Mittwoch, 7. August 2019

Jacke aus Resten - "Holly" von Schnittchen

Manchmal kaufe ich Stoffe etwas unüberlegt. Zum Beispiel Reststücke - sie sind reduziert und sie sehen so handlich und praktisch aus, da muss man doch einfach zugreifen!
Tja, man spart vielleicht Geld gegenüber dem Originalpreis, aber man sollte auch wissen, was man mit dem Stoff anfangen will ...

... vielleicht eine schicke Jacke?


Dieses Reststück Steppjersey von Lillestoff fand ich sehr verlockend. Aber ich war ziemlich ideenlos, was die Verwendung betrifft: Aus 55 cm Jersey kann man ein T-Shirt nähen, aber dafür ist der gefütterte und gesteppte Stoff nicht sehr geeignet, er ist recht dick und hat viel Stand. Er hätte einen guten Rock abgegeben, nur besitze ich bereits einen Rock aus dunkelblauem Steppjersey!
Da lag er nun, seit dem letzten April - bis mir wieder der Jackenschnitt "Holly" von Schnittchen (was für ein süßer Name!) über den Weg lief, den ich mir schon länger geistig notiert hatte. Mein Blick fiel auf den Steppjersey-Rest, ich sah, dass "Holly" auf der Schnittchen-Homepage gerade nur 2 € kostete - das muss Schicksal sein!

Die blauen Knöpfe passen gut dazu.

Erfreulich beim Schnittchen-Schnittmuster: Es gibt eine ausführliche Maßtabelle. Nicht nur Brust-Taille-Hüfte, wie bei 99% aller Schnittmusterhersteller (selbst Burda hat die Tabelle ziemlich kastriert), sondern alles Mögliche von Schulterbreite bis Taillenlänge ... super!
Nicht ganz so super: Im Schnitt ist 1 cm Nahtzugabe enthalten, aber die Info muss man sich erst aus dem Text der Anleitung rauspicken. Und da steht es zwischen Infos wie "Lege dir vorher alle Materialien zurecht" - was für Fortgeschrittene ja eher irrelevanter Text ist.
Es wäre doch nun wirklich kaum Mehraufwand gewesen, die Info auf den Schnitt zu drucken.

Die gestückelten Ärmel fallen gar nicht so sehr auf!

Der Torsoteil passte wirklich prima auf den Steppjersey - und der Oberkragen (Moment mal, ihr seht da gar keinen Kragen? Ja, das stimmt. Mehr dazu später ...) ging auch noch drauf! Als Kombipartner hatte ich einen Rest vom Mrs. Klassik-Shirt aus petrolfarbenem Sweat vorgesehen - als ich ihn aus der Sweatrestetüte nahm und ausbreitete, musste ich aber feststellen, dass er nicht lang und schmal, sondern breit und kurz war. Mist!

Als ich den Ärmel aber um 5 cm gekürzt habe, passte der Schnitt in 2 Teilen doch noch drauf. Auch für die Kragenunterseite war noch Platz, wenn auch ebenfalls gestückelt. Dafür habe ich einen Stoffrest verwertet, mehr Platz in der Sweatrestetüte und keinen neuen Stoff gekauft!



An Vlieseinlage habe ich aber nicht gespart - der Jersey ist trotz der Absteppung dehnbar, was für Kragen und Beleg kontraproduktiv wäre. Auch entlang der vorderen Mitte habe ich einen Streifen Vlieseline gebügelt, sodass die Knopfleiste verstärkt ist.

Zusätzlich zur schriftlichen Anleitung, die akkurate Zeichnungen statt Fotos enthält, gibt es auch noch eine Videoanleitung - super! Da blieben wirklich keine Fragen mehr offen.

Hinten etwas weit, aber das passt zum Collegejackenstil.

Der Schnitt ist aber eher für Breitschultrige gedacht - ich habe insgesamt satte 6 cm Schulterbreite weggenommen und finde immer noch, dass die Schulter etwas zu weit außen sitzt.

Als ich den Kragen zwischen Jacke und Beleg angenäht habe, stellte ich aber schon fest, dass ein Beleg aus dünnem Stoff sinnvoller gewesen wäre: Gerade bei den Nahtzugaben stapelten sich da wirklich viele Lagen (und dazu besteht der verwendete Stoff in einer einzigen Lage ja bereits aus mehreren Schichten).


