Freitag, 15. Juli 2016

[Fotoanleitung] Larpwaffenbau

2003 haben Nria und ich mit Larp angefangen, und etwa um diese Zeit herum habe ich auch angefangen, Larpwaffen zu bauen.

Verschiedene Formen von Larpwaffen - bis auf die untere von mir gebaut

Larpwaffen bzw. Latexwaffen zu bauen ist nicht schwierig, erfordert aber etwas Geduld und eine ruhige Hand.
Für Anfänger ist wichtig zu wissen: Preislich lohnt sich der Bau einer Larpwaffe erst, wenn man mehrere davon baut - fertige Schwerter und sonstige einfache Waffen gibt es mittlerweile so günstig, dass das Material (was man eben nicht in beliebig kleiner Menge kaufen kann und für mehrere Waffen reicht) allein schon teurer wäre. Baut also gleich mehrere Waffen und tut euch ggfs. zusammen.


Für den Bau von Latexwaffen benötigt man:
- einen Fiberglasstab (gibt es als "Kernstab" in Larp-Shops zu kaufen) - für sehr kleine Waffen wie Dolche optional. Es gibt eckige und runde Kernstäbe; ich finde eckige einfacher zu verarbeiten.
- Schaumstoffmatten (nehmt unbedingt die aus dem Larp-Shop und keine billigen Isomatten - die gehen zu schnell kaputt)
- Pattex Classic oder Kövulfix
- Cutter (und viele Ersatzklingen - ein billiges Modell reicht)
- dünnes, aber reißfestes Leder oder Glasfasermatte
- Latexmilch (ebenfalls aus dem Larp-Shop - da ist sie am günstigsten)
- Acrylfarbe in Schwarz und gewünschten Farben (die billigste Farbe reicht)
- Küchenschwämmchen (ruhig die allerbilligsten) oder Pinsel oder Mini-Schaumstoff-Malerrollen
- Topcoat (ebenfalls aus dem Larp-Shop - gibt es als "Topcoat", "Coetrans" oder "Isoflex")
- breiten, flachen Kunsthaarpinsel (ebenfalls billig, ist hinterher unbrauchbar)
Falls die Waffe einen Griff bekommt:
- doppelseitiges Klebeband
- Bleiband (aus der Gardinenabteilung)
- Kordel (z.B. Baumwollwäscheleine oder Sisalband)
- Leder o.ä. für die Griffwicklung

Hinweis: Man ist geneigt, teure Materialien und Online-Bestellungen zu vermeiden und das Material durch billige Alternativen aus dem Baumarkt zu ersetzen. Jahrelange Erfahrung zeigt: Man zahlt dabei drauf, weil ungeeignetes Material zu schnell kaputt geht. Wo ihr sparen könnt, habe ich in der Liste dazu geschrieben - die anderen Materialien solltet ihr wirklich nicht durch billigere ersetzen.

Bevor ihr beginnt, macht euch eine Skizze und fertig von allen Waffenteilen Papierschablonen an, so könnt ihr Proportionen testen und habt später weniger Schaumstoff-Verschnitt.

Grundlage - Die Spitzensicherung
Bevor wir loslegen, ein Hinweis zu Fiberglas: Das Zeug macht fiese kleine Splitterchen, die man schnell im Finger hat. Also passt etwas auf, wenn ihr Kernstäbe ohne Handschuhe anfasst.
Der Schwachpunkt einer Larpwaffe ist die Spitze - wenn diese umknickt, besteht die Gefahr, dass sich der Kernstab durch den Schaumstoff nach außen bohrt. Die Waffe wäre dann nicht nur kaputt, sondern es besteht auch Verletzungsgefahr. Also versuchen wir, dem vorzubeugen.
Es gibt verschiedene Methode, ich bevorzuge die "Pommes-Sicherung":

Angeklebtes "Pommes" - der Kernstab links ist aus einer kaputten Waffe geschnitten und daher noch mit Kleberesten

 Dazu schneidet ihr einen Schaumstoffstreifen in gleicher Breite und Höhe wie der Kernstab zu (meist 8x10 mm) in etwa 3-5 cm Länge, je nach Länge der Waffe. Dieser Schaumstoffstreifen wird quasi als Verlängerung an die Spitze des Kernstabs geklebt.
Hinweis: Pattex und Kövulfix sind Kontaktkleber, d.h. sie werden auf beiden Flächen, die zusammengeklebt werden sollen, verteilt. Eine sehr dünne Schicht reicht - nutzt, wenn vorhanden, das der Dose beiliegende Zahnkämmchen zum Verteilen. Die Teile werden erst zusammengeklebt, wenn sich der Kleber richtig trocken anfühlt, je nach Luftfeuchtigkeit etwa nach 5-20 Minuten. Je höher der Anpressdruck ist, desto stabiler die Klebung - die Anpressdauer ist irrelevant. Lest die Gebrauchsanweisung!

