Dienstag, 5. November 2013

Gespielt: Steam Park

Steam Park (cranio creations)

Ein Spiel von Lorenzo Silva, Lorenzo Tucci Sorrentino & Aureliano Buonfino, illustriert von Marie Cardouat
Für 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Dauer ca. 60 Minuten

Auf einer Vorschauliste für die Neuheiten der Spielemesse in Essen bin ich über dieses Spiel gestolpert, wegen der wunderschönen Illustrationen. Dazu sprach mich das Thema an (ein Roboter-Freizeitpark!) und die Regeln klangen auch nicht schlecht. Dann auf der Messe: Getestet, gemocht, gekauft! Und gleich mal eine Rezension verfasst :)

Da fährt man bot doch gerne mit!

Das Spielprinzip

 Jeder Spieler baut seinen Roboter-Freizeitpark und will das meiste Geld damit verdienen, indem er Besucher anlockt und die Bedingungen auf seinen Bonuskarten erfüllt (z.B. Anzahl von Ständen oder Besuchern oder Würfelergebnissen). Dazu muss man Attraktionen (z.B. Achterbahnen) und Stände (z.B. Toiletten - wofür auch immer ein Roboter sowas braucht) bauen, Besucher einsetzen und Karten ausspielen, und all das mithilfe von Würfeln. Dabei sollte man möglichst wenig Dreck machen, denn dafür werden saftige Abgaben verlangt ...

So geht's

Erstmal muss man reichlich Pappteile ausstanzen (meine Schwester freut sich immer, wenns viel auszustanzen gibt - Pluspunkt!) und dann vor jedem Spiel jede Menge Zeugs sortieren und auf dem Tisch aufbauen (Minuspunkt). Schön sehen sie aber aus ...

Attraktionen sortieren. Stände sortieren. Roboter sortieren ...

Gespielt wird über 6 Runden. Jede Runde besteht aus 4 Phasen: Würfelphase, Schmutzphase, Aktionsphase und Einkommensphase (klingt weitaus komplexer, als es ist; Schmutz- und Einkommensphase sind nämlich in wenigen Sekunden erledigt).

Jeder Spieler bekommt ein Täfelchen mit 4x4 Feldern, auf dem er seine Attraktionen und Stände platzieren wird. Außerdem ein Plättchen, auf dem ein mechanisches Schwein abgebildet ist (yay!). Und 6 Würfel - jeder hat 6 verschiedene Seiten: Werkzeug, Zelt, 2 Schaufeln, Bot, Dreckhaufen, Leerseite. Außerdem 3 Bonuskarten auf die Hand.

  1. Würfelphase

Dann würfeln alle gleichzeitig mit ihren Würfeln drauflos. Wenn man einen Würfel gebrauchen kann, legt man ihn aufs Schwein, dann darf man ihn nicht mehr verändern. Man darf so oft würfeln, wie man möchte, und man darf 0-6 Würfel aus jedem Wurf aufs Schwein legen. Schnellsein lohnt sich aber, denn von der Reihenfolge des Fertigwerdens hängt nicht nur ab, in welcher Reihenfolge diese Runde gespielt wird, sondern der erste Spieler bekommt Bonusschaufeln zur Dreckbeseitigung, der zweite ebenfalls und den letzten beißen die Hunde, der kriegt nämlich Extradreck. Und außerdem darf er nur noch 3x würfeln, wenn der vorletzte Spieler fertig ist. Gemein!

Oben: Bot, Leerseite, 2 Schaufeln. Unten: Zelt, Werkzeug, Dreckhaufen.

2. Schmutzphase

Jetzt wird Dreck gemacht! Für jedes Werkzeug, Zelt und Dreckhaufen auf dem Schwein bekommt man je 1 Schmutzplättchen (Bauen macht Dreck!), für jeden Bot auf einer Attraktion ebenso (Geräte Betreiben macht auch Dreck!) und der langsamste Würfler kriegt zwei Extraschmutz aufs Auge gedrückt.

Wenig Dreck ist kein Problem, mehr wird teuer ...