Aus den Originalstoffen ist der Kragen schön, aus Steppjersey einfach zu dick.

Meine Nähmaschine hat das aber ganz gut hingekriegt. Leider kam mir beim Anprobieren die Erkenntnis, dass generell ein dünner Stoff für den Kragen geeigneter gewesen wäre ... es sah einfach nicht so toll aus, wie ich's mir vorgestellt hatte. Ich glaube, bei einer hüftlangen Jacke fände ich es harmonischer; bei der Kurzjacke ist es einfach too much.
Außerdem - und das ist der ausschlaggebende Punkt - ist die Kragenansatznaht durch die vielen Stofflagen wirklich dick, unflexibel und drückt unbequem im Nacken.

Das erschlägt die Jacke etwas ... lieber mit Collegekragen!
 
Aber kein Problem - der Schnitt hat auch noch eine Collegekragenversion dabei. Da spare ich mir diverse Stofflagen und es fällt auch besser.

Hellgrauen Bündchenstoff hatte ich noch rumliegen, war mal bei einem Materialpaket dabei. Beim Saum fällt er etwas labberig; ich hätte vielleicht ein breites Gummi einziehen können, um das zu verhindern. Oder ein stabileres Bündchen verwenden, aber dieses hier hatte ich nunmal da.

Immerhin war der Steppjersey sehr dankbar beim Fixieren des Belegs mit Handstichen: Durch die vielen Lagen muss man nicht aufpassen, dass der Faden auf der Außenseite unsichtbar bleibt und das war wirklich schnell gemacht!

Endlich eine Jacke, die eine gute Länge für Röcke hat!

Und endlich hatte ich mal wieder Verwendung für meine KamSnaps! In Hellgrau hätten sie prima zum Bündchen gepasst, aber das sah mir zu klassisch aus, deshalb habe ich mich für welche in Taubenblau entschieden.


Fazit: Ein günstiges und praktisches Projekt - der Schnitt war auf 2 € reduziert und ich habe ausschließlich Reste und herumliegende Dinge verwendet. Mir gefällt der collegejackenähnliche Look, gerade durch die andersfarbigen Ärmel, aber an die Ärmel muss ich mich noch gewöhnen (die Naht im hinteren Drittel statt unter der Achsel und die Stückelungsnaht ergeben Nahtzugaben an ungewohnter Stelle). Die Anleitung finde ich jedenfalls prima!

Schnitt: Jacke Holly von Schnittchen Patterns, Variante mit spitzem Kragen, Gr. 38
Material: Steppjersey von Lillestoff, Wintersweat von dresowka.pl, Bündchen, KamSnaps
Änderungen: Ärmel um 5 cm gekürzt, Schultern um 3 cm pro Seite verschmälert
Nachnähpotential: Prinzipiell finde ich den Schnitt gut. Ist allerdings recht speziell. Aber falls ich nochmal Reste in ähnlicher Größe rumfliegen habe ...

Verlinkt beim MeMadeMittwoch.

Lg
Nria

Dienstag, 6. August 2019

Larp-Festrobe Teil 5 - fertig!

Als nächstes habe ich den Saum genäht. 4 m dauern eine Weile - das habe ich nicht per Hand gemacht. Lohnt bei langen Kleidersäumen auch nicht so richtig, weil das einfach mäßig haltbar ist.
Die Länge habe ich zunächst mit Stecknadeln abgesteckt und anprobiert, denn niemand will diese Saumlänge auftrennen! War auch gut so, denn mit Schuhen und Gürtel ist das Kleid doch deutlich kürzer als barfuß und gürtellos. 

Anschließend habe ich mir die Kanten des Oberteils vorgenommen. Die Klappe habe ich mit weißem Stickgarn 6-fädig umstickt (Festonstich), damit man die Form sieht. Beim "Original" ist diese Stelle mit Schrägband eingefasst, aber ich wollte einen historischeren Look.
Den Kragen habe ich in Schwarz mit dem gleichen Stich eingefasst, beim Untertritt habe ich die beiden Lagen mit einem einfachen Vorstich fixiert. Da sieht man halt nicht viel von, wofür also viel Arbeit investieren?

Sieht doch ganz hübsch aus.

