Donnerstag, 15. Mai 2014

[Anleitung] Hochzeitsgeschenk "Kleiderständer mit Mini-Brautkleid"

Zu Hochzeiten schenke ich immer Geld. In den meisten Gegenden ist das so üblich, dass etwas anderes wohl schon als unhöflich empfunden würde, weil das Brautpaar die Geldgeschenke zur Finanzierung der Feier einplant ... wichtig ist mir aber immer, dass das Geldgeschenk toll aussieht!


Als Basis dient hier ein Schmuckständer. Ich liebe die Dinger als kleine Zugabe zu Geldgeschenken - die meisten Frauen freuen sich drüber, sie sehen dekorativ aus, ohne unnütze Stehrumchen zu sein, und wer keinen Schmuck besitzt, kann auch Schlüssel, Werkzeug oder sonstige Dinge dran aufhängen.
[Wer keinen Schmuckständer dazu schenken möchte, kann sich natürlich auch fix aus Holzbrettchen und ein paar Haken selbst eine "Garderobe" basteln.]

Da ich die Braut nicht persönlich kenne, habe ich mich für ein schlichtes Model in Kleiderständer-Optik entschieden (gibt es momentan bei Nanu-Nana).

Erstmal gab es Kleiderbügel! Dafür folgt nun eine grandiose ...

Mini-Kleiderbügel-Anleitung:


Zunächst den Draht zwirbeln für mehr Stabilität, dafür eine Schlaufe formen und das Ende mit einer Zange festhalten ...


... und am Ende der Schlaufe drehen. Besser als mit dem Finger geht das, wenn man einen Stift durchs die Schlaufe steckt und diesen dreht. Da es sich kurz über der Zange am stärksten zwirbelt, habe ich sie immer ein Stück höher angesetzt, wenn ich die unteren Zentimeter genug gezwirbelt fand, damits schneller geht.


Voilá: Zwirbeldraht.


Jetzt noch den Nippel durch die Lasche ziehen ...


... einen Haken formen und das Ende abschneiden.

Damit die Kleiderbügel nicht so traurig nackig herumhängen müssen, wird jetzt Kleidung aus der Knete gemacht.

Folgende Geldschein-Falt-Anleitungen fand ich gut:

Geld-Jacke falten
Geld-Hemd mit Kragen falten
Geldschein-Krawatte falten


Dem geneigten Betrachter wird auffallen, dass da noch gar kein Geld hängt - das Brautpaar ist schweizerisch, und wir hatten noch keine Franken geholt. Daher habe ich erstmal mit geldscheingroßen Papierstücken geübt.

Dazu gibt's als Hingucker jetzt noch ein kleines Brautkleidchen!

Mini-Brautkleid-Anleitung:


Dazu habe ich verwendet:
Ein Stückchen Wollstoff (es ginge auch ein anderer fester Stoff), ein Stückchen und ein langer Streifen Chiffon (oder Tüll, oder Spitze, oder Gardine ...), ein Stückchen Stoff fürs Futter (nicht zu dünn, ich habe einen Rest Taft genommen, es ginge auch dünne Baumwolle), und Draht.


Der Entwurf in Originalgröße: Eine kleine Corsage mit weitem Chiffonrock. Die Träger müssen dran, damit das Kleidchen an einem der Bügel hängen kann. Die Corsage habe ich gleich ausgeschnitten und als Schablone verwendet.


Von links nach rechts:
Vorlage - Schnitt aus Wollstoff (seitlich und unten Nahtzugabe), Schnitt aus festem Futter (wie Wollstückchen), Schnitt aus Chiffon (wie Wollstückchen, plus Nahtzugabe oben). Das ergibt eine Vorder- oder Rückseite der Corsage, also braucht man alles 2x.


Als erstes die Oberkante für Faule:
Wollstoff hinlegen, Futterstoff drauf, und die Nahtzugabe vom Chiffon an der Oberkante. Festnähen, Chiffon über die Wollkante nach außen klappen.


 4 Nähte V-förmig absteppen und Vorder- und Rückenteil zusammen nähen.


Nochmal einen Draht zwirben, 4 Stückchen abschneiden und jeweils zwischen zwei Nähte schieben. Unten muss ein Stückchen frei bleiben, dann einmal unten quer über die gesamte Länge nähen, damit die Drahtstückchen nicht rausrutschen können.


