Dienstag, 2. Mai 2017

DIY vs. Minimalismus

Als Teenager fand ich Malen und Zeichnen ganz interessant. Ich habe immer mal überlegt, hobbymäßig damit anzufangen - aber eine Frage hat mich immer abgehalten: Wohin dann mit all den kreativen Ergüssen? Möchte ich Mappe um Mappe mit Zeichnungen füllen und dann stapelweise Mappen anhäufen?
Wollte ich nicht. Das mit dem Zeichnen und mir ist nie was geworden.
Heute schaue ich auf die Menge an Kleidung, die manche Nähblogger produzieren, und frage mich: Wo lassen die das alles - ist ihr Kleiderschrank so vollgestopft wie die Tüten mancher Primark-Kundinnen? Tragen die das wirklich alles?



Kürzlich sagte die Youtuberin Typisch Sissi, die auch zum Thema Minimalismus vloggt, in einem Video, sie wolle in Zukunft weniger DIY-Videos drehen. Ihr mache das sehr großen Spaß, die Videos kämen auch bei den Zuschauern gut an - aber sie brauche einfach nicht so viel, wie sie dabei bastle.
Minimalismus ist nicht meins und wird wohl auch nie mein Thema werden, aber ich möchte keine Dinge anschaffen, die ich nicht brauche. "Brauchen" definiere ich dabei recht großzügig - aber ich möchte keinen Kram anhäufen, den ich nie/kaum benutze, sei es Deko, Kleidung oder Larp-Requisiten. Oft, wenn ich durch Schnittmusterzeitschriften blättere, sehe ich haufenweise schöne Kleider und Jacken, die ich klasse finde und gern nähen würde - obwohl ich eigentlich genug davon habe. Was mache ich, wenn meine Garderobe komplett ist? Höre ich dann auf mit dem Näh-Hobby oder nähe nur noch drei Teile im Jahr?



Kürzlich hatte eine Userin in meinem Lieblings-Nähforum einen ähnlichen Gedanken - und ich habe mal wieder drüber nachgedacht. Im Prinzip gibt es nur zwei Lösungen:
Weniger produzieren oder für andere produzieren.

Weniger Dinge herstellen könnte zum Beispiel heißen:
  • Verbrauchsprodukte herstellen - den Kreationsdrang auf Essbares oder selbstgemachte Kosmetik konzentrieren
  • Aufwändigere Projekte starten -  statt lauter kleinen Täschchen im Fünfminutentakt lieber an Strickpullis setzen, wo man mit einem Teil den ganzen Sommer über beschäftigt ist
  • Auf digitale statt analoge Kunst setzen - Fotografie, Bildmanipulation, Malen auf dem Grafiktablet, kreatives Schreiben ... hier können sich auch Ergebnisse ansammeln, digital nehmen sie aber nur wenig Platz weg

Dinge für andere statt für sich selbst machen könnte heißen:
  • Selbstgemachtes verkaufen - den Gedanken hatten allerdings schon viele, weshalb Dawanda und Co so von einfachen kleinen Nähprojekten wie TaTüTaschen überschwemmt wird. Hier heißt es, gezielt zu schauen, welche Produkte gefragt sind und sich gut verkaufen lassen, damit man nicht hinterher doch auf dem Kram sitzen bleibt und nur alle Jubeljahre ein Teil loswird
  • Freunde und Verwandte beglücken - sofern man zu den Glücklichen zählt, deren Umfeld Selbstgemachtes zu schätzen weiß. Nach Möglichkeit auch hier nach (vermutetem oder erfragtem) Bedarf schenken und nicht den Freundeskreis sinnlos überhäufen ...
  • Wichteln, Swappen, Tauschrunden - dazu gibt es z.B. Gelegenheiten bei DIY-Foren, DIY-Blogs, Facebook, oder auch mal im Freundeskreis? Natürlich bekommt man im Gegenzug etwas, aber das kann ja etwas in einer Art sein, woran man selbst Mangel hat, weil man es nicht selbst machen kann. Oder etwas Verbrauchbares.
  • Spenden - wer sich etwas umschaut, findet im Netz diverse Projekte, bei denen nach speziellen Sachspenden gesucht wird, z.B. besonders kleine Kleidung für Frühchen, Kleidung oder Einschlagdecken für Sternenkinder; warme Socken, Handschuhe, Mützen für Obdachlose ...

Wie sieht es bei euch aus - habt ihr mehr Lust auf Selbermachen als Bedarf an Selbstgemachtem? Oder habt ihr ohnehin zu wenig Lust oder Zeit, so dass ihr immer Projekte findet, deren Ergebnisse ihr auch gut brauchen könnt?

Kommentare:

  1. Das ist in der Tat eine spannende Frage.
    Ich stricke ja hauptsächlich und das auch noch mit vergleichsweise dünner Wolle. (Meine Standart-Nadelstärken liegen zwischen 2,5 und 3,5.) Ich bin also eher jemand, der tausend Ideen hat, aber nicht mit dem Anfertigen hinterherkommt. Auch nähtechnisch würde ich vermutlich nicht in die Bredouille geraten zu viel zu produzieren. Dafür habe ich einfach zu viele (zeitintensive) Hobbies und der Tag hat immer noch nur 24 Stunden. ;-)
    Ich sehe aber das geschilderte "Problem" bei anderen Kreativen und frage mich auch oft: "Schön - aber wohin damit?" Eine Lösung abseits der von dir vorgeschlagenen Alternativen habe ich auch nicht.

    LG

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  2. Ja, mit der Frage setze ich mich momentan auch auseinander. Grade beim Nähen ist die Gefahr, dass man "zu schnell" fertig ist und gleich das nächste Projekt startet. In einer Woche hab ich mal vier Teile angefertigt. Von der Bluse, über ein Hemd zu zwei Kleidern. Seitdem ist aber wieder Flaute... Ich mag dieses überschüssige Produzieren auch nicht.

    Dein Tipp mit DaWanda hat nur einen kleinen Haken: du brauchst eine Gewerbeanmeldung. Und die kostet Geld (ich weiß nicht, wie viel in Deutschland, aber in Ö kommen pro Jahr mir Versicherungen ca. 200 Euro an Kosten zusammen). Da stellt sich die Frage, ob man das überhaupt erwirtschaftet, damit es zumindest ein Nullsummmenspiel ist.

    Ich arbeite auch gerne an aufwändigeren Projekten. Sicher, die kleinen, schnellen DIY-Projekte sind beliebter, aber wohin mit dem Kram? Man kann die Wohnung ja auch nicht ständig umdekorieren.

    LG, Daniela

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