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Donnerstag, 16. Oktober 2025

Schrankleichenchallenge: Santorini Top von Itch to Stitch

Ich habe mal wieder bei der Schrankleichenchallenge mitgemacht. Meine Güte, waren da diesmal herausfordernde Stoffe dabei - die Herausforderung für mich war da eher, ein Sommertop bei Winterwetter zu nähen. Die Challenge fand nämlich Ende Oktober/Anfang November statt.

Daher der Disclaimer: Ich habe das Top vor meiner Schwangerschaft genäht (und dann die letzten warmen Tage im September für schnelle Fotos genutzt). Bitte nicht auf die Passform schauen; mit dem Still-BH sitzt mein Brustpunkt tiefer als im Schnitt vorgesehen und mein Bauchumfang ist auch (noch?) größer als vor einem Jahr ...

Die seitliche Knopfleiste finde ich wirklich schön!

Kurz zur Erinnerung: Bei der Challenge schicken jeweils zwei Leute sich gegenseitig eine Schrankleiche zu, also einen Stoff, der schon Ewigkeiten im Schrank rumgammelt und den man eigentlich nicht mehr haben will. Man kann dabei Glück haben oder Pech - ich finde, ich habe einen der besseren Stoffe erwischt!

Bei mir kamen gute 1,40 m von einem erstaunlich glatten gelben Double Gauze mit Sprenkelmuster an. Kein Stoff, den ich mir gekauft hätte, aber ich finde ihn nicht schlecht!

Problem: Das ist für mich ein Sommerstoff. Bei Temperaturen im einstelligen Bereich draußen habe ich nicht so viel Lust, Kleidung für warmes Wetter herzustellen. Aber man hat nunmal nur 3 Wochen Zeit und was muss, das muss!

Ich nutze die Challenge sehr gerne, um neue Schnittmuster auszuprobieren. Wenn's schiefgeht, ist es dann ja nicht schlimm und zur Not sehe ich's als Probeteil. Diesmal habe ich das Santorini Top von Itch to Stitch verwendet, das ich beim Sommersale gekauft habe. Die Cupgrößen-Optionen sind einfach zu verlockend!

Von vorne sieht man halt, dass die Oberweite höher sitzen müsste.

Das Top hat hübsche schräge Teilungsnähte, die man bei diesem stark gemusterten Stoff überhaupt nicht sieht, und eine seitliche Knopfleiste, was ich für ein Webstoff-Top ziemlich ungewöhnlich finde. Eigentlich kommt der Schnitt bei einfarbigen Stoffen besser zur Geltung, aber ich wollte es mal ausprobieren.

Das Nähen war ein kleines Drama: Der Stoff ist sehr weich und lose gewebt und ich habe unerklärliche Wellen in den Nähen. Verschiedene Nadeln und Bügeln haben wenig gebracht - es könnte sein, dass ich die Nahtzugabe einschneiden und per Hand versäubern muss, aber ich weigere mich noch, das zu akzeptieren ...

Weeer hat da schon wieder die Hohlkreuzanpassung vergessen?

Vor der Knopfleiste habe ich mich eine Weile gedrückt, die ging dann aber erstaunlich gut. Nur die Knopflöcher sind z.T. etwas schief (wie gesagt: super weicher Stoff, der sich trotz Einlage mäßig gut nähen ließ), aber das Top ist ja zum Glück ein Teil, bei dem man definitiv nie die Knopfleiste offen lässt, wie es bei einer Jacke der Fall wäre!

Ebenfalls glücklicherweise lässt sich das Top über den Kopf ziehen, d.h. ich muss nicht die schlecht erreichbare Knopfleiste jedes Mal öffnen und schließen. Puuh!

Die andere Seite ist schlicht.

Was ich erst beim Anziehen gemerkt habe, da man wegen der Knopfleiste das Teil wirklich schlecht zwischendurch anprobieren kann: Oberhalb der Brust ist zuviel Luft, da fehlt für mich ein Abnäher. Ärgerlicherweise ist das viel Arbeit durch die Belege! 

Schlicht sind auch die Knöpfe.

Weil es draußen schon kalt war, als ich das Top genäht habe, wanderte es erstmal in den Schrank mit dem Vorsatz, im Sommer Tragefotos zu machen. Da wusste ich noch nicht, dass ich im Sommer hochschwanger sein würde ... wie das Leben halt so ist!

