Dienstag, 8. August 2017

Im Zeichen des Kelchs - Pilgerlager-Pelerine

Ich gebe es zu: Pelerinen nähe ich im Dutzend billiger. Sie eignen sich oft gut zum Aufbrauchen von Wollstoffresten (besonders für so kleine und schmalschultrige Personen wie mich), lassen sich schnell und mit vielfältigen Verzierungen nähen, sehen schick aus und werten jedes Larp-Outfit ganz fix auf, wobei sie unheimlich wandelbar sind und zu allen möglichen Kombinationen passen!

Nebenbei wärmen sie den Hals. Da frierts mich öfter.

Dass ich einen ganzen Stapel davon im Schrank habe, dürfte also keinen wundern. Und trotzdem brauchte ich noch eine neue.

Schöne leuchtende Farben!


Für meinen Charakter Olena habe ich eigentlich eine weiße Pelerine. Die passt auch prima dazu, nur sieht meine gesamte Gewandung eher nach dem Lichtlager aus als nach dem Pilgerlager ...
Für bessere Erkennbarkeit und mehr Farbe nähe ich also fürs diesjährige Epic Empires eine Pelerine mit Farben und Wappen des Pilgerlagers (bzw. der Heiligen Clara): Blau mit gelbem Kelch.

Auf dem Stoffmarkt habe ich einen wundervollen blauen Wollstoff gefunden, dünn und fest. Also fix mein Standard-Pelerinen-Schnittmuster aufgelegt, zugeschnitten und dann gleich Frust geschoben: Für die Applikation konnte ich nämlich nirgendwo mehr auch nur das kleinste Fitzelchen gelben Wollstoff finden. Und ich wollte so unbedingt Wollstoff!

Leinen und Baumwolle war reichlich vorhanden. Für ein winziges Stückchen extra Stoff zu kaufen wäre albern gewesen, also habe ich mich schließlich schweren Herzens umentschieden und doch Leinen verwendet.
Damit der dunkle Stoff nicht durch den hellen durchscheint, habe ich zwei Lagen Vlieseline aufgebügelt. Dummerweise ging das offenbar zulasten der Haltbarkeit (oder die Vlieseline war generell blöd); jedenfalls löste sie sich trotz Auskühlens fröhlich wieder ab, sodass ich das Ganze erstmal mit einer dünnen Zickzacklinie umrandet und dann erst ausgeschnitten habe. Immerhin kann man auf Vlieseline sehr gut Umrisse aufmalen.
Leider werden bei diesem Verfahren gerne die Ecken etwas unscharf; das wäre bei Wollstoff viel schöner und einfacher gewesen.

Meine Kamera mochte das knallige Gelb nicht.

Anschließend habe ich das Motiv mit einigen Streifen Stylefix auf der Rückseite versehen und einfach aufgeklebt. Das mache ich gerne bei filigranen Applikationen - wenn ich das mit Stecknadeln feststecke, verzieht es sich sehr schnell, wird schief und wellig. Dann lieber gleich festkleben.

Nach dem Aufnähen habe ich eine schwarze Umrandung mit Sticktwist hinzugefügt, mit einfachen Rückstichen. Erstens werden dadurch optisch die Kanten ein wenig geglättet (Leinen franst ja gerne wie blöd; auch wenn man es noch so gut versäubert, stehen Fädchen ab), zweitens gibt das einen schöneren Kontrast, wirkt plastischer und drittens wollte ich noch einige Details aufsticken - wenn dann schon eine schwarze Umrandung vorhanden ist, fügen sich die Details viel harmonischer ein.
Ich kann's nur empfehlen - das Motiv wirkt fast dreidimensional und springt einem richtig entgegen!

