Donnerstag, 18. Februar 2021

[Gelesen] G. J. Lewis: Drachenfall / Orkenwinter (Die Kinder des Drachen-Reihe)

Eine Gruppe Abenteurer überlebt eine Drachenjagd und kommt zu Geld. Richtig, richtig viel Geld, ein enormer Drachen-Schatz eben. So viel Geld, dass es sich damit nicht mehr bequem leben lässt, wenn bekannt wird, wieviel sie haben. Jeder Gauner des Landes würde  ihnen gern dafür nachts die Kehle aufschlitzen. Sie stehen also vor der Wahl: Nehmen sie nur ein kleines Vermögen mit, einen kleinen Teil der Beute, und setzen sich in Frieden zur Ruhe - oder nehmen sie alles und bauen sich eine kleine Baronie damit auf, mit Bauern, die die Ländereien bestellt, nehmen Gardisten unter Vertrag und gestalten einen Landstrich ganz nach ihren Vorstellungen? Die (ehemaligen) Drachenlande sind aus Angst vor der Bestie leergefegt und günstig zu erstehen, solange der Tod des Drachen noch nicht bekannt ist ...

Vorab muss ich anmerken, dass ich den Autor persönlich kenne und gern habe - entsprechend wird meine Rezension dieses Buches sicher nicht völlig objektiv sein, denn natürlich wollte ich die Romane von Anfang an gern mögen (das möchte ich natürlich bei jedem Buch, für das ich Geld ausgegeben habe - aber hier natürlich noch etwas mehr). Zum Glück haben es mir die Bücher aber auch leicht gemacht!

Bis hierher hatte der Plan funktioniert. So wie sie es verstanden hatte, sollten sie nun hier abwarten bis der Drache wieder ausflog. Dann wollten sie seine Höhle auskundschaften und sich vorbereiten und wenn möglich eine tödliche Falle anlegen, um das Untier zur Strecke zu bringen. Wenn er wiederkam, würden die ganzen Kämpen auf ihn warten.
Ein Klacks.
Ein Kinderspiel.
Piet schluckte.

Das Setting ist ungewöhnlich, denn normalerweise enden Geschichten mit dem Tod der Bestie - diese fängt dort erst an. Ein Buch mit einem solchen Thema habe ich noch nie gelesen. Wer Pen&Paper spielt und sich schonmal gefragt hat, wie die Reise seiner Heldengruppe mal enden wird, dem kann ich die Romane direkt schonmal empfehlen!

Erzählt wird aus der Sicht von Peter, genannt Piet, einem der Kämpfer aus der Abenteurergruppe, den ich mir als eine Art Plänkler vorstelle. Piet ist pragmatisch, gutmütig und ideenreich, muss aber erst einmal in die neuen Aufgabenfelder hineinwachsen - als ehemaliger Seefahrer, aufgewachsen in einem kleinen Fischerdorf, hätte er sich nie träumen lassen, einmal die Verwaltung einer Baronie in die Hand zu nehmen. Die restlichen Mitglieder der Heldengruppe lernt man eher oberflächlich kennen, hier sehe ich in den Folgebänden noch Potential, diesen auch noch etwas mehr Tiefe zu verschaffen.

Die Romane sind nicht professionell lektoriert - das heißt, die Sprache ist nicht so glattgeschliffen, der Sprachstil nicht so perfektioniert, wie es mit einem Lektor erfolgt wäre (Rechtschreibung und Grammatik sind in Ordnung, hier braucht ihr keine Sorge zu haben). Gespräche werden zum Beispiel oft komplett in indirekter Sprache geführt (Piet meinte, das könne man schon so machen), was ich etwas unelegant und schade finde, vor allem, da mir die tatsächlich direkt wiedergegebenen Gespräche besonders gut gefallen:

 Piet fragte ihn nach den Versorgungsbooten.
"Joo," sagte der Alte, "die sind fertig"
"Hat es keine Schwierigkeiten mit der fürstlichen Verwaltung gegeben?" fragte Piet ihn.
"Joo," sagte der Alte, "die gab es schon."
"Worin haben die denn bestanden?" hakte Piet nach.
"Joo," sagte er, "ich darf euch keine Schiffe verkaufen. Und ich darf euch keine Schiffe bauen."

Die Obrigkeit ist in den Romanen meist der Antagonist, skrupellose, gierige Grundbesitzer, die ihre Bauern grundlos in die Leibeigenschaft zwingen. Die Helden sind dagegen die Freiheitskämpfer, die Sklaven aus dem benachbarten Imperium befreien und ihre eigene Baronie in Freiheit und Gleichheit aufbauen. Das ist mir manchmal ein wenig einseitig, ich würde mir ein paar mehr Adlige, Landbesitzer und andere hohe Herren wünschen, die ihren Job einfach gut machen und in deren Ländereien zwischen Bauern und Grundbesitzer ein faires Geben und Nehmen herrscht, einfach, weil der garstige Herrscher mit den ausgebeuteten Untergebenen so ein verbreitetes Mittelalter-Klischee ist - da tut ein bisschen Abwechslung von meiner Erachtens immer gut.

Natürlich sind die Geschichten nicht spannungsgeladen wie ein Thriller, aber dennoch nehmen sie den Leser mit und ich hatte ständig das Buch in der Hand, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.

Ich hatte Spaß beim Lesen und freue mich auf weitere Bände - wer mal etwas anderes lesen möchte als die klassische Heldenreise, den erwartet hier eine tolle Geschichte mit einer unkonventionellen Idee.

Autor: G. J. Lewis
Titel: Die Kinder des Drachen: Drachenfall / Orkenwinter
Seiten: 300 / 433
Erscheinungsjahr: 2020
Die deutsche Ausgabe ist die Originalfassung

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