Bevor ich jetzt dran rumändere, warte ich erstmal die Figur ab, die ich haben werde, wenn die Geburt länger als ein paar Wochen her ist. Das Vor-Schwangerschaftsgewicht habe ich schon wieder, die ursprüngliche Figur aber noch nicht ... also mal gucken!

Vom Prinzip her finde ich das Top schön, die Wellen in den Nähten ärgern mich aber. Hätte vielleicht besser einen Rock draus genäht, da wäre das weniger aufgefallen. 

Schnitt: Santorini Top von Itch to Stitch, Gr. 8/10 Cup DD
Material: Gelber Double Gauze, Knöpfe aus dem örtlichen Stoffladen
Änderungen: ab der Taille von Gr. 8 auf Gr. 10 gradiert, Brustabnäher hinzugefügt
Nachnähpotential: Theoretisch ja, aber mal sehen!

lg
Nria

Dienstag, 22. April 2025

Schrankleichenchallenge März 2025 - Sweatshirt Cleo von Pattydoo

Momentan habe ich ein kleines Näh-Tief. Das könnte daran liegen, dass ich gerade richtig Lust auf Sommerkleider habe, aber noch nicht weiß, welche Größe ich in ein paar Monaten tragen werde. Es gibt nämlich Neuigkeiten im Hause Mondkunst (die sich langsam auch nicht mehr so gut verstecken lassen): Wir erwarten im Sommer ein Möndchen.

Die Schrankleichenchallenge einer Facebook-Nähgruppe ist da perfekt geeignet, um einen wieder an die Maschine zu nötigen! Schließlich gibt es eine Deadline. Und jetzt hätte ich notfalls auch mal mit Kinderstoffen etwas anfangen können.
 
Jeweils zwei Tauschpartner schicken sich einen Fehlkauf zu. Ich falle immer wieder vom Hocker, wenn ich sehe, was für ... äh ... originelle Stoffe da offenbar mal gekauft wurden! Manches stammt offenbar aus Überraschungspaketen, da frage ich mich dann bloß, was der Designer sich dabei gedacht hat ...
 
 
Diesmal habe ich den einfachsten Stoff überhaupt bekommen: Unifarbenen Sweat. Eine Herausforderung ist das jetzt nicht so richtig. Der mittlere Lilaton ist zwar nicht mein bevorzugtes Beuteschema, aber da lässt sich schon was draus machen. Es freut mich auch, dass das eine Stoffart ist, die zur Jahreszeit passt - es ist etwas schade, wenn man im Spätherbst einen Sommerstoff zugeschickt kriegt und dann viele Monate warten muss, bis man das Teil tatsächlich tragen kann (und bis dahin passt man nicht mehr rein ...).

Meine Tauschpartnerin war übrigens tatsächlich so nett und hat gefragt, ob ich Kinder habe! Und dementsprechend den Stoff ausgesucht. Das finde ich wirklich toll, denn die Schrankleichen sind zwar immer Geschmackssache, aber Kinderstoffe für Erwachsene sind halt richtig schwierig.
 

Ein kleiner Haken war dabei: Die Mindestmenge beim Schrankleichentausch ist 1 Meter - es gibt auch Einschränkungen wie "keine Gardinen-, Futterstoffe o.ä."   - und mehr war es auch nicht. Für einen kompletten Sweater reicht das nicht (vielleicht für Kinderkleidung, aber wer weiß, womöglich hat das Möndchen rote Haare wie sein Papa ...).

Aber es gibt ja jede Menge Shirts mit Teilungen! Ich wollte eigentlich einen Schnitt nehmen, den ich schon habe, aber dann habe ich die Cleo von Pattydoo gesehen und hatte eine Vision!
Der Schnitt bietet eine gerundete, asymmetrische Teilung und wahlweise Kapuze oder Rundhalsausschnitt. Er sitzt etwas locker und hat überschnittene Schultern, was ich nicht so gerne mag, aber zur Passform passt. 
 

Ich hätte wirklich gern einen gemusterten Kombistoff verwendet, wollte aber nichts extra kaufen und dummerweise passten meine vorhandenen Stoffe farblich nicht oder waren zu kurz. Also wurde es doch wieder Schwarz, denn davon lag noch ein Stück im Schrank.
 
Die Größenauswahl fiel mir wegen Gewichtszunahme etwas schwer - habe mich dann für F/42 entschieden und nachträglich beim Zuschnitt an den Seiten unten 1 cm breiter auslaufen lassen, weil das Teil bei mir länger ist und meine Hüfte reinpassen muss. 
 