Die andere Seite zusammennähen. Ich musste von außen drübersteppen, weil meine kleine Corsage zu klein zum Wenden wurde. Macht nichts. Dank der Drahteinlagen kann man nun das Vorderteil in Form biegen und eine Brustpartie ausformen (ggfs. eine Zange zu Hilfe nehmen).


Jetzt einen langen Chiffonstreifen abschneiden (meiner ist 1m lang) und längs doppelt legen. Die Unterkante ist bei mir die Webkante des Stoffes, so muss ich nicht säumen. Eine andere faule Methode wäre, die Unterkante mit einer Zickzackschere abzuschneiden, ich habe leider keine hier.


Die Oberkante heften ...


 ... und raffen.


Jetzt mit ein paar Handstichen an der Corsage befestigen.


 Träger dran, kleines Bändchen um die Taille, um die ungesäumte Oberkante des Röckchens zu verdecken - fertig ist die Mini-Braut!


 Frankenhemden, Kleiderbügel und Brautkleid, innig vereint.

Für den Transport bekommt das Gesamtkunstwerk noch ein Cellophan-Mäntelchen und dann gehts los zum Feiern ... ich freu mich drauf!

Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Dienstag, 13. Mai 2014

Rock'n'Red

In meinem Stoffschrank lag seit längerer Zeit ein roter, querelastischer Stoff. Material? Keine Ahnung. Menge? Viel. Meine Schwester behauptet, sie hätte den mal für eine Bluse gekauft, aber für welche Bluse braucht man denn bitte 5 m?!
Gut, dafür liegt er nur 1,35 m breit ... und wartete auf seinen Einsatz.

Ja, er ist weiiit! :D


Jedenfalls habe ich auf einem Stoffmarkt dünnen Jeansstoff für den bequemsten Rock der Welt gekauft. Nur hat der Rock einen Gummizug und wird oben stark gerafft, weswegen Zweifel geäußert wurden, ob das aus Jeans nicht furchtbar aufträgt (konzipiert ist der Schnitt für dünne Baumwollstoffe).

Welcher Schnitt es ist? Der letzte aus der "Meine Nähmode" 02/2014, und der entspricht Simplicity 2224 (nur die Röcke).

Der rote Stoff ist ziemlich dünn und deuchte mir daher geeignet. Also nix wie abgepaust (die kurze Version übrigens) und 1,30 m des Stoffs verbraucht. Immer noch gefühlt 100 m übrig, aber es ist ein Anfang!

Genäht war der Rock ziemlich schnell und einfach, auch wenn eine nicht unwesentliche Markierung fehlte - nämlich, auf welcher Höhe die Tasche aufgesetzt werden soll ... das hab ich dann pi mal Daumen gemacht.

 Die Taschen haben eine Kellerfalte. Und sind mit Zierstich abgesteppt, damits nicht ganz so langweilig aussieht. Und tragen fürchterlich auf, aber bei der Bundweite ist in dem Punkt sowieso Hopfen und Malz verloren :D

Steht ein bisschen ab - vielleicht mach ich nen Druckknopf rein?

Innen war ich zu faul zum Versäubern und habe stattdessen alle Kanten mit der Zickzackschere abgeschnitten. Und den Bund nach dem Umschlagen im Nahtschatten festgenäht. Fast ganz ordentliche Verarbeitung also :)

Sobald ich irgendwo eine dunkelrote Kordel auftreiben kann, wird die weiße noch ersetzt, aber bisher konnte ich tatsächlich keine finden ...

Aber bis zum Sommer klappt das bestimmt :)

Lg
Stefanie

Sonntag, 11. Mai 2014

7 Sachen [82]

 Immer wieder sonntags ... 7 Bilder von Sachen, für die wir an diesem Tag Wochenende unsere Hände gebraucht haben. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig.


Versucht, einen französischen Zopf den Kopf hoch zu flechten, für diese coole Dutt-Frisur. Hat nicht gut geklappt. ;)


Badesalz ins Wasser gepulvert - roch nach Zitrusfrucht und Kokos, war blau und ich hatte ein bisschen das Gefühl, in einem Swimmingpool-Cocktail zu baden.