Kleber immer nach Anweisung verwenden und dünn verstreichen!

Schneidet nun ein Stück Leder oder Glasfasermatte für die Sicherung zu - das reißfeste Material soll den Kernstab vorm Ausreißen bewahren und wird auf eine Länge von 4-6 cm um den Übergang von Kernstab zu Schaumstoff gewickelt, so dass die Klebestelle etwa mittig liegt.
Bei anderen Ende des Kernstabs verfahrt ihr ebenso.
 
Fertige "Pommes-Sicherung" - links Kernstab, rechts Schaumstoff, verbindend über beidem das Leder

Alternative: "Sandwich-Sicherung"
Hierzu werden erst Seitenteile und Vorderteil an den Kernstab geklebt, dann kommt ein Flicken aus Leder oder Glasfasermatte drauf, dann oben und unten eine Schicht Schaumstoff.
Die Sandwich-Sicherung kann man gut verwenden, wenn man die Pommes-Sicherung vergessen hat oder das Kernstabende in einem voluminösen Waffenkopf sitzt, wie z.B. bei einem großen Hammer. Ansonsten hat sie den Nachteil,  dass sich der Flicken nach außen abzeichnen kann und man ggfs. beim Anschrägen der Klinge den Flicken mitschneiden muss, was die Schlagkante der Waffe an dieser Stelle härter macht und auch schwieriger gleichmäßig zu schneiden ist.

Sandwich-Sicherung


Der Aufbau
Nachdem die Spitzen gesichert sind, geht es an den eigentlichen Aufbau der Waffe.
Erst wird der Kernstab mit seitlich angeklebtem Schaumstoff auf die gewünschte Waffenbreits verbreitert, dann oben und unten Schaumstoff aufgeklebt. Ein Schwert wird man i.d.R. dreilagig machen, während Stäbe und ähnliche Teile, die rund werden sollen, aus fünf oder mehr Schichten bestehen können.

Seitenteile an Kernstab und Pommes-Sicherung geklebt

Griffstücke (z.B. der Schwertgriff) werden freigelassen. Bei Waffenarten, die klassischerweise kein spezielles Griffstück haben (z.B. Äxte oder Stabwaffen) könnt ihr euch aussuchen, ob ihr ein lederumwickeltes Griffstück unterbringen möchtet oder die Waffe komplett schaumstoffummantelt werden soll. Ein Griff hat den Vorteil, dass man ihn fester fassen kann als weichen Schaumstoff, es macht die Waffe haltbarer, sie dort zu fassen und es hat Vorteile beim Latexen - aber ohne Griff sieht die Waffe realistischer und m.M.n. schöner aus.

3 Schichten Schaumstoff übereinander geklebt - in der Mitte sitzt der Kernstab

Bei filigranen Teilen wie z.B. einem schmalen Schwertparier empfiehlt es sich, auf die Mittelschicht eine Schicht dünnes Leder oder Glasfasermatte zur Verstärkung zu kleben. Die Verstärkung sollte nicht ganz bis zum Rand reichen, dann lässt es sich später leichter in Form schnitzen. Auch Kabelbinder kann man zur Verstärkung einsetzen - den dicken Böppel natürlich vorher abschneiden.

Nachdem alles geklebt ist, empfehle ich, den Kleber eine Nacht lang trocknen zu lassen - danach ist er weniger zäh und Klebestellen lassen sich gleichmäßiger schneiden.

Angezeichnet und fertig zum Schneiden der Klingenform
Genauso verfahrt ihr mit den anderen Teilen der Waffe - Axtkopf, Schwertknauf und -parier etc.

