Donnerstag, 30. August 2012

Asymmetrischer Gambeson - Teil 4

Der nächste Schritt ist einfach: Gambesonteile aufeinanderlegen (weil der Gambeson asymmetrisch ist, darauf achten, dass die Vorderteile jeweils auf der richtigen Seite liegen! Einfacher ist das natürlich, wenn das Futter sich vom Oberstoff unterscheidet), Schulter- und Seitenkanten zusammenstecken und zusammennähen.
Das geht theoretisch ziemlich leicht; praktisch wälzt man jetzt relativ große und schwere und - wenn man mehr Deckeneinlage verwendet hat - auch ziemlich dicke Stoffmassen herum, aber es sind ja nur wenige Nähte …
(davon gibts kein Foto, man erkennt sowieso nicht viel)

Wenn man das geschafft hat, kann man den Stehkragen annähen: Ich lege den Kragen mit der Oberstoffseite nach unten auf die Oberstoffseite vom Rückenteil und stecke die Unterkante am Halsausschnitt fest. Dabei fange ich in der Mitte des hinteren Halsausschnitts an, weil mein Kragen vorn offen ist (das ist bequemer bei dem recht hohen Kragen) Festnähen - geht schnell bei dem kleinen Teil.



Und dann kommt der Superspezialgeheimtipp für Stehkrägen: Ich klappe den Kragen hoch, die Nahtzugabe nach unten und nähe auf der Außenseite des Halsausschnittes ca. 3 mm unterhalb des Kragenansatzes entlang, sodass die untere Kragen-Nahtzugabe innen am Halsausschnitt festgehalten wird. Das verhindert, dass der Kragen nach außen wegklappt und sorgt dafür, dass er schön aufrecht steht.


Der nächste Schritt ist das Einfassen der übrigen Kanten mit Schrägband. Für die kniffligen Ecken gibt es verschiedene Methoden - man kann ein Fältchen ins Schrägband legen oder - so habe ich’s gemacht - bis zur Ecke nähen, Schrägband abschneiden und neu ansetzen und dabei das Schrägbandende nach innen umschlagen.

So sieht der Gambeson jetzt aus:


Es fehlen noch die Ärmel.

Zunächst drehe ich den Gambeson auf links (Futterseite nach außen) und die Ärmel auf rechts (Futterseite nach innen).
Dann lege ich die Ärmel in den Gambeson hinein und deren obere Nahtzugaben auf die Nahtzugaben des Ärmellochs und stecke sie am Schulternahtende und am Seitennahtende fest (darauf achten, dass der Ärmel richtig herum ist!). Dann stecke ich den Rest fest und zwar angefangen bei der Schulternaht bis zum Seitennahtende, weil der untere Teil des Ärmellochs schräg geschnitten und damit ein bisschen dehnbar ist - dort kann man es ausgleichen, wenn der Ärmel doch nicht exakt ins Ärmelloch passt.


Das wiederhole ich auf der anderen Seite des Ärmels und beim zweiten Ärmel und dann wird zusammengenäht!

Hier freut sich, wer eine Freiarm-Nähmaschine hat, der kann den Ärmel nämlich über den Freiarm stülpen und auf dem Torsoteil rundherum nähen.
Wer keine hat, näht besser innen auf dem Ärmelteil - der kleinste Freiarm der Welt ist das Nähmaschinenfüßchen …


Faaaast fertig! Die Ärmelsäume fehlen noch und die Verschlüsse. Dazu muss die Empfängerin den Gambeson aber anprobieren, damit Weite und Ärmellänge wirklich stimmen. Das mache ich am 30.8., da kommt sie mich nämlich besuchen, bevor wir am folgenden Wochenende auf ein Con fahren und den Gambeson einweihen.
Die Verschlüsse kann ich bis dahin schon mal basteln. Für heute ist aber erstmal Pause!