Winzige Draht-Kleiderbügel gebastelt für ein Hochzeitsgeschenk.


Den Tisch hübsch gemacht für die Mama.


Muttertagskuchen angeschnitten. Den hat meine Schwester gebacken, ist er nicht toll geworden?


Rüstung ausgepackt. Die gehört dem Liebsten und er ist ganz verliebt in sie!


Stoff sortiert. Ich weiß noch nicht, was ich aus diesem entzückenden Bötchenstoff vom letzten Stoffmarkt mache, aber es wird bestimmt was Tolles!

Eine Sammlung von 7-Sachen-Blogeinträgen von heute findet ihr bei Grinsestern!    

Donnerstag, 8. Mai 2014

Yoho, Yoho, Piraten haben ... schöne Klamotten! [Bilderflut]

Noch einer meiner Larp-Charaktere, mit dem schönen (laut Internet friesischen) Namen Pöpke.
Die tollen Fotos (danke an Jochen Eyer!) wollte ich schon länger zeigen, aber irgendwie habe ich es immer vergessen ...

Pöpke stammt von einer Insel im Norden Danglars, etwas norddeutsch angelehnt und das soll ihre Kleidung widerspiegeln. Also: Rotweißblau (ich liebe diese Farbkombi sowieso), braune/naturfarbene Elemente, damits weniger künstlich wirkt, maritime Elemente.

Pöpke 1.0 sah so aus:

In der dänischen Nordsee! Ach ja, normalerweise trage ich Schuhe ;)
Unten: Zwei Leinenröcke - einer grau, einer hellblau-weiß gestreift und kürzer, beide sind oben sehr weit und haben einen Tunnelzug.
Oben: Eine kurze weiße Tunika (hier von Takko, ich hab auch eine selbstgenähte) und eine blaue, ungefütterte Leinenweste nach irgendeinem Internet-Schnitt.
Das alles trägt schon ziemlich auf und sitzt auch nicht gerade toll.

Accessoires: Roter Wickelgürtel und Kopftuch, Muschelkette von Bijoux Brigitte und ein toller Schlapphut aus brauner Wolle. Der hat ein Hutband aus schmaler blauweißer brettchengewebter Borte und dieses Patch:

Ja, das sind alles Kreuzstiche ...


Ich habe ein altes Kreuzstichbuch, da waren auch Schiffvorlagen drin. Dacht ich mir so, stick ich doch eins. Auf feinem Leinen. In Kreuzstich. Über 1x1 Faden. Finde den Fehler :D

Na gut, ein Fehler wars nicht unbedingt, aber schon eine Arbeit für jemanden, der Vater und Mutter totgeschlagen hat (hab ich nicht, ehrlich!). Nachdem ich Stunden allein für die paar untersten Reihen des Schiffsrumpfes gebraucht habe, hab ich das Ganze aber auch fertiggemacht, damit ich nicht umsonst diese Fummelarbeit gemacht habe. Und am Hut sieht es doch prima aus! Ein paar Handstiche, fertig.

Die restliche Klamotte hat aber eine Rundumerneuerung bekommen.

Meine Veränderungen:
  • Die Röcke habe ich oben enger gemacht, indem ich Abnäher rundherumgesetzt habe. Dadurch knubbelt sich weniger Stoff an der Hüfte.
  • Die Tunika habe ich neu gemacht, mit bestickten Ärmelaufschlägen, die aufknöpfbar sind, damit man sie besser hochkrempeln kann.
  • Die Weste wurde ebenfalls neu gemacht, diesmal mit richtigem Schnitt, Futter und rundherum bestickt.
  •  Eine Pelerine habe ich gewichtelt bekommen, die musste ich nicht selbermachen! :D
So sieht das Ergebnis aus:

Diesmal Ruhr statt Nordsee. Aber mit Bonus-Enten!


 Wirkt doch schon viel ordentlicher und einfach detailreicher! Aber zum Vergleich brauchts auch ein Gesamtbild:


Ohne Enten, dafür mit Bonus-Pusteblume.

