Dienstag, 26. Februar 2019

Rettung fürs eingelaufene Woll-Deel

Vor langer Zeit (d.h. vor über 10 Jahren) habe ich mir einen asymmetrischen Larp-Mantel im Stil eines mongolischen Deels aus Wolle genäht, für kühlere Tage. Aus einem Wollstoff mit aufgenähtem Fadenmuster, was eine Zeitlang mal ziemlich trendy war und eine tolle Struktur schafft. Ich habe das Deel auch jahrelang zufrieden getragen und war ziemlich glücklich damit.

Es ist auch schon ein paar Jahre her - ich habe noch bei meinen Eltern gewohnt - da hat meine Mutter versehentlich die mit Wollkleidung gefüllte Waschmaschine auf "Buntwäsche 60°" eingestellt.
Das Deel war auch in dieser Wäsche.

Großes Mantel-Unglück!

Wie man sieht, ist es ordentlich eingelaufen und passt hinten und vorne nicht mehr.
Aber ich finde den Stoff immer noch so wunderschön - und da der Fädchenstoff-Trend wieder abgeebbt ist, ist kein vergleichbarer Stoff mehr zu bekommen. Deswegen und weil ich irgendwie den Schnitt und besonders die Ärmel wirklich mag, habe ich mich zu einer Deelrettungsaktion entschlossen.

Werfen wir nochmal einen Blick darauf, wie es früher mal aussah:

Foto von Ralf Hüls, kamerakata.de
 Wadenlang, lockerer Sitz - heißgeliebt!

Eingelaufener Torsoteil - mit nicht eingelaufenem überstehenden Futter

Erstmal die Ärmel raus- und die Seitennähte und Säume aufgetrennt. Das Futter ist aus Baumwollstoff und daher nicht eingelaufen - glattgestrichen sieht man, wie stark der Wollstoff sich zusammengezogen hat. Diesen Überstand habe ich erstmal abgeschnitten.

Seitlich eingesetzter Streifen

Seitlich habe ich einen geraden Streifen eingesetzt, um wieder zur alten Weite zu kommen. Einen ähnlicheren Farbton habe ich aktuell nicht bekommen - mal sehen, ob mich der Kontrast auf Dauer stört und ich versuche, noch einen ähnlicheren Braunton zu bekommen, oder ob es so bleibt.

Links: Original-Ärmel; rechts: Ärmel mit eingesetztem Keil

Die Ärmel würden zwar an sich noch passen, aber durch den seitlich eingesetzten Torso-Streifen ist natürlich die Ärmelkugel größer geworden. Damit die Ärmel wieder passend eingesetzt werden können, habe ich dort einen Keil eingesetzt, hierfür haben noch die Reste des Originalstoffs gereicht - und für das Futter der abgeschnittene Überschuss des Torsos.

Zum Schluss habe ich die Ärmel wieder eingesetzt und die Säume wieder geschlossen. Knopf und Schlaufe am Kragen habe ich entfernt, weil der Kragen nicht mehr komplett schließt (was nicht schlimm ist, weil ich enge, geschlossene Krägen ohnehin nicht mehr gerne trage).


Dass die Ärmel vergrößert wurden, kann man am getragenen Mantel nicht erkennen. Der Sitz der Ärmel ist aus nähtechnischer Sicht nicht mehr besonders gut, man betrachte die Falten - für Larpzwecke ist das für mich aber okay.


Auch der Einsatz-Stoff ist getragen deutlich unauffälliger als er auf dem Nähtisch gewirkt hat ...


Die vorherige Länge hat mir etwas besser gefallen als die jetzige Knielänge, ich bin noch nicht sicher, ob ich auf Dauer auch unten noch einen Streifen ansetze. Das hat aber Zeit.


Auf jeden Fall muss ich aber noch schauen, ob Vorder- und Rückseite unterm seitlichen Verschluss wirklich ungleich lang sind und ich den Verschluss nochmal versetzen muss oder das Deel auf dem Foto nur unglücklich fällt!

Insgesamt bin ich überglücklich mit meinem neuen alten Deel, das ich endlich wieder tragen kann!

Ist euch schonmal Wäsche in der Maschine eingelaufen?

Verlinkt beim Creadienstag und Handmade on Tuesday

Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Kommentare:

  1. Prima geworden! Mich freut es immer, wenn man Lieblingsteilen, die irgendwie beschädigt wurde, noch was machen kann. :-) Auf den Tragefotos sieht man den Einsatz wirklich nur, wenn man weiß, dass er da ist.

    AntwortenLöschen
  2. Hej Hana,
    Die Rettung ist aber gelungen! So auf den ersten Blkck sieht man den einsatz gar nicht,der mantel ist wirklich wieder tragbar.wäre echt schade gewesen...meine mama hat das früher auch öfter gebracht,auch mal eine verfärbung mit rosa- örks.....da war zu der zeit nix mehr zu retten:-) ganz lg aus dänemark, ulrike :0)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oha, das "Vergnügen" mit verfärbter Kleidung hatten wir auch schon ... manchmal kann man ja noch was mit Entfärber retten, aber leider funktioniert das nicht immer.

      Löschen
  3. Hallo !

    Ich oute mich mal als stiller Mitleser, der den Blog schon lange verfolgt und sich über eure kreativen Ideen und Umsetzungen freut, aber selbst kaum eines nachmachen könnte, da nicht die geringste Begabung zum Nähen (und auch keine Nähmaschine).
    Jetzt schreib ich doch mal was, da ich dein Kleid hier so toll finde, bzw. das Muster darauf. Ich weiß nicht, ob du das schon mal irgendwo vorgestellt hattest? Ist das gestickt, wenn ja selbst gestickt? Würde mich freuen, wenn du da was zu schreiben würdest!

    Viele Grüße!

    AntwortenLöschen