Der Schnitt ist wirklich erstaunlich schnell und einfach genäht! Nur beim runden Saum sollte man sehr sorgfältig vorgehen und jede Menge Stecknadeln verwenden. Ich habe allerdings statt der doppelten Seraflex-Naht eine einfache Zickzacknaht für den Saum verwendet und hoffe, dass diese Naht auch wirklich dauerhaft hält ...
 

Ärgerlicherweise hat die Maschine ausgerechnet bei dieser gut sichtbaren Naht Stiche ausgelassen. Immerhin in relativ regelmäßigen Abständen - mal gucken, ob ich wirklich Lust habe, das noch zu korrigieren.
 
Und ja, wie immer wäre eine FBA sinnvoll gewesen. Bei Sweatshirts ist mir die Passform aber nicht sehr wichtig und momentan sitzt das Teil sowieso enger als (hoffentlich) Ende des Jahres.
 
Ansonsten bin ich erstaunlich zufrieden mit dem Ergebnis! Mit normalen statt überschnittenen Schultern wäre es wirklich perfekt, und obwohl ich nicht so die Lila-Trägerin bin, gefällt mir die kontrastreiche Farbkombi. Das Teil sitzt aktuell allerdings etwas enger als von Pattydoo vorgesehen.
Für mich bisher sowohl das einfachste als auch das tragbarste Schrankleichenprojekt bisher (ok, das Pikeejerseykleid vom Sommer wurde auch schon oft getragen) bzw. das, was am meisten meinem Stil entspricht. Freue mich auf etwas wärmere Temperaturen, damit ich den Sweater ausführen kann!
 
Schnitt: Sweatshirt Cleo von Pattydoo, Gr. F (42), Version ohne Kapuze
Material: Unifarbener Baumwoll-Sommersweat
Änderungen: Schultern um 2 cm verschmälert, Ärmel um 3 cm gekürzt
Nachnähpotential: Ja! Vielleicht probiere ich mal, die Schultern auf eine "normale" Form umzubasteln.
Verlinkt bei DvD.
 
Lg
Nria

Mittwoch, 3. Juli 2024

Schrankleichenchallenge mit Vögelchen - Kleid Kalispell von Itch to Stitch

Ich habe wieder bei der Schrankleichenchallenge mitgemacht! Dabei schickt man einem Tauschpartner einen alten Stoff aus dem Schrank, den man nicht mehr will, und bekommt einen anderen dafür zugeschickt. Es muss mindestens ein Meter sein und bestimmte Stoffarten sind ausgeschlossen (z.B. Gardinen, Futterstoff oder Badelycra). 
Man kann dabei richtig Glück haben - one man's junk is another man's treasure. Trotzdem sind fast immer ausgesuchte Scheußlichkeiten und nur wenige Schätze dabei (das Lustige ist, dass irgendwer die Stoffe ja mal gekauft hat und offenbar schön fand ...). Es ist interessant zu sehen, wie Leute sich über Muster freuen, mit denen ich nicht tot überm Zaun hängen wollte, und andere Sachen schrecklich finden, die ich total gern tragen würde!
 
Ok, die Farbe hat etwas leicht Kittelschürziges, aber ansonsten?

Bisher hatte ich mäßig viel Glück: Komplette Katastrophen waren nicht dabei, aber weder der neongestreifte Rippjersey (ich habe einen kurzärmeligen Cardigan draus gemacht) noch der beige Möbelstoff (wurde eine Probe-Bikerjacke) haben den Weg in meinen Schrank gefunden. Diesmal bin ich aber ganz optimistisch!

Glaubt mir, das war einer der besten Stoff der Challenge!

Diesmal gab es für mich knappe 2 m von einem rauchblauen Pikeejersey mit echt niedlichem Muster. Seht euch diese putzigen Vögelchen an! Blau ist ja meine Farbe (auch wenn dieser Ton eigentlich zu blass für mich ist), Pikee liebe ich und das Muster ist dezent genug, um nicht zuu kindlich zu sein.
Und ich bin ja echt froh, wenn ich weder Leo noch Blumenmuster noch superflutschige Stretchtüllstoffe bekomme ...