Der Hüftbereich der Röcke ist viel schmaler geworden und liegt jetzt schön glatt an.
Die Weste habe ich nach einem burda-Karnevalsschnitt genäht (Mieder 140 aus der Ausgabe 1/2013), aus royalblauem feinem Baumwollstoff (der lag noch so im Schrank rum) und weißem Leinenfutter. Eiiigentlich gefiel mir der alte Westenstoff einen Tick besser, der war etwas dunkler, weniger knallig und gröber strukturiert, aber davon hatte ich nunmal nichts mehr und außerdem ist sowieso schon viel Leinen im Outfit, da tut ein bisschen Abwechslung auch ganz gut.
Eigentlich hätte ich sie kürzen müssen. Dazu war ich zu faul, deshalb wirft die Weste im Taillenbereich Falten. Merkt aber keiner, weil ich immer den Gürtel drübertrage. Ha!

Die Kanten sind komplett mit Schlingstich umstickt. Sieht man nur von etwas näher ran, aber gibt schön Struktur und Detail. Davon habe ich nur ein WIP-Bild:


Ich hatte zufällig farblich 100% passenden Faden da!

Mein Lieblingsteil ist natürlich die Tunika.  Die ist aus Stretchleinen, weil man das etwas enger machen kann (das ist von Vorteil, wenn man immer eine Weste drüberträgt - weniger Stoff, der unangenehme Falten bilden kann!). Die Manschetten sind aus einem anderen Leinen, weil sie mit Kreuzstich bestickt sind.

Die Vorlage ist wieder aus "Here be Wyverns" von Nancy Spies (daraus - oder aus dem Folgeband? - war auch die Tischläufer-Vorlage). Die hier kaum sichtbaren Schattierungen hab ich selbst dazugemalt, im Buch gabs nur die Umrisse. Und der Drache hatte eigentlich vier Füße, die hab ich amputiert und durch einen formschönen Fischschwanz ersetzt :D

An der Stickerei habe ich ca. 20-25 Stunden gearbeitet. Kommt mir im Vergleich zum Tischläufer jetzt gar nicht mehr viel vor ...

Meerdrache und Nixerich - links fehlt noch ein dunklerer Blauton.




Die Farben wurden etwas mit Grün aufgelockert, damit das Farbschema der Kleidung ein bisschen aufgebrochen wird. Passt außerdem zum Motiv.
Die Manschetten habe ich mit dem blauen Westenstoff gefüttert, damit die Fäden innen nicht sichtbar sind, zur Stabilisierung, um sichtbare Verschmutzung zu vermeiden und damit man das Ganze hochklappen kann - dafür gibt es Knöpfe, in schicker Muschelform:

Hier erkennt man etwas die unterschiedlichen Stoffe.

 Auf diesem Bild hatte ich den letzten Knopf noch nicht angenäht, damit der beim Annähen der (kammgewebten) Borte nicht im Weg ist. Die hat mir meine Schwester gemacht (danke!), um den Unterschied zwischen Manschetten- und Tunikastoff zu kaschieren. Diesen Zweck erfüllt die Borte auch wirklich gut und zusätzlich ist sie ein weiteres schönes Detail :)

Sogar fast gleichmäßig!

 An den Schultern habe ich seitlich ein paar "Strahlen" mit Kettstich aufgestickt. Die Idee kam mir, als ich über Trachtenkostüme nachdachte - irgendwie schien es mir passend, um das Outfit traditioneller und weniger "kostümig" wirken zu lassen (da hilft Kreuzstich auch). Außerdem wirkt dann der Oberarm-/Schulterbereich weniger leer.

Und wo ich grad dabei war, habe ich auch noch den Halsausschnitt mit Kettstich umrandet:

Der Rand ist mit weißem Zierstich abgesteppt, sieht aber keiner.

 Das Gesamtoutfit sah dann schon gut aus, aber die Rockregion erschien mir etwas schlicht. Also habe ich mir nochmal den grauen Unterrock vorgenommen und drei Reihen rote Stiche ringsrum gesetzt:

Die Farbkombi finde ich sehr reizvoll!

 Hat einen sehr schönen Effekt, finde ich. Relativ subtil, aber lockert die Fläche auf.