Jetzt gehts ans Schnitzen! Zeichnet vorher die Form, die ihr haben möchtet, an allen Seiten auf (das geht gut mit einem Kugelschreiber), und schnitzt den Schaumstoff mit möglichst langen Zügen (Hin- und Herbewegungen machen wellige Schnitt) in Form.

Links: Drei Schichten Schaumstoff grob in Form geschnitten - rechts: Fertig geschnitzte Form

 Hinweis: Schaumstoff macht Klingen extrem schnell stumpf. Geizt nicht mit Klingen - pro "Schrägschnitt" einer langen Klinge (eine Seite) müsst ihr mit einer verbrauchten Cutterklinge rechnen. Fürs Schnitzen und Anschrägen braucht ihr auf jeden Fall eine frische Klinge - hier verbrauchte Klingen könnt ihr später weiterhin z.B. für Papier doer Leder verwenden, aber benutzt ihr sie weiter für Schaumstoff, werden die Schnitte wellig und ungleichmäßig.

Formen des Schaumstoffs mit dem Bandschleifer

Glücklich, wer einen Bandschleifer besitzt, denn damit kann man mit etwas Übung sehr gleichmäßige Klingen und Rundungen schleifen.

Mit dem Bandschleifer kann man schöne gleichmäßige Formen schleifen - mit dem Cutter gehts aber auch.

Jetzt ist Zeit für eventuelle Verzierungen! Größere Formen kann man gut aus dünnerem Schaumstoff aufkleben, ebenso Nieten. Mit einem Lötkolben kann man Rillen in den Schaumstoff schmelzen, auch mit dem Cutter kann man grobe Verzierungen einschnitzen oder Kerben als Gebrauchsspuren einritzen.
Feinere Verzierungen kann man besser hinterher aus Latexguss oder Farbe aufbringen.

Aufgeklebte Nieten, eingeschmolzene Rinne auf aufgesetzter Schaumstoff-Form, Bemalung auf gegossener Latex-Schriftzug, eingeschmolzenes Symbol


Das Finish: Latex und Topcoat
Jetzt gehts ans Finish! Ich empfehle, das Latexen an einem sonnigen, warmen Tag zu erledigen - das beschleunigt die Trockenzeit erheblich. Latexmilch enthält Ammoniak und riecht entsprechend unangenehm, darum wenn möglich draußen oder in einer gut durchlüfteten Werkstatt latexen.
Achtung, Latexmilch haftet hervorragend an Stoff und lässt sich aus Kleidung und Teppichen nicht entfernen - tragt zum Latexen also alte Klamotten und legt ggfs. etwas unter. Von glatten Oberflächen lassen sich Latextropfen einfach abziehen.

Bevor ihr loslegt, schaut euch den Waffenrohling an - wo könnt ihr beim Latexen gut anfassen? Habt ihr eine Waffe mit Griffstück, könnt ihr sie dort festhalten (oder z.B. in eine Werkbank einspannen); soll die komplette Waffe gelatext werden, macht ihr das besser in zwei Etappen, z.B. erst den Axtkopf, hinterher den Axtstiel, damit ihr immer einen Teil anfassen könnt. Ob immer abwechselnd die beiden Teile gelatext werden oder ihr erst einen Teil komplett macht, dann den anderen, ist Geschmackssache.

Erste Schicht Latexmilch. Den hier zu sehenden Schaum bitte vermeiden - geht, indem man das Schwämmchen nicht quetscht. Wenn er da ist, möglichst schnell glattstreichen.

Latexmilch könnt ihr mit verschiedenen Werkzeugen auftragen: Ich verwende am liebsten in ca. 3 cm breite Streifen geschnittene Küchenschwämme, denn die haaren nicht und sind günstig, dafür gibt es mehr Bläschen in der Latexfläche. Man kann auch Pinsel verwenden, die aber evtl. Haare im Latex hinterlassen, teurer sind und schneller Klümpchen hinterlassen, oder kleine Schaumstoff-Malerrollen, noch teurer und schwieriger an Engstellen (und Rollen tragen das Latex sehr dünn auf, d.h. man braucht mehr Schichten).
Der Vollständig halber: Man kann Latexmilch auch durch Tauchen oder Sprühen auftragen, mit beidem habe ich aber keine Erfahrung.