Die Challenge nutze ich gerne, um neue Schnittmuster zu testen - notfalls wäre es ja um die Stoffe nicht schade. Diesmal wurde es ein Kleid statt einer Jacke.
Um die Schnittmuster von Itch to Stitch schleiche ich schon länger rum. Sie sind meist sehr schön geformt und haben originelle Details, obwohl sie sehr alltagstauglich sind. Es sind Cupgrößen bis E (hier DD) enthalten, was mich besonders anspricht - bei Cashmerette ist die Auswahl für kleine Größen ja leider noch nicht allzu groß und die Schnitte ziemlich teuer. 

Das Kalispell Dress hat Prinzessnähte, einen V-Ausschnitt mit durchgehender Knopfleiste, Nahttaschen und einen sehr weiten Rock mit Kellerfalten ... und es ist für Webware.
Eigentlich ist es selten eine gute Idee, Webware-Schnittmuster aus Wirkware zu nähen, aber der Pikee ist weniger dehnbar als andere Jerseys, deshalb habe ich es einfach mal riskiert. Bei meinem Zipfelkleid habe ich es vor ein paar Jahren gemacht und musste das Kleid hinterher deutlich enger nähen, aber dafür liebe ich es sehr!
 
Die Falten kommen vermutlich vom versetzten Brustpunkt.

 
Aus meinen Erfahrungen mit dem McCalls-Schnitt fürs Zipfelkleid habe ich eine Nummer kleiner genommen. Größe 6 hört sich so winzig an - sonst trage ich Gr. 10-14. Eigentlich wollte ich die Taille eine Nummer größer nehmen (an der Hüfte ist das Kleid sehr weit, da ists egal), habe es aber beim Zuschnitt vergessen.
Es war super angenehm, keine FBA durchführen zu müssen, trotzdem habe ich noch einiges geändert - den Rock um 10 cm gekürzt, den Brustpunkt nach unten verschoben, die Schultern verschmälert und die Kappärmel etwas weniger hoch ausgeschnitten. Außerdem habe ich die Nahttaschen durch Eingrifftaschen ersetzt, das mag ich einfach viel lieber.

Die Krux bei dem Schnitt war: Ich hätte eigentlich 2,60 m gebraucht (2,40 m, wenn man die gekürzten Rockteile einkalkuliert). Ich hatte nur um die 1,90 m. Zum Glück hat der Stoff Überbreite von fast 1,60 m, deshalb hat trotzdem alles draufgepasst. Glück gehabt!
Bei einem schmaleren Stoff hätte es vermutlich mit Innenbelegen aus einem Kombistoff auch noch geklappt.

Hier noch die originalen Schnittteile - nach dem Kürzen ging alles locker drauf.

Was mich erstmal verwirrt hat: Wie bei allen amerikanischen Schnittmustern ist die Nahtzugabe inklusive - aber hier sind es ½ Inch, also 1,25 cm. Bisher habe ich ausschließlich 1 cm oder 1,5 cm Nahtzugabe gehabt ... zum Glück hat die Stichplatte meiner Maschine auch Inch-Markierungen, aber ich musste trotzdem mehr als einmal trennen, weil ich aus Gewohnheit mit dem falschen Abstand genäht habe.
 
Was mir gut gefällt: Beim A4-Schnitt ist angegeben, welche Seiten man für welche Cupgröße (und ggf. Kleidergröße) drucken muss. Beim A0-Schnitt sind die Cupgrößen A-C auf einem Bogen und die Größen D-DD auf einem anderen (die für alle Größen benötigten Teile sind auf den übrigen Bögen), sodass man nicht unnötig drucken muss. Leider ist mir das erst nach dem Druck aufgefallen; jetzt habe ich den Bogen für A-C auch hier liegen. Na, vielleicht näh ich das Kleid ja mal für wen anders, wer weiß!

Bevor es losging, habe ich noch einige Passform- und Design-Änderungen durchgeführt:
  • Diesmal keine FBA (whoohoo!)
  • Den Brustpunkt in vorauseilendem Gehorsam 6 cm nach unten versetzt, weil ich das bei Cashmerette machen muss - das war ein Fehler, weil nicht notwendig. Aber ich wollte halt kein Probeteil für einen Schrankleichenstoff machen.
  • Schultern verschmälert
  • Den Rock um 10 cm gekürzt
  • Den Kappärmel weniger tief ausgeschnitten, d.h. die Kurve weiter nach unten versetzt. Wollte nicht so viel Oberarm zeigen, das braucht doch mehr Sonnencreme! 
  • Die Nahttaschen habe ich durch Eingrifftaschen ersetzt. Was ich dabei nicht berücksichtigt habe: Die Kellerfalten sitzen sehr weit außen und kamen sich dann mit dem Taschenbeutel in die Quere. Ich habe dann die eine Hälfte der äußeren Kellerfalte eben auf die andere Hälfte geklappt. Ist eine etwas andere Optik und ich habe dort jetzt sehr viele Stofflagen, aber geht noch.
Eigentlich wollte ich in der Taille eine größere Größe nehmen, weil das Kleid dort sehr figurnah ist. Habe ich beim Abpausen glatt vergessen! Zum Glück kann man bei der USA-typischen größeren Nahtzugabe noch ein bisschen was auslassen. 
 