Damit es ordentlich wird, habe ich übrigens eine Hilfslinie verwendet: Mit rotem Faden habe ich füßchenbreit entlang der Kante gesteppt, mit 6 mm Stichlänge. So konnte ich mich in Länge und Breite der Stiche an der Linie orientieren - 100% gleichmäßig ist es trotzdem nicht geworden, dafür hätte ich eine spitze Nadel und mehr Sorgfalt aufwenden müssen. Aber es sieht zumindest nicht wie Kraut und Rüben aus.

So hilfreich!

Und dann konnte ich mich nicht länger vor den Ärmeln drücken. Ich habe mich letztendlich für kurze Ärmel entschieden; wenn ich lange will, kann ich immer noch Ansteckärmel nähen. Momentan bin ich da aber zu faul für und voraussichtlich ist es beim Epic Empires sowieso zu warm dafür.

Sie sind gefüttert, was das Einsetzen schwieriger macht (Wolle lässt sich sehr einfach faltenfrei einsetzen, dicht gewebter Baumwollstoff fast gar nicht), aber ich will mir die Option offenhalten, das Kleid ohne irgendwas drunter zu tragen und der Stoff ist etwas kratzig.
Aus irgendeinem Grund (zuviel Nahtzugabe gegeben? Schlampig zugeschnitten?) hatte der Ärmel auf einmal eine Menge Mehrweite, deshalb ist es jetzt ein leichter Puffärmel. Na ja, ich habe noch ausreichend Stoff übrig, um einen neuen Ärmel zu machen, wenns mich zu sehr stört.

Weil das lose Futter sich beim Anziehen sehr sträubt, habe ich das noch mit Handstichen am Kleid befestigt und dann war das Kleid auch schon (bis auf den Verschluss) fertig!

Dieses Futter rutscht nirgendwo mehr hin! Und hier sieht man endlich mal den Untertritt.

Ursprünglich hatte ich geplant, die Ärmelnähte mit Schrägband einzufassen, damit es schöner aussieht. Aber falls ich die Ärmel nochmal abtrenne, ist das mehr Arbeit und es guckt ja auch keiner rein, deshalb lasse ich es erstmal so.

Und dann ... kam der Moment, an dem ich mich nicht länger vor den Knopflöchern drücken konnte.
Lange habe ich überlegt, was für Knöpfe ich haben möchte. Die Festrobe vom "Ausbilder" meines Charakters hat flache Metallknöpfe mit sanduhrähnlichem Motiv, aber erstens sind die für mich zu groß, zweitens kriegt man die vermutlich nicht mehr zu kaufen (außer man findet durch viel Glück irgendwo noch welche) und drittens wollte ich sowieso einen weniger modernen Look.
Historische Kugelknöpfe aus Zinn hätten mir gefallen, die sind aber zu klein für meinen Einsatzzweck. Stoffknöpfe wären passend gewesen, aber ich wollte es etwas edler (und nachdem ich für ein anderes Kleid 68 Knöpfe genäht habe - und diese Zahl meine ich wörtlich, das ist KEINE Übertreibung! -, hatte ich keine Lust mehr).
Der örtliche Stoffladen hatte Kugelknöpfe mit Satinüberzug zu bieten, auf die fiel schließlich meine Wahl.

Lauter Knöpfe! Und ein Ersatzknopf.

Als erstes hieß es, die Knopflöcher aufzumalen. Dabei hat mir mein toller Maßeinteiler (findet man auch als "expanding gauge" sehr geholfen!
Die Knopflöcher habe ich nach meiner Quick&Dirty-Methode genäht: Schlitz schneiden, normales Nähgarn nehmen, einmal drumrum nähen, damit nichts ausfranst, fertig. Ist nicht schön, aber funktioniert und bei Larpkleidung bin ich manchmal faul. Sieht man halt auch kaum unter großen Knöpfen. Aber man hat dabei ja die Option, später schöne "richtige" Knopflöcher mit dickerem Garn drüberzunähen.

Es ist unmöglich, diese Robe flach hinzulegen, dafür ist sie zu 3D ...