Die anderen Teile:
Teil 1
Teil 4
Teil 5

Lg
Nria

Mittwoch, 29. August 2012

Tauschticket

Seit mehr als fünf Jahren bin ich bei der Online-Tauschbörse Tauschticket angemeldet. Dort werden keine digitalen Medien getauscht, sondern echte, und nicht nur Medien, sondern so ziemlich alles - Bücher, CDs, DVDs, Spiele (Computer- und Brettspiele), Kleidung und "Alles Mögliche".

Das funktioniert so:
1. Man bietet einen Artikel an. Man beschreibt ihn, gibt an, wieviele "Tickets" (1-5) man dafür haben möchte und stellt ihn in der passenden Kategorie ein.

2. Jemand möchte den Artikel haben und klickt auf "Anfordern". Dafür erhält der Anbieter die geforderte Anzahl Tickets und Tauschticket bekommt 49 Cent Tauschgebühr (man zahlt vorher ein entsprechendes Tauschguthaben ein, z.B. 5 €, das reicht für ein paar Tauschvorgänge).

3. Der Anbieter hat 7 Tage Zeit, den Tausch zu bestätigen. Tut er das nicht (z.B. weil der angebotene Artikel mittlerweile leider vom Hund gefressen wurde), bekommt der Anforderer Tickets und Geld zurück. Wenn er bestätigt (was der Normalfall ist), sollte er den Artikel zeitnah verschicken, sodass er binnen 14 Tagen den Empfänger erreicht.

4. Ist der Artikel eingetroffen, wird der Anbieter vom Anforderer bewertet, dazu hat er 6 Wochen (ab Bestätigung) Zeit. Ist alles ok, gibt man 5 Sterne.
Nach 6 Wochen bekommt der Anbieter automatisch eine 5 Sterne-Bewertung vom System.
Ist der Artikel nicht angekommen (bei der Post geht nunmal leider ab und an etwas verloren), vergibt man 0 Sterne und soll man das System anschreiben und die Tauschgarantie in Anspruch nehmen, dann gibts die Ticket zurück (der Anbieter behält seine Tickets aber).

Tipps:
- am besten laufen natürlich aktuelle Artikel, aber auch das 10 Jahre alte Buch kann noch einen Interessenten finden

- wichtig dafür ist eine genaue Beschreibung der Artikel (bei Büchern: Knicke im Buchrücken und anderswo, Flecken, angestoßene Ecken, ist der Schnitt noch gerade oder hat er vom Lesen Schieflage, Flecken, ganz wichtig: Raucherhaushalt oder nicht ...; bei CDs Kratzer, bei Kleidung Maßangaben usw.), am besten mit Foto des Artikels (teilweise geht auch Scannen)

- realistische Preisvorstellungen! Es gibt keine offiziellen Angaben zum Wert eines Tickets und jeder sieht das etwas anderes. Wer von Anfang an dabei war (vor Jahren hieß es noch Buchticket, man konnte nur Bücher tauschen und alles kostete 1 Ticket), sieht oft immer noch 1 Taschenbuch, also ca. 10 €, als Wert für ein Ticket an, viele aber auch nur 5 €, manche gar nur ein paar Cent ... wenn man den Artikel dauerhaft nicht loswird, ist er wohl zu teuer und man sollte den Preis senken.

- für Tipps und Hilfe gibt es ein nettes Forum, man findet den Button links neben "Mein Tauschticket"

- das Wichtigste: freundlich und sachlich bleiben! Sowohl in den PNs als auch bei der Gegenbewertung (man kann als Anbieter die erhaltene Bewertung kurz kommentieren). Bei den PNs, damit eventuelle Streitigkeiten nicht eskalieren. Bei der Gegenbewertung, weil die nur im eigenen Profil und nicht beim Anforderer angezeigt wird, d.h. wer ausfällig wird, schadet nur sich selbst. Und überhaupt - Freundlichkeit schadet nie und so macht es allen mehr Spaß.

Ich habe seit Anfang 2007 ausschließlich positive Erfahrungen gemacht, einen Haufen tolle Dinge ertauscht, viele nicht mehr benötigte Sachen losgeworden und ganz viel Geld gespart!

Wer interessiert ist, kann sich hier anmelden.

