Mittwoch, 18. März 2015

Rundum Jeans - ein Tellerrock

Kennt ihr das? Man kauft etwas für ein bestimmtes Projekt, das Projekt wird dann doch nicht umgesetzt und schwupps, ist das Teil nutzlos und man weiß nicht, was man damit anstellen soll.

So ging es mir mit einem Coupon aus Jeansstoff, den ich im März 2014 auf dem Stoffmarkt in Bochum gekauft habe. Ich hatte einen bestimmten Rock im Sinn, sehr weit und oben gerafft, dafür waren die 1,60 m genau richtig. Auf Pinterest gabs nämlich schöne Jeansröcke zu sehen, die nach Lieblingsrock aussahen, und ich wollte auch einen Lieblingsrock.
Dann hat meine Schwester auf mich eingeredet, dass viel geraffter Jeansstoff um die Hüften keine so tolle Idee ist, wenn man nur knapp die 1,50 m-Marke überschreitet und Größe 40 trägt. Irgendwann hab ichs eingesehen *seufz*

Lässt sich natürlich nicht flach hinlegen.


Danach lag der Stoff im Schrank und ich hab geschmollt. Aber momentan verbrauche ich Stoffe, die schon länger den Schrank blockieren (irgendwann kann man sie ja einfach nicht mehr sehen) und dann hab ich im Natron und Soda-Forum nach Alternativideen für einen weiten, schwingenden Jeansrock gefragt. Mir wurde ein Tellerrock vorgeschlagen - prima Idee!

Erstmal habe ich nach einem Sattel gesucht - ich mag Röcke mit Sattel oder Bund lieber als welche ohne. Letzteres streckt vermutlich besser, aber ich finds etwas unbequem.
Also meine praktische Übersichtsmappe durchgeblättert und den oberen Teil eines A-Linienrocks aus der burda Easy Fashion Herbst/Winter 2006 entdeckt (ja, die lag auch schon etwas länger unbenutzt rum ...). Hat zwei schräge Abnäher pro Seite (insgesamt also 8), das sieht schick aus. Gut, inkl. Futter hat man dann auch mal eben 16 Abnäher an so einem simplen Rock. Aber was tut man nicht alles.

Den Schnitt für den Rockteil habe ich selbst konstruiert.
Mit dieser Anleitung für Tellerröcke gings ganz einfach - dort gibts Formeln und Bilder zu verschiedenen Variationen: Viertelkreis, Halbkreis, Vollkreis, doppelter Vollkreis und 2/3-Kreis; ich hab mich für die letzte Version entschieden. Toll, dass Bilder dabei sind! So kann man sich viel besser vorstellen, wieviel Weite bei dem jeweiligen Schnitt herauskommt.
Irgendwie scheine ich mich aber nur lose an der Anleitung orientiert zu haben ...

Hier braucht man viele Stoffgewichte!

Den Viertelkreisschnitt habe ich auf Packpapier gezeichnet - Nachteil: rollt sich gerne ein - und noch um ein Achtel verlängert. Ausgeschnitten. Und festgestellt, dass ich damit keinen Zweidrittel-, sondern einen Dreiviertelkreis habe. Dabei hatte ich gute Noten in Mathe, isch schwör!
Macht aber nix. Nach gekonnter Bruchrechnung kam heraus: Ich muss 1/12 entfernen. Also schnell ein Drittel von dem weißen Achtelkreisteil abgeschnitten (1/12 sind zwei Drittel von 1/8, aber der Stoff liegt ja doppelt) und so getan, als wär nie was gewesen.

Den Sattel habe ich mit schwarzem Leinen gefüttert - mit Jeans als Futter wären mir die Abnäher zu voluminös geworden - und einen nahtverdeckten Reißverschluss eingesetzt. Das ging ziemlich einfach, weil der Sattel oben verstürzt und unten an den Rockteil angesetzt wird - das einzig Schwierige an Reißverschlüssen sind ja die Enden, und die fallen weg, wenn man sie nur zwischen zwei Stoffteile näht.

Vermutlich eher nahtfein als nahtverdeckt; ich kann das nie auseinanderhalten!


Die Abnäherform finde ich wirklich toll!