Nach den Knopflöchern habe ich die Robe angezogen und die Knopfpositionen markiert. Das ist, wenn mans alleine macht, nicht ganz einfach ... und irgendwas ist dabei schiefgelaufen: Ich habe 9 Knopflöcher gemacht und 10 Knöpfe angenäht. Irgendwo scheine ich verrutscht zu sein und hatte dann zwei Markierungen statt einer oder so? Mal sehen, ob ich einen Knopf abtrennen kann oder alle neu annähen muss.

Viel Rock, wenig Ärmel.


Und dann war die Robe auch schon fertig - nach nicht ganz 2 Jahren Arbeit und nur ein Jahr später tragbar als geplant! Aber pünktlich zum Epic Empires, das nächste Woche startet.
Tragefotos kann ich nächste Woche machen. Ich freu mich darauf, die Robe endlich anziehen zu können!

Hier sind die bisherigen Teile des WIPs:
Teil 1: Planung (2017)
Teil 2: Planung/Neustart (2019)
Teil 3: Probeteile und Anpassungen
Teil 4: Zuschnitt und Nähen
Teil 5: Fertigstellung

Verlinkt beim Creadienstag.

Lg
Nria

Sonntag, 4. August 2019

7 Sachen 31/2019

Immer wieder sonntags: 7 Bilder von Sachen, für die wir an diesem Wochenende unsere Hände gebraucht haben. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig.


Tequila Sunrise an der Cocktailbar gemixt.


Alle Salate probiert. Musste mehrfach gehen, es haben nicht alle auf den Teller gepasst - war eine große Mitbring-Party!


Das Terrarium des Gastgebers fotografiert. Die Schnecken sind ca. 12 cm lang!


Knopflöcher markiert. Mit dem weltbesten Knopflochabstandmarkierdings.


Ein Palmenpoloshirt zugeschnitten. Ich hatte die richtige Stoffmenge bestellt, aber der Händler war offenbar großzügig oder verpeilt ... (ja, den zweiten Ärmel habe ich später auch noch aufgelegt ;) passte durch Umschichten auch noch gut rein)


Nonogramme gelöst. Ich habe im Monatsfavoriten-Video einer Youtuberin erfahren, dass es Nonogramme (die ich sonst nur in Heftform kannte) auch als App gibt. Und dafür extra einen Touchscreen-Stift gekauft. Wollte eigentlich einen simplen normalen, aber es gab nur Dackel.


Obwohl eigentlich zu warm dafür, neue Socken angezogen. Ihr könnt euch denken, warum ... :D

Mehr 7 Sachen findet ihr bei Cherry's World - 7 Sachen-Sammlung.  

Freitag, 2. August 2019

Plüschdrache Hugo (und ein Gewinner!) - BeeZeeArt "Shoulder Dragon"

Zum 1000. Mondkunst-Beitrag haben wir einen Plüschdrachen verlost - jetzt möchte ich auch ein bisschen über das Nähen berichten!

Aber erstmal ... der Gewinner!

Die künftige Besitzerin ist *trommelwirbel* Ulrike Smaating! Herzlichen Glückwunsch! :)
Wir melden uns dann bei dir wegen der Adresse.
Vielen Dank an die Antworten an alle Teilnehmer!

Und jetzt zu Hugo: Der Schnitt ist von BeeZeeArt - den Hersteller kenne ich schon von der Wichtelfledermaus. Der Schnitt "Shoulder Dragon" ist übrigens auch als Papierschnitt bei Simplicity erschienen (Nr. 8715, "Stuffed Dragons").
Mit Stofftieren habe ich schon ein bisschen Erfahrung; die aufwändigsten bisher waren der sitzende Drache und der Ohnezahn. Und ich würde den Schnitt auch eher denjenigen empfehlen, die bereits ein paar Tierchen genäht haben. Dann ist er aber super umsetzbar - die Anleitung ist klasse!
Besonders gefällt mir, dass die Beine mit der Maschine angenäht werden statt per Hand ...

Fun Fact: Eigentlich gehören auf den Kopf kleine Stacheln und auf den Rücken größere.

Nachdem ich bisher immer mit Sweat gearbeitet hatte, wollte ich diesmal richtigen Plüsch - und habe ewig gesucht (ja, auch in Offline-Läden), bis ich auf einen einzigen Anbieter gestoßen bin, der in Deutschland stofftiertaugliche Plüschstoffe anbietet, nämlich Kullaloo. Ich hätte ja vermutet, dass es da etwas mehr Auswahl an Läden gibt, aber man nimmt, was man kriegen kann ...

