den Weg läuft, ja.
Verlinkt bei DvD.
Lg
Nria







































