Langsam entwickelt es sich zur Tradition, dass mir Cashmerette für Last Minute-Kostümprobleme den Tag rettet. Zuletzt, als ich für ein Business-Kostüm den Bleistiftrock Elmwood aus Sweat genäht habe (fürs Firefly-Liverollenspiel).
Auch die Weste Hartwell hatte ich nur durch den Cashmerette-Club in meiner Sammlung. Für formelle Kleidung habe ich normalerweise gar keine Verwendung, aber man weiß nie, wann man's mal braucht ...
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| Für ein Krimidinner echt okay! |
Diesmal ging es nicht um ein Con, sondern um ein Krimidinner mit 20er Jahre-Thema, und meine Rolle war ein männlicher Filmstar (im Familienkreis wird gnadenlos ohne Rücksicht aufs Geschlecht zugelost!).
Vielleicht sollte ich mal anregen, für kurzfristig anberaumte Krimidinner eher Themen zu verwenden, für die man gut Kleidung improvisieren kann; für mich ist es einfach sehr schwierig, spontan Kleidung im Laden zu kaufen ..
Ein bisschen improvisieren konnte ich dann doch: Zum Glück fand sich in meinem Vorrat von aktuell ganzen 4 passenden Hosen eine in Schwarz, das ist doch eine ganz gute Anzugbasis. Dazu ein weißes Poloshirt statt Hemd (von der Mondmama geliehen), eine meinem Mann geklaute Fliege von der Hochzeit und mein selbstgenähter Blazer (ja, der sieht ganz anders aus als ein Sakko, ist auch nicht schlicht schwarz und passt aktuell nicht so gut, aber es ist ein Krimidinner ...).
Mir fehlte aber noch was für den richtigen Look (gerade, weil der Blazer nicht so 100% stimmig ist): Eine Anzugweste. Beim Inspirationsgoogeln habe ich schicke Outfits mit schwarzer Hose/Jacke und cremefarbener Weste gesehen. Sowas wollte ich auch!
Solche Westen sind nun sowieso schwierig zu kriegen und für Cup G erst recht nicht. Also hieß es wieder: Stoff- und Schnittvorräte sichten!
Die Cashmerette-Schnittmuster sind ja dankbarerweise für große Cups ausgelegt, also konnte ich bedenkenlos zugreifen ohne allzuviele Änderungen. Ich habe mich für Sweat als Material entschieden, weil ich dann um X Probeteile drumrum komme; es wird schon so halbwegs passen.
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| Der Brustpunkt ist zu hoch wegen Still-BH, sonst finde ich die Passform gar nicht schlecht! |
Als Stoff habe ich Reste verwendet:
- Der wollweiße Sweat stammt vom Flop-Serafine-Sweater. Ich habe einerseits Reste vom Zuschnitt genommen und andererseits auch den Sweater selbst zerschnitten - ich hätte überlegt, ihn passend umzunähen, aber der Stoff war nicht so angenehm zu tragen, dass sich das gelohnt hätte.
- Der schwarze Sweat besteht ebenfalls zum Teil aus Zuschnittresten und zum anderen Teil aus dem Rockteil des schwarzlila Burda Easy-Kleids, das mir nie so ganz gefallen hat (den Schnitt fand ich ganz gut, aber ich habe zu dicken Sweat genommen dafür).
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| Zweifarbig! |
Das Ganze musste wirklich schnell gehen; wir haben die Info zu Setting und Rollen des Krimidinners zwar gut 2 Wochen vorm Termin bekommen, aber ich hatte nicht mehr viel Zeit, weil wir kurz darauf zu den Schwarzwälder Schwiegereltern gefahren sind. Also wurde Zeit gespart:
- Normalerweise lasse ich ja lieber plotten, aber dann muss man auf den Schnitt warten, die Post liefert Briefe nicht mehr zuverlässig am nächsten Tag und kurz vor Weihnachten erst recht nicht. Also selbst gedruckt.
- Statt abzupausen, habe ich eine Methode angewendet, von der ich mal irgendwo gelesen habe: Man schneidet den Schnitt in der größten Größe aus (bzw. ganz außen, sodass alle Größen noch nutzbar sind) und schneidet dann an verschiedenen Stellen bis zur gewünschten Größe ein, sodass man die Linien umfalten kann statt sie auszuschneiden. Ich würde nur dann eine einzige Größe ausschneiden, wenn ich den Schnitt ganz sicher nur das eine Mal brauche, aber wie man hier sieht, weiß man nie! Bei geraden Kanten kann man einfach so umklappen - bei Rundungen sollte man so wenig wie möglich, aber so oft wie nötig einschneiden.
Geht deutlich schneller als Abpausen. - Sämtliche aufwändigen Details habe ich weggelassen: Kein Futter (bei Sweat sowieso nicht nötig), keine Taschen, keine Knopflöcher. Dankbarerweise ist die Weste locker und aus Sweat dehnbar genug, dass ich sie mir mit zugenähter Vorderkante einfach überziehen kann.
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| Von hinten ganz anders als von vorne. |
Apropos zugenähte Vorderkante: Eigentlich hätte ich selbige einfach mit der Nähmaschine zunähen können statt mich darauf zu verlassen, dass die durch beide Vorderseiten angenähten Knöpfe das Ganze schon zusammenhalten. Im Nachhinein ist man ja immer schlauer.
Wirklich passende Knöpfe für eine Weste hatte ich nicht da, also habe ich halbrunde Glasknöpfe mit schönem blauen Muster angenäht, das ich für die 20er Jahre passend fand.
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| Eigentlich hatte ich die für eine Bluse gekauft. |
Was ich übrigens komplett vergessen habe: Den Brustpunkt nach unten zu versetzen. Deswegen hat die Weste oberhalb der Brust zuviel Stoff - ich habe sowieso schon eine sehr tief sitzende Brust, aber mit dem Still-BH ist das nochmal extremer. Zum Glück werde ich ja nicht für immer stillen, und mit normalem BH wird das besser aussehen. Außerdem kann ich später mit etwas mehr Zeit dort die Kurve auch noch etwas abnähen. Durch den elastischen Sweat sitzt die Weste an der Brust an sich weit genug.
Ob ich die Weste nochmal trage? Zumindest ist sie schön warm.
Schnitt: Hartwell Vest von Cashmerette, Gr. 10 G/H (oben) bzw. 14 (unten)
Material: angerauter Baumwollsweat
Änderungen: Viele Details weggelassen: Futter, Taschen, Knopflöcher. Zwischen zwei Größen gradiert. Eigentlich hätte ich den Brustpunkt nach unten verschieben müssen, hab ich aber vergessen.
Nachnähpotential: Wenn ich mal eine Anzugweste brauche, bestimmt! Ist aber nicht so wahrscheinlich.
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.
Lg
Nria
















