Immerhin die Sicherheitsaugen konnte ich vor Ort in einem tollen Laden in Osnabrück kaufen, der viel Wolle und Unmengen Knöpfe hat.

Und dann konnte ich meine ersten Erfahrungen mit dem Nähen von Plüsch machen. Okay, ich habe schon öfter Samt und Nicki verwendet, aber der Plüsch war doch noch eine Nummer flutschiger.

Hier seht ihr das flauschige grüne Bäuchlein.

Was definitiv hilft: Auf der Rückseite mit Filzstift die Außenlinien der Schnittteile aufmalen (bei hellen Stoffen einfacher als bei dunklen) - und gleich die Nahtlinie dazu! Es ist zwar füßchenbreite Nahtzugabe im Schnitt enthalten, aber bei diesem Stoff ist das Freihandnähen nicht so einfach.
Bei den paar Seiten kann man den Schnitt ja auch gut ein zweites Mal abpausen und ohne Nahtzugabe ausschneiden.

Ein Häufchen Schnitt-Teile. Ein paar Stacheln hatte ich noch vergessen zuzuschneiden.

Beim Zuschneiden hat sich eine neue, scharfe Stoffschere bewährt; mit den alten abgenutzten (die mal wieder geschliffen werden könnten) war das eher ein Krampf.

Das Nähen war an einigen Stellen ein bisschen fummelig, aber machbar. Wenn man Schwierigkeiten hat: Per Hand heften statt Stecknadeln zu benutzen! Besonders bei den Beinen ist das hilfreich.
Beim Ausstopfen von Kleinteilen wie den Hörnern sind übrigens die Holzstäbe aus dem Wendeset von Prym (bei unseren liebsten Nähhelfern als Nummer 4 zu sehen) mein bester Freund! Bestimmt gehen auch Essstäbchen.

Stäbchen helfen stopfen!

Der schwierigste Schritt war das Wenden des Körpers: Ich hatte die "tolle" Idee, die Beinchen vor dem Zusammennähen des Torsos zu wenden und auszustopfen, weil das da noch leichter geht. Allerdings ist es danach wirklich knifflig, sie im Körper unterzubringen, während der zusammengenäht wird und danach alles durch die Wendeöffnung zu quetschen - es war wie eine Geburt! Die Beine blieben immer hängen und hinterher war ich schweißgebadet ... (gut, das könnte auch am bisher heißesten Tag des Jahres gelegen haben)

Auch das Ausstopfen erfordert etwas Geduld: Dieser Drache ist nunmal lang und bis man all die Füllwatte bis in den hintersten Winkel geschoben hat ...

Diese Knopfaugen!

Eine einfachere Möglichkeit wäre es, eine Bauchseite offen zu lassen und die nach und nach per Hand zu schließen, während man gleichzeitig ausstopft.

Beim Annähen der Rückenstacheln habe ich übrigens festgestellt, dass ich Spike 1 und Spike 2 verwechselt habe, deshalb sieht mein Drache etwas anders aus als die Vorlage.

Ebenfalls eine Herausforderung war wie immer das Annähen des Kopfes per Hand (die Hörner sind auch nicht so einfach - ich war sehr dankbar für die maschinengenähten Beine ...), aber diesmal ist es mir ganz gut gelungen. Man muss sehr aufpassen, dass das Ganze symmetrisch wird!

Übrigens noch eine Warnung zu den Sicherheitsaugen: Die sind so gemacht, dass Kinder sie nicht abreißen können. Das bedeutet, dass man (also auch ein Erwachsener) sie wirklich nicht mehr unzerstört aufkriegt, sobald Oberteil und Unterteil vereinigt sind. Keine zweite Chance, falls man eine Stofflage zuviel erwischt oder das Auge falsch positioniert hat, also passt wirklich gut auf, wenn ihr sie verwendet!

Von oben sieht er ein bisschen lustig aus.

Beim nächsten Mal würde ich definitiv mehr heften und mir mehr Zeit für die Vorbereitungen lassen; diesmal war ich doch ein kleines bisschen unter Zeitdruck. Aber ich könnte mir schon vorstellen, noch mehr Schulterdrachen zu produzieren.