Links: "Gutes" Glas mit glattem Boden - rechts: weniger gut geeignetes Glas mit Einkerbung

Die Latexmilch gießt ihr in ein Gefäß - ich empfehle ein nicht zu hohes Marmeladen- oder Leberwurstglas, optimal wäre eins mit ungeriffeltem Boden. Übrigens, wenn Latexmilch älter wird, kann sie sich etwas rosa verfärben - das ist nicht schlimm, ihr könnt sie weiter verwenden.
Jetzt das Schwämmchenstück etwas eintauchen und die Waffe gleichmäßig mit der Latexmilch bestreichen. Ist an einer Stelle etwas zuviel, einfach nochmal drübergehen und glattstreichen. Quetscht das Schwämmchen dabei nicht zu sehr zusammen, sonst schäumt Latex seitlich raus - wenn das passiert, nochmal drüber streichen. Wenn ihr eine Kante latext, schaut auch immer, ob etwas Latex um die Kante gelaufen ist - das direkt glattstreichen, sonst gibt es Knubbel. Wichtig - ist das Latex oberflächlich angetrocknet, nicht nochmal drüber gehen, sonst reißt es auf und macht unschöne Strukturen.
Wenn ihr mit einer Schicht fertig seid und wartet, dass sie getrocknet ist, schraubt das Glas zu! Im geschlossenen Glas kann man die Latexmilch ein paar Tage aufbewahren.

Schwarz gefärbte Latexmilch (sieht grau aus, weil Latexmilch weiß ist und erst beim Trocknen transparent wird)

Sobald ihr merkt, dass Latex im Schwämmchen beginnt, anzutrocknen, oder das Latex kleine Krümelchen macht, werft ihr das Schwämmchenstück weg und nehmt ein neues. Spätestens nach zwei größeren Waffen (und zwar jeweils einer Schicht) wird es Zeit. Kein falscher Geiz an dieser Stelle! Das gleiche gilt für Schaumstoffrollen. Pinsel könnt ihr auswaschen - aber nur, bevor das Latex darin angetrocknet ist. Hängt zuviel angetrocknetes Latex drin, muss der Pinsel weg und ein neuer her.
Ist die erste Latexschicht trocken (und zwar völlig trocken - es darf keine feuchten Stellen geben, s.o. Getrocknetes Latex ist leicht gelblich, weiße Stellen sind also nocht feucht), kommt die nächste Schicht drüber. Insgesamt latext ihr 4 Schichten transparent.
So sehen 4 Schichten ungefärbtes Latex aus.

Die erste Schicht mit schwarz gefärbter Latexmilch

 Die nächsten 4 Schichten werden schwarz. Erstens verzählt man sich so weniger schnell als es bei 8 transparenten Schichten der Fall wäre, zweitens sieht durchschimmerndes Schwarz unter der Farbe weniger blöd aus als durchschimmerndes Weiß, wenn die Farbschicht an einer Stelle nicht hundertprozentig deckt. Dazu gebt ihr schwarze Acrylfarbe ins Latex (etwa ein Teelöffel Farbe auf ein halbes Marmeladenglas Latexmilch. Probiert ggfs. an einem Reststück Schaumstoff aus: Nach 3 Schichten sollte die schwarze Latexmilch deckend sein) und rührt gut um. Jetzt 4 Schichten auftragen, danach gehts endlich an die Farbe.
So sehen 4 Schichten schwarz gefärbtes Latex aus.

Eine Schicht schwarzes Latex - ja, das deckt noch sehr wenig. Ein wenig mehr Farbe hätte noch in die Latexmilch gekonnt, aber dass es mehrere Schichten braucht, bis es deckt, ist normal.

Ist eure Oberfläche gleichmäßig schwarz, geht es an die Farbe. Die zu mischen, ist etwas knifflig, weil ihr die endgültige Farbe ja erst im getrockneten Zustand seht ... mischt nach Gefühl und testet die gefärbte Latexmilch immer mal wieder auf einem Schaumstoffrest und lasst sie trocknen, um die Farbe zu prüfen. Zu metallischen Farben wie silber, gold, kupfer gehört immer ein ordentlicher Klecks schwarz, sonst wird die Farbe zu hell und nicht deckend genug.
Metallische Farbe wird leicht streifig - das kann man ausnutzen, um Schleif- oder Abriebspuren zu simulieren, indem man immer in eine Richtung streicht.
Aufgetupfes Latex gibt dagegen einen leichten Hammerschlagseffekt.