Dienstag, 28. August 2012

Asymmetrischer Gambeson - Teil 3

Erstmal kommen die Vorderteile an die Reihe (ich arbeite mich nacheinander bis zum großen Rückenteil voran und dann kommt zur Entspannung der Kragen). Auch die werden wie gehabt zum Sandwich zusammengelegt, mit Streifen bemalt und zusammengesteckt. Diesmal mit mehr Stecknadeln, weil doch ganz schön viel Stoff im Spiel ist und der ja nicht wegflutschen soll.
Vorm Nähen habe ich die beiden Vorderteile nochmal nebeneinander gelegt, damit ich sicher bin, dass bei beiden die Kreidelinien auf der gleichen Seite sind.

Sieht jetzt aus wie Nadelstreifen mit bunten Pünktchen, sehr geschmackvoll!


 Aber das bleibt natürlich nicht so, nach ein bisschen Fleiß sieht das Ganze so aus:


Und das gleiche Spiel mit dem Rückenteil; dem habe ich den gleichen Prozess angedeihen lassen und jetzt sieht es so aus:


Sieht doch schon nach DIY-Gambeson-Fertig-Bauteilen aus!
Aber was fehlt da noch? Richtig, der Stehkragen. Aber der kommt morgen. Heute hab ich keine Lust mehr! :D

[An dieser Stelle denkt ihr euch jetzt eine Nacht]

Und weiter geht’s!

Jetzt kommt der Stehkragen an die Reihe. Hat sich sicher schon vernachlässigt gefühlt.
Aber das geht jetzt ganz fix, ist ja nur ein kleines Teil:


Hier gehe ich ein kleines bisschen anders vor - der Kragen ist ja direkt am Gesicht und soll daher sehr ordentlich aussehen. Deshalb wird er nicht mit Schrägband eingefasst, sondern verstürzt. Also, erster Schritt: Die beiden Kragenteile rechts auf rechts aufeinanderlegen und die Oberkante und die Seitenkanten zusammennähen (siehe aufgemalte Nahtlinie, oberes Bild). Danach umstülpen und die Deckenfüllung hineinlegen. Hier ist es wichtig, die Füllung ohne Nahtzugaben zuzuschneiden und am besten noch ein bisschen kleiner, damit die Füllung auch wirklich in den Kragen hineinpasst, ohne sich zu knubbeln. Dann die untere Öffnung mit Stecknadeln zusammenstecken und mit Zickzackstich zunähen und die Abstepplinien aufmalen (siehe mittleres Bild).
Jetzt muss nur noch abgesteppt werden, das geht ganz schnell, und der Stehkragen ist fertig! (unteres Bild)
Theoretisch kann man auch den ganzen Gambeson auf diese Weise machen. also, beim Rückenteil die Unterkanten samt Schlitz verstürzen, beim Vorderteil Unter- und Vorderkanten und bei den Ärmeln die Saumkanten. Aber das ist ein bisschen friemelig (habe ich bei meinem ersten Gambeson so gemacht). Deshalb mache ich es diesmal anders.

Wo wir gerade bei friemeligen Sachen sind: Als nächstes kommt der Schlitz an die Reihe. Der ist richtig friemelig!
Übrigens gibt es nach einer weiteren Besprechung mit der Gambeson-Empfängerin eine Änderung: Die Gambeson-Kanten werden doch nicht mit Besätzen verarbeitet, sondern mit schwarzem Schrägband eingefasst. Für vielseitigere Verwendbarkeit. Ich beschwer mich nicht, ist weniger Arbeit :D

Außer bei den Schlitzen, da ist alles Arbeit, egal, was man damit macht …
Deshalb werde ich sie einfassen, bevor ich die Gambeson-Teile zusammennähe. Bei kniffligen Stellen ist es mir lieber, wenn ich keine großen Stoffmassen über den Tisch wälzen muss.