Schnitt: "Shoulder Dragon" von BeeZeeArt (englisch), Variante "Winged Dragon"
Material: Plüschstoff "SuperSoft" 15 mm von Kullaloo, Sicherheitsaugen in 12 mm Größe
Änderungen: Die kurzen und die langen Rückenstacheln versehentlich vertauscht ... und ich habe selbige ein wenig mit Füllwatte aufgeplustert.
Nachnähpotential: Auf jeden Fall!

Verlinkt beim Freutag. Hier kann sich ein glücklicher Gewinner freuen und wir freuen uns über ein weiteres niedliches Tierchen, das die Welt verschönert :)

Lg
Nria

Donnerstag, 1. August 2019

Fint mit der Falte - Jerseykleid aus dem Lillestoff-Magazin

Nach dem Shirt Kosmo habe ich mir das Kleid Fint aus dem Lillestoff-Magazin Nr. 2 vorgenommen.

Das war (mal wieder) ein Experiment: Locker fallende Kleidungsstücke sehen meistens nicht sehr vorteilhaft an mir aus. Aber dieses Kleid fällt nur vorne locker; außer der interessanten Falte bietet es Brust- und Rückenabnäher und sitzt außer vorn mittig eigentlich recht körpernah.

Ja, eine FBA hätte nicht geschadet, aber irgendwie mag ich das Kleid.

Also habe ich mir mal (nicht so) mutig einen billigen graumelierten Jersey geschnappt und es einfach mal drauf ankommen lassen.

Der Zuschnitt ist nicht ganz so bequem wie bei anderen Schnittmustern - es wird einlagig zugeschnitten (sonst bräuchte man eine hintere Mittelnaht, was mich persönlich ja kein Stück stört, und ggf. passen die Teile nicht gut auf einen normalbreiten Stoff). Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass mein Stoff etwas Überbreite hat und ich vermutlich doppellagig hätte zuschneiden können ... na ja, was man nicht immer so im Nachhinein merkt, nicht wahr?

Die Falte ist wirklich interessant!

Der angeschnittene Beleg des V-Ausschnitts gefällt mir: Hey, weniger Arbeit beim Zuschnitt!
Dafür hat mich die Falte Nerven ohne Ende gekostet. Ich habe sie diverse Male zugelegt, gebügelt und verwirrt wieder geöffnet ... bis ich irgendwann kapiert habe, wie es funktioniert. So sieht die Falte von hinten aus:

Der melierte Stoff ist da undankbar zu fotografieren ...


An sich ist das gar nicht so schwierig, ich stand nur auf dem Schlauch ...

Der Rest war eigentlich ganz fix genäht. Abnäher finde ich immer etwas nervig bei Jersey, aber nützt ja nichts; entweder man ärgert sich damit rum oder mit Passformmängeln.

Es hat sogar Taschen! Aber die kann man nur erahnen.

Der Halsausschnitt wird hinten mit einem nach innen geklappten Schrägband gesäumt. Ich mag die Methode und finde die Kombination mit dem Beleg beim Vorderteil interessant. Normalerweise wird ja der komplette Halsausschnitt auf die gleiche Weise gesäumt.

Was mich aber beim Lillestoff-Magazin ziemlich ärgert: Die Länge der Bündchen wird nicht angegeben, man soll selbst den Halsausschnitt messen und eine bestimmte Prozentzahl subtrahieren. Bitte was? Das ist m.M.n. der Job des Schnitterstellers. Ich habe das auch noch nie bei einem Hersteller gesehen, dass man das selbst machen muss ...

Dank Rückenabnähern und seitlicher Taillierung kein Wallewalle-Monster.

Mit der Ärmellänge habe ich etwas gehadert: Im Magazin wird das Kleid aus Sommersweat genäht, dazu passen lange Ärmel natürlich gut. Aber bei einem Kleid aus ziemlich dünnem Jersey? Aber ich wollte gern die Gesamtwirkung sehen, bevor ich ggf. einen teureren Stoff dafür zerschneide und kürzen kann man lange Ärmel im Nachhinein natürlich immer noch.

Mit Abnähern. Aber tatsächlich etwas zu eng an der Brust.