Zickzack. Und noch nicht ganz ausgebügelte Enden.


Eigentlich wäre ein kürzerer Sattel für meine Figur besser. Hab ich zu spät bemerkt. Aber wer braucht schon Perfektion!

Auf den runden Saum hatte ich nicht so richtig Lust, stellte sich aber als einfacher als gedacht heraus.

Keiner hat mir gesagt, dass mein T-Shirt schief ist!


Und als alles fertig war, stellte sich noch etwas heraus: Ich habe gar nicht an Taschen gedacht. Ich wollte doch einen Lieblingsrock nähen und Röcke mit Taschen sind viel toller als welche ohne.

Zu spät. Mag ihn trotzdem. Alles Weitere wird der Sommer zeigen :)

Und jetzt auf damit zum Me-Made-Mittwoch!

Lg
Nria

Kommentare:

  1. Das ist eine schöne Entstehungsgeschichte des Rockes. Toll, dass du das auch alles geschrieben hast. Das ist es, was uns am me made mittwoch auch wichtig ist, die Entstehung des Teiles, Beschreibung des Schnittes näher zu beschreiben. Den vorderen Sattel, aber auch hinten mit dem RV finde ich interessant.
    Auch ohne Taschen viel Freude mit dem Rock.
    Eins doch noch, vermutlich einfach vergessen, aber könntest du bitte noch einen link zum memademittwoch sezten, zum heutigen Post. Der fehlt, und es wäre doch schade, wenn deine Blogbesucher nicht weiter zum mmm kämen, wo so viele interessante Sachen sind
    lg monika, von der mmm crew

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    1. Danke! Ich finde die Geschichte hinter einem Kleidungsstück immer interessant und bemühe mich dann auch, ein bisschen was dazu zu schreiben.
      Ja, beim Link hab ich auch schon gemerkt, dass ich den vergessen hatte, und dann auch ergänzt - hoppla!

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  2. Der ist aber schön geworden!
    Zugegeben, auf dem ersten Foto musste ich ziemlich nach den Abnähern suchen, aber wo du sie im Detail gezeigt hast - schön schön! :D

    Die Anleitung zu Tellerröcken gucke ich mir auch gleich noch mal an, danke dafür!

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    1. Die Anleitung fand ich wirklich hilfreich. Vor allem durch die Illustrationen - da kann man sehr gut eine Version aussuchen, ohne rätseln zu müssen, wie weit das Ergebnis wird.

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  3. Der ist aber super ordentlich genäht! So schön werden meine RVe nie. =)
    Steht dir auch sehr gut und war bestimmt die bessere Lösung als die geraffte Variante!

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    1. Danke! Dieser RV ist aber auch etwas "billig": Einfach zwischen zwei Stoffstreifen genäht, oben und unten durch eine Naht abgeschlossen. Das Schwierige am RV sind ja nicht unbedingt die Seiten, sondern die Enden.

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  4. wow der rock sieht echt toll aus
    ich wünschte ich hätte ein talentzum nähen :/

    Hoffe du schaust auch mal bei mir vorbei <3
    http://miss-amelyrose.blogspot.de/

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  5. Wow, schöner Rock! Die Abnäher sehen wirklich sehr interessant aus!
    LG SuSe

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  6. Der ist ja echt toll geworden und steht dir super. Ich kenn ja das Problem Geschmack vs Figur, ich bin ja auch recht klein mit breiten Hüften, da sehen manche Sachen einfach komisch aus. Aber für eine "Notlösung" ist das doch ein super Rock. Taschen könntest du vielleicht noch nachträglich machen, wenn sich rausstellt, dass du gern welche hättest, ich finde, bei Jeans gehen auch aufgesetzte Taschen...

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    1. Gute Idee - vielleicht überkommt's mich ja noch mit den Taschen :)

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  7. Oh, der sieht aber toll aus! Ich finds eh immer so hammer, wenn Leute ihre Kleidung selber nähen...ich bin da völlig talentfrei und zudem auch nicht geduldig genug, um es zu lernen.

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    1. Danke! Ja, Geduld ist leider eine der wenigen Voraussetzung für Kleidernähen ... aber man muss ja nicht alles können :)

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