Beim Handsticken habe ich auch gleich festgestellt, dass ich beim Stylefix hätte vorausdenken sollen: Das schmale Klebeband ist eine super Hilfe, aber es hat einen großen Nachteil, es verklebt die Nadeln. Egal, ob Maschinen- oder Handnähnadel, das wird eine siffige Angelegenheit und man muss die Nadel dann ständig reinigen.
Ergo: Mit etwas Planung kann man das vermeiden, indem man das Klebeband nur dort aufklebt, wo man nicht mit der Nadel hinmuss. Weil ich nur an ein paar Stellen Details aufgestickt habe, hätte das auch gut funktionieren können. Zu spät, musste so gehen, ging auch so.

Hübsche Schnörkelknöpfe!

Beim Kragen habe ich einen Fehler gemacht: Ich nehme seit Langem meinen Standardschnitt für Pelerinen dieser Art, aber irgendwie schien mir die vordere Kragenecke zu steil, die habe ich abgeflacht. Schon dämlich, schließlich habe ich diesen Schnitt schon zigmal genäht und eigentlich längst perfektioniert ...

Jedenfalls habe ich alles mit dem Futter verstürzt, zusammengenäht, den Kragen innen per Hand festgenäht, alles gebügelt und mit passendem Stickgarn und Vorstich einmal ringsherum die Kante mit kleinen Stichen entlanggenäht, weil sich der Übergang von Wollstoff zum Futter zu sehr wölbte, trotz ausgiebigen Bügelns. Vielleicht hätte es stattdessen geholfen, mit Dampf zu bügeln, aber das hasse ich.

Kleine messingfarbene Knöpfe hatte ich noch im Schrank - die hier haben ein Schnörkelmuster, das gut zur Applikation passt. So richtig perfekt sind sie nicht, aus Plastik und nicht so schön gewölbt wie manch andere, aber extra welche kaufen wollte ich auch nicht, wo ich doch Unmengen von Knöpfen vorrätig habe.
Was ich dazukaufen musste, war blaue Kordel für die Schlaufen, denn davon hatte ich nichts mehr und ich wollte da keine Kompromisse eingehen, weil die übrige Farbgebung der Pelerine schon so harmonisch war.

Kleine Innenverschönerung.


Und dann war die Pelerine fertig. Und ich war unheimlich unzufrieden mit dem Kragen.
Die Kragenecke vorne war nicht schön, weil zu flach (wie gesagt, eigentlich war sie ja vor der Änderung perfekt). Ein Ende des Kragens zog sich immer nach unten, weil da das Futterannähen nicht richtig geklappt hat. An einer Ecke guckte immer noch die Vlieseinlage raus. Einfach alles blöd.

Weil ich lieber eine halbe Stunde Zusatzarbeit in Kauf nehme als mich jahrelang zu ärgern, habe ich den Kragen kurzerhand abgetrennt, erleichtert in den Müll befördert und einen neuen zugeschnitten, diesmal genau nach Schnitt - hat sich gelohnt, ich bin viel zufriedener!

Und wo ich gerade mit Perfektionismus beschäftigt war, habe ich auch noch an anderen Baustellen gearbeitet: Wenn ich die Knopfschlaufen nicht in der Futternaht mitfasse (was ich so ungefähr in 9 von 10 Fällen vergesse), sind die überstehenden Enden innen sichtbar, fransen aus und sehen blöd aus. Kann man aber schön unter einem weiteren Streifen Futterstoff verstecken, einfach alle Kanten nach innen einschlagen, umbügeln und per Hand annähen. Schwupps, siehts von innen viel schöner aus!

Schwupps, ist die Kragenansatznaht weg!


Zum Schluss habe ich noch ein Schrägband aus dem blauen Leinen hergestellt und ebenfalls per Hand über die Kragenansatz genäht. Das Leinen war nämlich etwas kratzig an den Kanten. Und natürlich sieht eine versteckte Naht besser aus als eine offene, wenn auch versäubert.

Jetzt ist alles fertig und perfektioniert und ich bin äußerst zufrieden mit meiner neuen Gugel! Zum Glück habe ich schon ganz bald die Gelegenheit, sie auszuführen, sogar zu zwei Gelegenheiten im August! Gleich gehts auf zum Epic Empires :)

Verlinkt bei Handmade on Tuesday und Creadienstag.

Lg
Nria

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