Mittwoch, 4. Januar 2017

Rot gewickelt - Jerseykleid von Fashion Style

Mit Wickelkleidern und mir ist das so eine Sache. Theoretisch finde ich sie sehr schön. Angeblich passen sie auch super zu meiner Figur. Praktisch sind sie so gut wie immer zu tief ausgeschnitten bei meiner Oberweite und/oder der obere Teil der Wicklung liegt unschön schräg über der Brust.

Das Kleid Nr. 10 aus der Fashion Style 09/2015 sprach mich aber sehr an; ich habe es auch sofort abgepaust. Es gibt das Kleid mit weitem und mit engem Rock; das mit weitem Rock hat aber einen enorm hohen Stoffverbrauch (ca. 4,5 m sind vorgesehen, auch wenn andere Näherinnen sagten, man käme mit gut einem Meter weniger aus).


Ich mag den angeschnittenen Kelchkragen!

Wie das dann so ist - entweder habe ich einen Stoff und keinen Schnitt oder einen Schnitt und keinen Stoff, und so lag der Schnitt dann erstmal im Schrank.
Die Gelegenheit kam, nachdem ich das Star Trek-Uniformkleid genäht hatte. Das war ein kleines Drama: Ich hatte Romanitjersey vorgesehen und den gibt es am günstigsten im Internet. Am günstigsten heißt aber nicht am schnellsten - der Laden hat die angegebene Lieferzeit von 3-6 Werktagen voll ausgereizt und erst am 6. Werktag (am 8. Tag nach Bestellung) abgeschickt, deshalb bin ich an diesem Tag noch schnell in den örtlichen Stoffladen marschiert und habe dort anderen Romanitjersey gekauft, auch in Rot (einem etwas blasseren Ton), aber etwas teurer - zum Glück gab es gerade Baustellenrabatt wegen der Baustelle samt desolater Parksituation vor der Haustür und in der Innenstadt.

Viele Teilungsnähte machen ein schönes Kleid.

Deshalb hatte ich dann 2 m Jersey übrig. Ein rotes Kleid wollte ich schon lange und das Auflegen der Schnittteile ergab: Passt drauf! Als Stoffverbrauch sind ca. 3 m angegeben, ich bin mit 2 m aber sehr gut hingekommen, weil mein Stoff wohl etwas breiter liegt als die 1,40 m, die die Fashion Style  vorsieht; außerdem habe ich die Bindebänder quer statt längs aufgelegt und die Rockteile unten um jeweils 5 cm gekürzt.

Apropos Kürzen: Die Niederländer sind wohl etwas größer als die Deutschen und so sind die Schnittmuster der Fashion Style (was ja die deutsche Ausgabe der Knipmode ist) auf 1,72 m ausgelegt statt auf 1,68 m. Für meine 1,54 m müsste ich so oder so kürzen, aber diesmal war ich zu faul und habs einfach drauf ankommen lassen. Des Weiteren habe ich im letzten Jahr Gr. 42 abgepaust, müsste mittlerweile aber mit 38 hinkommen - auch da habe ich es drauf ankommen lassen und die Nahtzugabe weggelassen. Ist ja Jersey, biegt sich schon zurecht ...
Erstaunlicherweise passte es!

Rückansicht. Eventuell sollte ich oberhalb des Taillenbands noch eine Hohlkreuzänderung machen.

Beim Nähen muss man schon ein bisschen mitdenken; die mittleren Vorder- und Rockteile sind gedoppelt (so blitzt keine unschöne Innenseite oder Nähte bei den äußeren gewickelten Teilen hervor) und die Taillenband-Teile werden gefüttert, der Rest aber nicht.
Was mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet hat, ist ein kleiner Fehler in der Anleitung: Alle Nähte sind zur Orientierung mit einem Buchstaben versehen; bei einem Taillenteil sind die Buchstaben für Außenkante und Seitennaht aber vertauscht. Das ist deshalb relevant, weil die Bindebänder in der Seitennaht des Taillenbands mitgefasst werden.

Irgendwann habe ich das kapiert und die Seitenbänder waren dran. Dann habe ich noch Brustabnäher hinzugefügt und die Ärmel verlängert. Insgesamt gefiel es mir dann recht gut, aber die Bindebänder machten es ein bisschen bademantelartig ... Daher mussten sie weichen und wurden durch einen unsichtbar angenähten Hosenhaken als Verschluss ersetzt.

Kleid-Haken statt Hosen-Haken!

Der Saum war wieder kompliziert: Die vorderen Hälften der Vorderkanten sind gedoppelt, der Rest liegt einfach. Die "Beleg"-Kante habe ich bei der Teilungsnaht des Vorderteils mitgefasst, aber den Saum wollte ich bei der doppelt liegenden Partie verstürzen, also musste ich die Teilungsnaht nochmal um 20 cm auftrennen, aber da ich keine Overlock benutzt habe, war das nicht so tragisch. Den restlichen Saum habe ich einfach umgeschlagen, weil ein doppelter Saumumschlag mir bei Romanit zu sehr aufträgt. Und hinterher alles abgesteppt.

Und das Ergebnis?
Eigentlich gefällt mir die Form sehr gut. Ich fürchte nur, dass ich den falschen Stoff ausgesucht habe. Romanit ist sehr dankbar zu tragen, aber überaus schlecht zu bügeln - ich kriege es einfach nicht hin, die Nähte flachzubügeln, deshalb wölben sie sich unschön. Die Absteppnaht am Saum gefällt mir nicht, aber unsichtbare Nähte sind unmöglich bei Romanit (erinnert ihr euch an Ellas Bleistiftrock bei der ersten Staffel von "Geschickt eingefädelt"? Da sollte auch ein unsichtbarer Saum dran. Es funktioniert nicht.).
Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Schnitt - der ja für elastische und unelastische Stoffe ist - mit einem leichten Wollstoff besser wirkt und schöner zu verarbeiten ist.
Grundsätzlich bin ich zufrieden, nur die Verarbeitung genügt eigentlich nicht meinen Ansprüchen.

Stoff: Romanitjersey von stoffe.de
Schnitt: Kleid Nr. 10 aus der Fashion Style 09/2015
Änderungen: gekürzt, zusätzliche Brustabnäher, Ärmel verlängert

Lg
Nria

1 Kommentar:

  1. Oh, schick! Der Schnitt steht dir prima und die Farbe passt auch ganz toll. :-)
    Nur die Sache mit den Nähten und dem Saum ist natürlich ärgerlich. =/ Eine Glitzerbordüre wie bei den Uniformärmeln drauf nähen ist hier ja vermutlich keine Option...

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