Rückansicht. Bin nicht ganz sicher, ob das Rückenteil einen Hauch kürzer müsste.

Dank der geschwungenen Knopfleiste ist das Kleid gar nicht so unaufwändig zu nähen - es wird viel gebügelt und vorm Nähen eingeschnitten. Tatsächlich gibt es für die Vorbereitung eine ganze Seite, wo überall Stütznähte genäht und Vlieseline aufgebügelt wird ... ich gestehe aber: Dazu war ich zu faul (wobei ich ja keine Webware vernäht habe; da wäre das was anderes) und habe nur die innere Knopfleiste mit Vlieseline versehen. 

Apropos Knopfleiste: Ich habe die Knöpfe neu arrangiert, weil - wie so oft - kein Knopf am Brustpunkt vorgesehen war, sodass bei größerer Brust die Knopfleiste schnell aufspringt. Daher sind jetzt am Oberteil mehr Knöpfe mit kleinerem Abstand, am Unterteil weniger mit größerem Abstand (Memo an mich: Immer einen Ersatzknopf mitkaufen ...).
Leider stand mein Maßeinteiler gerade nicht zur Verfügung und ich sah mich schon - wie früher - stundenlang Knopfpositionen berechnen und wieder verwerfen ... da fiel mir mein Ikea-Topfständer wieder ein!

Zweckentfremdung!

Bei der Innenverarbeitung habe ich es mir diesmal leicht gemacht und die eingeschlagene Kante des Belegs per Maschine angenäht statt wie sonst per Hand. Natürlich habe ich die Kante vorher umgebügelt und mit vielen Nadeln festgesteckt - es war etwas mühsam, die während des Nähens wieder zu entfernen, weil ich von außen genäht habe; vielleicht hefte ich demnächst lieber ... Hat aber erstaunlich gut funktioniert! An ein oder zwei Stellen bin ich nicht 100% zufrieden, aber die Nahtzugabe ist nirgends wirklich sichtbar.

Sieht doch ganz sauber aus!

Und mein Fazit?
  • Das erste von drei Schrankleichenteilen, das ich für mich tragbar finde!
  • Das Kalispell Dress funktioniert auch aus (leicht) dehnbaren Stoffen - vielleicht auch mit "normalem" Jersey.
  • An sich gefällt mir das Kleid recht gut (bis auf die Farbe). Ich überlege noch, ob ich mich traue, das aus Webware zu nähen ... da müsste ich aber neu gucken, welche Größe ich brauche.
  • Ich bin unschlüssig, ob ich es umfärben will oder nicht. Pro: Ich bevorzuge eigentlich dunkle oder leuchtende Farben. Contra: Ich hab jetzt alles in perfekt passendem Taubenblau abgesteppt und gesäumt. Ob das zu einer anderen Farbe gut aussieht?
Tragen werde ich es aber definitiv (bzw. habe ich schon) und gleichzeitig bin ich gute 1,30 m von einem anderen Stoff losgeworden. Hat sich definitiv gelohnt für mich dieses Mal!
Schnitt: Kalispell Dress von Itch to Stitch, Gr. 6 Cup DD
Material: Baumwoll-Pikeejersey
Änderungen: Rock um 10 cm gekürzt (und entsprechend die vordere Blende), Brustpunkt um 5 cm nach unten versetzt, Schultern um 1 cm verschmälert, Nahttaschen durch Eingrifftaschen ersetzt, "Kappärmel" weniger tief ausgeschnitten, Taille etwas ausgelassen (Memo an mich: Dort nächstes Mal eine größere Größe nehmen!).
Nachnähpotential: Definitiv, ich finde den Schnitt sehr schön!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.
 