Schräge Strichrichtung für "Schleifspuren"

Noch ein Tipp: Beim Latexen können kleine Knubbel entstehen - wenn euch das nach dem auffällt, könnt ihr sie nach dem Trocknen der Schicht einfach mit einer Nagelschere abschneiden und dann weiterlatexen. Macht das am besten jedes Mal, bevor ihr die Farbe wechselt.

Knubbelentfernung!


Ist die Farbschicht fertig, geht es an optionale Verzierungen. Ihr könnt aus Latex gegossene Applikationen aufkleben (für die Herstellung dieser wird es auch noch eine Anleitung geben), oder mit Acrylfarbe Teile der Waffe bemalen. Ich würde die Schlagfläche selbst nicht flächig bemalen, da diese sehr beansprucht wird, aber sonstige Details, Schrift etc. können ruhig aus purem Acryl dünn (!) aufgemalt werden

Acrylfarbe kann für kleine Details verwendet werden - diese Fläche ist dafür schon recht groß

Zum Schluss wird der Topcoat aufgetragen. Der sorgt für deutlich bessere Haltbarkeit, deutlich brilliantere Farben und ein glänzendes Finish. Für den Topcoat verwende ich einen Pinsel - meiner Erfahrung nach haaren Kunsthaar-Pinsel weniger als Naturhaar-Pinsel. Topcoat ist sehr klebrig und auch von glatten Flächen kaum zu entfernen - legt unbedingt etwas unter; ich trage dabei Gummihandschuhe, weil es auch schlecht von der Haut ab geht.
Den Topcoat gleichmäßig dünn auftragen, mindestens eine Stunde trocknen lassen und danach eine zweite Schicht auftragen. Die Flüssigkeit trocknet relativ schnell, aber es braucht mehrere Tage, bis das Lösungsmittel komplett ausgedünstet ist - lagert die Waffe solange am besten außerhalb der Wohnung, zumindest aber nicht im Schlafzimmer.

Topcoat macht die Farben brillianter! Unten mit Topcoat, oben noch ohne.


Der Griff

Wenn ihr eine Waffe ohne ausgespartes Griffteil gebaut habt, seid ihr jetzt fertig - ansonsten kommt jetzt der Griff dran.
Bei einem Schwert oder Messer versteht es sich von selbst, einen Griff zu machen - bei den meisten anderen Waffen kann man es sich aussuchen. "Echter" wirken durchgängig gelatexte Stiele, allerdings lässt sich ein harter Griff ohne Schaumstoff drunter besser greifen und man kann die Waffe nach Gusto gewichten, was die Kontrolle der Waffe im Spiel erleichtert. Je schwerer der Kopf der Waffe ist (z.B. bei großen Hämmern oder Äxten), desto wichtiger ist es, den Schwerpunkt durch Gewicht weiter zum Knauf hin zu verlagern, um Schläge damit später gut abbremsen zu können.

Vorschlaghammer mit Griff am Stiel - Fackel ohne Griff mit durchgängig gelatextem Stiel

Hat man sich für einen Griff entschieden, empfehle ich, die Waffe zu beschweren. Dazu umwickelt ihr den Kernstab am Griffstück mit doppelseitigem Klebeband und wickelt Bleiband darum, bis ihr mit dem Gewicht zufrieden seid. Klassischerweise sollte der Schwerpunkt bei einem Schwert eine Handbreit vorm Parier liegen.
Möchte man lieber eine leichte Waffe, kann man diesen Schritt aber auch weglassen.

Griff mit Bleiband umwickelt

Übers Bleiband kommt wieder eine Schicht doppelseitiges Klebeband, danach könnt ihr mit dicker Kordel den Griff umwickeln, bis ihr einen Griffumfang erreicht, den ihr angenehm zu greifen findet.

Griff mit Bleiband und Kordel umwickelt

Wieder Klebeband drum - und dann kommt die äußere Schicht die hauptsächlich dekorative Zwecke erfüllt. Es gibt diverse Varianten: Klassisch ist eine Umwicklung aus einem langen Lederstreifen, man kann allerdings auch Draht verwenden, dekorative Kordel oder verschiedene Materialien kombinieren. Das Ende der Wicklung mit Pattex fixieren.

