Mittwoch, 6. Juni 2018

Upcycling-Kirchenfensterkleid mit jeder Menge Schnitttetris

Ich mag Kirchenfenster. Weniger die modernen, die finde ich oft etwas trist, aber die alten, bunten, mit opulenten Glasmosaiken - die haben es mir angetan! Florale Muster oder abstrakter Kaleidoskop-Look, ich finde es toll.

Endlich fertig und zufrieden!

Nria und ich haben ja schon öfter Kleidung direkt mit dem Gedanken des Upcycelns gekauft, und eines dieser Stücke war ein Jersey-Kleid mit zauberhaftem Kirchenfenster-Muster.

Dieses Kleid hatte ein großes Problem: Es war nur einmal verfügbar. In Größe XS. Selbst, wenn ich bis an den Rand des unteren Normalgewichts abnehme, da bekomme ich meine Oberweite einfach nicht unter ... auf dem Vorher-Foto sieht man, wie sich das Kleid über der Brust spannt.
(Und weil Nria gerade schlanker ist als ich, muss sie für das Vorher-Foto modeln).

Vorher: Spannt über der Brust - Nachher: Passt!

Beim Rückenteil steht das Muster auf dem Kopf, verläuft von oben nach unten - finde ich nicht so schön, aber auch nicht tragisch.
Ein zweites deutliches Manko habe ich allerdings noch bei der Weiterverarbeitung bemerkt, dazu gleich. Erstmal mein auserwählter Schnitt:
Ich schnittschmarotze mal wieder und verwende den Schnitt Modell 4I aus der burda Easy Fashion Herbst/Winter 2014. Aus dem hat Nria sich schonmal ein schwarz-lila Sweatkleid genäht.

So viele tolle Möglichkeiten!


Ich habe beschlossen, den V-förmigen Einsatz und den Rockteil aus dem Kleid zuzuschneiden und den Rest aus schwarzem Jersey zu ergänzen.
Ich habe den Ausschnitt vom Original-Kleid verwendet, das Schnittmuster aufgelegt und dabei festgestellt: Der Ausschnitt vom Kleid sitzt nicht mittig. Sowas. Das habe ich ja noch nie erlebt!

Verkehrtrum draufgelegt für besser Sichtbarkeit: Beachtet die Abstände vom Mittelteil zu den Schulternähten!

Als nächstes habe ich die Rockteile seitlich aufgetrennt - ich mag enge Röcke nicht so gern und wollte seitlich mehr Stoff einsetzen, aus den Reststücken des Oberteils und den Ärmeln. Und dann ... habe ich festgestellt, was das für eine Puzzelei wird, wenn ich zumindest vorn das Muster halbwegs fortlaufend haben möchte. Und das Kleid flog erstmal ab in die UfO-Kiste. Für ein paar Jahre.

Im Zuge meiner diesjährigen Nähvorsätze habe ich das Kleid dort wieder rausgekramt, die neue Santiano-CD in den Player geschmissen und mit dem unfreiwilligen Patchwork angefangen.

Das seitliche Oberteil kommt an den Rock und drüber der Ärmel ...

Der Muster-Rapport ist relativ groß für so ein kleinflächiges Muster, deshalb musste ich die vom Oberteil abgetrennten Teile ein Stück nach unten verschieben und den unteren Teil abschneiden. Darüber habe ich die Ärmel angestückelt ... und weil durch die Armkugel seitlich ein Stück Stoff fehlte, wurde der unten abgeschnittene Teil wieder oben angesetzt. Kommt ihr noch mit?

... und über den Ärmel nochmal das untere Stück vom seitlichen Oberteil. Dann passts!

Jetzt stimmt vorne zumindest die Höhe des Musters, zur Seite hin fortlaufend ist es nicht ganz, weil ich möglichst viel Weite rausholen wollte.
Bei den Seiteneinsätzen ist das Muster in der vorderen Hälfte nach unten hin fortlaufend, in der hinteren Hälfte gibt es einen Bruch; schließlich ist oben der einteilige Ärmel und unten das alte Oberteil, das vorn richtig herum ist und hinten auf dem Kopf steht. Dass es auf der Vorderseite passt, was mir hier wichtiger - beim Upcycling muss man Kompromisse eingehen.

Außerdem bemerkt, was beim zu heißen Bügeln passiert. Hups!

Jetzt hat unser Bügelbrett auch ein Kirchenfenstermuster.

Fürs Oberteil habe ich dann die Schultern verschmälert, überlegt, ob ich Abnäher brauche, probehalber einen Ärmel angenäht ... und wieder abgetrennt, denn ich brauche den Abnäher. Bei all den Sweatshirts, die ich in letzter Zeit so produziert habe, gefällt es mir auch ohne (wohl dank der größeren Mehrweite), aber bei T-Shirts komm ich nicht um Abnäher drumrum.

Anprobe ohne Abnäher - mit unübersehbaren Falten

Den Rock habe ich dann (mit ein paar Fältchen, um die Mehrweite unterzubringen) unten angesteckt, wieder abgenommen, eine Hohlkreuzanpassung vorgenommen, nochmal angesteckt und festgenäht. Und noch ein Gummi eingenäht, weil es nicht schön anlag.

Hach, das Muster ... ganz große Liebe!

Die Ärmel habe ich mit dem Musterstoff eingefasst - und fertig!

Hinten wie vorne - die V-Form gefällt mir sehr.

Und das Fazit? Ich finde den Musterstoff kleinflächig viel schöner, die Motive kommen besser zur Geltung als auf dem vollflächig gemusterten Kleid. Im Nachhinein hätte mir der Rockteil in schwarz mit Muster-Einsatz auch besser gefallen - aber nach dem Gepuzzle, um den Rock so hinzubekommen, lasse ich ihn jetzt erstmal so! Vielleicht ändere ich das Kleid irgendwann nochmal, wenn ich Lust drauf bekomme.
Schnitt: Modell 4I aus burda Easy Herbst/Winter 2014, Gr. 40
Material: gekauftes Polyjersey-Kleid als Upcycling-Material, schwarzer Baumwolljersey
Änderungen: Halsausschnitt vom alten Kleid übernommen, Rockteil ebenfalls vom alten Kleid übernommen und seitlich erweitert, Schulterbreite um je 5 cm verschmälert, Hohlkreuzanpassung (unteren Rücken mittig gekürzt), Gummi in der Taille eingenäht
Nachnähpotential: Durchaus vorhanden, die Teilung des Oberteils gefällt mir sehr gut und ich finde sie vorteilhaft für meine schmalschultrige Figur. Gerne möchte ich die Modellvariante nähen, in der sich die Teilung des Oberteils auf dem Rockteil spiegelt!
Verlinkt beim MeMadeMittwoch und AfterWorkSewing.

Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Kommentare:

  1. Hübsch geworden! Mir gefällt die Wirkung des Musters auch viel besser so.

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  2. Wirklich hübsch geworden. Die unifarbenen Einsätze ergänzen das andere Stoffmuster sehr schön. LG Kuestensocke

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  3. Das hast du super gerettet! Gefällt mir auch viel besser nachher, sieht direkt viel interessanter aus das Kleid finde ich und das Muster kommt besser zur Geltung!
    Liebe Grüße
    Katharina

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  4. Wow! Da hast Du ja ziemlich gepuzzelt um die Rockweite rauszukitzeln. Und an den Stellen, wo Poly besonders unangenehm ist, ist jetzt Baumwolljersey. Perfekt.
    LG
    Martina

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