Erstmal zum Schrägband und dessen Verarbeitung an sich:
Ich habe immer eine 100m-Rolle vorgefalztes Schrägband in Schwarz und Weiß vorrätig, gibt’s für ca. 22 € inkl. Versand bei Ebay. Wenn man häufiger Schrägband verwendet, lohnt sich das. Es gibt aber auch kleinere Rollen. Die kleinen 5m-Packungen im Stoffladen kaufe ich nur noch in Ausnahmefällen, die sind recht teuer. Man kann Schrägband auch selbermachen, aber das mache ich nur bei speziellen Farben oder gemusterten Stoffen.
 
Beim Einfassen gibt’s generell zwei Methoden: Die ordentliche und die für Faule (Schrägband mittig falten, um die Stoffkante legen und annähen. Ich mach natürlich letzteres :D

Bei einem Schlitz ist das aber schwierig. Es funktioniert ganz gut, wenn man den Schlitz zu einer Kurve auseinanderzieht, das Schrägband gut feststeckt und dran entlangnäht.


Erfordert etwas Übung und viel Sorgfalt, aber das Ergebnis sieht ganz gut aus (die Naht ist nicht ganz gleichmäßig, weil ich dummerweise auf der Rückseite angefangen hatte zu nähen ... vielleicht korrigier ich das noch, aber es fällt auf dem aufgehellten Bild natürlich deutlich mehr auf als in der rabenschwarzen Realität!):


Na also, das hätten wir! Erstmal von der Friemelei erholen und nachher wird aus den Gambesonteilen endlich ein Gambeson gemacht!

Die anderen Teile:
Teil 1
Teil 3
Teil 5



Lg
Nria

Sonntag, 26. August 2012

7 Sachen [2]

Nach einer Idee von Frau Liebe:
Immer wieder sonntags ... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig.



Noch vorm Frühstück den Nachtzirkus weitergeblättert.




Die letzten Spuren des Epic Empires in meinem Schlafzimmer beseitigt.



Gebügelt.



Schwarzes Garn aus- und weißes Garn eingefädelt, und wieder zurück.






Einfach-nur-so-Postkarten zum Verschicken an Freunde rausgesucht.



Gerätselt.






Nägel von Wochenend-Pink wieder auf Praktikums-Nude umlackiert.

Samstag, 25. August 2012

Asymmetrischer Gambeson - Teil 2

Wenn ich eine Tunika wollte, wäre die lästige Zuschneidearbeit jetzt erledigt. Weil’s aber ein Gambeson werden soll, kommt jetzt das gleiche Spielchen nochmal mit der Füllung:



Ich verwende eine Armeedecke, die ist ca. 5 mm hoch und für einen dünnen Gambeson gut geeignet. Einige empfehlen Umzugsdecken, aber alle, die ich gefunden habe, waren viel zu dünn und ich hätte 3 Schichten nehmen müssen. Mehrere Schichten können aber gegeneinander verrutschen, das ist friemeliger und nichtmal billiger (angeblich gibt es Umzugsdecken ab 2-3 €, aber ich hab nur welche für 5-6 € gefunden).

Wer schlau ist, schneidet die Füllungsteile ca. 5-10 mm kleiner zu als die Außenstoffteile. Erstens hat man dann weniger Volumen in der Nahtzugabe und zweites nicht die Gefahr, dass die Deckenfüllung aus der Nahtzugabe rausguckt. Hat ja nicht die gleiche Farbe wie das Leinen und das sieht dann weniger hübsch aus …

Nächster Schritt: Die Steppnähte. Das dauert ein Weilchen, zur Motivation fange ich mit den Ärmeln an, die sind am kleinsten.

Zunächst male ich die Stepplinien auf. Und zwar auf dem Futter, nicht dem Oberstoff (hier ist beides das gleiche Material, da muss ich etwas aufpassen). Schneiderkreide geht zwar theoretisch wieder raus, aber praktisch bleibt gerne was in den Nähten haften.