Griffwicklungs-Variationen: Paketband, Leder mit Lederschnur, Leder über Holz, Leder mit Draht

Besonderheiten verschiedener Waffen:

- Schwert: 
Ein Schwert soll möglichst schön flach aussehen - hier empfiehlt es sich, für die mittlere Schaumstoffschicht Schaumstoff von 10 mm Dicke zu verwenden, entsprechend der Kernstabdicke, und die äußeren beiden Schichten aus 6 mm-Schaumstoff zu fertigen. Für kürzere Schwerter und Dolche kann auch ein flacher 6 mm-Kernstab verwendet werden, um das Schwert noch flacher zu bekommen.
Möchte man ein schmales, breites Parier, braucht dies Stabilisierung - durch eine Einlage aus Leder oder Glasfaser oder auch eingeklebte Kabelbinder. 

- Axt: 
Der Kampf mit einer Axt birgt immer die Gefahr, dass sich der Axtkopf an der Waffe des Mitspielers oder dessen Schild verhakt. Was im Kampf mit realen Waffen vorteilhaft sein könnte, ist im Larpkampf problematisch: Larpwaffen können dabei leicht beschädigt werden, der Latexüberzug kann ein- oder gar der ganze Axtkopf abreißen, wenn die beiden Kontrahenten an den verhakten Waffen ziehen.

Achtet daher darauf, dass der Axtkopf entweder recht gerade ist wie in Beispiel 1, so dass er sich leicht wieder aushaken lässt, oder möglichst weit Richtung Stiel gezogen wie in Beispiel 3, so dass ein Verhaken unwahrscheinlich wird. Beispiel 2 ist ungünstig - die weit vorn abstehende Ecke wird sich schnell verhaken, und durch die tief gezogene Form wird das Aushaken erschwert.


Weiterhin ist es bei Äxten sinnvoll, das Axtblatt zu stabilisieren. Dazu wird die Fläche großflächig mit Leder oder Glasfasermatte beklebt (Schlagfläche vorn ein Stück freihalten, damit die Axt nicht zu hart wird!). Um den Kopf vorm Abreißen zu bewahren, sollte die Stabilisierung ganz bis zum unteren Kante geklebt werden, und nach hinten bis über den Kernstab hinausreichen.

- Stäbe:
Stäbe oder Stiele von Äxten etc. können nicht nur in Schichtweise geklebt werden, sondern alternativ auch gewickelt werden - ich persönlich finde es kniffliger und schmieriger, dabei überall den Klebstoff gleichmäßig zu verteilen und schichte daher lieber, allerdings bekommt man durchs Wickeln gleich eine gleichmäßig runde Form und muss "nur" noch die letzte Kante angleichen.


Oben: 6-eckig geschnittener Stiel - unten: grob geschnitzter Stiel mit Scharte
So oder so kann man den Stab oder Stiel nach dem Kleben in eine beliebige Form bringen: Rund, 6- oder 8-eckig, grob geschnitzt, mit Bändern oder Nieten beschlagen ...

- Holzoptik 
Eine Holzoptik erzeugt man beim Latexen, indem man eine Schicht braun latext, das Latex trocknen lässt, eine dunklere oder hellere Latexfarbe aufträgt und durch die noch nasse Farbe mit einem feinzinkigen Kamm fährt.
 
Spaten in Holz-Optik

Ich hoffe, die Anleitung hilft euch beim Bau eigener Larpwaffen-Projekte - ich würde mich freuen!

Eine schöne Zeit wünscht
Hana 

Kommentare:

  1. Sehr coole Anleitung, danke dafür

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  2. Prima Anleitung!
    Ich bin beim Kleber auf UHU Kontakt Kraftkleber flüssig umgestiegen. Ich hatte ihn beim Schildbau getestet, weil er günstig ist und benutze ihn jetzt auch für Waffen. Langzeiterfahungen habe ich noch keine.
    Pommes und Sandwichsicherungen mache ich immer beide. Wird natürlich dick, kann ich aber neuerdings gut wegschleifen.
    Zum schneiden nehme ich ein gutes Küchenmesser mit schlanker Klinge und schärfe das im Messerschärfer nach. Damit habe ich früher brauchbare Klingen hinbekommen, die ich direkt gelatext habe. Das schleife ich inzwischen aber auch nach.
    Klasse blog! Gruß, Grischa

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