Und wenns kalt wird, habe ich noch eine Wolljacke im gleichen Farbschema. Die ist sogar quasi fast authentisch historisch-friesisch :D


Die rotweißen Muster sind mit Maschinenzickzackstich aufgenäht - psst! ;)

 Zur Abrundung des Ganzen und für einen warmen Halsbereich habe ich dann noch eine Pelerine gewichtelt bekommen, die eine neue Farbnuance reinbringt, die ich aber sehr harmonisch finde. Außerdem auf dem Bild zu sehen: Pöpkes Säbel und die schöne Woll-Muschel-Schwertscheide, die ebenfalls meiner Schwester für mich gemacht hat - beides! :D

Bewaffnet und gefährlich!

Geschafft! Pöpke habe ich auf dem letzten Epic Empires ausgeführt und kam mir gut angezogen vor :D

Lg
Nria

Sonntag, 4. Mai 2014

Von den 80ern ins Mittelalter

Mein geliebtes Woll-Deel (Was ist ein Deel?) hat ein tragisches Schicksal erlitten: Als es in der Waschmaschine lag, zusammen mit anderen Woll-Teilen, hat meine Mutter versehentlich das 60°-Programm eingestellt. Tja, einer hypothetischen 12jährigen Schwester würde es jetzt noch passen ...
Ich hatte vor, es zu vergrößern mit Besätzen, das ist aber viel Aufwand. Als ich mich aufgerafft habe, war es noch eine Woche Zeit bis zum nächsten Larp, wo ich es brauchte (Anfang Mai kann es doch noch sehr frisch werden ...), daher hatte ich schon vorsichtshalber ein paar Meter Wolle für ein Ersatz-Deel gekauft, als mir folgendes gute Stück einfiel:


Diesen aussortierten Wollmantel (Fledermausärmel, Schulterpolster - ich schätze, aus den 80ern oder frühen 90ern) hat mir meine Schwiegermutter in spe mal geschenkt - nicht zum Tragen (wie sie mehrfach betont hat), sondern als Rohstoff zum Nähen. Ich hatte freudig angenommen und im Geiste schon ein paar Gugeln daraus entstehen sehen, aber stattdessen möchte ich jetzt probieren, ihn zum Deel umzuarbeiten. Also, los gehts!

Liegend in seiner ganzen Pracht - Vorderseite
Die Problemstellen: Die Eingrifftaschen müssen weg, und die doppelte Knopfreihe, außerdem der Kragen. Die Dopplung auf der Vorderseite für die doppelte Knopfreihe bietet genügend Stoff, um den asymmetrischen Deel-Schnitt herzustellen. Wie gut, dass sich die Schwiegermutter nicht für einen Einreiher entschieden hatte, damals beim Kauf!

Liegend - Rückseite
Auch auf der Rückseite gibt es eine Knopfleiste, hier sind es aber nur Zierknöpfe ohne Knopflöcher. Die müssen weichen, außerdem muss der Rücken verschmälert werden.
Ach ja - das Polyesterfutter inklusive Schulterpolstern muss auch raus.


Das Futter hat sich glücklicherweise als stabil und die Futternaht als unstabil genug herausgestellt, um das Futter mit der bewährten "Reißtechnik" entfernen zu können - eine Tatsache, für die ich wirklich dankbar war.
Der Rücken ging recht fix schmaler zu machen - davon gibts kein Foto, weil unspektakulär.
Danach habe ich mutig den Überlappteil der doppelten Knopfleiste abgeschnitten (oben etwas abgerundet, wie man sieht) ...



... und am Unterlapp wieder angenäht (die neue Außenkante habe ich auf dem Bild markiert, da sie auf dem Foto schlecht zu sehen war). Problemstellen sind nun noch: Die 4 Knopflöcher (siehe blaue Pfeile) und der prägnante Tascheneingriff (die zweite Tasche wird erfreulicherweise von der neuen Front verdeckt).
Weiter gehts mit Futter!