Ich fange in der Mitte an und male die Streifen zum Rand hin auf. Unverzichtbar: Mein 1m-Aldi-Alulineal. Ganz zuuuufällig ist es genauso breit, wie die Streifen werden sollen ;)

Dann erst mal ein Sandwich basteln: Futter mit der linken Stoffseite nach oben hinlegen, darauf das Füllmaterial, darauf den Oberstoff mit der rechten Stoffseite nach oben. Wenn man will, kann man vorher die Ärmelunterkanten von Ober- und Futterstoff zusammennähen, aber einfacher ist es, hinterher alle Säume mit Schrägband zu verarbeiten.
Und alles schön zusammenstecken - man kann auch noch zwischen den Streifen den Stoff mit Stecknadeln fixieren, aber dazu hatte ich keine Lust :D (bei den großen Teilen werde ich das wohl machen müssen)


Jetzt wird fleißig abgesteppt! Immer schön gerade auf der Linie lang, das geht bei mir ziemlich fix; wer weniger Übung beim Nähen hat, sollte sich Zeit lassen, denn über wacklige Absteppnähte ärgert man sich hinterher.
Zur Belohnung kriegt man hinterher einen halbfertigen Ärmel:


Wie man sieht, erkennt man noch Schneiderkreidespuren. Deshalb kommt diese Seite nach innen.
Die drei Sandwich-Schichten werden jetzt von den Steppnähten zusammengehalten, die Außenkanten sind aber noch offen. Deshalb werden sie jetzt versäubert (d.h. ich nähe mit Zickzackstich an der Kante entlang, der innere Stich im Stoff, der äußere neben dem Stoff, sodass die Kante durch den Stich eingerahmt wird), damit das Leinen nicht ausfranst (Leinen ist schließlich sehr fransefreudig) und die Füllung bei der Nahtzugabe wirklich nicht mehr rausgucken kann.

Zugegeben, den Stich selbst kann man nicht wirklich erkennen (wie auch, bei Schwarz auf Schwarz), aber man sieht den Effekt ganz gut. Die Kanten sind jetzt geschlossen und die Nahtzugaben sind flacher als der Rest und sollten sich ganz gut nähen lassen.














Bevor die Ärmelnähte geschlossen werden, wäre ein guter Zeitpunkt, um die Ärmelsäume mit Schrägband oder einem breiten Besatz einzufassen. Das mache ich aber noch nicht, weil der Gambeson nicht für mich ist und ich den lieber nochmal anprobieren lasse, bevor ich die Säume fertigstelle. Deshalb nähe ich jetzt die Ärmelseitennähte und trenne sie eben später wieder auf, ist ja kein Akt.



Hurra, ich habe 2 fertige* Ärmel!
(*ok, ok, der Saum fehlt noch ...)

Nachher geht’s weiter mit den großen Teilen.

Die anderen Teile:
Teil 1
Teil 2
Teil 5



 Lg
Nria

Freitag, 24. August 2012

Kunstblut-Test Teil 1

Zum Epic Empires habe ich zum ersten Mal Kunstblut selbst gemacht, nach diesem Rezept - verdünnter Rote-Bete-Saft mit Stärke angedickt und mit etwas Zuckerkulör gefärbt. Auch, wenn es etwas gemüsig riecht, es sieht klasse aus und man kann es problemlos in den Mund nehmen. Insoweit war ich zufrieden.
Bevor ich das Rezept zu meinem Standard-Rezept erkläre, mache ich jetzt aber einen Test zur Auswaschbarkeit.





 Die frisch eingetunkten Läppchen gab es ja schon am Montag zu bewundern, nochmal zur Erinnerung die frische Farbe:



Die Wolle zu verdrecken, war gar nicht so einfach. Wie an den Läppchen unten links und rechts zu erkennen, wollte sie sich nicht richtig einsauen lassen, sondern hat das Kunstblut stur abperlen lassen - so benötigten die Wollläppchen einige Überredungskunst in Form von Eintunken über Nacht.





Inzwischen ist alles brav getrocknet. Ich habe zuwenig Zuckerkulör verwendet, daher ist es im getrockneten Zustand sehr rosa - mit ausreichender brauner Zuckerkulörmenge sollte das schöner sein.


Von links nach rechts: Seide, Leinen, Baumwolle, Wolle. Alle Stoffläppchen sind vorgewaschen und nicht imprägniert o.ä.