Lg
Nria

Mittwoch, 7. Februar 2024

Schrankleichenchallenge mit Polsterstoff - Canton Moto Jacket von Cashmerette

Wie vor 2 Jahren schon habe ich mal wieder am "Schrankleichentausch" einer Facebook-Nähgruppe teilgenommen! Man bekommt einen Tauschpartner zugelost und schickt sich gegenseitig einen im Schrank rumgammelnden Stoff, aus dem die andere Person dann binnen 2 Wochen etwas nähen und präsentieren soll.

Finde ich grad am Jahresanfang super, weil man einen Push zum Nähen bekommt, direkt ein Stück Stoff loswird (yay für die Stoffstatistik!) und aus dem, was man bekommt, sofort etwas macht, d.h. das landet gar nicht erst lange im Schrank.

Sieht doch an sich ganz gut aus?

Letztes Mal war es ein flutschiger grauer Jersey mit Neonstreifen, diesmal ... hmm, ein Polsterstoff?

Das Corpus Delicti samt Grabbeigaben.

Jedenfalls beigefarben, mit "Abriebmuster", grob gewebt und aus Kunstfaser. Die Webstruktur lässt mich an Möbel oder Gardinen denken, deshalb glaube ich, dass der Stoff eigentlich nicht für Kleidung vorgesehen ist. Als ob mich das jemals davon abgehalten hätte!

Fun Fact: Unsere ersten Stoffkäufe (fürs Liverollenspiel, dafür haben wir ja mit Nähen begonnen) stammten aus der Gardinenabteilung, weil es in unserer Nähe in den frühen Nuller Jahren keine Stoffläden gab ...

Jedenfalls hatte ich sofort eine Idee, denn schon vor Beginn der Challenge gab es da ein heimliches Wunschprojekt: Die Canton Moto-Bikerjacke von Cashmerette. Und dafür schien mir der Stoff geeignet!

Ich finde den Kontrast zwischen Futter und Oberstoff toll!

Das Muster erinnert mich nämlich etwas an Leather Look-Stoffe, das passt doch. Um etwas Farbe reinzubringen, habe ich das Teil mit einer eigenen Schrankleiche kombiniert: Der Ankerstoff, 2017 auf dem Stoffmarkt in Rheda gekauft, sollte eigentlich mal ein Kleid werden, ist mir dafür aber nicht weich genug. Als Torsofutter sicher ein schöner Kontrast!

Damit man auch außen was von den Ankern sieht, habe ich die Reißverschluss-Saumlösung an den Ärmeln durch Aufschläge ersetzt. 

Die Canton Moto Jacket ist mein erster aufwändigerer Schnitt von Cashmerette - bisher hatte ich das Upton Dress (hier nur das Oberteil) und den Stanton Hoodie genäht, aber dabei nicht wirklich in die Anleitung geschaut, weil Selbstläufer.

Etwas vom Winde verwehte Seitenansicht.

Eine Bikerjacke ist aber schon komplexer, außerdem habe ich so eine asymmetrische Jacke tatsächlich noch nie genäht (ja, es gibt nach 20 Jahren noch Näh-Neuland für mich). Die Reißverschlussärmel probiere ich dann nächstes Mal. 

Jetzt also eine kleine Review von Cashmerette (abgesehen von dem großen Größenangebot und Cupgrößen bis G/H):

  • Die Schnittmuster sind rein in Schwarz-Weiß gehalten, das macht es nicht so leicht, die eigene Größe zu finden. Könnte sein, dass das bei den Papierschnitten anders ist als bei denen zum Selberdrucken, aber aus den USA will ich die auch nicht bestellen (hallo, Versandkosten und Zoll!).
  • Es gibt in der Anleitung keine Fotos, dafür sehr klare Zeichnungen. Die mag ich viel lieber, weil man oft deutlich mehr erkennt! Generell machen Zeichnungen auf mich immer einen deutlich professionelleren Eindruck ... hat mir auch bei den Sachen von tinalisa schon gut gefallen.
  • Dabei stehen hier auf den Schnittteilen durchgehend deren Zahlen - auch auf den bereits angenähten! Finde ich super, weil man so sehr leicht erkennt, welche Teile gerade wo liegen müssen.
  • Für eine besonders knifflige Stelle ist zusätzlich ein Video verlinkt. 

So riiichtig toll ist die Jacke nicht genäht ...