Den Schnitt vom Mantel abzunehmen war etwas friemelig, aber machbar, das Futter zusammen- und einzunähen dann relativ fix gemacht. Ich habe als Futterstoff übrigens die Rückseite von einem Waschleder (textiles Wildlederimitat aus Polyester) verwendet und plädiere dafür, die Rückseiten von Stoffen nicht immer unbeachtet zu lassen!
Zur Betonung der neuen Frontform wird vorn ein Streifen aus kontrastfarbiger Wolle aufgesetzt. Das erledigt schonmal drei der Knopflöcher, die Lösung für das vierte wird folgen.
Aber nanu, wo ist denn die Tasche hin verschwunden? Den Besatz habe ich abgetrennt und den Eingriffschlitz per Hand flach zusammengenäht. Man sieht jetzt noch den Nahtschatten, aber es ist deutlich unauffälliger als vorher.


Aber es ist ja noch ein Knopfloch mitten auf dem Vorderteil übrig, und die abgesteppten Frontnähte erinnern eher an moderne Kleidungsstücke als einen an traditionelle Kleidung angelehnten Fantasy-Schnitt. Meine liebe Schwester hatte eine prima Lösungsidee für beides, daher habe ich zunächst Streifen aus Wolle ausgeschnitten ...


... und aufgenäht. Lenkt auch von der Tascheneingriff-Naht weiter ab, so dass diese optisch völlig verschwindet.


Noch gesäumt, und im Gesamtkostüm sah der Mantel dann so aus. Die Verschlüsse waren ein Schnellschuss und werden noch ausgetauscht, die Ärmelaufschläge werden noch ersetzt und die Streifen fehlen noch auf dem Rücken, dafür war keine Zeit mehr. Ich war aber sehr zufrieden und glücklich über den Mantel, der schön warm gehalten hat. Danke, Schwiegermama!

Nochmal der Direktvergleich:


Im Endeffekt war es die Umarbeitung mehr Arbeit, als wenn ich einen komplett neuen Mantel genäht hätte - aber die Umarbeitung hat einen Schnitt und Details ergeben, die ich sonst nie so gemacht hätte. Und ich habe einen neuen Mantel nur aus einem Wegwerf-Teil und einigen Resten, zum Nulltarif. 

Eine schöne Zeit wünscht
Hana

Freitag, 2. Mai 2014

Tolles Projekt: Atlas der deutschen Alltagssprache

Diesen Beitrag wollte ich schon länger schreiben. Heute ist er ein Verlegenheitspost, weil er keine Bilder braucht.
Ich hätte so viel zu zeigen, nur ist es unmöglich, mit meiner alten, kaputten Kamera scharfe Fotos von meinen Projekten zu machen - das ist soo frustrierend, aber Beiträge ohne Fotos sind leider sinnlos. Außer diesem hier :)

Also stelle ich heute ein tolles Projekt der Universität Augsburg/Salzburg/welche auch immer (die Seite ist umgezogen und ich bin verwirrt) vor:

Den Atlas der deutschen Alltagssprache.

Dort werden regelmäßig neue Umfragen veröffentlicht, in denen man angeben soll, wie man in seiner Region einen bestimmten Gegenstand benennt (zum Beispiel, ob man "Marienkäfer" oder "Junikäfer" oder "Mutschekiebchen" sagt). Oder ob es dort ein grammatisches Phänomen gibt (zum Beispiel, ob man in dem total wahren Satz "Die Nria schreibt die weltbesten Blogbeiträge" den bestimmten Artikel vor den Namen setzt oder ob das da keiner macht).

Die unterste Runde, hinter der "Fragebogen" steht, ist jeweils die aktuelle Umfrage. Da könnt ihr mitmachen.

Wenn ihr auf die früheren Umfragerunden klickt, könnt ihr hingegen die Ergebnisse sehen.

Ein Beispiel: Hier kann man sehen, in welchen Regionen von Deutschland, Österreich und Schweiz man das Wort "König" wie "Könich" (das sag ich), "Könik" (das sagen hauptsächlich die komischen Leute aus dem Süden :-P) oder "Könisch" (ganz exotisch für mich :D) ausspricht.
Teilweise kann man das Ergebnis schon erahnen, teilweise kommen für mich ganz überraschende Ergebnisse heraus und manchmal lernt man auch ganz neue Phänomene kennen, von denen man noch nie gehört hatte.

Ganz unten in der Umfrage kann man übrigens Phänomene/Benennungen/o.ä. vorschlagen, die man noch abfragen könnte.

Viel Spaß beim Mitmachen und Lesen!

Lg
Nria