Als nächstes wird gewaschen. Per Hand, im Wollwaschgang, und Leinen und Baumwolle auch im Normalwaschgang mit Vollwaschmittel. Man darf gespannt sein!

alles Liebe,
Hana

Mittwoch, 22. August 2012

Asymmetrischer Gambeson - Teil 1

Momentan nähe ich für eine Freundin einen Gambeson. Es gibt hier zwar schon einige Gambeson-Bastelblogs, aber die sind entweder nicht so ausführlich oder hören mittendrin auf oder oder oder.
Deshalb mache ich jetzt auch einen. Möglichst kleinschrittig. Vielleicht hilft's ja jemandem, der sich auch mal dranwagen will!
Einen Gambeson kann man auf zwei Arten herstellen: Entweder näht man Oberstoff und Futter zusammen, steppt Röhren ab und stopft diese Röhren aus (Nachteil: Man tendiert dazu, zunächst zuwenig Füllung zu verwenden und muss immer wieder nachstopfen, zudem wird der Gambeson dadurch ziemlich schwer) oder man legt Stofflagen oder Vlies zwischen Oberstoff und Futter und steppt diese Schichten ab.

Ich mache es mir einfach, verwende ich die zweitgenannte Methode und greife statt auf viele Stofflagen auf ein dünnes Polster aus Wolldecke zurück. Das habe ich vor ein paar Jahren schon mal gemacht, als ich meinen ersten Gambeson genäht habe – sieht gut aus, polstert ausreichend und ist einfach herzustellen.

So soll das Ergebnis aussehen:

 Ein etwa knielanger Gambeson mit langen Ärmeln, längs abgesteppt, asymmetrisches Vorderteil, Besätze entlang der Säume, Stehkragen, mit Schnallen geschlossen.

Ein Probeteil habe ich schonmal gemacht:


Beim Gambeson hilft das zwar nur halbwegs, weil sich eine Lage Stoff anders verhält als mehrere Lagen Stoff mit dicker Einlage, aber zumindest erkennt man, ob Länge und Weite ungefähr passt, bevor man sich stundenlang mit Absteppen beschäftigt.

















Und los geht’s!
Normalerweise nehme ich für einen Gambeson einfach das Schnittmuster für eine Tunika (z.B. eins von diesen), plus ein bisschen Zugabe (denn erstens wird der Gambeson über die Tunika gezogen und zweitens geht durch das Absteppen mit der Füllung etwas Weite verloren – klar, der Stoff hat dann Wellenform statt einer geraden Fläche, und eine Wellenlinie ist länger als eine Gerade).



Hier ist das Rückenteil schon auf den Ober- und Futterstoff aufgemalt (Leinen). Ja, der Gambeson wird schwarz! Da er hauptsächlich für Charaktere in Weiß-Schwarz eingesetzt werden soll, ist das ein schöner Kontrast. Und man sieht keine rosa Kunstblutflecken drauf …
 Für diesen Gambeson ist der Schnitt ein klein wenig kniffliger, denn meine Freundin hat sich einen asymmetrischen Gambeson gewünscht, sprich, vorn soll der Verschluss in der Mitte, sondern seitlich versetzt liegen.
Dazu zeichne ich beim Schnitt zunächst die Mittellinie ein und versetze sie dann bis zum Schulternahtansatz neben dem Halsausschnitt. Im Gegensatz zum Gambeson mit Verschluss in der Mitte brauche ich dann nicht zwei gleiche Vorderteile (die einfach halbierte Rückenteile mit etwas tieferem Halsausschnitt wären), sondern ein breiteres Vorderteil und ein normales, das bis zur Mitte reicht (die beiden Vorderteile müssen sich ja ein bisschen überlappen).


Das Ergebnis sieht dann interessanter aus als der 08/15-Gambeson, erhöht aber den Stoffverbrauch, weil die beiden Vorderteile jetzt nicht mehr nebeneinander auf den Stoff passen.
Auch zu sehen: Der Stehkragen (der Schnitt ist simpel, ein leicht geschwungener Streifen, die Seiten etwas abgeschrägt, siehe Skizze) und mein wichtigstes Hilfsmittel, der Kreideminenstift. Wie konnte ich je ohne leben!