3. Aktionsphase

Damit sich der ganze Dreck auch gelohnt hat, darf man seine Würfel jetzt nutzen!
In der durchs Würfeln festgelegten Reihenfolge führt jetzt jeder Spieler Aktionen (in beliebiger Reihenfolge, aber alle gleichen Würfel werden gleichzeitig abgehandelt) aus und hat dabei folgende Möglichkeiten:

- Attraktionen bauen: Von jeder der 6 Farben gibt es 3 Attraktionen verschiedener Größen. Dabei muss man je nach Attraktionsgröße mehr oder weniger Werkzeug-Würfel verwenden - und beim Bauen aufpassen: Verschiedenfarbige Attraktionen dürfen einander nicht berühren auf dem Platz, auch nicht über Eck. Gleichfarbige Attraktionen müssen sich aber berühren.

- Stände bauen: Die sind alle 1 Feld groß, kosten also alle 1 Zelt-Würfel pro Stück. Sonst gleiches Spiel wie oben: Verschiedene dürfen sich nicht berühren, gleiche müssen sich berühren. Die Stände haben verschiedene Funktionen, die man sofort nutzen darf - z.B. kann man mehr Dreck beseitigen, sein Würfelergebnis verändern oder die Wahrscheinlichkeit für farblich passende Bots erhöhen.

- Besucherbots anlocken: In einem Samtbeutel befindet sich je 1 Bot in jeder Farbe. Für jeden Bot-Würfel darf man 1 Bot mit Wunschfarbe zusätzlich in den Beutel werfen. Dann zieht man für jeden Bot-Würfel 1 Bot aus dem Beutel - wenn man eine farblich passende Attraktion mit freiem Platz besitzt, darf der Bot nun darauf Platz nehmen. Er bleibt dort dann auch für immer und geht nie wieder weg ...
Hat man keine passende Attraktion, hat man Pech gehabt. Nach dem Ziehen wird der Ursprungszustand (1 Bot pro Farbe) im Beutel wiederhergestellt.

- Saubermachen: Für jeden 2 Schaufeln-Würfel darf man 2 Dreckplättchen zurückgeben.

- Bonuskarten spielen: Für jeden Dreckhaufen-Würfel darf man 1 Bonuskarte spielen. Auf den Karten steht z.B., dass man für die Anzahl der Stände im eigenen Park Geld bekommt, und zwar je mehr Stände, desto mehr Geld. Aber nur einmalig - nach der Runde legt man die Karte(n) ab und zieht Karten nach, bis man wieder 3 Handkarten hat. Mehr gibts nicht.

- Park erweitern: Wegen der restriktiven Bauregeln stößt man platzmäßig sehr schnell an seine Grenzen. Man darf aber für jeden beliebigen Würfel außer dem mit der Leerseite ein neues 2x2-Plättchen an seinen Park anlegen.

Großzügig: Selbst für 0 Stände/Würfel/Felder gibts schon Geld!

 4. Einkommensphase

Jeder Spieler bekommt 3 Danari (Geld) pro Besucherbot in seinem Park.

Spielende

Am Ende von Runde 6 zählt jeder sein Geld und seine Dreckplättchen - für letztere muss man einen Haufen Strafgebühr zahlen. Der reichste Spieler gewinnt!

Fazit

 Die Regeln klingen im ersten Moment etwas komplex, aber eigentlich sind sie sehr eingängig. Und es macht sehr viel Spaß! Wie so oft will man mehr Aktionen durchführen, als man Würfel hat, da ist ein wenig Planung angesagt - wenn die Würfel aber nicht mitspielen, muss man umdenken.
Vor allem die Platzausnutzung auf dem Plan ist knifflig, man muss rechtzeitig anbauen. Und wegen des Glücksfaktors beim Bot-Ziehen sollte man sich nicht nur auf seine Bots, sondern auch auf die Ereigniskarten konzentrieren, die können richtig Geld einbringen.
Das Spiel hat für mich genau den richtigen Schwierigkeitsgrad: Komplex genug, dass es nicht nur vor sich hinplätschert, aber simpel genug, dass man seltenspielende Mitspieler nicht abschreckt und keinen gigantischen Vorteil hat, wenn man das Spiel schon öfter gespielt hat. Für Vielspieler vielleicht zu einfach, für mich als Gelegenheitsspielerin perfekt! Das Material ist einfach ansprechend, diese Dreidimensionalität! Ich hatte bisher nach Spielende immer Lust auf eine weitere Partie.

Ein Spiel für
Liebhaber schöner Grafik
Würfelfreunde
Taktiker

Kein Spiel für
Glücksfaktor-Hasser
Strategen
Freunde von sehr komplexen Spielen

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