Ob ich eine Temperatur finde, zu der die Stoff-Ärmellängen-Kombi passt, ist noch fraglich, aber an sich gefällt es mir überraschend gut! Mit den langen Ärmeln ist es irgendwie harmonischer, als ich es mir mit kurzen Ärmeln vorstelle ...
Und an sich mag ich den Schnitt. Dadurch, dass das übrige Kleid eher figurbetont sitzt, macht die Falte nicht so einen Walle-Walle-Effekt, der aus meiner Figur ein Tönnchen zaubert. Mit Baucheinziehen sieht es trotzdem schöner aus, aber hey, ich arbeite dran ...

Eigentlich nur ein Probeteil, aber ich glaube, "Fint" darf in meinen Kleiderschrank einziehen!

Schnitt: Kleid "Fint" aus dem Lillestoff-Magazin 2/18, Gr. 38
Material: Leichter Baumwoll-Singlejersey
Änderungen: Ärmel gekürzt
Nachnähpotential: An sich vorhanden - aber ob ich mehrere dieser doch recht speziellen Kleider brauche?

Verlinkt bei Du für dich am Donnerstag.

Lg
Nria

Dienstag, 30. Juli 2019

Larp-Festrobe Teil 4

Nach einer kleinen Urlaubspause gings weiter! Das Epic Empires rückt näher, die Frequenz der Beiträge dazu steigt ...

Ein Probeteil müsst ihr euch noch angucken, das ist aber das letzte, versprochen! Ich habe nämlich mit dem richtigen Kleid angefangen.

Hier habe ich eine Klappe drangebastelt und die Ärmel. Was man vermutlich nicht erkennt auf dem Foto: Ich habe auf einer Seite den Armausschnitt unten etwas verkleinert und vorn/hinten weiter nach "innen" gezogen, für mehr Beweglichkeit. Der Ausschnitt soll so dicht wie möglich am Arm sitzen, aber gleichzeitig freie Bewegung in alle Richtungen ermöglichen. Dann musste ich für das neue Armloch einen neuen Ärmel konstruieren, aber immerhin wusste ich ja jetzt, wie das geht.

Die Ärmelunterschiede sind auf dem Foto leider kaum sichtbar, live sieht man es schon.

Diesmal war ich clever und habe die Kante mit schwarzem Filzstift angemalt, damit man sie auf dem Foto erkennt!
Anschließend habe ich noch den Halsausschnitt ein bisschen tiefer gesetzt (sonst drückt der Stoff etwas am Hals) und die Klappe verkürzt, die geht jetzt nur noch bis zur Taille. Ich habe mich nämlich die ganze Zeit gefragt, warum die Proportionen so komisch aussehen. Die Lösung: Die Klappe war einfach zu lang!

Und dann ... hier Trommelwirbel einfügen ... konnte ich endlich zuschneiden!
Wurde auch Zeit. Die Unmengen an Wollstoff, die hier rumliegen, versauen meine Stoffstatistik.

Der Zuschnitt ist mein ungeliebtester Teil beim Nähen. Erst muss man den ganzen Stoff ordentlich ausbreiten. Dann die Teile auflegen - hier war das ziemlich aufwändig, weil meine korrigierten Teile nicht in voller Länge abgepaust waren und ich sie passend auf die Original-Schnittteile auflegen musste. Danach sauber zuschneiden, und die ganze Zeit krabbelt man auf dem Boden rum! Echt anstrengend, aber vermutlich wäre jeder Zuschneidetisch zu klein gewesen für die Stoffmenge.

Hier sieht man, wie die Schnittteile "gestapelt" sind. Alte Scheren sind übrigens fantastische Stoffgewichte.

Ich habe 3,70 m Stoff gebraucht - ohne die Klappe wäre ich mit 3,20 m ausgekommen, weil ich deshalb das vordere Mittelteil nicht platzsparend auflegen konnte.
Der Originalschnitt verlangt 4,35 m Stoff und ich wäre ohne Klappe und mit kurzen Ärmeln mit 2,80 m ausgekommen, selbst mit ungekürzten Teilen - also lieber vorm Stoffkauf mal ausprobieren, wieviel Stoff man wirklich braucht, gerade, wenn es eine große Menge ist!

Vorm Wegpacken der Schnittteile habe ich übrigens die Gelegenheit genutzt und die restliche Länge drankopiert, damit ich die doppelte Auflege-Arbeit kein zweites Mal habe, falls ich den Schnitt nochmal nähen will.