 Jetzt noch die Ärmel! Die Ärmelkugel ist improvisiert wie immer: Bei der Tunika habe ich einen schönen geschwungenen Armausschnitt gemalt. Für die Höhe der Ärmelkugel messe ich die Breite des Armausschnitts (blau), für die Breite der Ärmelkugel die Höhe des Armausschnitts (gelb), jetzt messe ich die Länge des Armausschnitts (rot - und zwar die Nahtlinie, nicht die Nahtzugabe!) und male eine geschwungene Linie in dieser Länge als Ärmelkugel auf. Bzw. in doppelter Länge.
Ggf. muss man dabei die Ärmelkugelbreite und/oder -höhe etwas verändern; wichtig ist, dass die rote Linie übereinstimmt.




Und so sieht das platzsparend aufgemalt aus:


 Jetzt wird fröhlich auf dem Boden herumgekrabbelt und ausgeschnitten!

Die anderen Teile:
Teil 1 Teil 5



Lg
Nria

Montag, 20. August 2012

7 Sachen [1]

Nach einer Idee von Frau Liebe:
Immer wieder sonntags ... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig.

Eine geheimnisvolle (und leider ziemlich teure) Box ausgepackt.
  
Noch schnell ein paar weiße Läppchen in Kunstblut getaucht.

Im Zug Buchseiten umgeblättert.

 Eine Menge Jugendherbergstüren geöffnet.

Einen Torbogen vermessen.

 Jugendherbergsräume fotografiert.

Ein wohlverdientes Spaghettieis gelöffelt.

Mittwoch, 1. August 2012

Mehr unperfekte Schuhe

Neulich war ich bei Primark - vor allem aus Neugierde, ich hatte diesen Namen so oft auf Blogs gelesen und noch nie so einen Laden betreten. Wahnsinn, 6 Etagen billiges Zeug ... jetzt ist mir auch klar, warum die Blogwelt da so viel kauft. Mein Ding war es nicht, mir war es zu voll, zu billig, vom Stil das meiste zu sehr an Teenies gerichtet. Aber ein Paar Schuhe ist dann irgendwie doch mitgekommen ...


Das ist schon die fertig bearbeitete Variante. Aber ich hatte kein erster-Eindruck-Bild gemacht ;)

Die Schuhe hatten das übliche Problem: Zu hohe Fersenpartie. Ermutigt von meinen Larp-Schläppchen habe ich auch hier zur Schere gegriffen - allerdings erst die Kunstledereinfassung im hinteren Bereich abgetrennt.
Dann musste die Einfassung wieder drum. Ich habe einiges probiert: Nachdem es bei den Larpschuhen so gut geklappt hatte, natürlich erst wieder mein geliebter Pattex, aber sowohl die Classic-Variante als auch die eigentlich hochbewährte Pattex Repair haben mich im Stich gelassen - die Klebefläche ist einfach zu klein (okay, und meine Tube schon zu leer für wirklich guten gleichmäßigen Auftrag).
Mein nächster Versuch war, die Schuhe unter die Nähmaschine zu quetschen. Das ging an der Seitenfläche einigermaßen ... sagen wir eher, mäßig gut und mäßig gleichmäßig. An der Rundung über der Ferse hatte ich dann keine Chance mehr, Schuh und Nähmaschinenarm waren sich zu sehr gegenseitig im Weg.


 Also hab ich zu Nadel und Ledergarn gegriffen - was erstaunlich gut ging, die Nadel ging durch wie durch Butter, nichtmal einen Fingerhut brauchte ich. Hier nochmal der Vergleich: Unterer Schuh unbearbeitet und mit Originalnaht, oberer Schuh hinten mit Handnaht, in seitlich ein Stück mit hellerem Faden und recht huckelig genähter Maschinennaht und vorn wieder original.

Ich bin superzufrieden. Keine harte Kante mehr im Fersengelenk!
Bei allen Schuhformen klappt das wohl leider nicht, wie schade ...

alles Liebe,
Hana