 Etwas knifflig waren auch die Reißverschlusstaschen - auch, weil mein Reißverschluss kleiner war als angegeben (3 statt 5 mm Raupenbreite). Dementsprechend war auch das Band schmaler und ich musste es ein Stück von der Stoffkante entfernt annähen, weil ganze 1,2 mm Nahtzugabe enthalten sind, was mit meinem Reißverschlussband nicht funktioniert hätte.
Ich musste dabei mehrmals trennen, weil ich die Anleitung zu flüchtig gelesen habe, aber eigentlich ist es sehr eindeutig und gut beschrieben, nur halt anders, als ich es sonst mache. Dafür sieht es aber auch sehr gut aus, finde ich!

Die Rückenpassform ist erstaunlich gut!
 
Auch der Stoff war nicht so ganz ohne - offenbar für Möbel gedacht, hat er sehr dicke Fäden und ist dazu sehr lose gewebt. Das macht die Verarbeitung schwierig, weil er sich sehr stark auflöst (macht Spaß, wenn man nah zur Naht einschneiden muss ...) und beim Absteppen schnell verrutscht, aber dafür sind Rundungen wirklich easypeasy, wenn der Stoff sich so schön in die Kurven legt! Alles hat etwas Gutes.
Der Stoff ließ sich sogar ein bisschen bügeln, da war ich sehr erfreut! Solche Stoffe sind ja gerne ziemlich widerspenstig.

Offen getragen sehen Bikerjacken nie so super aus, aber hey.

Von der Optik kann ich sagen: Die Jacke gefällt mir. Sie ist aber wirklich hingepfuscht - ich wollte den Reißverschluss nicht kürzen, weil ich skeptisch war, ob mir die Jacke hinterher zusagen würde, deshalb habe ich ihn etwas gestaucht. Die Absteppungen sind nicht allzu sauber, die Ärmelaufschläge verrutschen gerne und die Ärmel hätten vermutlich eine Bizepserweiterung gebraucht, die sind nämlich beim Bewegen etwas eng (ich bin noch nicht sicher, ob auch der Armausschnitt zu klein ist). Die Nahtzugaben habe ich auch nicht zurückgeschnitten, weil sich der Stoff dann vermutlich aufgelöst hätte.
Ach ja, und ich merke auf den Bildern sehr die fehlenden Schulterpolster - ich hatte grad weder Polster noch Volumenvlies zur Hand.
Wirklich, seid froh über die mangelnden Nahaufnahmen, ihr wärt entsetzt ...

An sich bin ich aber sehr positiv überrascht von der Passform, wenn man bedenkt, dass ich bis auf ein wenig Ärmelkürzen nichts am Schnitt angepasst habe!
Der Cashmerette-Größenrechner hat mir diesmal nur mäßig viel geholfen; beim letzten Mal hat er mir oben Gr. 8 E/F vorgeschlagen, an der Hüfte Gr. 12 (und Taille hab ich vergessen). Jetzt habe ich inzwischen ein paar wenige Kilo zugenommen und es kam mit den aktuellen Maßen Gr. 10 C/D mit SBA (also Anpassung für eine kleinere Brust) raus ... Umfangmaße bilden meine Körbchengröße (G) einfach sehr schlecht ab, deshalb habe ich mich todesmutig wieder für die letzte Größe entschieden und bin ganz zufrieden. 

Werde ich die Jacke tragen?
Vermutlich nicht. Ich traue dem Oberstoff nicht und bin mit meiner Verarbeitungsqualität echt unzufrieden - und vergessen wir nicht die zu engen Ärmel! Ich sehe das Teil aber als sehr gutes Probestück an (seien wir ehrlich, ich hätte niemals einfach so ein Probeteil mit Taschen, Futter, Einlagen und allem genäht!). Aktuell schwebt mir vor, das Futter für eine richtige Jacke zu verwenden (mit angepassten Ärmeln) und die Reißverschlüsse zu "retten". Und dann hoffentlich ordentlicher zu nähen, auf einem vernünftigen Stoff, der für eine Jacke wirklich geeignet ist.

Schnitt: Canton Moto Jacket von Cashmerette, lange Version, Gr. 8 E/F auslaufend zu 12 an der Hüfte
Material: lose gewebter Polsterstoff, Baumwollpopeline für den Futtertorso, Futtertaft für die Futterärmel
Änderungen: Die Reißverschlussärmel mit Krempelärmeln ersetzt, Ärmel um 3 cm gekürzt, Reverskante etwas verändert (ich habe an der Nahtzugabe gespart, um die Reißverschlusslänge auszugleichen)
Nachnähpotential: Definitiv! Dann aber mit gescheitem Stoff. Und mit einer Ärmelanpassung; die sind beim Bewegen doch etwas eng.
Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Donnerstag, 10. März 2022

Schrankleichenchallenge mit Rippjersey - Jaeckchen Pearl aus der Ottobre 2/2012

In einer meiner Näh-Facebookgruppen gibt es regelmäßig die Schrankleichenchallenge: Man meldet sich an, kriegt einen Partner zugelost, schickt sich gegenseitig einen Stoff-Fehlkauf (mindestens 1 m) zu und näht innerhalb von 2 Wochen was draus. 