Die Klappe habe ich nur an einem mittleren Vorderteil angeschnitten, beim anderen habe ich einen großzügigen Untertritt gelassen. Oben ist das nicht notwendig, aber am Bauch konnte man beim Klappenansatz reingucken, wie mir das Probeteil gezeigt hat.

Die Klappe erkennt man noch fast gar nicht auf dem dunklen Stoff.


Dann hieß es, lange Stoffbahnen nähen und versäubern. Die umgekehrte Reihenfolge wäre einfacher gewesen, weil ich die Kanten einzeln versäubern wollte statt zusammen (damit es nicht so aufträgt), aber das fällt einem natürlich immer erst hinterher ein.

Ärmel und der obere Teil des Kleides werden gefüttert, damit ich kein Unterkleid druntertragen muss (und weil die Klappe sowieso gefüttert werden muss). Dafür habe ich einen dunkelgrauen Stoff aus dem Schrank verwendet. Eigentlich wollte ich schwarzes Leinen nehmen, das ich noch dahatte, aber bei genauerem Blick oder eher Fühlen war es mir für ein Futter zu kratzig.

Minifutter.


Das Futter habe ich dann mit der Klappe auf der einen Seite und dem Untertritt auf der anderen Seite verstürzt und am Halsausschnitt dazwischen den Stehkragen angenäht (das ist einfach nur ein gerader Streifen, der an den Enden etwas nach unten gebogen ist).
Hmm, vielleicht mache ich auf Dauer mal eine Stehkragen-Anleitung ...

Die Klappe ist erstmal mit großen Stichen geheftet; dann hat man beim Sticken keine pieksigen Stecknadeln drin.

Und dann ... konnte ich schonmal anprobieren! Einmal mit, einmal ohne Gürtel. Der ist übrigens wichtig - denn durch den Gürtel wird der Stoff etwas nach oben gezogen, das muss man bei der Saumlänge berücksichtigen.

Ohne Ärmel siehts eigentlich auch schon gut aus.

Was fehlt jetzt noch?
  • der Saum. Das ist immerhin nicht kompliziert, nur ein bisschen Fleißarbeit.
  • die Stickerei um die Klappe herum
  • Knöpfe und Knopflöcher (ich habe im örtlichen Stoffladen schon tolle schwarze Kugelknöpfe gesichtet!)
  • Ärmel. Seufz. Ich bin noch nicht sicher, wie ich das letztendlich mache ... ein ärmelloses Kleid mit separaten Ärmeln zum Annesteln oder ein Kleid mit kurzen Ärmeln und langen Ärmeln zum Dranstecken. Die Ärmelpassform stellt mich jedenfalls noch nicht zufrieden. Schlimmstenfalls säume ich die Armausschnitte auf eine beliebige Weise, trage eine Tunika drunter und verschiebe das Problem auf später.

Hier sind die anderen Teile des WIPs:
Teil 1: Planung (2017)
Teil 2: Planung/Neustart (2019)
Teil 3: Probeteile und Anpassungen
Teil 4: Zuschnitt und Nähen
Teil 5: Fertigstellung
Lg
Nria

Sonntag, 28. Juli 2019

7 Sachen 30/2019

Immer wieder sonntags: 7 Bilder von Sachen, für die wir an diesem Wochenende unsere Hände gebraucht haben. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig.


Das Sinnvollste getan, was man bei an die 40° so tun kann.


Schnittmuster vom Shirt abgenommen. Bei simplen Schnitten mache ich das so: Drumrummalen (bei den Armausschnitten muss man etwas zuppeln), halb ausschneiden, zusammenfalten und die Mittellinie der beiden abgemalten Linien der rechten und linken Hälfte übernehmen.


Kanadische Mikados probiert. Gibt es in vielen fancy Sorten.


Zum ersten Mal Ramen gegessen. 


Tolle Leuchtwürfel aufgeladen - mit UV-Taschenlampen gehts am besten.


Durch einen verstrahlten Reaktorraum gekrabbelt. Bzw. die Figürchen durch einen hindurchgeschoben.


Einen Schnitt ausgedruckt und zusammengeklebt.

Mehr 7 Sachen findet ihr bei Cherry's World - 7 Sachen-Sammlung.