Man kann dabei Glück haben oder Pech - manche schicken richtig tolle Stoffe weg, andere ausgesuchte Scheußlichkeiten. Es ist halt alles Geschmackssach!
Ich habe diesmal auch mitgemacht ... und hatte so mittelviel Glück: Bei mir kam ein hellgrauer Rippjersey mit vielfarbigen Streifen u.a. in Neontönen an. Ich spüre 80er-Vibes! Der Stoff war bei meiner Tauschpartnerin wohl in einem Näh-Adventskalender enthalten. Ich weiß schon, warum ich sowas nicht kaufe ;) Helle Töne (insbesondere Hellgrau) stehen mir leider meist so gar nicht, aber zur Not kann ich später versuchen, das Teil einzufärben.
Aber immerhin besser als komische Polyesterstoffe mit Blumendruck, die bei anderen Leuten angekommen sind!
 
Ohjeohje ...
 
Ich habe mich dann aufgemacht, um in meiner Ottobresammlung ein schräges Schnittmuster für den schrägen Stoff zu finden: Gelandet bin ich dann bei einem gar nicht so schrägen Schnitt, dem Jersey-Cardigan "Pearl" aus der Ottobre 2/2012. Er ist verschlusslos und hat eine zipfelige Front. Ein simpler Schnitt, der für den Stoff gut geeignet ist, denn selbiger ist so weich und flutschig, dass ich für komplexere Sachen wenig Chancen sehe ...


Es war aber ein Zeichen: Der Stoff war knapp über 1 m lang und hat ganz exakt ausgereicht! Wie man hier sieht, hätte ich aber auf die Nahtzugabe verzichten müssen, also habe ich das Rückenteil umgedreht. Eigentlich bei diesem Stoff nicht sinnvoll, weil die Streifen nicht symmetrisch angeordnet sind, das Muster also dann auf dem Rücken "kopfsteht", aber das dürfte wirklich niemandem auffallen.


Der Stoff war etwas schief abgeschnitten, was ich aber auf Anhieb nicht gesehen habe. Daher habe ich zunächst nicht darauf geachtet, die Streifen exakt aufeinanderzulegen und auf der Rückseite verlaufen die Streifen dadurch etwas schräg. Beim Vorderteil ists durch die Stoffmassen eh wurscht und bei den Ärmeln habe ich das dann korrigiert! Einlagiger Zuschnitt wäre wie so oft eine bessere Idee gewesen ;)
 

Die Halsausschnittkante wird hinten mit einem Jerseystreifen versäubert, die übrigen Säume werden eingeschlagen. Verwirrenderweise ist bei Ottobre die Saumzugabe enthalten, nicht aber die Nahtzugabe!
Die Ärmel sind ursprünglich gedoppelt (also an der Unterkante gespiegelt zugeschnitten), aber dafür hätte a) mein Stoff nicht gereicht und ich fand ihn b) auch zu dick dafür. Also habe ich sie normal zugeschnitten und gesäumt.

Zum Schluss habe ich mit ein paar Handstichen die beigelegten Häkelblumen aufgenäht.
 
 
Die Jacke war wirklich ein superschnelles Projekt, ich habe inklusive Zuschnitt keine 2 Stunden gebraucht. Aber hat es sich gelohnt?


Ich fürchte, das ist einer dieser Schnitte, für die man flachbrüstig sein muss ... bei mir steht das Ganze eher zeltartig ab und trägt auf. Alles, was untailliert ist, ist für mich etwas problematisch ... Ich hatte überlegt, den Stoff überzufärben, wenn der Schnitt was wird; möglicherweise probiere ich das noch, wenn ich mal was in Schwarz einfärbe. Ansonsten wandert das Teil halt in die Ex-Probeteilkiste, um sich in kleinere Probeteile zu verwandeln :)
Schnitt: Jerseyjäckchen "Pearl", Mod. 9 aus der Ottobre 2/2012, Gr. 42
Material: gestreifter Rippjersey
Änderungen: keine
Nachnähpotential: nope

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria